Nicolai G1: Neues Enduro-MTB mit DH-Genen

Nicolai G1: Edel-Enduro „made in Külftal“

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 2 Jahren

Länger, flacher und noch länger ist fast überall ziemlich im Trend. Aber Nicolai hat's quasi erfunden. Die Niedersachsen bleiben sich auch mit ihrem neuesten Wurf treu. Vorhang auf für das Enduro G1!

Nicht nur beim Bier wird heftig „gecrafted“. Schon seit längerem hat sich Nicolai in der Branche einen Namen gemacht für handgeschweißte Bikes aus Alu nach höchsten Qualitätsstandards und „made in Germany“. Jetzt stellt der Hersteller aus dem Norden der Republik seinen neuesten Wurf vor: das Enduro G1.

"G1". Stolz prangt der Schriftzug auf der Verbindung von Sitz- und Oberrohr. Jetzt muss das Bike in unseren Tests zeigen, was es wirklich kann.

„Trends sind uns egal.“ – Die Eckdaten des G1 in der Übersicht

Wohin der Mountainbike-Markt auch gerade schwemmt, Nicolai macht sein Ding. So zumindest will es die Pressemitteilung. Stimmt aber nicht ganz, schließlich liegt die Geometrie des G1 doch ziemlich im Trend. Lang, flach, abfahrtslastig. Sogar ziemlich extrem, vielleicht dem Trend voraus, wenn man denn so will, aber das war Nicolai immer schon ein bisschen. Der Lenkwinkel des neuen G1 beträgt jedenfalls superflache 62,5 Grad, über 515 Millimeter wird der Fahrer in Rahmengröße L gestreckt, die Tretlagerabsenkung liegt bei ebenfalls stattlichen 32 Millimetern. Die Kettenstreben wachsen mit den Rahmengrößen, bei Größe L liegt der Wert schon bei superlangen 453 Millimetern. Gut klettern soll das Bike aber trotzdem, mehr als 78 Grad Sitzwinkel sei Dank.

Edel in allen Teilen. Für die Komplettbikes hat Nicolai nur das Beste vom Besten ausgesucht.

Kompatibel mit 27,5 oder 29 Zoll

Doch Nicolai wäre nicht Nicolai, wenn ein Geo-Sheet alles wäre, was das Bike zu bieten hat. Mittels Verlängerungsstücken, die Nicolai „Mutatoren“ nennt, lassen sich die Sitzstreben, die Kettenstreben und die Dämpferanlenkung verlängern oder verkürzen, was eine umfangreiche, individuelle Konfiguration der Geometrie des Bikes ermöglicht. (Unter diesem Link findet ihr übrigens die Geometrie in allen Einzelheiten). Gleiches gilt für das Headset, bei dem mit verschiedenen Lagerschalen leichte Abweichungen im Lenkwinkel ermöglicht werden. Und wahrscheinlich ahnen Sie es schon: Das Bike ist dadurch natürlich sowohl mit Laufrädern in 29 wie auch in 27,5 Zoll kompatibel, wobei die Geometrie zumindest im Reach, Lenk- und Sitzwinkel und der Kettenstrebenlänge gleich bleibt, die richtigen Anbauteile vorausgesetzt.

Der Dämpfer von Extreme Racing Shox ist das Herzstück des Bikes. Dämpfer und Rahmen wurden sozusagen Hand in Hand entwickelt.

Fahrwerk: Stahldämpfer von EXT als Herzstück

Der zweite große Clou des neuen Nicolai G1 ist das neu designte Fahrwerk. Dazu hat Nicolai mit dem italienischen Rennsport-Spezialisten Extreme Racing Shox zusammengearbeitet. Rahmen und Dämpfer wurden von Anfang an aufeinander abgestimmt und das Fahrwerk soll nun trotz des Stahldämpfers zu allen Fahrergrößen und Gewichten optimal passen, die richtige Feder natürlich vorausgesetzt. Außerdem hat man dem Dämpfer eine Negativfeder verpasst, für ein besonders feines Ansprechverhalten und einen hydraulischen Bottom-Out für harte Schläge und verpatzte Landungen, die sich eben im Enduro-Rennsport nicht immer vermeiden lassen. Wahlweise 162 oder 175 Millimeter Federweg und nicht weniger als das „beste Enduro-MTB Fahrwerk der Welt“ verspricht Nicolai dem Kunden.

Mittels der schwarzen „Mutatoren“ lässt sich die Sitzstrebe verlängern oder verkürzen, für individuelle Geometrie und andere Laufradgrößen. Der Dämpfer gibt 162 oder 175 Millimeter Federweg frei, je nachdem, wie der Flipchip in der Dämpferaufnahme eingebaut wird.

Der Rest ist schnell erzählt, weil doch typisch Nicolai. Die Schweißnähte sind Markenzeichen der Firma und schlingen sich kunstvoll um jedes der massiven Rohre. Die Rahmengrößen reichen bis zu XXL und sollen damit auch Menschen über zwei Meter Körpergröße gut passen. Zum Einsatz kommt im Rahmen das hochfeste 7020er-Aluminium, das gegenüber dem „normalen“ 6061er Aluminium eine um gut 30 Prozent höhere Zugfestigkeit und gut 20 Prozent mehr Elastizität aufweist. Dadurch kann der Rahmen auch ohne Carbon gleichzeitig fest und leicht sein. Das alles hat jedoch auch seinen Preis. Den Rahmen gibt’s ab rund 2700 Euro, die edel ausgestatteten Komplettbikes schlagen mit mindestens 6000 Euro zu buche. Viel Geld, aber eben auch viel Technik und natürlich größtenteils „made in Germany“.

Fräs- und Schweißpornografie vom allerfeinsten. Nicolai kultiviert den industriellen Look der Bikes bis ins kleinste Detai.

Alle weiteren Infos zum Nicolai G1 auf der Website des Herstellers.

Themen: AluminiumEnduroGeometriemade in germanyNeuheiten 2019Nicolai


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