So finden Sie garantiert das richtige Bike!

Ludwig Döhl

 · 11.09.2017

So finden Sie garantiert das richtige Bike!Foto: Markus Greber

Unterschiedlichste Komponenten, unendlich viele Kategorien – gerade Einsteiger sind beim Mountainbike-Kauf oft überfordert. Wir versorgen Sie mit den wichtigsten Informationen und klären alle Fragen.

Fully oder Hardtail?

Die Grundsatzfrage, ob man sich ein Hardtail mit starrem Hinterbau oder ein vollgefedertes Mountainbike kaufen soll, klärt oft schon das Budget. Denn gute Fullys gibt es erst ab 1500 Euro aufwärts. Geländetaugliche Hardtails sind bereits für unter 1000 Euro erhältlich. Hardtails sind leicht, wartungsarm und günstig, kommen bergab aber schnell an ihre Grenzen. Wer auf anspruchsvollen Trails seine Blutbahnen mit Adrenalin fluten will oder auf der Suche nach Komfort ist, wird mit einem Fully glücklicher.

Wo soll ich mein Mountainbike kaufen?

Allen, die noch nie ein Laufrad ein- oder ausgebaut haben, raten wir ganz klar zum Kauf beim Fachhändler. Bikeshops bieten kompetente Beratung und helfen bei Reparaturen. Aber dieser Service kostet natürlich. Direktversender wie Canyon, Radon oder Rose sparen sich ein flächendeckendes Händlernetz und können deshalb besser ausgestattete Bikes zu niedrigeren Preisen anbieten. Dafür muss man Reparaturen selbst durchführen – oder das Rad beim Hersteller einschicken.

1, 2 oder 3? Wie viele Kettenblätter brauche ich wirklich?

Einfach-Antriebe sind der letzte Schrei, dabei haben sie auch Nachteile. 1x11-Schaltungen haben eine geringe Gangspreizung. Das heißt: Bergauf fehlt oft ein leichter Gang, während man bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr mittreten kann. Srams neue 1x12-Schaltung hat diese Probleme nicht mehr, ist aber teuer. Geringeres Gewicht und eine aufgeräumte Optik sprechen dennoch für den puristischen Einfach-Antrieb. 2x10- oder 2x11-Schaltungen haben eine deutlich höhere Bandbreite. 3fach-Schaltungen werden inzwischen kaum noch angeboten und gelten als veraltet.

Carbon, Alu oder doch Stahl? Welches Material hat welche Vorteile?

Wer sich für ein güns­tiges Bike entscheidet, braucht sich diese Frage nicht zu stellen. Denn Carbon kommt erst bei hochpreisigen Modellen zum Einsatz. Die Vorteile der Kohlefaser liegen auf der Hand: Sie ist leichter, bei besserer Steifigkeit und bietet unendliche Möglichkeiten bei der Gestaltung. Bei Stürzen reagieren Carbon-Teile empfindlicher. Die Zeiten von plötzlich brechenden Rahmen oder Lenkern sind aber vorbei. Stahl oder Titan sind Materialien für Liebhaber.

Welche Laufradgröße passt zu mir?

Seit dem Ende der 26-Zoll-Ära sorgen zahlreiche neue Laufradformate für Verwirrung beim Kunden. Große 29-Zoll-Laufräder finden vor allem in der Marathon-Szene ihre Anhänger, da sie Hindernisse besser überrollen, ohne das minimalistische Fahrwerk zu belasten. Ihr Nachteil: Sie sind schwerer und machen Bikes in verwinkelten Trails behäbiger. Mit zunehmendem Federweg schrumpfen die Laufräder meist auf 27,5 Zoll. Diese sind leichter, wendiger und besser zu beschleunigen. Es gibt aber auch stimmige 29er mit viel Federweg. Während Plus-Bikes mit breiten Reifen aktuell in Mode sind, bleiben Fatbikes eher Nischenprodukte.


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Zwischen diesen Mountainbike-Kategorien können Sie wählen:


HARDTAIL:

Geringes Gewicht ist nur ein Grund, warum Hardtails eine große Fan-Gemeinde haben. Niedrige Preise und der geringe Wartungsaufwand des starren Hinterbaus versüßen den Einstieg ins Mountainbiken zusätzlich. Kein Bike beschleunigt leichter und fährt effizienter über gemäßigte Trails oder Schotterwege. Kehrseite der Medaille: Hardtails haben wenig Komfort. Der starre Hinterbau fängt Schläge vom Untergrund kaum ab. In ruppigen Abfahrten kommen Hardtails schnell an ihre Grenzen. Aktuell werden meist 29-Zoll-Laufräder in Hardtails verbaut.


Preis* ab 700 Euro
Gewicht max. 11,5 Kilo
Federweg 100 mm
Besonderheit Neben normalen Hardtails gibt es noch Trail-Hardtails. Mit mehr Federweg und breiten Reifen erleichtern sie schwere Abfahrten.

  Kategorie HardtailsFoto: Ronny Kiaulehn
Kategorie Hardtails


MARATHON-FULLY

Marathon-Fullys machen auch abseits der Rennstrecke jede Menge Spaß. 100 bis 120 Millimeter Federweg an Gabel und Hinterbau versorgen sportliche Touren-Fahrer auf langen Ausfahrten mit deutlich mehr Komfort als Hardtails. Hauptaugenmerk der Kategorie bleibt aber dennoch das geringe Gewicht und die hohe Effizienz des Fahrwerks. Der gefederte Hinterbau fängt kleinere Schläge ab und sorgt so für mehr Komfort und Grip. Für schwere Abfahrten haben die Marathon-Fullys aber zu wenig Federweg. Gute, leichte Modelle sind teuer und kosten schon mal 6000 Euro und mehr.


Preis* 2500 Euro
Gewicht um 11,5 Kilo
Federweg 100–120 mm
Besonderheit An vielen Marathon-Fullys kann man das komplette Fahrwerk mit einem Hebel vom Lenker aus blockieren.

  Kategorie Marathon-FullysFoto: Micha Matavz
Kategorie Marathon-Fullys


TRAILBIKE

Trailbikes sind der goldene Mittelweg zwischen Abfahrtsspaß und Euphorie im Anstieg. Diese Kategorie fühlt sich mit 120 bis 130 Millimetern Federweg auch im anspruchsvollen Gelände wohl, ohne einem mit übermäßig hohem Gewicht die Fahrt gen Gipfel zu versauen. Die sportlichen Modelle dieser Kategorie lassen sogar den gelegentlichen Marathon-Start zu. Teurere Modelle haben bereits Teleskopstützen und Fahrwerke mit drei unterschiedlichen Plattform-Modi, um lästiges Wippen des Hinterbaus beim Pedalieren zu unterdrücken. Trailbikes eignen sich perfekt für Alpenüberquerungen.


Preis* 1700 Euro
Gewicht um 12,5 Kilo
Federweg 120–130 mm
Besonderheit Um den Fahrspaß bergab zu erhöhen, kommen oft versenkbare Sattelstützen zum Einsatz.

  Kategorie TrailbikesFoto: Moritz Ablinger
Kategorie Trailbikes


ALL MOUNTAIN

Kein Berg zu steil, keine Abfahrt zu schwer. All Mountains kommen in jedem Gelände zurecht. Der üppig bemessene Federweg schluckt selbst grobe Schläge und lässt den Fahrer wie auf einer Sänfte über holprige Trails gleiten. Teleskopstützen gehören genauso zur Standardausstattung wie eine potente Bremsanlage mit großen Bremsscheiben. Ein All Mountain bleibt dabei stets Touren-tauglich, auch wenn der Fahrer dem relativ hohen Gewicht Tribut zollen muss – vor allem bergauf. Rennfahrer nutzen All Mountains sogar oft zum Einsatz bei Enduro-Rennen.


Preis* 2300 Euro
Gewicht um 13 Kilo
Federweg 130–150 mm
Besonderheit Breite Lenker und Reifen vereinfachen die Fahrt auf anspruchsvollen Singletrails.

  Kategorie All Mountain BikesFoto: Kirsten J. Sörries
Kategorie All Mountain Bikes


ENDURO

Verblockte Trails, steile Anliegerkurven oder Sprünge, ein Enduro wird mit allem fertig. Egal, wie schwer die Abfahrt ist, die Bikes mit 160 Millimetern Federweg meistern die Herausforderung und sorgen dafür, dass der Adrenalinspiegel des Fahrers konstant hoch bleibt. Schwere Reifen, dicke Federelemente und abfahrtsorientierte Geometrien erschweren dafür den Anstieg. Wer bereit ist, über 3000 Euro zu investieren, bekommt auch ein leichtes Enduro, das durchaus noch Touren-tauglich ist. Die robust gebauten Bikes stecken einen Besuch im Bikepark ohne Probleme weg.


Preis* 2200 Euro
Gewicht ab 13 Kilo
Federweg ca. 160 mm
Besonderheit Dicke Federgabeln und Dämpfer mit Ausgleichsbe-hälter bügeln in der Ab-fahrt jede Unebenheit weg.

  Kategorie EndurosFoto: Ralf Glaser
Kategorie Enduros


*Die Preisangabe bezieht sich auf die Preisgrenze, ab der es gute Modelle in dieser Kategorie gibt. Es gibt auch Modelle unterhalb dieser Preisgrenze.

DAS KLEINE 1X1 DER BAUTEILE AM MOUNTAINBIKE


Was müssen die Einzelteile eines Mountainbikes können? Und was verändert sich, wenn ich mehr Geld ausgebe?

Rahmen

Der Rahmen ist das Herzstück jedes Bikes. Das Gewicht und die Verarbeitung sind nur zwei Parameter, auf die man beim wichtigsten aller Bauteile achten sollte. Checken Sie die Geometrie des Bikes gründlich. Der Trend in allen Kategorien geht zu immer flacheren Lenkwinkeln, kurzen Hinterbauten und langen Hauptrahmen (siehe auch Seite 78). Komplett-Bikes haben meist in vielen Preisklassen denselben Rahmen verbaut. Ledig­lich die Top-Modelle bestehen aus Carbon statt aus Alu. Gute Carbon-Hardtails sind ab 2000 Euro erhältlich. Bei Fullys muss man meist schon über 3500 Euro für ein Kohlefaser-Chassis investieren. Achten Sie darauf, ob oder wie viel Flaschenhalter montiert werden können. Ein Halter ist Pflicht.

Reifen

Reifen sind das am meisten unterschätzte Bauteil. Kaum eine Komponente beeinflusst das Fahrverhalten so maßgeblich. Breite Schlappen mit grobem Profil machen aus einem Trailbike einen Abfahrtsräuber, schmale Pneus sparen Gewicht und ermöglichen den Marathon-Start mit ein und demselben Bike. Achten Sie neben dem Profil vor allem auf die Bauweise. Günstige Reifen haben einen Drahtkern, bei teureren Versionen wird ein faltbarer Kevlarfaden verarbeitet. Bei Schwalbe und Conti haben die hochwertigen Reifen ein "Evolution"- beziehungsweise ein "Racesport"-Label. Je breiter der Reifen, desto besser fährt er sich in der Abfahrt.

  Lohnen sich teure Komponenten am Bike?Foto: Georg Grieshaber
Lohnen sich teure Komponenten am Bike?

Fahrwerk

Dämpfer und Federgabel sind nach dem Rahmen oft das teuerste Bauteil eines Komplett-Bikes. Moderne Mountainbikes werden über den Luftdruck in den Federelementen an das Gewicht des Fahrers angepasst. Je teurer das Bike wird, desto vielfältiger werden die Einstellmöglichkeiten. Neben der standardmäßig einstellbaren Zugstufe (Ausfedergeschwindigkeit), kann man bei hochwertigen Fahrwerken zusätzlich die Druckstufe (Einfedergeschwindigkeit) einstellen. Gute Federelemente haben eine Plattform- und Lockout-Funktion, um nerviges Pumpen im Wiegetritt zu vermeiden. Cross-Country-Bikes sind oft sogar vom Lenker aus blockierbar.

Lenker, Vorbau und Sattelstütze

Bei günstigen Einsteiger-Bikes sind diese Anbau- teile meist aus Alu. Erst im hochpreisigen Segment setzen die Hersteller auf Carbon. Je kürzer der Vorbau, desto direkter wird das Handling eines Bikes. Vor allem bei den abfahrtsorientierten Bikes schrumpft die Vorbaulänge auf ein Minimum von 40 bis 60 Millimetern. Vorbauten mit einer Länge von über 100 Millimetern sind selbst an Hardtails veraltet. Dafür sind in den letzten Jahren die Lenker für ein besseres Handling breiter geworden. 700 bis 760 Millimeter sind der Standard. Teure Bikes haben oft Teleskopstützen, um in der Abfahrt die Bewegungsfreiheit zu erhöhen.

Bremsen

Hydraulische Scheibenbremsen haben sich mittlerweile an Mountainbikes etabliert. Normal hat ein Bremssattel zwei Bremskolben. An Enduro-Bikes kommen für mehr Bremspower sogar Sättel mit vier Kolben zum Einsatz. Bei hochwertigen Bremsen lässt sich der Hebel ohne Werkzeug in seiner Position verstellen und ist zudem oft aus Carbon. Je größer die Bremsscheibe, desto besser verzögert die Bremse. 180 Millimeter Durchmesser am Vorderrad sind Standard, schwere Fahrer können mit 200er-Scheiben die Bremsleistung nochmals erhöhen.

Laufräder

Zusammen mit den Reifen bilden die Laufräder den größten Teil der sogenannten rotierenden Masse. Je geringer das Gewicht der Laufräder (und das der Reifen) ist, desto leichter lässt sich ein Bike beim Antritt beschleunigen. Mavic, DT Swiss oder andere Hersteller haben Systemlaufräder, mit aufeinander abgestimmten Speichen, Felgen und Naben im Programm. Systemlaufräder sind optisch oft sehr ansprechend, bei Speichenbrüchen oder kaputten Felgen ist es aber meist schwer, Ersatz zu bekommen. Herkömmlich eingespeichte Laufräder mit 32 Speichen funktionieren genauso gut. Achten Sie beim Kauf auf breite Felgen (Maulweite mindestens 22,5 mm) und Steckachsen an den Naben. Schnellspanner sind weniger steif und schwieriger exakt einzubauen.

MTB-Schaltung: XTR, Di2, XX1 oder Eagle

Die Begriffsbezeichnungen bei Schaltungen sind oft kryptisch. Was bedeuten sie, und worauf muss ich bei der Schaltung wirklich achten?

Shimanos XT-Schaltgruppe vereint präzises Schalten und Langlebigkeit zu einem attraktiven Preis. Kein Wunder, dass diese Schaltung an zahlreichen Bikes prangt und von Verkäufern angepriesen wird. Dabei sollte man beim Kauf eines neuen Mountainbikes nicht nur auf das Schaltwerk, sondern auch auf die restlichen Bauteile der Schaltung achten. Neben dem Schaltwerk sind Umwerfer (bei Zweifach-Antrieben), Schalthebel, Kassette und Kettenblätter maßgeblich am Schaltvorgang beteiligt. Oft werden hier günstigere Komponenten auf SLX-Niveau untergemischt. Ein genauer Blick lohnt deshalb.

  Schaltung Shimano XTFoto: Hersteller
Schaltung Shimano XT

Neben Shimano gibt es mit Sram noch einen zweiten Hersteller für Schaltungen, der sich allerdings rein auf Antriebe mit nur einem Kettenblatt spezialisiert hat. Bei den hochwertigen Eagle-Schaltungen erreicht Sram mit zwölf Ritzeln an der Kassette nahezu die gleiche Gangspreizung (Unterschied zwischen leichtestem und schwerstem Gang) wie ein herkömmlicher 2x10- oder 2x11-Antrieb. Die Schaltungen mit nur elf Gängen schaffen das nicht ganz.

Srams XO1-Schaltungen sind speziell für den Enduro-Einsatzbereich ausgelegt. Shimanos Di2-Schaltungen wechseln die Gänge elektronisch. Mit der Tabelle rechts können Sie die unterschiedlichen Schaltgruppen miteinander vergleichen und deren Wertigkeit einschätzen. Fullys ab 3000 Euro sollten mindestens eine Schaltung auf XT-Niveau oder höher haben.

  Übersicht SchaltungenFoto: BIKE Magazin
Übersicht Schaltungen

DIE RICHTIGE RAHMENGRÖSSE BEIM MTB


Welche Größe brauche ich? So messen Sie Ihre Schrittlänge, um die passende Rahmengröße zu ermitteln.

Am besten, Sie lassen sich beim Ausmessen helfen. Allein wird das Ergebnis oft ungenau. Stellen Sie sich barfuß mit dem Rücken an eine Wand. Ziehen Sie nun eine Wasserwaage oder ein Buch im Schritt nach oben, bis sich dort ein spürbarer Druck einstellt. Achten Sie dabei darauf, dass die Wasserwaage waagrecht zum Boden liegt, beziehungsweise das Buch mit einer Seite an der Wand anliegt. Mit einem Maßband oder Zollstock können Sie nun Ihre Schrittlänge vom Fußboden bis zur Oberkante der Wasserwaage abmessen. Multipliziert man die Schrittlänge mit 0,226 (0,574) erhält man in etwa die Rahmengröße in Zoll (cm).

  Lassen Sie sich für ein genaueres Ergebnis helfen. Alleine wird die Messung oft zur Turnübung und damit ungenau. Foto: Georg Grieshaber
Lassen Sie sich für ein genaueres Ergebnis helfen. Alleine wird die Messung oft zur Turnübung und damit ungenau. 
  Übersicht Körpergröße / RahmengrößeFoto: BIKE Magazin
Übersicht Körpergröße / Rahmengröße


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