Naturschützer wollen E-Bike-Fahrverbot in den Alpen

BUND Forderung: Bergsport darf kein Motorsport werden

  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor einem Jahr

Der Nutzungsdruck auf die Alpen steigt. Auch E-Biker tummeln sich mehr und mehr in den Bergen. Der BUND Naturschutz fordert jetzt massive Einschränkungen - ausschließlich für E-Mountainbiker.

"Bergsport darf kein Motorsport werden". Die Überschrift der Presseeinladung des BUND Naturschutz Bayern ist provokativ und stellt gleich klar, worum es der Organisation geht. Der "Irrsinn" E-Mountainbike, von dem die Verantwortlichen vor versammelter Presse sprechen, soll in den bayerischen Alpen stark eingeschränkt werden. Dazu hat die Naturschutzorganisation ein 24-seitiges Forderungspapier (Link)  erstellt, das die Politik zum Handeln bringen soll.

Was fordert der BUND Naturschutz?

Im alpinen Raum in Bayern soll dem E-Bike der Status als Fahrrad aberkannt werden. Damit wäre das E-Biken auf alpinen Forst-, Wald- und Wanderwegen abseits des öffentlichen Straßenverkehrs nicht mehr erlaubt. Allerdings sollen die Landratsämter ermächtigt werden, Ausnahmen vom Befahrungsverbot festzulegen. Konkret heißt das: E-Mountainbiken wäre überall verboten, wo es nicht explizit erlaubt wird. Die Forderung bezieht sich allerdings ausschließlich auf alpines Gelände (im Sinne der "Erholungslandschaft Alpen"), die Talräume und außeralpine Räume Bayerns sind explizit ausgenommen.

Welche Reaktionen gibt es?


Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) hat eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht , in dem sie sich ganz klar hinter E-Mountainbiker stellt. Die Behauptungen des BUND werden sehr sachlich und fundiert hinterfragt, zum Großteil widerlegt.

Aus Gründen des Naturschutzes hält die DIMB eine Sperrung für E-MTBs für wenig nachvollziehbar. Weder brächte der Ausschluss nur einer Nutzergruppe für den Lebensraum der Wildtiere nennenswerten Vorteile, solange die Wege ansonsten weiter von Menschen genutzt werden. Noch nütze es den Wegen selber, da das E-Bike auch nicht mehr Spuren hinterließe als andere Fahrräder oder Fußgänger.

"Wer sensible Hochlagen beruhigen will, muss über die allgemeine Wegführung, vorhandene Liftanlagen oder das Hüttenwesen nachdenken. Radfahrer mit Pedelecs kommen selten in diese Regionen, da dies sehr gute Kondition und entsprechendes Fahrkönnen voraussetzt sowie die Akkukapazität begrenzt ist. Oft finden sich im hochalpinen Raum auch Tragepassagen, die mit den schweren Pedelecs kaum zu bewältigen sind."

Eine Zunahme möglicher sozialer Konflikte, wie sie der BUND befürchtet, sei aus Sicht der DIMB ebenfalls nicht zu erwarten. "Tourismusverbände, DAV und DIMB sehen nur ein geringes Konfliktpotential und werben für das gemeinsame Miteinander, wie zahlreiche Kampagnen zeigen. Auch der Deutsche Wanderverband sieht Pauschalverbote nicht als zielführend an. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass das Konfliktpotential in der Regel auf wenige Wochenzeiten an beliebten Hotspots beschränkt ist. Pedelecs können hier sogar für eine Entzerrung sorgen, da damit die Hotspots leichter umfahren werden können. Die überwiegende Mehrzahl der Fahrer von Pedelecs sind erfahrene Umsteiger vom normalen MTB, so dass es kaum eine Erhöhung der Nutzerzahlen in der Summe gibt."

Der Deutsche Alpenverein (DAV), der sich in letzter Zeit vermehrt als Interessensvertreter der Mountainbiker positioniert hat, hat sich zu den Aussagen des BUND noch nicht geäußert. In der letztjährigen Jahreshauptversammlung hat der Verband allerdings eine "Kritische Einstellung" gegenüber dem E-Mountainbike beschlossen. Spannend: In der Jahreshauptversammlung am kommenden Samstag (26.10.2019) sollen konkrete Entscheidungen zum Umgang mit E-Mountainbikes getroffen werden.

Themen: DIMBNaturschutzWegerecht


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