Wilfried Spürck
· 08.02.2024
Wesermarsch, das bezeichnet zunächst einmal einen Landkreis im Bundesland Niedersachsen. Der erstreckt sich ungefähr von der Mündung der Ochtum in die Weser circa zehn Kilometer nordwestlich von Bremen über rund 100 Kilometer nach Norden bis an die Nordseeküste nach Langwarden auf der Halbinsel Butjadingen am Jadebusen. Ein paar Kilometer südlich von dort liegt Eckwardenhörne, das durch eine Fähre mit dem gegenüberliegenden Wilhelmshaven verbunden ist. Die größte Ausdehnung in der Breite erreicht der Landkreis etwa zwischen Jaderberg und Brake an der Unterweser mit circa 25 Kilometern. Die Landschaft Wesermarsch reicht teilweise auch in andere Landkreise hinein. Sie ist geprägt durch das Wasser der Flüsse Weser und Hunte sowie der Nordsee. Das Marschland wird durch Deiche vor Hochwasser und Sturmfluten geschützt. Dazu bieten Ortschaften und kleinen Städte mit ihren Stränden, Häfen, Promenaden und dem Schiffsverkehr maritimes Flair. Auch die Moore sind typisch für die Region, das spektakulärste ist das Schwimmende Moor am Jadebusen als herausragendes Naturdenkmal.
Aber auch Fachwerkhäuser, Mühlen und Milchhäuser ("Melkhus") für kleine Pause zwischendurch verleihen der Wesermarsch einen besonderen Charme. Die beste Nachricht für Radtouren-Fans: Das Gebiet lässt sich hervorragend aus Sattel erkunden. Insgesamt 870 Kilometer umfasst das Radwegenetz dort. Dank seiner hohen Qualität mit überwiegend asphaltierten und ausgeschilderten flachen Strecken, ausgeprägten Serviceangebot sowie einer recht guten Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz wurde die Wesermarsch 2018 vom ADFC zur Radreiseregion gekürt. Insgesamt 14 Touren erhielten dieses spezielle Gütesiegel. Wir haben sieben Tagestouren ausgewählt, die einen Querschnitt der Region abbilden sollen. Fast alle tragen das ADFC-Siegel. Ausnahmen sind die Tour Brake Nord, die sich aber fast mit der ausgezeichneten "Brake und umzu" deckt, und die "Deichroute des Oldenburg Deichbandes", die uns besonders interessant erscheint.
Tour: 55 km | Start/Ziel: Eckwarderhörne/Wilhelmshaven
Der Jadebusen eignet sich in besonderer Art und Weise, per Fahrradtour das Naturschauspiel von Ebbe und Flut zu erleben, wenn zweimal täglich das Wasser der 190 Quadratkilometer großen Meeresbucht in die Nordsee und wieder zurück fließt. Das Gebiet gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, das gemeinsam mit anderen Nationalparken des Nordens zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Der Weg der 2015 eröffneten Route führt von Eckwarderhörne aus immer so nah wie möglich an der Küstenlinie entlang, einmal herum um die Bucht nach Wilhelmshaven – oder umkehrt. Radler durchqueren dabei außer der Wesermarsch auch den Landkreis Friesland und lernen die ganze Vielfalt natürlicher und menschengemachter Besonderheiten dieser Küsten kennen. Dazu zählen geologische Phänomene, seltene Tier- und Pflanzenarten, Landschafts- und Kulturgeschichte, prägende Landmarken und Bauwerke, Schlick- und Sandwatt, Deiche und Hafenstädte. Die Tour bietet viele Rastmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte. Fünf Umweltperiskope, vier davon Jahr 2015 aufgestellt, laden in Eckwarderhörne, Sehestedt am Vareler Hafen sowie in Dangast and Cäciliengroden dazu ein,
die bedeutendstenmarken des Jadebusenufers unverbaut über die weite
Watt-und Wasserfläche der Bucht in Augenschein zu nehmen. Durch die Gucklöcher der Sehrohre ernen sich sonst nicht erkennbare Details.
Hinweis: Rund 10–15 km südlich von Eckwarderhörne muss das Rad ca. 1 km geschoben werden.
Im Sommer verkehrt eine Personen-Fahrrad-Fähre zwischen Wilhelmshaven und Eckwarderhörne.
Tour: 35 km | Start/Ziel: Rodenkirchen
Einmal um und durch die Gemeinde Stadland führt diese Runde. Die Region zwischen den Westufern der Weser und des Jadebusens bietet eine saftig-grüne Landschaft mit charakteristisch durch den Wind gebeugten Bäumen. Den Mittelpunkt der Route bildet die Seefelder Mühle von 1876 unweit der Küste des Jadebusens, die sich zu einem regional bekannten Kulturzentrum gewandelt hat. Startpunkt ist der Marktplatz des kleinen Weserortes Rodenkirchen, von dort geht es auf ruhigen Wirtschaftswegen erst westlich, dann nördlich Richtung Seefeld. Der Blick geht in schier endlose Weiten. Radler passieren große landwirtschaftliche Betriebe ebenso wie kleine Bauernhöfe – und die gesamte Tour begleitet auch die Aussicht auf riesige Windkraftanlagen am Horizont, die dem Gebiet inzwischen ebenso ihren Stempel aufdrücken.
Hofläden auf dem Weg wie Hof Butendiek (hof-butendiek.de) oder Moorfreude (blog.moorfreude.de)
Infos
stadland.de
Tour: 41,4 km, flach | Start/Ziel: Nordenham
Diese Tour verleiht dem Meer ihr besonderes Flair. Es locken vor allem bei warmen Temperaturen entspannte und vergnügliche Strandaufenthalte, herrliche Impressionen Marschlandes und der Blick auf die Nordsee hinaus, die sich hinter der Mündungsenge bei Nordenham weitet. Der Start- und Zielort liegt an der Weser-Mündung in die Nord, gegenüber von Bremerhaven. Er ist mit über 25.000 Einwohnern die größte Stadt des Wesermarsch-Kreises und bietet auch Gelegenheit zum Sightseeing und Einren. Nordwestlich führt die Runde Richtung Halbinsel Butjadingen einen alten Bahndamm entlang durch das Marschland. Dann geht es über das Nordseebad Burhave den Deich wieder zurück nach Nordenham.
Tour: 53 km | Start/Ziel: Tweelbäker See (Oldenburg)/Delmenhorst-Hasbergen
Immer den Deich entlang! So einfach das Motto, so vielfältig die Eindrücke auf dieser Tour, die durch drei Flüsse geprägt ist. Sie führt vom Tweelbäkker See in Oldenburg zunächst an der Hunte entlang nordöstlich bis kurz vor Elsfleth, wo sie nach Süden abbiegt und eine Zeit lang der Weser folgt, bis zur Mündung der Ochtum. Entlang dieses Wesernebenflusses verläuft die Strecke eine Weile, entfernt sich dann von dieser und endet in Delmenhorst-Hasbergen an der dortigen Kirche.
Ausgewiesen wurde dieser Radweg vor rund zehn Jahren vom im 19. Jahrhundert gegründeten I. Oldenburgischen Deichband mit Unterstützung zahlreicher Kopartner. Der Verband kümmert sich um den Deichschutz, damit die Menschen in diesem von drei Seiten durch das Wasser der genannten Flüsse bedrohten Land sicher leben können. Die Route führt zu 25 Plätzen und informiert dort jeweils auf Schautafeln über die Arbeit des Deichbandes. So vermittelt sie lebendig Wissen und macht für Radfahrer 1.000 Jahre altes Kulturland erlebbar. Sie durchqueren einen rein landwirtschaftlich geprägten Bereich neben der Seeschifffahrtsstraße Hunte, eine an den De angelehnte historische Siedlungsreihe, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, und passieren moderne Werften sowie Industriebetriebe an der Großschifffahrtstraße Weser.
Einkehr im Landcafé Moorriem in Bardenfleth/Elsfleth (moorriemerlandcafe.de)
erster-oldenburgischer-deichband.de
Tour: 22 km | Start/Ziel: Brake Nord
In der 15.000 Einwohner zählende Kreisstadt Brake an der Unterweser, die sich im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Industriestandort der Schifffahrt entwickelte, dreht sich fast alles ums Wasser: die charmante Uferpromenade, der von dort beobachtbare Schiffsverkehr – ein kleines Spektakel, denn täglich passieren hier tonnenschwere Ozeanriesen – , der Hafen als Herz der Stadt, die Kaianlage mit großen Getreidesilos nördlich vom Stadtkern, der malerische Binnenhafen oder das Schifffahrtsmuseum. Raus geht es auf dem Deich nach Süden vorbei an Kapitäns- und Reeder-Villen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, weiter nach OstenRichtung Norderfeld. Dort biegt die Route wieder nach Süden ab, das Auge erblickt schmucke alte Bauernhäuser und -Gärten. Kurz hinter der St. Bartholomäuskirche geht es nach Osten an den Weserdeich, wo man seinen Blick schweifen lassen kann, und wieder rein nach Brake.
Pause im Melkhus Schildt
brake.de
Tour: 35 km | Start/Ziel: Touristik-Info Kaje Elsfleth
Die Rundtour bietet vieles von dem, was typisch ist für die Wesermarsch. Das Städtchen Elsfleth mit Strand, kulturellem Angebot und einem Yachthafen, Fachwerkdörfer wie Neuendorf, Bauerngärten, Moore, Teiche und hübsche kleine zur Rast einladende Ortschaften mit ihren Bauernkaten. Radfahrer können weite Blicke von den Deichen in die Marsch und die große Ruhe dort genießen. Mit den Gellener Torfmöörten wartet ein echtes Naturhighlight. Das 120 Hektar große Naturschutzgebiet besteht aus einem Hochmoor- und Niedermoorkomplex mit brach liegendem Moorgrünland, Teichen, Verlandungs- und Waldgesellschaften sowie Torfstichen und Moorheiden. Dort wächst die recht seltene Sumpfcalla üppig, und zahlreiche Libellenarten finden sich hier.
elsfleth.de
Tour: 43,5 km | Start/Ziel: Oldenburg Hauptbahnhof
Von dem circa 170.000 Einwohner zählenden Oldenburg am Weser-Nebenfluss Hunte sind es nur wenige Kilometer bis in den Südwesten des Landkreises Wesermarsch. Die Großstadt hat einiges zu bieten: zum Beispiel eine große Fußgängerzone, Niedersachsens wichtigsten Binnenhafen und ein historisches Schloss. Das Umland ist von Mooren, Deichen und Marschland geprägt, die leichte Route mit wenig Steigungen macht den reizvollen Kontrast von Stadt und Land erfahrbar. Jenseits des städtischen Areals sind die Kühe und Schafe auf den Wiesen und Deichen ständige Begleiter, Radler erleben dort viele typische Facetten des Landlebens. Vom Start an derer-Ems-Halle geht es Richtung Pferdemarkt, wo man das Gebäude der Landesbibliothek erblickt, die 1792 eröffnet wurde. Den weiteren Weg prägen die als „Oldenburger Hundehütten“ bezeichneten typischen Giebelhäuser mit ihren schönen Fassaden- und Dachverzierungen. Sie stammen aus der Zeit von ungefähr 1875 bis 1920. Hinter Etzhorn, wo es zwei Brennereien zu besichtigen gibt, und dem früheren Oldenburger Stadtteil Wahnbek führt ein langer Moorweg mitten die Wesermarsch. Jahrhundertealte Bauernhäuser mit weißem Fachwerk und Reetdächern sind in dem Siedlungsgebiet Moorriem zu sehen, das die streift. Über das Naturschutzgebiet Gellener Torfmöörte fährt es sich vorbei am Großen Bornhorster See zurück ins Zentrum.
Einkehr im Landcafé Moorriem in Bardenfleth/Elsfleth (moorriemerlandcafe.de)
oldenburg-tourismus.de
Auto: Aus Richtung Osnabrück A1 bis Autobahndreieck „Ahlhorner Heide“, A29 Richtung Oldenburg/Wilhelmshaven bis Autobahnkreuz „Oldenburg Nord“, „weiter entweder der A29 Richtung Wilhelmshaven, Ausfahrt Jaderberg (10) ODER Autobahn Richtung Brake/Nordenham verlassen ODER B211
Aus Richtung Hannover/Bremen/Hamburg: Ab Bremen A27 Richtung Cuxhaven/Bremerhaven, Ausfahrt Stotel (11), Richtung Dedesdorf/Wesertunnel, Weser unterquerer oder Fährverbindungen (s. u.) nutzen
Bahn + Bus: Per Bundesbahn nach Bremen, von dort per Regionalbahn nach Berne, Elsfleth, Kirchhammelwarden, Brake, Rodenkirchen und Nordenham; von dort verkehren Busse in die ganze Wesermarsch; nach Jaderberg per Bahn über Bremen/Wilhelmshaven und Oldenburg; zwischen Oldenburg und Bremerhaven fährt der Buslinie 404, der „Weser Sprinter“ , mitten durch die Wesermarsch. vbw-wesermarsch.de
Fährverbindungen:
Die GPX-Daten zu den 7 Radtouren in der Wesermarsch finden Sie hier als kostenlosen Download.
Wesermarsch-Runde komplett: Rund 190 km von Nordenham über Burhave, Tossens und Eckwarderhörne auf der Halbinsel Butjadingen, dann südlich über Jaderberg, weiter südöstlich über Großenmeer und Berne bis zur Mündung der Ochtum in die Weser hinter Lemwerder und wieder nach Norden, meist an der Weser entlang, über Elsfleth, Brake und Rodenkirchen bis zum Ausgangspunkt Nordenham
Teilweise auch mit Serviceangeboten wie Reparaturen etc.
Weitere Unterkünfte über:
Typisch für die Region sind die Melkhüs, die in der Regel von Frühjahr bis Herbsttäglich geöffnet sind. Dort werden Erfrischungen und selbst zubereitete kleine Speisen angeboten – dass bei vielem Milch zum Einsatz kommt, versteht sich durch den Namen von selbst. Mit ihrem unverwechselbaren Design und der stets freundlichen Bedienung ermöglichen sie eine kleine Pause unterwegs, wie sie charmanter nicht sein könnte.
Bikeline-Radkarte „Wilhelmshaven, Wesermarsch Wilhelmshaven, Wesermarsch“; weiteres Material auf den Websites siehe unten