Dauertest: Trek Procaliber 9.8 SL

Gelenkig: Trek Procaliber 9.8 SL im Langzeit-Check

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 3 Jahren

Das Trek Procaliber will Hardtail und Fully gleichzeitig sein. Ein verstecktes Gelenk im Oberrohr macht den Carbon-Racer zum flexenden Zwitter. Aber hält das denn?

Das Trek Procaliber ist so viel Fully, wie Dragqueen Olivia Jones eine Frau. Irgendwie doch und irgendwie auch nicht. Es federt, aber nur ein bisschen. Richtig starr ist es jedoch auch nicht. Scharen von Ingenieuren haben sich daran abgerackert, den Hardtails ihre Bockigkeit auszutreiben. Eine clevere Lösung kam dank Rennrad-Star Fabian Cancellara zustande. Um den Kopfsteinpflaster-Irrsinn Paris–Roubaix ("Die Hölle des Nordens") erträglicher zu machen, entwickelte er zusammen mit Trek das IsoSpeed-Gelenk. Ein Lager, das Ober- und Sitzrohr voneinander entkoppelt, sodass das Sitzrohr Fahrbahnstöße wegschwingen kann. Klar, dass Trek diese Technik auch in das Race-Hardtail Procaliber implantierte. Und ja, die Schläge werden tatsächlich ziemlich abgesoftet. Angenehm. Doch hält das auf Dauer? Die Stütze schwingt ja wie ein Yacht-Mast bei Windstärke 10. Und das bei einem leichten Race-Rahmen aus Carbon!

Die Bedenken zerstoben im Rausch der ersten Kilometer. Das Trek gab sich kilometerhungrig. SID-Gabel, XT-Bremsen, Sram-X1-Schaltung – alles robuste, bewährte Teile – taten routiniert ihren Dienst. Erst bei einer dreitägigen, forsch gefahrenen Bikepacking-Tour durch den Thüringer Wald kristallisierten sich die kleinen Schwachpunkte heraus. Die verhältnismäßig schweren DT-Swiss-Laufräder etwa, die dem Bike spürbar die Spritzigkeit nahmen. Oder die etwas zu kernig gestufte 1x11-Schaltung, deren kleinste 32x42-Übersetzung mich in Steilstücken wieder und wieder zum Schieben zwang, obwohl die Kumpels noch fidel pedalierten. Das Trek machte jede Schlammschlacht, jede Kilometerorgie und sogar zwei Bikepark-Besuche klaglos mit. Eine Kette war irgendwann mürbe, ein paar Bremsbeläge hatten sich in Staub aufgelöst. Der Lockout-Hebel ruckelte müde, weil die Bowdenzughülle korrodiert war. 08/15-Verschleiß. Und dass sich die Steuerlager gegen Ende des Tests nur noch unwillig drehten und um Austausch flehten – geschenkt. Die Stütze jedenfalls schwang munter wie am ersten Tag. Kein Knarzen, keine Risse. Alles prima.


FAZIT: die bequeme Art, puristisch zu biken. Allerdings sind viele normale Top-Hardtails inzwischen ähnlich komfortabel. Die Ausstattung könnte hochwertiger sein, ist aber zuverlässig. Top Langstrecken-Bike.


Laufleistung: 3.612 km | 35.500 hm


Funktionalität   4 von 6 Punkten
Haltbarkeit   5 von 6 Punkten


DEFEKTE / WARTUNG

Trek Procaliber 9.8 SL: 1250 KM: Säubern – Nach mehreren Regenfahrten knarzte die Kurbel. Die Pressfit-Lager waren nicht zu Ursache, sie liefen seidenweich. Nach dem Säubern war das Geräusch weg. 

• 2800 km – Kette verschlissen: Nach einem Gardasee-Urlaub hilft auch putzen und ölen nicht mehr. Der längst geplante Kettentausch ist überfällig.

• 2800 km – Bremsbeläge verschlissen: Auch die Beläge sind nach den Touren am Monte Velo und Monte Altissimo endgültig runtergeschmirgelt.

• 3150 km – Lockout-Bowdenzug schwergängig: Der Lockout-Hebel der SID ruckelt nach Auslösen nur noch zeitlupenhaft in die Ausgangsposition. Zugwechsel fällig.

• 3300 km – Steuersatz fest: Huch, hat einer Kleber ins Steuerrohr geschüttet? Nichts dreht sich mehr. Der Steuersatz ist fest. Nach einem beherzten Ruck am Lenker nehmen die Lager wieder mürrisch den Dienst auf. Aber lange machen sie sicher nicht mehr mit.

Nach 3300 km naht das Ende für die Steuersatzlager des Trek Procaliber 9.8 SL mit großen Schritten.

Trek Procaliber 9.8 SL: Gelenk-Kontrolle –  Fast jede Woche wurde der Rahmen und das Iso-Speed Gelenk kontrolliert. Sind die Schrauben locker? Sind Risse im Carbon zu sehen? Bis zum Schluss war alles bestens.


TUNING

• 2380 km – Satteltausch: Der originale Bontrager-Sattel war okay, musste aber schließlich einem strafferen Modell von SQlab weichen.


BEZIEHUNGS-HIGHLIGHTS


Entspannt Vollgas: Die Kurbel ist für mich das wichtigste Teil am Bike. Ich benutze sie oft und gerne. Bikepacking-Abenteuer, Cross-Country-Einheiten, Alpen-Touren – das Trek kam viel rum. Ein Highlight war sicher die Dreiländer-Tour inklusive der sagenhaften Val-d’Uina-Schlucht. In der berühmten Tunnelgalerie hatten die Kurbeln mal ausnahmsweise Pause. Grund: Schiebepflicht!

Val d'Unia


DER TESTER

Henri Lesewitz, BIKE-Reporter
45 Jahre / 1,79 m / 81 kg
Fahrerprofil: Sportliche Touren, Marathon-Rennen
Lieblingsreviere: Alpen-Vorland, deutsche Mittelgebirge

Henri Lesewitz mit dem Trek Procaliber 9.8 SL in der Tunnelgalerie des Val d'Uina.



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Test: Trek Procaliber 9.8 SL

Hersteller/Modell/Jahr
Trek Procaliber 9.8 SL / 2016
Fachhandel/Versender
Fachhandel
Herstellerangaben
Allgemeine Infos
Bikeurope B.V./Trek Deutschland, 0180/3507010, www.trekbikes.com
Material/Grössen/Testgrösse
Carbon / H: 15,5, 17,5, 18,5, 19,5, 21,5 / 18,5 "
Preis
3999.00
Preis (Rahmen)
BIKE-Messdaten
Gewicht ohne Pedale
9990.00
Lenk-/Sitzrohrwinkel
69.30
Vorbau-/Oberrohrlänge
90.00
Radstand/Tretlagerhöhe
1116.00
Federweg Vo. min/max, Hi. min/max
-/-, -/-
Übersetzung
1
BB Drop/Reach/Stack
-54.00/419.00/599.00
Ausstattung
Gabel/Dämpfer
Rock Shox SID 29 RL/- -
Kurbel/Schaltwerk/Schalthebel
SRAM X1-1400/SRAM X01/SRAM X1
Bremsanlage/Bremshebel
Shimano XT/Shimano XT
Laufräder/Reifen
BIKE Urteil¹
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (150-125 P.), sehr gut (124,75-110 P.), gut (109,75-90 P.), befriedigend (89,75-65 P.), mit Schwächen, ungenügend.

Themen: DauertestProcaliberTrek


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