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Traildogs: Mountainbiken mit dem Hund

Worauf muss man beim Biken mit Hund achten?

Ludwig Döhl am 23.11.2018

Enduro-Profi Oli Dorn hat seinen Hund Balu zum Traildog ausgebildet. Im Interview verrät er, worauf man achten muss, wenn man mit seinem Hund zum Biken geht.

Der quirlige Hütehund Balu hüpft vergnügt über den Trail und schnüffelt an den Bäumen. Sein Blick zeigt immer wieder in Richtung seines Herrchens, dem Enduro-Profi Oli Dorn. Die Beiden lieben es, gemeinsam zum Radfahren auf die Trails zu gehen. Im Interview verrät Dorn, worauf man dabei achten muss.

BIKE: Täglich drei mal Gassi gehen, Unmengen an Hundefutter und überall Haare in der Wohnung. Warum hast Du überhaupt einen Hund?

Oli: Klar, man kann immer nur die "negativen" Aspekte von einem Hund sehen. Ich selbst bin mit Hunden groß geworden. Bis heute fasziniert mich das Gemüt dieser Tiere sind. Egal wie der Tag war, egal wie schlecht es gerade läuft oder sonstiges, der Hund freut sich immer dich zu sehen. Außerdem gibt es keinen treueren Freund. Der Ordensbruder Franz von Assisi (gestorben 1226) hat das mal ganz gut auf den Punkt gebracht:

"Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du, o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde."

Traildog Balu

Der Hund, der beste Freund des Menschen. Das wusste sogar schon der Ordensbruder Franz von Assisi um 1200 nach Christus.

Wie lange fährst Du schon mit Balu Fahrrad?
Ich hab Balu als Welpen bekommen und ihn vom ersten Tag ans Fahrrad gewöhnt. Trotzdem hat es ewig gedauert, bis er mit mir über die Trails fetzen konnte. Das erste halbe Jahr habe ich das Fahrrad beim Gassi gehen zur Eingewöhnung nur nebenher geschoben. Später bin ich dann im Schritttempo nebenher geradelt. Immer nur ein paar Minuten. Das Schlimmste wäre, den Hund am Anfang zu überfordern. Man muss vor allem die Gelenke langsam an die Belastung gewöhnen, um den Hund keinen Schaden zuzufügen. Richtig mit auf Trails durfte Balu erst im Alter von einem Jahr. Angefangen habe ich auf ganz kurzen Hometrails und die Distanzen dann langsam gesteigert.

Traildog Balu

Balu kam mit 13 Wochen zu seinem Herrchen Oli. Mit dem Biken hat Oli aber erst begonnen, als der Hund ausgewachsen war. Also zirka mit einem Jahr.

Worauf muss man besonders achten, wenn man mit dem Hund zum Biken geht?
Der Hund muss unbedingt ausgewachsen sein. Sonst können Gelenke, Sehnen und Bänder Schaden nehmen. Die meisten Hunde haben ihr Wachstum mit einem Jahr abgeschlossen. Trotzdem ist es super wichtig, den Hund davor schon an das Sportgerät zu gewöhnen.
Außerdem muss man den Hund langsam an die Belastung heranführen. Das ist nicht anders als bei uns Menschen. Man kann von einem Hund nicht erwarten, dass er von Anfang an Vollgas gibt. Auch ein Tier muss Ausdauer und Kraft langsam aufbauen.

Traildog Balu

Das Mountainbiken ist für die Gelenke des Hundes eine große Belastung. Oli Dorn rät deshalb, den Hund umbedingt langsam an die Belastung heranzuführen.

Kann man mit jedem Hund so über die Trails jagen wie Du mit deinem Balu?
Nein, da ist höchste Vorsicht geboten. Das Gewicht und die Rasse spielt eine große Rolle. Hütehunde wie Australien Shepereds oder Border-Collies (beide mittelgroß und um die 25 Kilo schwer, Anm. d. Red.) eignen sich besonders gut. Jasper Jauch hat einen kleinen Jack Russel Terrier. Mit dem geht das auch super. Bei Hunden mit mehr als 35 Kilo ist eher vom Biken abzuraten. Das machen die Gelenke nicht lange mit.
Balu ist ein Australian Shepperd. Er wurde seit Generationen zum Arbeitstier gezüchtet, er ist es gewohnt lange Wegstrecken zurückzulegen. Außerdem jagen Hütehunde nicht. Jagdhunde sind auch Arbeitstiere, aber sobald die ein Reh sehen, sind die weg.

Wenn Du Balu mit auf Tour nimmst, wie lange läuft er dann mit?
Das kann man nicht verallgemeinern. Neben Höhenmetern und Kilometern spielt das Wetter eine riesen Rolle. Wenn es heiß ist, macht er früh schlapp. Auf Touren achte ich immer darauf, dass er genügend Pausen macht und viel trinkt.

Wie viele Kilometer kann man einem Hund überhaupt zumuten?
Ganz ehrlich, dass weiß ich nicht. Ich denke, das kommt auf die Rasse und auf das Training an. Mit Balu bin ich bis jetzt maximal 40 Kilometer gefahren. Das kann man aber sicher nicht jeden Tag machen.

Im Video läuft Balu immer frei, wie machst Du dass, wenn Du ihn in der Stadt an die Leine nehmen musst?
Balu läuft fast immer frei und ohne Leine. Er hört gut auf mich und wir sind ein eingespieltes Team. In der Stadt wird es trotzdem immer kritisch, da hier so viele Eindrücke und Gerüche sind. Da nehm ich ihn an die Leine. Die Leine habe ich dann immer ganz leicht in der rechten Hand. Im Ernstfall kann ich somit die Leine immer noch loslassen und werde nicht umgerissen. Spezielle Leinenhalter fürs Bike halte ich für einen Schwachsinn.

Hast Du auf dem Trail schon mal deinen eigenen Hund zusammengefahren, weil er plötzlich einen Baum markiert hat?
Haha, nein zum Glück nicht. Wenn wir Trails fahren gibt es für Balu in dem Moment nichts anderes. Das ist dann seine Aufgabe und die wird ausgeführt. Eben alles eine Sache des Trainings. Mit dem Video habe ich die Befürchtung, dass sich viele Leute das Ganze zu einfach Vorstellen.

Ich möchte dass jeder weiß: Ein Traildog ist nicht nur Spaß sondern auch viel Arbeit und ein Haufen Verantwortung.

Traildog Balu

Biken mit dem Hund bedeutet nicht nur eine Menge Spaß, sondern auch viel Arbeit und Verantwortung.

Hast Du Balu bestimmte Kommandos für das Mountainbiken beigebracht?
Eigentlich nicht. Das wichtigste ist wirklich, ihn daran zu gewöhnen. Mittlerweile weiß er, was links und rechts bedeutet. Und das Kommando "lauf stopp” ist ganz hilfreich, wenn er in Schwung gekommen ist.

Manchmal scheint es, wenn man mit Hunden zum Biken losfährt, als wollten sie einem ins Vorderrad beißen und bellen laut. Ist das aus Freude, oder wie soll man dieses Zeichen verstehen?
Das ist wohl der Klassiker. Das ist die Vorfreude. Es kann nicht schnell genug los gehen. Bei Schlittenhunden ist das nicht anders, die bellen ja auch wie verrückt beim Anleinen. Balu hatte diese Mode auch eine Zeit lang gehabt. Wichtig ist, gleich dagegen anzukämpfen. Sprich: Es geht erst los, wenn der Hund sich beruhigt hat. Ansonsten wird das immer schlimmer.

Hast Du noch einen Geheimtipp für Hundebesitzer, die mit ihrem Hund das Biken probieren wollen?
Am besten immer alleine mit dem Hund fahren. Wenn mehrere Biker dabei sind, endet es meistens im Chaos. Der Hund ist dann überfordert.

Traildog Balu

Hundebussi, der Klassiker! 

Fazit: Hunde lieben es, gemeinsam mit uns Menschen draußen Abenteuer zu erleben – je abwechslungsreicher, desto besser! Gerade abseits von asphaltierten Straßen ist das Radfahren mit dem Hund besonders spannend. 

Biken mit Hund ist in der Regel kein Problem. Zwar sind manche Rassen besser für den Sport geeignet als andere (und einige gar nicht!), und auch ein Tier muss erst Kraft und Ausdauer trainieren. Nach einer Eingewöhnungsphase schaffen ausgewachsene Hunde aber locker das Streckenpensum, das ein durchschnittlich fitter Mensch auch schafft – selbst auf dem Rad. Die Geschwindigkeit sollte dabei allerdings nicht zu hoch ausfallen.

Unbedingt: Der Hund muss zum Trailbiken gut hören, da er auch ohne Leine folgen sollte. Außerdem darf ein Traildog nicht zu schwer sein, damit die Belastung auf die Gelenke im Rahmen bleibt. Bei rund 35 Kilogramm liegt die Obergrenze. 

Wichtig ist, immer genug Wasser für den Hund dabei zu haben oder regelmäßig Wasserquellen aufzusuchen, damit der Vierbeiner genug trinken kann. Wenn Hunde im Winter durch tiefen Schnee toben, ermüden sie auch deutlich schneller, also gut auf den Trail-Kumpel achtgeben. Streusalz setzt den Pfoten zu. Ansonsten gilt: Wer seinen Hund im Blick behält und regelmäßig Pausen einlegt, hat mit dem Vierbeiner einen treuen und ziemlich fitten Sportsfreund.

Ludwig Döhl am 23.11.2018