Hardtail

Carbon-Hardtail Orbea Alma M10 im Test

Stefan Loibl

 · 28.06.2016

Carbon-Hardtail Orbea Alma M10 im TestFoto: Robert Niedring

Das Alma markiert seit Generationen Orbeas Rennsportseele. Aber wie schlägt sich das Hardtail abseits der Rennpisten?


Dauertest-Leistung: 3.750 km | 33.000 hm

Trotz des üppigen Angebots an Testbikes sitze ich am liebsten auf dem Hardtail. Ohne viel Schnickschnack, nichts wabbelt oder schaukelt. Denn sobald ich im Sattel sitze, muss richtig was vorwärts gehen. Wenn die Beine nicht brennen, der Schweiß nicht in Strömen fließt und bei Strava keine Top-Ten-Ergebnisse angezeigt werden, war die Runde für die Katz. Diese Gier nach Fahrtwind teilt das Alma. Auch wenn die Geometrie trotz 70,8 Grad steilem Lenkwinkel nicht besonders wendig ist. Dafür punktet der 29-Zoll-Racer mit Laufruhe und bockt selbst bei steilsten Rampen nicht auf. An Steifigkeit im Tretlager- und Lenkkopfbereich mangelt es dem kantigen Kohlefaserrahmen in keiner Fahrsituation – trotz Schnellspanner hinten. Nur im Sattel wünscht man sich auf langen Touren etwas mehr Flex von Sattelstütze und Hinterbau. Seine Nehmerqualitäten musste das Alma auf den Enduro-Strecken rund um Willingen beweisen. Zum Höhenmetersammeln war ich mit ihm im Bayerischen Wald. Zudem habe ich es als Zustiegshilfe bei Berg-Touren im Karwendel missbraucht und bin damit von München mehrmals 100 schottrige Kilometer in meine niederbayerische Heimat gejagt. Am wohlsten fühlt sich das Alma auf schnellen, nicht allzu verwinkelten Trails. Um richtig Fahrt aufzunehmen, muss man schon einige Male im Wiegetritt in die Pedale treten. Als eine Ursache machte ich schnell die robusten aber recht schweren XT-Laufräder aus. Nach dem ersten Platten rüstete ich auf Latexmilch um. Das sparte gut 100 Gramm pro Laufrad. Schwer wiegende Defekte hatte ich am Alma keine. Nur die hintere Bremse bereitete mir Kopfzerbrechen: Das Quietschen, Pfeifen und Jaulen konnte ich der R1 bis heute nicht austreiben.


Fazit: steif, laufruhig und gierig nach Fahrtwind: Das kantige Kohlefaser-Hardtail hält, was es verspricht. Nur die Bremsen und Schaltzüge benötigen regelmäßige Pflege.


Funktionalität ****
Haltbarkeit *****
(maximal 6 Punkte)


TUNING


• 180 km – Wattmessung: Stages Powermeter montiert
• 460 km – Variostütze: Leitung der Specialized Command Post XCP durch hintere, obere Flaschenhalteröse verlegt
• 460 km – Milch statt Schlauch: XT-Laufräder auf Latexmilch umgerüstet; im Laufe des Dauertests mehrmals Reifen getauscht


DEFEKTE


• 1820 km – Schaltung springt: Am Steuerrohr aufspleißende Schaltzüge erneuert und Schaltung neu eingestellt

  Pfeifkonzert: So muss sich also ein Tinnitus anfühlen. Das Gequietsche der hinteren Bremse des Orbea Amla begleitete mich den kompletten Dauertest über. Foto: Robert Niedring
Pfeifkonzert: So muss sich also ein Tinnitus anfühlen. Das Gequietsche der hinteren Bremse des Orbea Amla begleitete mich den kompletten Dauertest über. 
  Eingeknickt: Die Zuganschläge am Orbea erlauben keinen harmonischen Leitungsbogen und knicken beim Lenkeinschlag ab.Foto: Robert Niedring
Eingeknickt: Die Zuganschläge am Orbea erlauben keinen harmonischen Leitungsbogen und knicken beim Lenkeinschlag ab.
  Rider: Stefan Loibl, BIKE-Testredakteur. Fährt Bike seit 2002; Gewicht/Größe 74 kg/1,79 m; Fahrertyp Marathon; Lieblingsrevier Davos/KarwendelFoto: Robert Niedring
Rider: Stefan Loibl, BIKE-Testredakteur. Fährt Bike seit 2002; Gewicht/Größe 74 kg/1,79 m; Fahrertyp Marathon; Lieblingsrevier Davos/Karwendel


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