SUV-E-Bikes5 Fahrräder zum Pendeln – über Trails zum Job

Josh Welz

, Adrian Kaether

 · 20.12.2022

SUV-E-Bikes: 5 Fahrräder zum Pendeln – über Trails zum JobFoto: Robert Niedring
Nach der Arbeit im Anzug den Trail rocken? Das SUV Bike von Centurion macht erstaunlich viel mit. Man muss aber auch dazu sagen: So souverän wie Fotofahrer Tobias Ziganek dürften nur die wenigsten Alltagspiloten das 28-Kilo-Bike in die Luft ziehen.
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Als Pendler-Bike für den Weg in die Arbeit und als Spaßgerät für die Freizeit: SUV-E-Bikes liegen im Trend. Doch welche Modelle kann man für den Offroad-Einsatz wirklich empfehlen? Wir zeigen, worauf es beim Geländeeinsatz ankommt und welche Modelle man dafür wirklich empfehlen kann.

Ein bisschen dreckig machen – ja gerne. Aber fette Trail-Action – lieber nicht! Schwache Reifen und Anbauteile für den Alltagseinsatz limitieren den Offroad-Spaß bei den meisten SUV-Modellen.

Inhalt:

Was ist ein SUV-Bike?

SUVs sind eigentlich eine etwas seltsame Autogattung. Ungeeignet fürs Gelände, wenig effizient auf der Straße. Klar, man kann mal auf einen Feldweg abbiegen und sich über ein paar schicke Dreckspritzer auf der Metallic-Lackierung freuen. Echtes Offroad-Terrain sollte man mit dem Sport Utility Vehicle aber unbedingt meiden. Und machen wir uns nichts vor: SUV-Bikes heißen so, weil sie mit SUV-Autos einiges gemein haben. Trotzdem wächst der Anteil der SUV-Bikes am Gesamtmarkt konstant.

Verlagssonderveröffentlichung

Das ist nicht verwunderlich, denn unterm Strich bietet diese Fahrradkategorie einen sehr großen Einsatzbereich: als Pendlerrad, als Reiserad und letztendlich – wenn man sich das richtige Modell aussucht – auch als Touren-E-MTB. Wir stellen unten einige Modelle vor, die qua ihrer Geometrien und Fahrwerke für zumindest leichtere Geländeprüfungen gewappnet sind.

Dass sie mit echten E-MTBs dennoch nicht mithalten können, liegt zum einen am Kompromiss, den die meisten Hersteller insbesondere bei der Bereifung eingehen, zum anderen an der Vollausstattung: Gepäckträger, Schutzbleche, Seitenständer und StVZO-konforme Lichtanlage sind an SUV-Bikes fest installiert und nicht dafür vorgesehen, schnell demontiert zu werden. Im Alltagseinsatz ist die Straßenausstattung fast unverzichtbar, im Gelände stören diese Teile – sie können klappern, Schmutz sammeln, kaputtgehen.

Und nicht zuletzt treibt die zusätzliche Ausstattung das Gesamtgewicht in die Höhe. Mit 27 bis 29 Kilo muss man bei einem SUV-Bike rechnen, die leichtesten Bikes in unserer Modellübersicht – das Cannondale und das Rotwild – schaffen es laut Herstellerangabe auf etwa 25 Kilo. Das kann sich durchaus sehen lassen, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass allein der begrenzte Federweg und die Reifenwahl dem sportlichen Geländeeinsatz Grenzen setzen.

Was macht ein gutes SUV-Bike aus?

Alltagsausstattung: Schutzblech, Gepäckträger & Licht

Gepäckträger, Schutzbleche, Lichtanlage und Seitenständer sind Standard an SUV-Modellen. Das im Schutzblech oder Gepäckträger integrierte Rücklicht und seine Verkabelung ist der Hauptgrund, warum sich die Anbauteile nicht einfach demontieren lassen.

Gepäckträger sind in der Regel für Lasten von 15 bis 30 Kilo geeignet, entsprechend sollten schwere Fahrer einen Blick auf das maximal zulässige Gesamtgewicht des E-Bikes werfen.

Beim Schutzblech zählt neben einer stabile Befestigung der Platz zwischen Reifen und Schmutzfänger: Ist der zu eng, kann schon etwas feuchtes Laub den Zwischenraum verstopfen. Bei ausreichend Platz kann man eventuell sogar auf einen breiteren, stärker profilierten Pneu umrüsten.

Ein stabiler Gepäckträger transportiert schwere Lasten, lange Schutzbleche halten Beine, Po und Rücken sauber. Foto: Adrian Kaether
Ein stabiler Gepäckträger transportiert schwere Lasten, lange Schutzbleche halten Beine, Po und Rücken sauber.

Fahrwerk / Geometrie: weniger sportlich im Alltag

Häufig stammt die Rahmenbasis aus dem E-MTB-Bereich, meist von den zahmeren Touren-Modellen, oft mit reduzierten Federwegen. Allzu sportlich geht es in diesem Segment also nicht zu. Im Alltagseinsatz kommt es vor allem auf eine komfortable Sitzposition an – entsprechend fallen Lenker oft schmaler und Vorbauten steiler aus. Als Federgabeln werden in der Regel spezielle SUV-Modelle mit Montagevorrichtungen für Schutzbleche eingesetzt.

Reifen: Grip & Pannschutz oft Mangelware

Die meisten Hersteller legen den Fokus auf den Alltagseinsatz. SUV-Reifenmodelle wie Schwalbes Johnny Watts oder der Conti eRuban sind auf Laufruhe optimiert und liefern für anspruchsvolleres Gelände zu wenig Grip. Eine weitere häufig verbaute Reifengattung sind leicht laufende MTB-Reifen. Ihnen fehlt es für rumpelige Trails vor allem am Pannenschutz.

Nur die wenigsten Hersteller am Markt setzen auf Geländereifen. In unserer Modellauswahl sind das Flyer mit dem Schwalbe Nobby Nic und das Centurion mit dem Maxxis Dissector die Ausnahmen. Ein Wechsel auf griffigere Profile ist bei vielen SUV-Modellen unmöglich, weil dafür zwischen Reifen und Schutzblech zu wenig Platz ist.

Der Reifen ist die einzige Verbindung von Bike und Untergrund. Wer mit dem SUV-Bike ins Gelände will, sollte auf keinen Fall an den Stollen sparen. Foto: Adrian Kaether
Der Reifen ist die einzige Verbindung von Bike und Untergrund. Wer mit dem SUV-Bike ins Gelände will, sollte auf keinen Fall an den Stollen sparen.

Anbauteile: Bremsen, Sattelstütze, Schaltung

Die meisten Hersteller vertrauen auf stabile Vierkolben-Bremsen mit großen 203er-Bremsscheiben. Das ist allein aufgrund der hohen Fahrzeug- und zulässigen Maximalgewichte sinnvoll. Erfreulich: In den meisten Modellen stecken Teleskopstützen mit 150 mm Hub. Die helfen nicht nur im Gelände-, sondern auch im Alltagseinsatz. Wer richtige Mountainbike-Touren mit steilen Anstiegen unternehmen will, sollte auch auf eine geeignete Kletterübersetzung achten. Ideal: 12fach-Antrieb mit 34er-Kettenblatt und 10–51er-Kassette.

Motor: die neueste Generation

In Sachen Antrieb machen die Hersteller in der SUV-Klasse keine Kompromisse. Verbaut werden die neuesten Motorenmodelle und Akkus. Nur der Preis setzt hier die Limits.

5 SUV-Bikes für moderaten Geländespaß, die wir empfehlen können

Schutzbleche, Gepäckträger, Beleuchtung – dank Vollausstattung sind SUV-Bikes für den Alltagseinsatz optimal gerüstet. Diese 5 Modelle können wir aber auch für moderaten Geländespaß empfehlen.

Cannondale Moterra Neo EQ

PREIS 6199 Euro // FEDERWEG 150/130 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Bosch Perf. CX Smart // AKKU Bosch Intube 750 Wh // GEWICHT 25,9 kg (Herstellerangabe
PREIS 6199 Euro // FEDERWEG 150/130 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Bosch Perf. CX Smart // AKKU Bosch Intube 750 Wh // GEWICHT 25,9 kg (Herstellerangabe

Das Cannondale ist keine Citykutsche, sondern ein SUV-Bike mit sportlichen Genen. Die Geometrie hat es vom E-MTB-Pendant aus der Cannondale-Palette übernommen: Mit 474er-Reach und 66 Grad flachem Lenkwinkel kann man sportliche Trails durchaus in Angriff nehmen. Auch die Ausstattung würde passen: Mit 130 mm am Heck und 150 an der Front ist das Moterra für diese Radkategorie recht üppig mit Federweg gesegnet, und mit der Kombi aus Rockshox 35 Silver und Deluxe-Select-Dämpfer muss man sich nicht hinterm Busch verstecken. Auch die Vierkolben-Bremsen, die 12fach-Kletterübersetzung (10–51 x 34) und die Teleskopstütze zeigen an: Man meint es ernst mit den Offroad-Ambitionen. Allzu übermütig sollte man angesichts der wenig profilierten Conti-Bereifung vom Typ eRuban dabei aber nicht zu Werke gehen. Doch die Basis des Moterra Neo passt: sportliche Geo, neuester Bosch-Antrieb, angemessene Ausstattung, geringes Gesamtgewicht >> hier erhältlich*.

Centurion Numinis R2700i EQ

   PREIS 5799 Euro / FEDERWEG 140/130 mm / LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll MOTOR Bosch Perf. CX Smart / AKKU Bosch Intube 750 Wh / GEWICHT 28,2 kg (EMTB Messung)
PREIS 5799 Euro / FEDERWEG 140/130 mm / LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll MOTOR Bosch Perf. CX Smart / AKKU Bosch Intube 750 Wh / GEWICHT 28,2 kg (EMTB Messung)

Mit 28,2 Kilo trifft das Centurion etwa die goldene Mitte in dieser kleinen Modellauswahl. Dass das Numinis mit dem Zusatz EQ (equipped) seine Geländeambitionen nicht nur vortäuscht, zeigt schon die Wahl der Reifen: Die grob profilierten Maxxis Dissector in 2,4 Zoll Breite wird man in dieser Fahrradkategorie nur selten zu Gesicht bekommen. Dazu passen die Tele-Stütze mit großem Verstellbereich, kräftige Vierkolben-Bremsen und ein sportliches Cockpit. Auch die 140 mm Federweg, die das Fox AWL-Modell zur Verfügung stellt, reichen dicke für Ausflüge über moderate Trails. Im Vergleich zum Cannondale fällt die Geometrie etwas konservativer aus: Die Kettenstreben sind mit 475 Millimetern sehr lang, der Lenkwinkel ist eher steil. Auch beim Centurion darf man sich über den Bosch neuester Generation freuen.

Flyer Goroc X 6.70

FLYER GOROC X 6.70: PREIS 6999 Euro // FEDERWEG 140/140 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Panasonic GX Ultimate Pro Fit // AKKU Flyer FIB 750 Wh // GEWICHT 32 kg (Herstellerangabe)
FLYER GOROC X 6.70: PREIS 6999 Euro // FEDERWEG 140/140 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Panasonic GX Ultimate Pro Fit // AKKU Flyer FIB 750 Wh // GEWICHT 32 kg (Herstellerangabe)

Traditionell setzen die Schweizer E-Bike-Pioniere neben Bosch auch auf den Panasonic GX Ultimate. Mit 95 Nm Drehmoment ist das Aggregat bärenstark. Das trifft sich auch gut, denn das Gorox X gehört zu den ganz schweren Brocken. Dass wir das Bike dennoch ausgewählt haben, liegt nicht zuletzt an der Bereifung: Schwalbes Nobby Nic in 2,4 Zoll sind eines E-MTBs würdig und garantieren auch auf schwierigem Geläuf guten Grip. Der Rahmen des Goroc X lehnt sich an das sportliche Uproc X an, ist aber auf 140 mm Federweg ausgelegt. Die Geo ist modern, mit langem Reach und flachem Lenkwinkel, kombiniert mit einem steilen Vorbau für mehr Komfort im Alltagseinsatz. Besonderheit: Für das Goroc X gibtʼs einen Zusatz-Akku mit 540 Wh. Mit dann 1290 Wh in Summe ist das Goroc X 6.70 für Touren mit Überlänge im gemäßigten Gelände prädestiniert. Der solide Gepäckträger darf mit 25 Kilo beladen werden, so ist auch für mehrtägige Abenteuer ausreichend Stauraum parat. Und sogar der Betrieb mit einem Anhänger bis zu satten 40 Kilogramm ist zugelassen. Für ein E-MTB eine echte Seltenheit.

Cube Stereo Hybrid 120 SLX 750 Allroad

   PREIS 4899 Euro // FEDERWEG 120/120 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Bosch Perf. CX Smart // AKKU Bosch Intube 750 Wh // GEWICHT 27,4 kg (Herstellerangabe)
PREIS 4899 Euro // FEDERWEG 120/120 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Bosch Perf. CX Smart // AKKU Bosch Intube 750 Wh // GEWICHT 27,4 kg (Herstellerangabe)

Mit 4899 Euro ist das Cube mit Abstand das günstigste Bike in dieser SUV-Riege. Die Rahmenbasis teilt sich das Allroad-Cube mit den E-MTB-Modellen. Offroad-Gene sind also vorhanden, obgleich die Kettenstreben mit 480 Millimetern sehr sperrig und der Lenkwinkel mit 67 Grad recht steil ausfallen. Dafür profitiert man beim Cube-SUV vom performanten Fox- Fahrwerk mit Float-DPS-Dämpfer und 34er-Float-Gabel (in der AWL-Ausführung mit Montagepunkten für Schutzbleche). Auch bei den offroad-relevanten Anbauteilen zeigt Cube seine MTB-Expertise: Shimano-XT-Schaltung, 12fach-Antrieb mit Kletterübersetzung, Vierkolben-Bremsen, Newmen-Laufräder und -Cockpit – das passt. Und mit dem Smart-System hat das Cube auch das neueste Arrangement von Bosch am Start. Nur den Schwalbe Smart Sam fehlt es für ein schweres E-MTB an Grip und Durchschlagschutz >> hier erhältlich*.

Rotwild R.T750 Tour

   PREIS 7499 Euro // FEDERWEG 140/130 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Brose Drive S Mag // AKKU IPU750 720 Wh // GEWICHT 24,5 kg (Herstellerangabe)
PREIS 7499 Euro // FEDERWEG 140/130 mm // LAUFRADGRÖSSE 29 Zoll // MOTOR Brose Drive S Mag // AKKU IPU750 720 Wh // GEWICHT 24,5 kg (Herstellerangabe)

Mit dem R.T750 Tour hat E-MTB-Spezialist Rotwild ein nicht nur schickes, sondern auch sportliches SUV-Bike am Start. Das edle Carbon-Chassis stammt unverkennbar vom vollblütigen Bruder: dem All-Mountain-Modell R.X750. Freilich mit weniger Federweg, SUV-spezifischer Fox-Gabel und den entsprechenden Anbauteilen für den Alltag. Doch im Kern ist das R.T750 ein waschechtes E-MTB. Die Geo ist modern, mit flachem Lenkwinkel, langem Reach und moderaten Kettenstreben. Die Ausstattung ist durch die Bank exquisit: Bremsen von TRP, Kurbeln von eThirteen, Teleskopstütze von Crank Brothers, Sattel und Griffe von Ergon – das ist alles andere als Einheitsbrei. Da fallen die XT-Schaltkomponenten von Shimano schon als gewöhnlich auf. Mit 24,5 Kilo ist das Rotwild ein echtes Leichtgewicht im Reigen der SUV-Bikes. Schwalbes Cross-Country-Reifen bieten mehr Traktion als die reinen SUV-Pneus, schränken den Trail-Einsatz aber ein. Wer auch schweres Gelände fährt, braucht gröbere Stollen.

Das E-MTB zum SUV-E-Bike umrüsten – die bessere Wahl im Alltag?

SUV-Bike oder alltagstauglich aufgerüstetes E-MTB? Wer überzeugt im Alltag und auf den Trails. Wir haben es getestet.
SUV-Bike oder alltagstauglich aufgerüstetes E-MTB? Wer überzeugt im Alltag und auf den Trails. Wir haben es getestet.

E-MTBs sind auch im Alltagseinsatz beliebt. Dafür kann man ein SUV-Bike mit serienmäßiger Vollausstattung kaufen oder aber ein klassisches E-MTB mit den Anbauteilen Gepäckträger, Licht und Schutzblechen aus dem Zubehörhandel umrüsten. Wie stark beschränkt der Kompromiss aus Trail und Alltag die Geländegängigkeit der SUV-Bikes? Und ist ein konventionelles E-MTB, aufgerüstet mit speziellen Parts für den Alltagseinsatz, vielleicht die bessere und flexiblere Option? Wir haben es getestet.

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