Test 2020: Highend-Enduros Aufmacher Test 2020: Highend-Enduros Aufmacher

Test 2020: Highend-Enduros ab 4500 Euro

8 Highend-Enduros bis 170 mm Federweg im Vergleich

Peter Nilges am 17.01.2020

Für die neue Enduro-Generation gab’s ein Upgrade in die einstige Freeride-Klasse. Mit 170 Millimeter Federweg und ultraflachen Geometrien sind sie bergab so schnell wie nie. Acht Modelle im Test.

Die Welt ist im rasenden Wandel. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Technik – das Rad dreht sich immer schneller. Und manchmal will man den Fuß raushalten, um überhaupt noch Schritt halten zu können. Auch in der Bike-Branche bleibt kein Stein auf dem anderen. Ganz nach dem Motto: Stillstand bedeutet Rückschritt, galoppiert die Entwicklung voran. Ob das immer zum Wohl des Bikers passiert, ist zu diskutieren.

Bestes Beispiel: die Mountainbike-Kategorien. Federwege und Geometrien verschieben die Einsatzbereiche von Jahr zu Jahr. Besonders deutlich sieht man das momentan an der Enduro-Klasse. Einst langhubige Alleskönner, haben sich die Enduros binnen weniger Jahre zu spezialisierten Wettkampfmaschinen gewandelt. Die Hauptursache dafür trägt das Kürzel EWS. Sieben der acht Enduro-Marken in diesem Test unterhalten ein Profi-Team, das in der Enduro World Series um Ruhm und Ehre kämpft. Giant, Mondraker, Rocky Mountain, Scott, Specialized, Whyte und nicht zuletzt Yeti setzen alles daran, ihre Teams mit den schnellsten Rennmaschinen auszustatten. Nur die erst neu gegründete Schweizer Marke Arc8 ist (noch) nicht im EWS-Trubel vertreten.


Den gesamten Artikel mit allen Testergebnissen inklusive Punktetabellen, technischen Daten und Noten gibt es als PDF unten im Download-Bereich:

Fotostrecke: Test 2020: Highend-Enduros ab 4500 Euro


Um auf den immer heftigeren Strecken bestehen zu können, und das möglichst ohne Defekt (ein Tausch des Materials ist bei den meisten Rennen nicht erlaubt), sind extreme Geometrien und vor allem solides Material gefordert. Dabei sind die Anforderung an ein Enduro zum Teil sogar höher als an ein Downhillbike. Warum? Erstens: Die Bergab-Stages der Enduro-Strecken ähneln den Wettkampf-Downhill-Strecken stark. Doch ein Enduro muss mit weniger Federweg auskommen. Zweitens: Enduro-Piloten spulen nicht nur an einem Renn­wochenende deutlich mehr Kilometer runter als jeder Downhiller. Und Drittens: Durch die Vielzahl der Strecken wird ein zentimetergenaues Auswendiglernen und Treffen der Ideallinie wie im Downhill schier unmöglich – deshalb muss das Material über große Reserven verfügen.

Kein Wunder also, dass das Gewicht der Enduro-Bikes im Lastenheft der Entwickler nur noch eine untergeordnete Rolle spielt und die Rahmen trotz Carbon-Einsatz tendenziell immer schwerer werden. So pendelt sich das Rahmengewicht in diesem Testfeld bei durchschnittlich knapp unter drei Kilo ohne Dämpfer ein – zum Zweck der Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit bei Stürzen. Gleiches gilt für die Komponenten. EWS-Profi Martin Maes beispielsweise kombiniert die ohnehin sehr stabilen und schweren Schwalbe-Super-Gravity-Reifen (1250 Gramm) noch zusätzlich mit einer Cushcore-Pannenschutzeinlage (260 Gramm), um die Gefahr eines Plattens im Rennen zu minimieren. So bleiben in unserer Testgruppe beim Gesamtgewicht nur die Enduros von Arc8, Giant und Scott inklusive Pedale unter der 14-Kilo-Marke. Das neue Slayer von Rocky Mountain und das mit 4500 Euro günstigste Bike vom UK-Versender Whyte wiegen hingegen deutlich über 15 Kilo. Zumindest die positive Pannenbilanz gibt den Produkt-Managern recht. In unserem gesamten Testprozedere konnten wir bei einem Reifendruck von vorne 1,4 und hinten 1,6 bar im Tubeless-Setup nur einen einzigen Platten beklagen. Keine schlechte Bilanz.

Test 2020: Highend-Enduros Yeti

Noch vor drei Jahren galten extrem flache Lenkwinkel in Kombination mit 29er-Laufrädern als unfahrbar. Die neuen Enduros beweisen das Gegenteil. Mit durchschnittlich 64-Grad-Lenkwinkel kurzem Gabel-Offset und äußerst potenten Fahrwerken kennen sie bergab kaum Grenzen. 

Auch in Sachen Geometrie macht die Spezialisierung vor den Enduros nicht halt. Ein Lenkwinkel von 64 Grad in Kombination mit 29-Zoll-Laufrädern galt bis vor wenigen Jahren noch als unfahrbar. Bei unserer aktuellen Testgruppe sind diese Eckdaten jedoch Standard. Zusätzlich setzen alle Hersteller auf Federgabeln mit wenig Offset, was den Nachlauf erhöht und nochmals mehr Laufruhe bringt. Mit dieser Lenkgeometrie und dem gewachsenen Radstand liegen die neuen Enduros bei hohen Geschwindigkeiten wie ein Brett auf dem Trail. Um beim Pedalieren bergauf zumindest genügend Druck aufs Vorderrad zu bringen, wurden die Sitzwinkel im gleichen Maße steiler. 76,5 Grad im Durchschnitt sprechen eine eindeutige Sprache und sorgen dafür, dass man trotz eines langen Reachs meist recht kompakt und aufrecht sitzt. Lediglich bei langsamer Fahrt bergauf kann der sehr flache Lenkwinkel zu Abkipptendenzen führen, wie beim Arc8, das mit 63,5 Grad Lenkwinkel am flachsten ausfällt, zumal der Hinterbau im Steilen ohne Plattform leicht wegsackt. 

Test 2020: Highend-Enduros Team

Ideale Test- und Fotobedingungen fanden wir diesmal am Reschenpass rund um Nauders. Nach peniblem Setup nutzten wir vor allem den Schöneben-Trail, um die Unterschiede in der DH Performance herauszufahren. 


Den kompletten Vergleichstest inkl. aller Daten, Punktetabellen und der Notenübersicht finden Sie in BIKE 12/2019. Als PDF kostet der Vergleichstest 2,99 Euro. Warum nicht kostenlos? Weil Qualitätsjournalismus einen Preis hat. Dafür garantieren wir Unabhängigkeit und Objektivität. Das betrifft ganz besonders die Tests in BIKE. Die lassen wir uns nicht bezahlen, sondern das Gegenteil ist der Fall: Wir lassen sie uns etwas kosten, und zwar Hunderttausende Euro jedes Jahr.

Die gesamte Digital-Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Print-Ausgabe im DK-Shop nachbestellen – solange der Vorrat reicht:

iTunes StoreGoogle Play Store


In einigen unserer Auftritte verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Diese sind mit Sternchen (*) gekennzeichnet. Wenn Sie auf so einen Affiliate-Link klicken und über diesen Link einkaufen, erhalten wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für Sie verändert sich der Preis dadurch nicht.

Peter Nilges am 17.01.2020
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren