Knacken am Bike: Wo kommt's her? Knacken am Bike: Wo kommt's her? Knacken am Bike: Wo kommt's her?

Knarzen am Bike: Schrauberwissen

Knacken am Bike: Wo kommt's her?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 14 Tagen

Knarzen am Rad treibt Biker in den Wahnsinn. Wir zeigen die Stellen auf, an denen Knacken am häufigsten auftritt. Wie Profis gegen Knacken vorgehen, erklärt Velotech-Geschäftsführer Marco Brust im Interview.

Es soll schon so manchen Biker gegeben haben, der über sein Knacken zum Einzelgänger wurde. Denn was auf Ausfahrten allein schon nervt, kann den Teamgeist auf langen Touren erst recht zermürben. Das Problem: Häufig ist die Ursache des Knackens schwer zu finden. Dafür braucht es viel Ruhe, das richtige Werkzeug und natürlich das richtige Know-How. Was genau beim "Entknacken" und "Entknarzen" zum Erfolg führt, lesen Sie ab sofort in BIKE 2/2021.

Nervige Knackgeräusche an der Front müssen nicht immer vom Steuersatz ausgehen. Auch der Gabelschaft oder das Cockpit können die Ursachen dafür sein.

Aber welche Bauteile am Mountainbike können überhaupt knacken? Und welche sind die häufigsten Problemzonen? Einen knappen Überblick liefern wir hier schon vorab. Wie Profi-Schrauber vorgehen, um auch noch so leises Knacken auszumerzen, warum auch neue Bikes nervie Geräusche von sich geben können und warum speziell Carbon ein Problem sein kann, lest ihr unten im Interview mit Marco Brust, dem Geschäftsführer des akkreditierten Bike-Prüflabors Velotech.de.

Knacken am Bike: Notorische Problemzonen

Theoretisch kann Knacken und Knarzen am Bike überall dort auftreten, wo mehrere Bauteile sich gegeneinander verwinden oder aneinander reiben. Also eigentlich überall. Dennoch gibt es ein paar Stellen, an denen die Geräusche besonders häufig auftritt. Hier der Überblick:

Antrieb und Pedale: Wer an Knacken denkt, vermutet schnell den Antrieb als Ursache. Das Tretlager kann natürlich knacken, aber genauso können es die Kettenblätter sein, die nicht ausreichend fest mit der Kurbel verschraubt sind. Die häufigste und häufig übersehene Ursache aber sind die Pedale! Kein Wunder. Denn bei Cleats, Klick-Mechanismus, Achse und Verschraubung in der Kurbel finden sich hier besonders viele Problemzonen auf einem Haufen.

Oft unterschätzte Lärmquelle: Klickpedale am Mountainbike.

Sattel und Sattelstütze: Da Sattel und Stütze permanent unter Dreckbeschuss stehen, sind nervige Störgeräusche hier ebenfalls keine Seltenheit. Speziell auch, wenn Knacken beim Treten im Sitzen auftritt, kann die Gewichstverlagerung auf dem Sattel die Ursache sein. Häufig lässt sich dann das Knacken auch durch gezieltes Be- und Entlasten des Sattels provozieren.

Knackt's bei der Gewichtsverlagerung auf dem Sattel, dann sollte man sich die Schraubem im Stützenkopf genauer anschauen.

Hinterbau: Bei MTB-Fullys knackt häufig auch der Hinterbau. Kein Wunder, denn die vielen Gelenke lassen sich auf die Dauer nur schlecht vor Verschleiß schützen und früher oder später frisst sich eben der Sand hinein.

An welchen Stellen am Bike Knacken noch auftreten kann und wie man am besten dagegen vorgeht, lesen Sie ab sofort in der Ausgabe BIKE 2/2021. Bestellen Sie die  BIKE versandkostenfrei nach Hause , oder lesen Sie die Digital-Ausgabe in der BIKE App für Ihr  Apple-iOS-  oder  Android-Gerät . Besonders günstig und bequem erleben Sie  BIKE im Abo .

Marco Brust im Interview: "Auch neue Bikes können knacken."

Nicht nur für Privatpersonen ist Knacken ein Ärgernis. Auch große Bikefirmen und sogar Gerichte kommen häufig mit dem Thema in Berührung. Dann kommen professionelle Prüfunternehmen wie velotech.de ins Spiel. Das akkreditierte Prüflabor ist auf muskelbetriebene Fahrzeuge, also auch Fahrräder, spezialisiert und erstellt auch Gutachten zum Thema Geräuschentwicklung am Bike.

BIKE: Herr Brust, ihr Unternehmen ist eigentlich auf Gutachten zur Produktsicherheit spezialisiert. Ist Knacken und Knarzen von Bikes für Sie überhaupt ein großes Thema?

Marco Brust: Natürlich. Knacken und Knarzen gehört zu den häufigsten Problemen, die bei uns im Labor landen. Und das Knacken kann ja auch mit dem Thema Sicherheit zu tun haben, beispielsweise wenn es auf Defekte oder überlastete Bauteile hindeutet.

Für wen erstellen Sie denn Gutachten zum Thema Knacken?

Die Kunden sind sehr verschieden. Oft kommen unsere Kunden aus der Industrie. Denn auch neue Bikes können Knacken. Und dann bemüht sich der Hersteller natürlich um eine Lösung, bevor das Produkt auf den Markt kommt. Aber wir werden auch manchmal als Sachverständige zu Gerichtsverfahren hinzugezogen. Und auch Privatleute lassen bei uns Gutachten erstellen, wenn sie selbst ihrem Knacken nicht auf die Spur kommen. Denn wir haben da einfach ganz andere Möglichkeiten, solchen Problemen auf den Grund zu gehen.

Marco Brust, Geschäftsführer des Fahrrad-Prüfinstituts velotech.de

Wie muss man sich das bei Ihnen im Labor vorstellen? So eine Suche nach den Geräuschen?

Durch die verschiedenen Prüfstände, die wir hier in unserem Labor haben, können wir ganz spezifische Belastungen simulieren, ohne dass sich das Rad selbst bewegt. Den Wiegetritt, Belastungen am Hinterbau und Lenkkopflager und vieles mehr. Das gibt uns die Möglichkeit, mit dem Stethoskop die einzelnen Bereiche unter Belastung ganz genau abzuhören. Das klingt zwar zunächst etwas verrückt, aber so findet man die Ursache des Knackens garantiert!

Warum tun sich viele Hobby-Schrauber bei der Suche nach dem Knacken so schwer?

Ich glaube, das liegt unter anderem daran, dass es moderne Rahmen einem besonders schwer machen. Gerade bei E-Bikes mit integrierten Akkus oder bei Carbonrahmen sehen wir immer mehr voluminöse Unterrohre. Die wirken wie der Klangkörper eines Instruments und verstärken das Knacken, das sonst kaum hörbar wäre. Je dünner das Material ist, desto ausgeprägter ist der Effekt. Deshalb ist gerade Carbon so anfällig. Und weil der Schall so verstärkt wird, lässt sich seine eigentliche Quelle mit dem bloßen Ohr oft kaum noch ausmachen.

Haben Sie einen Tipp, den Sie Bikern mit auf den Weg geben können?

Wer Probleme mit Knacken hat, kann das Rad aus einer Höhe von circa 30 Zentimetern ganz bewusst auf das Vorderrad und Hinterrad fallen lassen. Noch weiter bringt einen die Probefahrt. Dabei folgende Belastungen durchtesten: Wiegetritt mit hoher Last, Hin- und Herrutschen auf dem Sattel und Vorderrad sowie Hinterrad getrennt voneinander stark abbremsen. So lassen sich viele Geräusche, die bei üblicher Belastung auftreten, reproduzieren und dann weiter eingrenzen.

Themen: KnackenKnarzenSchrauber-TippsWartungWerkstatt


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