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Neues zum Dopingfall unter deutschen Mountainbikern

Staatsanwaltschaft gibt Details bekannt

Ludwig Döhl am 06.03.2019

Seit einem Jahr herrscht Unklarheit über einen Dopingfall unter deutschen Bikern. Jetzt verrät die ermittelnde Staatsanwaltschaft Freiburg eindeutige Details zur Person und den praktizierten Methoden.

Seit fast einem Jahr recherchiert BIKE in einem Dopingfall unter deutschen Mountainbikern. Zum ersten Mal haben wir über den Fall Anfang August 2018 berichtet. Damals wurde von offizieller Seite nur bestätigt, dass die positive Probe aus dem Jahr 2018 stammt. Ende August bestätigte die Staatsanwaltschaft dann Ermittlungen, gab aber weder Hinweise zur verdächtigten Person noch zu den angewandten Doping-Methoden. Auf unsere erneute Anfrage gibt die ermittelnde Staatsanwaltschaft Freiburg nun erstmals eindeutige Hinweise zur Person und verrät auch, um welche Doping-Methoden es geht.

Das bestätigt die Staatsanwaltschaft

Auf die Anfrage des BIKE Magazins bezüglich des bestätigten Doping-Verfahrens antwortet die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Freiburg am 6. März 2019, dass

„...die Staatsanwaltschaft Freiburg ein Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Verstöße gegen das Anti-Doping Gesetz gegen eine 26-jährige Radsportlerin aus der Region Hochrhein führt, die seit einigen Jahren auch an nationalen und internationalen Sportveranstaltungen teilgenommen hat und als Mitglied des Nationalen Testpools der Nationalen-Anti-Doping-Agentur (NADA) sportrechtlichen Trainingskontrollen unterliegt. Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen soll die Athletin im Jahr 2017 in Vorbereitung auf die Teilnahme an einem sportlichen Wettkampf einen verbotenen Dopingwirkstoff ohne medizinische Indikation bei sich angewendet haben. Zudem besteht der Verdacht, dass die Athletin sich in den Jahren 2016 bis 2018 bei ärztlichen Behandlungen im Ausland mehrfach Infusionen hat verabreichen lassen. Schlussendlich besteht nach bisherigen Erkenntnissen der Verdacht, dass sie bei sich verbotene Dopingmethoden (Ozon-Therapien) habe anwenden lassen.“

Das bedeuten die Fakten der Staatsanwaltschaft im Klartext

Die verdächtigte Person muss Teil des Testpools der NADA sein. Auf eine Antwort der NADA, wie sich dieser Testpool exakt zusammensetzt, warten wir noch. Bis 2009 waren diese Listen öffentlich einsehbar. Seit 2010 werden die Listen nicht mehr veröffentlicht.  

Es ist aber davon auszugehen, dass alle Mitglieder der Nationalmanschaft, sowie sämtliche Inhaber einer Profilizenz (gelöst über ein UCI-Trade-Team) Teil dieses Testpools sind.

Blutdoping Ozon-Therapie MTB

Laut Freiburger Staatsanwaltschaft soll die 26-jährige Mountainbikerin auch Blutdoping angewandt haben.

Bei der angesprochenen Ozon-Therapie handelt es sich um Blutdoping. Dabei wird dem/r Sportler/in Blut entnommen, welches anschließend mit einem Ozon-Sauerstoffgemisch angereichert wird. Zu einem späteren Zeitpunkt wird das angereicherte Blut dem Sportler wieder zugeführt. Der Doping-Experte und Journalist Ralf Meutgen hat in seinem Artikel zuzsätzlich einen positiven Test auf Testosteron bestätigt.

Identität nach dem Ausschlussverfahren

Die Staatsanwaltschaft nennt keinen konkreten Namen. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, werden auch wir keinen Namen nennen, bevor dieser nicht von offizieller Stelle bestätigt wird. Allerdings sind die Hinweise eindeutig. Nach unseren Ermittlungen gibt es nur eine einzige 26-jährige Sportlerin, die zum entsprechenden Zeitpunkt sowohl Teil der Nationalmannschaft war, zusätzlich eine Profilizenz (in der aktuellen Auflistung des Teams ist kein weibliches Mitglied mehr zu finden) besaß und in der angesprochenen Region lebt. Zudem gibt es nur eine deutsche Profi-Mountainbikerin, die seit dem ersten Cross-Country-Worldcup in Südafrika 2018 kein Rennen mehr gefahren ist (Sportler mit laufendem Verfahren werden von Wettkämpfen ausgeschlossen).  

Richie Rude EWS Finale Ligure 2018

Neben dem laufenden Verfahren im Cross-Country-Bereich wird zusätzlich gegen die Enduro-Fahrer Richie Rude und Jared Graves wegen Dopings ermittelt. Hier sind jedoch andere Behörden zuständig. Das Verfahren gestaltet sich aber ähnlich langwierig.

Ludwig Döhl am 06.03.2019