Jenny Rissveds beendet Profikarriere Jenny Rissveds beendet Profikarriere Jenny Rissveds beendet Profikarriere

Depression: Karriereende von Jenny Rissveds

Jenny Rissveds beendet Profikarriere

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

Jenny Rissveds gehört ohne Zweifel zu den größten Talenten, die der Mountainbike-Sport je gesehen hat. Wegen einer Depression muss die Schwedin nun ihre Karriere beim Scott-Sram-Team vorerst beenden.

Christophe Margot Jenny Rissveds gehört zu den größten Talenten, die die Mountainbike-Welt je gesehen hat.

Sie war und sie ist eines der größten Talente, das die Mountainbike-Welt je gesehen hat. Technisch extrem versiert, sprintstark, mutig, ausdauernd und immer motiviert bis in ihre blonden Haarspitzen. Schon als junges Mädchen fuhr sie auf dem Mountainbike allem und jedem davon. Erst in ihrem Heimatland Schweden, dann auch schnell europa- und weltweit. Über Jahre dominierte sie die U23, schaffte frühzeitig den Sprung in die Elite und konnte immer weiter nach vorne fahren. Kleine Fehler, die zu unvorhergesehenen Stürzen führten, machten ihr zunächst öfters noch einen Strich durch die Rechnung, aber das sollte sich ändern.

2016: Der erste Worldcupsieg und Gold bei Olympia

Beim Worldcup Nummer vier, 2016 auf der Lenzerheide, nur wenige Tage nach Jenny Rissveds' 22. Geburtstag, fiel der Hammer. Und Jenny stand endlich ganz oben auf dem Siegertreppchen mit der Sektflasche in der Hand und der goldenen Trophäe vor sich auf dem Boden! Dann ging alles ganz schnell. Kaum zwei Monate später war das olympische Damenrennen in Rio de Janeiro und Jenny Rissveds gewann prompt die höchste Auszeichnung, die man sich im Cross-Country verdienen kann: die olympische Goldmedaille.

Red Bull Content Pool 2016 war ihr Jahr. Mit dem ersten Sieg in der Elite-Klasse in Lenzerheide fing Jenny Rissveds' raketenhafter Aufstieg so richtig an. Und es sollte kaum zwei Monate später mit Gold bei Olympia enden.

Anfang 2017 war noch alles in Ordnung und es sah ganz so aus, als würde Jenny Rissveds als Favoritin in die neue Saison starten. Ein haushoher Sieg in der Mixed-Wertung des Cape Epic zusammen mit Team-Manager Thomas Frischknecht war jedenfalls ein gutes Zeichen. Kurz vor dem ersten Worldcup dann die Absage von Scott: "Jenny wird nicht am Rennen teilnehmen". Und so auch beim nächsten Rennen. Und beim übernächsten. Und so weiter.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Im Jahr ihres ersten Sieges in der Cross-Country Elite fuhr Jenny Rissveds gleich zur olympischen Goldmedaille. Ein Wahnsinnserfolg.

Jenny Rissveds spricht offen über Depression

Mitte des Jahres 2017 sah man sie dann wieder kurz bei einem Worldcup-Rennen, doch sie blieb unter fernerliefen und schied frühzeitig wieder aus. Die Teilnahme an der WM in Cairns war ihr durch einen unschönen Streit mit dem schwedischen Radsportverband über die Sponsorenfrage ohnehin nicht möglich.

Seit diesen Rückschlägen ist die junge Sportlerin immer mutiger geworden. Erst vorsichtig und in Andeutungen, dann immer offener sprach sie über das, was abseits der äußeren Faktoren, wie dem Stress, verbunden mit Olympia, und der familiären Krise nach dem Tod beider Großväter in einem sehr kurzen Zeitraum, der eigentliche Grund für ihre Abwesenheit vom Renngeschäft war: ihre Depression. Nun hat sie eine Entscheidung getroffen. Sie verlässt ab sofort das Team Scott Sram MTB und beendet ihre Karriere als Profi-Mountainbikerin, vorerst auf unbestimmte Zeit.

Cape Epic,Sportzpics,Sam Clark Beim Cape Epic räumten Jenny Rissveds und Thomas Frischknecht richtig ab. Sie dominierten das gesamte Rennen und fuhren zu einem glasklaren Sieg in der Mixed-Wertung.

"Ich bin sehr dankbar für die Jahre mit Thomas und dem Scott-Sram-Team. Sie haben mich immer unterstützt und ohne sie hätte ich niemals das erreichen können, was mir auf dem Bike in den letzten Jahren gelungen ist. Ich möchte auch Scott Sports danken, für den unendlichen Support und dafür, dass sie auch im letzten Jahr immer an mich geglaubt haben. Nichts würde ich lieber tun, als ein Teil des Teams zu bleiben, aber das geht natürlich nur, wenn ich auch etwas beitragen kann. Und das liegt leider im Moment außerhalb meiner Möglichkeiten. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber ich glaube, es ist besser so für alle Beteiligten und so habe ich auch einfach die besten Chancen, irgendwann wieder zurückzukehren, schneller und stärker als je zuvor," sagte Jenny dazu im Interview.

Jochen Haar Gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren – das war stets das Motto im Scott-Team. Und zählt heute mehr als jemals zuvor. Jenny Rissveds (rechts) und Teammanager Thomas Frischknecht beim Absa Cape Epic MTB-Etappenrennen 2017 in Südafrika.

Auch Teammanager Thomas Frischknecht, den schon seit einigen Jahren eine enge Freundschaft mit Jenny Rissveds verbindet, fällt der Spagat zwischen seiner Rolle als Leiter des Rennteams und seiner Rolle als Freund sichtlich schwer. "Die gesamte Mountainbike-Community und ganz besonders das Scott-Sram-Team ist unglaublich traurig darüber, was Jenny passiert ist. Um wieder gesund zu werden muss sie frei von allen Verpflichtungen sein und ich respektiere ihre Entscheidung deswegen nicht nur, sondern ich glaube auch, dass es für Jenny der beste Weg ist, um wieder in ein ausgeglichenes Leben zurückzufinden. Ich bin sicher, dass sie eines Tages zurückkehren wird und ich hoffe, dass wir ihr bei dieser Reise ein wenig zur Seite stehen können. Unsere Tür wird für sie immer weit offen stehen und sie kann wieder Teil des Teams werden, wann immer sie auch will."

Jenny Rissveds trifft damit eine schwere, aber wichtige und vor allem weitsichtige Entscheidung. Dass ihr die Entscheidung nicht leicht gefallen sein kann, merkt man ihr an. Das Loslassen fällt wohl nie leicht, selbst nach einem Jahr wie dem letzten nicht. Doch die Depression lässt einen stets in dem Irrglauben, es würde schon irgendwann wieder (von selbst) aufwärts gehen, wenn man sich nur weiter anstrengt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie in Rissveds' Fall nur weitere sportliche Erfolge verhindert hätte, von indiskutablen privaten Rückschlägen ganz abgesehen. Es ist nun an ihr, den Kampf gegen die Krankheit mit allen Mitteln aufzunehmen. Leicht wird es nicht werden, doch die ersten Schritte in die richtige Richtung hat sie schon getan. Und so bleibt uns nur noch eins zu sagen: Jenny, wir wünschen Dir alles Gute!

Themen: Cross CountryJenny RissvedsOlympia-MTB-RioOlympia-SiegerScott


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