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Test 2017: Trail-Hardtails für Fahrspaß pur

Starres Heck, potentes Fahrwerk: 8 Hardtails im Test

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 4 Jahren

Hardtails sind nur für Rennfahrer und Einsteiger? Falsch! Mit Federweg und Geometrien, wie man sie sonst nur vom Enduro kennt, machen die acht Trail-Hardtails im Test auch in der Abfahrt mächtig Spaß.

In jedem Markt gibt es Nischen. Der Steckdosen-Harmonisierer zum Beispiel soll mittels "Nullpunktenergie" und "Nano-Quanten-Technik" den Strom aus der Steckdose verbessern und so den Sound der Stereoanlage satter machen. Der tatsächliche Nutzen des Produkts ist dabei mehr als fragwürdig. Ein ähnliches Nischendasein führen seit Jahren die sogenannten Trail-Hardtails. Exotische Bikes mit der Attitüde eines Enduros, aber mit ungefedertem Heck. Fette Reifen, kurze Vorbauten und flache Lenkwinkel sollen den Bikes trotz starrem Heck zu ungeahnten Abfahrtsqualitäten verhelfen. Das ist nicht unbedingt massenkompatibel. Und doch scheint es, als würden diese "Do-it-all-Hardtails" gerade ihren Weg aus der Nische finden. Selbst Großserienhersteller wie Ghost oder Bulls bieten inzwischen Bikes mit bis zu 140 Millimetern Federweg an der Front, aber starrem Heck. Wir wollten wissen, wie viel Trailbike tatsächlich in einem Hardtail steckt und haben acht Modelle zwischen 2100 und 3000 Euro über unsere Testrunde gescheucht.



Diese Trail-Hardtails haben wir getestet:

Bulls Duro
Conway WME MT 929
Cotic Solaris Max
Felt Surplus 10
Ghost Asket 8 AL (BIKE-Tipp: Allround)
Last Fastforward Trail 29 (BIKE-Tipp: Testsieger)
Mondraker Vantage RR+
Orange P7 Pro

Test 2017: Trail-Hardtails für Fahrspaß pur

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Wer glaubt, Hardtails wären nur was für Rennfahrer und Einsteiger, der irrt gewaltig. Mit bis zu 140 Millimetern Federweg und Geometrien, wie man sie sonst nur vom Enduro kennt, machen die acht Trail-Hardtails im Test auch in der Abfahrt mächtig Spaß.


Schon beim ersten Blick über die Reihe der Kandidaten fällt auf: Selten war ein Testfeld vielfältiger. Von 29 über 27,5 Zoll, bis hin zur Plus-Bereifung sind sämtliche Laufrad- und Reifengrößen im Test vertreten. Ein besonders spannendes Konzept liefert Bulls mit dem Duro. Am Heck soll ein Plus-Reifen Grip und Dämpfung verbessern, vorne ein 29er-Laufrad leichter Hindernisse überrollen. Auch beim Rahmenmaterial hat man die Wahl: Neben modernen Alu-Rahmen schweißen Cotic, Last und Orange ihren klassischen Diamant-Rahmen aus schlanken Stahlrohren zusammen. Weil die Bikes im Gelände einiges wegstecken müssen, sollte man hier aber keine Gewichtsrekorde erwarten. Zwischen 2,2 und gut über 2,8 Kilo bringen die Rahmen auf die Waage. Im fahrfertigen Zustand schaukeln sich die Gewichte so bis auf massige 14,4 Kilo beim Orange P7 hoch. Im Schnitt liegt das Gewicht bei noch erträglichen 13 Kilo. Da fällt das Ghost förmlich aus der Reihe. Das günstigste Bike im Test wiegt ohne Pedale gerade mal 12 Kilo. Auch der Rahmen hat mit 1839 Gramm wohl eine längere Nulldiät hinter sich. Lediglich bei der Ausstattung muss man kleine Abstriche in Kauf nehmen. Geschaltet wird mit Shimano SLX statt XT, wie bei den meisten anderen Herstellern, und vorne federt eine Fox-Performance-Gabel statt der teuren Fox Factory oder Rockshox-Pike-Versionen. Dass es jedoch noch weniger wertig geht, zeigen Mondraker und Orange: Srams NX-Schaltgruppe und Level-T-Bremsen am Vantage RR+ und ein wilder Mix aus Shimano- und Race-Face-Komponenten am P7 wirken für die aufgerufenen Preise kaum standesgemäß. Auffällig: Sieben Hersteller setzen im Test auf Einfach-Antriebe. Aber nur Bulls und Cotic verbauen die breitbandige 11–46er-Kassette von Shimano. Mit einem 40er- oder 42er-Ritzel als leichtesten Gang wird der Anstieg bei den übrigen Bikes so zum schweißtreibenden Erlebnis. Conway geht als einziger Hersteller auf Nummer sicher und mit einer solide übersetzten Zweifach-Kurbel keine Kompromisse ein.

Markus Greber Dank Enduro-ähnlicher Geometrien mit flachen Lenkwinkeln und ordentlich Federweg kann man mit den Trail-Hardtails selbst auf ruppigeren Strecken die Bremsen offen lassen. Voraussetzung dafür: eine saubere Fahrtechnik und die richtige Linienwahl.

Die Abstimmung der Trail-Hardtails ist im Prinzip schnell erledigt. Mehr als Reifendruck und Federgabel gibt es nicht einzustellen. Um möglichst viel Traktion und einen Hauch von Komfort aus den ungefederten Hinterbauten zu kitzeln, sollte man sich langsam an den noch fahrbaren minimalen Reifendruck herantasten. Bei den gefahrenen 1,6 bar am Heck (1,0 bar bei Plus-Reifen) bleibt noch etwas Luft nach unten, bevor der Reifen bei jedem Schlag die Felgenhörner küsst. Die Gabeln als einzige Federung benötigen durch die Bank etwas mehr Druck als die Hersteller angegeben, weil sie ansonsten im Gelände zu schnell abtauchen.

Den Pflichtteil der Testrunde erledigen die meisten Bikes im Test eher gemächlich. Die komfortablen Sitzpositionen und griffigen Reifenmischungen verleiten im Anstieg kaum zu Sprint-Einlagen. Das Ghost Asket lässt sich trotz großer Laufräder noch am leichtesten beschleunigen und zieht auf dem Schotterweg der Konkurrenz davon. Lediglich Bulls und Felt können hier dank leicht rollender Reifen einigermaßen Schritt halten. Ihre breiten Plus-Reifen rollen dabei spürbar komfortabler über Steine und Wurzeln als die normalbereifte 2,35er-Konkurrenz.

Markus Greber Plus-Reifen verwöhnen Hardtail-Fahrer vor allem am Heck mit etwas Komfort, besonders im Uphill und in Wurzelpassagen. Bei schlammigen Bedingungen stoßen die oft zahmen Plus-Profile allerdings an ihre Grenzen.

Sobald man in die Abfahrt einbiegt, zeigen die Trail-Hardtails ihr wahres Gesicht. Mit Lenkwinkeln um die 66 Grad, 30 bis 60 Millimeter kurzen Vorbauten und den potenten Federgabeln will man bergab den Gashahn aufdrehen. Hier spielt das etwas höhere Gewicht kaum mehr eine Rolle. Bikes wie Mondraker, Last und Orange liegen satt auf dem Trail, lassen sich bereitwillig in die Kurven drücken und mit Zug aus den Kehren beschleunigen. Selbst in steilen Abfahrten und über kleine Sprünge vermitteln die laufruhigen Geometrien viel Sicherheit. Das leichte Ghost tänzelt flink über die Trails und scheut auch vor Sprungeinlagen nicht zurück. Erstaunlich, welch technische Trails mit einem Hardtail möglich sind – solange die Linie stimmt. Wo man mit einem Fully gedankenlos über Wurzeln und Steine walzt, wird jeder Fahrfehler auf dem Hardtail mit einem Kick in den Hintern quittiert. Verpatzt man die Landung oder driftet zu weit von der Spur ab, bocken die starren Hinterbauten wie Rodeo-Bullen. Da helfen selbst die fetten Plus-Walzen am Mondraker und Felt nicht. Überraschend zeigen sich da noch die Stahlrahmen im Test. Auch wenn die Laborwerte ein anderes Bild vermitteln, fährt sich Stahl gefühlt organischer und nachgiebiger als die steife Alu-Konkurrenz. Die Beine haben trotzdem immer gut zu tun und sind damit beschäftigt, das Hinterrad am Boden zu halten. Sie ersetzen quasi die fehlende Heckfederung. Auch wenn man nach der Abfahrt mit einem breiten Grinsen aus dem Trail rollt, so mancher Biker wird sich wohl am Ende des Tages auf ein komfortspendendes Fully zurücksehnen. Nischenprodukte sind eben nur selten massentauglich. Und so könnten die Trail-Hardtails, genauso wie der Steckdosen-Harmonisierer, auch weiterhin ein Produkt für eine kleine, erlesene Randgruppe bleiben.


Fazit von Stefan Frey, Test-Redakteur:
Erstaunlich, wie viel Spaß man mit einem Hardtail auf dem Trail haben kann. Die modernen Geometrien verleiten zum Spielen. Dazu sind Hardtails wartungsfreundlicher, leichter und günstiger als vergleichbare Fullys. Wer maximale Abfahrtsleistung sucht, wird bei Last, Mondraker und Orange fündig. Cotic und Conway sind solide Allrounder, Bulls und Felt mit ihren schnellen aber wenig griffigen Reifenmischungen eher für leichte Trail-Touren geeignet. Das ultimative Bike für alle Fälle ist das günstige Asket von Ghost.

Robert Niedring BIKE-Testredakteur Stefan Frey



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