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Test 2017: 11 Hardtails bis 800 Euro

Hardtails: Wieviel Bike bekommt man für 800 Euro?

  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 4 Jahren

Für knapp 8000 Euro bekommt man ein Highend-Race-Hardtail. Oder ZEHN Bikes unserer Testgruppe. Wie viel Bike in Hardtails unter 800 Euro steckt, müssen die elf Kandidaten im Test beweisen.

Der menschliche Körper leistet Erstaunliches: Permanent sammelt er unbemerkt Informationen und adaptiert Verhaltensweisen, Bewegungen und Kraftflüsse. Latsch, Vinschgau. Wir laden die Testflotte aus unserem Transporter, Fotograf Wolfi nimmt das letzte Bike entgegen. Wie von Geisterhand gesteuert sausen seine Arme nach oben, bis der Sattel gegen die Deckenverkleidung des Busses rumst. "Das ist aber kein 800-Euro-Bike", folgert er treffsicher. Seine Synapsen hatten wohl noch die 13,8 Kilo gespeichert, die unsere Einsteiger-Hardtails im Schnitt wiegen, jetzt hält er ein Specialized Epic S-Works in der Hand. Kostenpunkt 7499 Euro, 8,23 Kilo leicht. Zum Glück gewöhnen sich die Rezeptoren schnell an die leichte Traglast, und so nimmt der teure Racer doch noch sicher neben den elf Kandidaten der Testgruppe Platz. Ein skurriles Bild, denn für den Wert des Edel-Boliden könnte man fast zehn unserer Unter-800-Euro-Hardtails kaufen.



Diese elf Hardtails haben wir getestet:

  • Bergamont Revox 6.0
  • Felt Nine 60
  • Kona Fire Mountain
  • Kreidler Dice 27,5 5.0
  • KTM Ultra Fire 29
  • Radon ZR Team 7.0 29 (BIKE-Tipp: Testsieger)
  • Rocket Bikes Race Sport 27,5
  • Silverback Sola 4
  • Specialized Rockhopper Comp (BIKE-Tipp: Bergauf)
  • Superior XC 879
  • Univega Summit 6.0

Test 2017: 11 Hardtails bis 800 Euro

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Für knapp 8000 Euro bekommt man ein Highend-Race-Hardtail. Oder ZEHN Bikes unserer Budget-Testgruppe. Wir wollten wissen, wie viel Bike in Hardtails unter 800 Euro steckt und haben elf Kandidaten auf die Probe gestellt – mit aufschlussreichem Ergebnis.


Um zu erfahren, wie viel echtes Mountainbike in der Einsteigerklasse steckt, wagen wir die Gegenüberstellung der Extreme: Wir jagen das sündhaft teure Highend-Modell im direkten Vergleich über die Teststrecke im Vinschgau. Wo genau stecken die Unterschiede in der Praxis, und wie viel spürt man auf der Teststrecke tatsächlich? Nach elf Runden auf den günstigen Bikes, sorgt der erste Antritt mit dem im Schnitt fünfeinhalb Kilo leichteren S-Works direkt für das erwartete Aha-Erlebnis: Das Bike beschleunigt deutlich besser, animiert an kurzen Stichen zu mühelosen Sprint-Einlagen. Das erweckt Superman-Gefühle, haben wir plötzlich Profi-Beine? Beim kontinuierlichen Pedalieren in der Ebene oder im Anstieg fällt der Unterschied aber nicht so massiv aus wie gedacht. Trotz gut fünf Kilo Zusatzgewicht, klettert die Günstig-Klasse ordentlich, den Blick auf den Sekundenzeiger der Stoppuhr sollte man sich aber verkneifen. Zwei kräftige Pedalumdrehungen im Wiegetritt, und das S-Works fliegt den Stich zum Trail-Einstieg hinauf. Auch in der Abfahrt macht sich das Fliegengewicht bemerkbar. In den engen Kehren des Trails ist der Edel-Racer mit weniger Körpereinsatz zu fahren als die Einsteiger-Hardtails. Das Handling ist präziser, es bleiben mehr Reserven und Spielraum, die Linie zu korrigieren. Während die günstige Testgruppe durchgehend auf Schnellspanner an Vorder- und Hinterrad setzt, sorgen am S-Works Steckachsen für Steifigkeit, das ist spürbar. Auch die Federgabel hat erheblichen Anteil am besseren Abfahrtsverhalten. Perfekt einstellbar, sensibel, standhaft: Die teure SID hält das Vorderrad am Boden und verbessert Bike-Kontrolle und Sicherheit.

Dem gegenüber steht eine der größten Schwächen der Einsteiger-Bikes: Sieben Vertreter bauen auf schwere Stahlfedergabeln, die nur über Federvorspannung an das Fahrergewicht einstellbar sind. Für sportliche Fahrweise mussten wir diese Einstell­option voll ausnutzen, darunter leiden Ansprechverhalten und Ausfedergeschwindikgeit enorm. Vier Kandidaten verzichten nämlich auf eine einstellbare Zugstufendämpfung. Auf Schläge reagieren sie teilweise mit dem Flummi-Effekt, bringen das Vorderrad bei Unebenheiten zum Hüpfen und machen die Trail-Fahrt damit unpräzise. Nur Radon, Silverback, Specialized und Univega leisten sich den Luxus einer voll einstellbaren Luftgabel. Das erhöht den Komfort und spart zusätzlich Gewicht. Bei den besten Modellen wird der Unterschied zur teuren SID damit etwas kleiner.

Wolfgang Watzke Unsere Testrunde in Latsch forderte die Hardtails mit ernsthaften Trails. Fazit: Auch auf 800-Euro-Bikes kann man bereits richtig Spaß im Gelände haben.

Im direkten Vergleich beeindruckt das Handling des Highend-Bikes alle Tester, das ist keine Überraschung. Erstaunlicher ist die solide Leistung der Testgruppe. Denn, auch wenn beim Aufsitzen schnell klar wird, welches Kaliber man unter dem Hintern hat, bleiben es je nach Strecke eher Nuancen, die Biker mit der Highend-Maschine herausholen können. Auch mit den Top-Bikes der günstigen Testgruppe fliegt man mit einem breiten Grinsen über den Trail und meistert ausgedehnte Touren. Das ist echtes Mountainbiken! Die Grenze des Machbaren setzt eher das System Hardtail als der Preis. Denn mit den 800-Euro-Bikes können versierte Biker alles fahren, was mit einem sündhaft teuren Highend-Hardtail möglich ist – angepasste Geschwindigkeit und keinen Hunger auf Bestzeiten vorausgesetzt.

Und es gibt noch mehr gute Nachrichten für Sparfüchse: Die günstigen Schaltkomponenten funktionieren einwandfrei, zumindest im Neuzustand und wechselten die Gänge genauso zuverlässig wie die teure Sram-Eagle-Schaltung am Highend-S-Works. Für Einsteiger ist die größere Bandbreite und der meist leichtere Berggang der Zwei- oder Dreifach-Antriebe wahrscheinlich sogar praxistauglicher als die 1x12-Schaltung. Auch die erschwinglichen Shimano-Bremsen, die an zehn der elf Test-Bikes verbaut sind, geben keinen Grund zur Beschwerde. Der Druckpunkt ist definiert, die Bremskraft für mittelschweres Gelände absolut ausreichend, mehr braucht es an Bikes dieser Klasse nicht. Die Tektro-Stopper am Kona fallen im Vergleich dazu etwas ab.

Eine Sparmaßnahme, die sich durchs gesamte Testfeld zieht wie ein fieser Virus, sind die Reifen. Zum Großteil kommt die schwere Drahtversion zum Einsatz, dadurch schnellt das Gewicht in die Höhe, und auch die Gummimischungen leiden unter dem Sparzwang. Das hat auch etwas Positives: Wer hochwertige Reifen nachrüstet, spart mit geringem Aufwand rund 400 Gramm und wird zudem mit mehr Grip und besserem Rollverhalten belohnt – ganz klar Tuning-Tipp Nummer eins in dieser Preisklasse!


FAZIT von Florentin Vesenbeckh, BIKE-Testredakteur: 
Bike-Spaß muss nicht teuer sein! Die 800-Euro-Klasse bietet alles, was genügsame Bike-Einsteiger brauchen. Die größten Abstriche müssen Sparer beim Gewicht machen. Genau hinschauen lohnt sich, denn selten sind die Unterschiede innerhalb einer Testgruppe so markant. Auch die Ansätze der Hersteller sind sehr vielfältig: Kopie des Highend-Racers, gemäßigter Tourer oder doch eher gemütliches Eisdielenrad mit einem Schuss Gelände-Aroma?

Georg Grieshaber BIKE-Redakteur Florentin Vesenbeckh


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Themen: 800 EuroBergamontFeltHardtailKonaKreidlerKTMRadonRocket BikesSilverbackSpecializedSuperiorTestUnivega


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