Test-Duell 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline Test-Duell 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline

Test 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline

29 vs. 27,5 Zoll: Welches Bike punktet auf dem Trail?

Peter Nilges am 24.07.2018

Sie besitzen dieselben Gene, haben aber grundverschiedene Veranlagungen. BIKE hat die beiden ungleichen Brüder Rocky Mountain Instinct und Pipeline zum Duell gebeten: 29 Zoll gegen 27,5+

Wie nennt man ein Bike, in dem man zwei unterschiedliche Laufradgrößen fahren kann? Nun, die einen nennen es Convertible-Bike, wieder andere geben dem besagten Bike je nach momentaner Laufradbestückung einfach einen eigenen Modellnamen. Die Kanadier um Rocky Mountain schlagen den zweiten Weg ein und blasen damit ihre Modellpalette auf. Instinct nennt sich das Modell, wenn es mit 29er-Laufrädern bestückt wird. Rollt es jedoch auf breiten 27,5x2,8er-Reifen, heißt das Ganze Pipeline. Abgesehen von Laufrädern, Reifen und interessanterweise den Bremsen sind beide Modelle komplett identisch und kosten daher auch beide Male exakt 5800 Euro.

Da 29-Zoll-Reifen in 2,3er-Breite und 27,5-Zöller in 2,8er-Breite vom Durchmesser nicht ganz genau gleich sind, macht es Sinn, die Tretlagerhöhe auszugleichen. Im Radius liegen zwischen den beiden Laufrädern 12 Millimeter. Da bereits das Instinct trotz 29er-Laufräder über ein recht tiefes Tretlager verfügt, muss das Pipeline also irgendwie höhergelegt werden. Manche Hersteller lösen das Problem mit einem Flipchip, bei Rocky Mountain hingegen kommt ein einfacher 12-Millimeter-Spacer zum Einsatz, der unten ins Steuerrohr eingepresst wird. Die Maßnahme reicht jedoch nicht ganz aus, das Pipeline auf das gleiche Niveau zu hieven. Vier Millimeter liegt das Pipeline selbst unbelastet noch tiefer, hinzu kommt das durch den niedrigeren Reifendruck stärkere Einsinken. Über die sogenannte Ride-9-Verstellung an der hinteren Dämpferaufnahme lassen sich Federkennlinie und Geometrie inklusive Tretlagerhöhe aber noch einstellen. Gegen ungewollte Pedalaufsetzer fuhren wir das Pipeline daher nie in der tiefsten und flachsten Position.

Fotostrecke: Test-Duell 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline

Der Blick aufs Datenblatt offenbart viele Gemeinsamkeiten aber auch deutliche Unterschiede. So verfügen beide Rocky-Brüder über eine laufruhige Geometrie mit flachem Lenkwinkel, gepaart mit einem erstklassigen Hinterbau. Trotz hoher Sensibilität arbeitet das Heck auch mit offenem Dämpfer sehr stabil und ruhig im Wiegetritt. Auch die Sitzposition und das Handling können von Beginn an überzeugen. Draufsetzen und wohlfühlen. Durch die eher langen Kettenstreben ist beim Anheben des Vorderrades allerdings Einsatz gefragt.

Bereits auf den ersten Metern im Trail kommen die grundverschiedenen Veranlagungen ans Licht. Das pummeligere Pipeline bringt rund 600 Gramm mehr auf die Waage. Der komplette Gewichtsunterschied steckt dabei zu 100 Prozent in den Laufrädern mitsamt Reifen. Zudem verfügt das Pipeline nicht nur über die deutlich breiteren, sondern auch gröberen Reifen mit griffiger aber auch schlechter rollender Gummimischung. Jeder kurze Sprint und jeder knackige Anstieg machen diesen Unterschied spürbar. Das Instinct hängt einfach besser am Gas und fühlt sich spritziger an.Bergab wendet sich das Blatt. Im

Vergleich zur normalen 29er-Bereifung begnügen sich die Plus-Reifen im Pipeline mit nur 1 bis 1,3 Bar. Das bringt eine Extra-Portion Komfort und generiert mehr Grip. Durch die sehr breiten Felgen mit 35er-Innenweite stehen die Reifen zudem sehr stabil und knicken auch bei hoher seitlicher Last kaum ein. Selbst bei schlammigen Bedingungen konnte die 29er-Kombi aus Maxxis Minion DHR und dem schwach profilierten Forekaster hier nicht mit den Breitreifen mithalten. Je nach Position der Ride-9-Verstellung (siehe Detail oben) verändert sich auch der Federweg am Hinterbau. In der flachsten Geometrie ist der Federweg am kürzesten, und in der steilsten Geometrie stehen 21 Millimeter mehr zur Verfügung. Generell fühlen sich beide Hinterbauten sehr potent an. In Kombination mit den Plus-Reifen wird dieser Eindruck allerdings nochmals verstärkt.


Peter Nilges, BIKE-Testleiter: 
Mit Pipeline und Instinct demonstriert Rocky eindrucksvoll, wie stark sich der Charakter eines Bikes nur anhand der Reifendimension ändert. Beide funktionieren tadellos, besitzen aber unterschiedliche Stärken. Das 29er fällt deutlich kletterfreudiger und spritziger aus, während das Pipeline bergab noch eine Schippe drauflegen kann. Laut Punktesystem gewinnt das Instinct mit knappem Vorsprung.

Test-Duell 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline

BIKE Testleiter Peter Nilges


ROCKY MOUNTAIN INSTINT CARBON 7 29"

Preis (Rahmen)   5800 Euro
Gewicht    12,4 kg
Web   www.bikeaction.de

Das Instinct ist durch seine deutlich leichteren 29er-Laufräder das sportlichere und insgesamt ausgewogener All Mountain. Mit besserem Vortrieb und besseren Klettereigenschaften spart es auf ausgedehnten Touren mehr Körner. Sportliche Fahrer werden mit diesem Setup garantiert glücklicher. Aber auch bergab ist es nicht zu unterschätzen, zumal die etwas zahme Bereifung hier noch Potenzial bieten würde.

Test-Duell 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline

Rocky Mountain Instinct Carbon 70


ROCKY MOUNTAIN PIPELINE CARBON 70 27,5"

Preis (Rahmen)   5800 Euro
Gewicht    12,9 kg
Web   www.bikeaction.de

Durch seine 2,8er-Plus-Bereifung bringt das Pipeline 560 Gramm mehr auf die Waage. Bis auf die Bremsen ist es aber ansonsten identisch zum Instinct. Durch die Breitreifen verschiebt sich der Einsatzbereich des Pipelines in Richtung bergab, weshalb das Bike an der Enduro-Kategorie kratzt. Mehr Grip und mehr Komfort stehen einem behäbigeren Handling und höherem Rollwiderstand gegenüber. 

Test-Duell 2018: Rocky Mountain Instinct gegen Pipeline

Rocky Mountain Pipeline Carbon 70


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Peter Nilges am 24.07.2018