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Richtiges Verhalten beim Mountainbiken

Deutsche MTB-Trails am Limit

Stefan Loibl am 27.05.2020

Die Corona-Krise hat einen Bike-Boom ausgelöst. Dadurch wächst der Druck auf Trails und Wege. Die Folge: Unfälle, Fallen und aufgebrachte Grundstückseigentümer. So verhält man sich im Ernstfall.

Der Bike- und Fahrrad-Boom in Folge der Corona-Krise wirkt sich leider nicht nur positiv aus: Hotspots, insbesondere nahe großer Städte, sind chronisch überlastet. Einige Trails, die jahrelang von Bikern genutzt und von Waldbesitzern geduldet wurden, sind gesperrt, zerstört oder stehen in der Kritik. Immer lauter werden die Stimmen von Jägern, Naturschützern und Förstern, denen Trails in ihrer Umgebung ein Dorn im Auge sind.

>> Leider genügt oft ein einziger Bike-Rowdy, um das mühsam aufgebaute positive Image zu zerstören. <<

Doch nicht nur Biker sind verstärkt draußen unterwegs: auch Wanderer, Spaziergänger oder Reiter. Dadurch steigt das Konfliktpotenzial, wie etwa in den Bayerischen Voralpen oder am Taubenberg, wo am Vatertag ein 41-Jähriger Biker von einem Landwirt verfolgt, angegriffen und von einer Gruppe gestellt wurde. Außerdem vergeht aktuell keine Woche, in der nicht irgendwo in Deutschlands Wäldern gezielt installierte Fallen auf beliebten Mountainbike-Strecken gefunden werden. Dazu kommt es vermehrt zu schweren Unfällen – wie hier in Lenggries oder in der Nähe von Fürstenfeldbruck. Alles keine positiven Schlagzeilen für unseren Lieblingssport Mountainbiken. Deshalb ist essenziell, dass sich alle Biker – MTB-Neulinge genauso wie die Pioniere des Geländeradsports – an gewisse Regeln halten. Beispielsweise die „Trail Rules“ der DIMB. Sollte die Situation im Wald oder auf dem Trail dann doch einmal etwas hitziger werden, kann man sich den Rat aus dem Interview unten zu Herzen nehmen. Und nicht so handeln wie ein Mountainbiker am 28. Juni im Spitzingsee-Gebiet! Dort hatte sich ein Biker an der Rotwand völlig daneben benommen und einen Naturschutz-Beauftragten angegriffen.

Umfrage: Haben Sie auf Mountainbike-Strecken seit Beginn der Corona-Pandemie erhöhten Verkehr und damit Konflikte z.B. mit Förstern oder Landwirten wahrgenommen?

„Wer sich aufregt, verliert"

Interview mit Jan Vester, Diplom-Sozialpädagoge, Anti-Aggressivitäts-Trainer und Biker

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Wer ist im Recht? „Das ist der falsche Ansatz“, weiß Anti-Aggressivitäts-Trainer Jan Vester.

BIKE: Biker, Wanderer und Reiter nutzen seit rund 30 Jahren die gleichen Wege. Hat sich Ihrer Erfahrung nach über die Jahre etwas am Konfliktpotenzial geändert?
Jan Vester: Ich glaube schon. Wege und Trails sind frequentierter. Besonders in Ballungsgebieten reagieren die Leute gereizter. Im Grunde ist es wie im Berufsverkehr – je mehr Leute, umso mehr Konfliktpotenzial.

Sie biken selbst. Wie gehen Sie Konflikten aus dem Weg?
Ich versuche, azyklisch vorzugehen. Wenn ich weiß, an sonnigen Wochenenden ist auf meinem Hometrail die Hölle los, dann wähle ich einen anderen Weg. Denn, wenn ich andauernd abbremsen muss, habe ich ja auch keinen Spaß.

Was, wenn Sie doch mal auf einen Reiter oder Wanderer stoßen?
Die Antwort ist banal, doch effizient: Ich reagiere mit Empathie. Ich versetze mich in das Gegenüber. Der Reiter hat Angst um sein Pferd, der Hundebesitzer um seinen Hund, der Familienvater um sein Kind, und der Wanderer ist zur Erholung unterwegs – will also nicht, dass Biker mit Vollgas an ihm vorbeirauschen. Ich als Biker bremse frühzeitig ab, höre auf zu pedalieren, mache mich bemerkbar. Ich zeige dem Gegenüber, dass ich Rücksicht nehme – vielleicht sogar mehr als notwendig. Und natürlich bin ich freundlich. Die Gestik ist entscheidend.

Wenn es doch zum Konflikt kommt, woran liegt es, und wie verhalte ich mich dann richtig?
Ich glaube, meist kommt es zum Konflikt, weil die Leute erschrecken. Wer auf sich aufmerksam macht und grinst, der entschärft in 85 Prozent der Fälle die Situation. Wenn sich Wanderer oder Reiter dennoch aufregen und ein Streitgespräch anfangen, dann sitzt der Frust tiefer. Da lässt sich nicht viel machen. Ich rate dazu, einfach weiterzufahren. Es gilt: Wer sich aufregt, verliert. Mein Rat: tief durchatmen und sich die Frage stellen, warum bin ich hier? Die Antwort: sicher nicht, um mit angeschwollener Halsschlagader auf dem Trail zu streiten. Wir wollen doch alle das Eine – die Natur genießen. Das sollten übrigens auch die Wanderer beherzigen.

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Stefan Loibl am 27.05.2020
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