Neuheiten 2020: Kona Process 134

Process 134: Trailräuber aus British Columbia

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Das alte Kona Process war schwer und teuer, aber spaßig. Das neue Process 134 für 2020 soll dank Carbon leichter sein, dem Fahrer aber immer noch ein genauso dickes Grinsen ins Gesicht zaubern.

Bei Kona scheiden sich die Geister. Denn die kanadische Kultmarke polarisiert immer wieder, das kann man kaum anders sagen. Die Bikes sind meist nicht gerade günstig, dafür aber meist nicht luxuriös ausgestattet. Sie sind oft nicht die Schnellsten und nicht die Leichtesten. Wer aber dann das Glück hat, mal daraufzusitzen, der vergisst oft schnell das bessere Preis-/Leistungsverhältnis und geringere Gewicht der Versender oder die innovative Technik etablierter Marken, die einen zu Hause vor dem Schreibtisch immer so beeindrucken. Denn die Kona-Bikes wollen in der Regel nur eines: Spaß machen. Und das klappt eigentlich fast immer.

Seit den Tagen des alten Process' eine Paradedisziplin von Kona: das Springen.

Das alte Process – und was das neue daraus lernen soll…


Das alte Process 153 – von 2014 bis 2017 eines der Lieblingsbikes unserer Schwesterredaktion FREERIDE war so ein Bike. Noch krasser und mit einer noch treueren Fan-Gemeinde gesegnet: Das Process 111. Auf dem Papier ein absoluter Flop: Fast 14 Kilo schwer, Federweg wie ein aufgepumptes Marathon-Fully (120/111 mm), Ausstattung für 4000 Euro mit Alurahmen ebenfalls nur Durchschnitt. Dafür bekam das Bike bergab selbst bei der kleinsten Welle Flügel und wuselte über Wurzelfelder und durch Kurven, dass man dachte, man sitzt auf einem wildgewordenen Eichhörnchen.

Verspielt scheint das Process 134 weiterhin zu sein. Kein Wunder, bei so kurzen Kettenstreben.

Entwicklungsziele beim Process 134: Leichter, effizienter aber genaus spaßig


Genau da möchte das neue Process 134 anknüpfen und will die Qualitäten des alten Process 111 – Hinterbau, Spritzigkeit, Abfahrtstauglichkeit – mit den Qualitäten der ebenfalls eher spaßigen als racigen Hei Hei-Linie verbinden. Das neue Process 134 soll dank Vollcarbonrahmen (2650 Gramm mit Dämpfer in Größe M) leicht und effizient genug für lange Touren sein, verspielt genug für jede Menge Spaß in Kurven und auf flacheren Trails und fähig genug, selbst für harte, kanadische Trail-Abfahrten. Update: Das Gewicht des Topmodells CR/DL liegt bei genau 14 Kilogramm in Rahmengröße M.

Ein progressives Fahrwerk sorgt für Gegendruck in Anliegern und bei Sprüngen und macht das Bike lebendig.

Fahrwerk und Geometrie


Dazu wurde das neue Process 134, dass es mit Alu- und Carbon-Rahmen und in 27,5 (nur Alu) oder 29 Zoll zu kaufen geben wird, etwas länger und flacher an der Front und etwas steiler und kürzer am Heck. Der Sitzwinkel liegt bei pedalierfreundlichen 76,5 Grad, die Kettenstreben messen auch für das 29-Zoll-Bike nur 427 Millimeter, trotz einer Reifenfreigabe bis 2,5 Zoll. Der Reach (475 Millimeter in L) soll in Kombination mit dem etwas tieferen Tretlager (-33 Millimeter) und dem langen Gabel-Offset (51 Millimeter) für Laufruhe sorgen. Der Lenkwinkel liegt bei ausgewogenen 66 Grad.

Groß dimensionierte Lager sollen auch bei aggressiven Fahrten in Sand und Schlamm für Langlebigkeit sorgen. Der Zug fürs Schaltwerk läuft direkt über das Zentrallager des Hinterbaus. So soll sich der Zug beim Einfedern nur minimal längen.


Fahrwerkstechnisch hat man sich vom alten Moto-Hinterbau der älteren Process-Reihe verabschiedet und setzt jetzt auf einen eher klassischen Viergelenker wie beim großen Bruder, dem neuen Process 153 . Der Hinterbau soll eher progressiv ausfallen, damit das Bike viel Gegendruck für eine aktive Fahrweise bietet. Wer es lieber linearer oder noch progressiver möchte, kann natürlich Spacer entnehmen oder hinzufügen, um die Kennlinie anzupassen. Wichtig war den Ingenieuren auch ein konstanterer und ausgewogener Anti-Squat-Wert, der dafür sorgen soll, dass sich das Bike auch beim Pedalieren über raues Terrain nicht zu sehr verhärtet und nicht zu viel Effizienz beim Treten vermissen lässt.

Der Kassenschlager? Das Kona Process 134 CR 29 ist der Einstieg ins Carbon-Segment und wir vermuteten das beste Preis-Leistungsverhältnis. Weit gefehlt. Das Bike ist mit 5499 Euro ziemlich teuer, das Topmodell mit wesentlich schickerer Ausstattung kostet "nur" noch einen Tausender mehr.

Kona Process 134: Die Modelle im Detail

6 Bilder

Kettenstrebenschutz, Zugführung, Variostützen – die Details


Weitere Details, an denen man für das neue Bike gearbeitet hat, sind ein geraderes Sitzrohr für eine größere Einstecktiefe von Variostützen bei geringer Überstandshöhe, damit auch Fahrer mit kürzeren Beinen lange absenkbare Sattelstützen benutzen können. Außerdem ist der Rahmen durch einen Rahmenschutz unter dem Unterrohr geschützt. Ein umfassender Ketten- und Sitzstrebenschutz soll in Kombination mit der tief gezogenen Kettenstrebe auf der Antriebsseite für eine Minimierung des Fahrgeräusches sorgen. Die Züge verlaufen bei den Carbon-Modellen im Rahmen, sind aber durch innere Zugführungen ebenfalls gegen Klappern geschützt. Das freut außerdem den Mechaniker, der damit nicht mehr im Rahmen herumfummeln muss, sollte doch mal ein Zug komplett gewechselt werden müssen.

Innenliegende Kabelführung mit Führungshülsen.

Die Kettenstreben und Sitzstreben werden durch einen Gummiprotektor geschützt, der das Bike außerdem leise machen soll.


Alle Informationen zum neuen Kona Process 134 finden Sie auf der Website des Herstellers . Preise und Gewichte liegen uns aktuell noch nicht vor, wir werden diese so bald wie möglich ergänzen.

Ah, schon ein Augenschmaus. Die roten Akzente sind aber leider nicht Serie, sondern bleiben Miranda Miller vorbehalten.

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