Freeride

Auf die harte Tour: Ghost Asket im Test

Dimitri Lehner

 · 15.01.2018

Auf die harte Tour: Ghost Asket im TestFoto: Wolfgang Watzke
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Eine neue Generation von Hardtails für aggressives Trailriding. Hardtails mit Freeride-Genen, wenn man so will. Doch kann es so was überhaupt geben? Wir haben das Asket in 27,5 und 29 Zoll ausprobiert.

  Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab – doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.Foto: Wolfgang Watzke
Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab – doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.

Es gibt Dinge, die muss ich nicht ausprobieren. Ich will zum Beispiel nicht dem Japaner Masao Gunji nacheifern. Der pensionierte Polizeibeamte sammelt Hello-Kitty-Plüschkatzen und hat insgesamt 5169 davon. Ich muss auch keinen Erotik-Live-Act vor Publikum ausprobieren, Bratwurst mit Vanillesoße, eine Fahrt im Kleinbus nach Nowo­sibirsk oder Koma-Saufen beim Stierrennen in Pamplona. Ich will mir nicht die Augenbrauen wegrasieren, "Hey Dude!" auf den Rücken tätowieren lassen oder im Donald-Trump-Kostüm durch Mogadischu wandern – und ich will kein Freeride-Hardtail ausprobieren. Dachte ich zumindest. Doch dann standen plötzlich zwei dieser "harten Schwänze" in unserem FREERIDE-Keller, das eine mit 27,5-Zoll-Laufrädern, das andere ganz hochbeinig auf 29-Zoll. Beide Bikes: Ghost, Modell Asket – gerade von unserem Schwester-Magazin BIKE gelobt und von der Zeitschrift World of Mountainbiking zum Testsieger gekürt. Ghost-Mann Maxi Dickerhoff hatte die Räder mitgebracht mit dem Kommentar: "Die könnten den Dudes von der FREERIDE gefallen!" Wirklich? Mit dem Hardtail, auf dem ich meine erste Mountainbike-Tour fuhr, haben diese Flitzer freilich nichts mehr gemein: Diese Hardtails seien für aggressives Trailriding konzipiert, robust genug für Stunts und Sprünge, hätten eine spezielle Geometrie (zum Beispiel 66 Grad Lenkwinkel, langer Hauptrahmen) und ein nie dagewesenes Handling, wusste der Hersteller. Mit anderen Worten: Freeride-Hardtails.

Hardtails waren für mich bisher sonderbare Zwischenschritte der Evolution, bis was Besseres erfunden wurde. Wie die Neandertaler. Oder Vollgummi-Reifen. So nach dem Motto: Fürs Erste gar nicht schlecht, doch die finale Lösung isses sicher noch nicht. Mir erschließt sich nicht, warum ich mit starrem Heck durchs Gelände fahren soll, wenn’s gefedert besser geht. Um mich schlau zu machen, frage ich bei den Kollegen nach. In der BIKE-Redaktion gibt es diese innovationsscheuen Traditionalisten, die mit Leidenschaft Hardtail fahren. Henri Lesewitz zum Beispiel. Er erklärt es mir so: "Fully in gemäßigtem Gelände zu fahren, ist wie mit dem Maschinengewehr auf Hasenjagd gehen – da trifft jeder Depp was. Wo bleibt die Herausforderung, wenn das Fahrwerk aus jedem Wurzelteppich eine Murmelbahn macht? Das ist langweilig. Daher fahre ich Hardtail." Ah, verstehe! Testredakteur Stefan Loibl sagt: "Leichter, schneller, effizienter und technisch anspruchsvoller." Klingt plausibel.

Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab - doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.Foto: Wolfgang Watzke
Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab - doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.
In ihrem Element: Achterbahn über sanften Waldboden - hier machen die Hartschwänze richtig Spaß. Doch das nächste Gerümpel lauert schon.Foto: Wolfgang Watzke
In ihrem Element: Achterbahn über sanften Waldboden - hier machen die Hartschwänze richtig Spaß. Doch das nächste Gerümpel lauert schon.
Groß oder klein? Das Asket von Ghost gibt's in 29 Zoll oder 27,5. Und welches ist besser? 27,5er ist quirliger, will man denken, doch so ist es gar nicht. Auch das 29er surft spritzig durch den Trail - mit einer extra Protion Komfort obendrein.Foto: Wolfgang Watzke
Groß oder klein? Das Asket von Ghost gibt's in 29 Zoll oder 27,5. Und welches ist besser? 27,5er ist quirliger, will man denken, doch so ist es gar nicht. Auch das 29er surft spritzig durch den Trail - mit einer extra Protion Komfort obendrein.
Gleich macht's klonk - selbst beim Mini-MiniDrop. Freeride-Einlagen werden mit Hardtail zu orthopädischen Grenzgängen.Foto: Wolfgang Watzke
Gleich macht's klonk - selbst beim Mini-MiniDrop. Freeride-Einlagen werden mit Hardtail zu orthopädischen Grenzgängen.
Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab - doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.Foto: Wolfgang Watzke
Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab - doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.
In ihrem Element: Achterbahn über sanften Waldboden - hier machen die Hartschwänze richtig Spaß. Doch das nächste Gerümpel lauert schon.Foto: Wolfgang Watzke
In ihrem Element: Achterbahn über sanften Waldboden - hier machen die Hartschwänze richtig Spaß. Doch das nächste Gerümpel lauert schon.
In ihrem Element: Achterbahn über sanften Waldboden - hier machen die Hartschwänze richtig Spaß. Doch das nächste Gerümpel lauert schon.
Groß oder klein? Das Asket von Ghost gibt's in 29 Zoll oder 27,5. Und welches ist besser? 27,5er ist quirliger, will man denken, doch so ist es gar nicht. Auch das 29er surft spritzig durch den Trail - mit einer extra Protion Komfort obendrein.
Gleich macht's klonk - selbst beim Mini-MiniDrop. Freeride-Einlagen werden mit Hardtail zu orthopädischen Grenzgängen.
Der Names ist Programm: Ghost Asket. Es springt, dropt und bulldozert bergab - doch eben asketisch. Das erfordert Umgewöhnung und eine "Ich heul nicht!"-Attitude.

Okay, genug recherchiert, jetzt wird ausprobiert. Laurin und ich starten gemeinsam zum Trail­ride , damit wir die Bikes blitzschnell tauschen können und auch checken, welche Laufradgröße uns mehr taugt: 29 Zoll oder 27,5. Die Fahrposition ist auf beiden Bikes angenehm, das breite Cockpit gefällt. Doch schon der erste Bunnyhop bockt. Der Take-off funktioniert, doch bei der Landung fährt’s mir in den Rücken. Klonk! Knapp 2000 € kostet das Asket und wiegt 11,5 Kilo – ein vollgefedertes Trailbike gibt’s vom Versender auch für diesen Preis, es wiegt aber stattliche 2 Kilo mehr. Das spüre ich auf dem Trail: Das Asket wieselt los und beschleunigt so leichtfüßig, dass ich gerne einen Sprint hinlege. Nur wenige haben Enduro-Gelände in Reichweite, die Mehrheit fährt auf so zahmen Trails wie wir an der Isar. Ideales Terrain für diese Hardtails für aggressives Trailriding – doch schon die ersten Wurzelteppiche verpassen mir aggressive Tritte in den Hintern und ich beginne die Bedeutung des Namen zu verstehen. Alles, was mit dem Fully leicht fällt, ist hier zäher. Der Geländesprung über den Felsbrocken ins Flache, der Trail über grobe Ästen, Erdkanten, Wurzelschlingen. Da fluppert nix, da klingt’s und klonkt’s. Immer wieder zwingt mich das Gelände aus dem Sattel und obwohl ich in den Knien flexe wie ein Yogi, rüttelt der ganze Körper so umher, dass der Helm wackelt und die Kontaktlinsen ruckeln. Das 29er macht hier die eindeutig bessere Figur. Es rollt souveräner, wirkt in schnellen Kurvenwechseln aber nicht träger als das 27,5-Zoll-Asket. "Freeride-Gene hin oder her – das ist und bleibt ein Hardtail", hatte Laurin gerade noch gesagt und ich liefere mir selbst den Beweis mit dem Gap-Jump. Dieser 2,5-Meter-Drop ist einer der wenigen Free­ride-Highlights auf unserer Isarrunde und mit dem Fully eine leichte Übung. Jetzt, ohne Federung, springt nicht nur der Puls, sondern auch das Heck. Bämm! Der Lenker zuckt in den Händen, Mann und Maschine beben, die Gesichtszüge entgleiten für einen kurzen Moment. Hier trifft zu, was Flieger sagen: "Every landing you walk away, is a good landing!" Zu Deutsch: Hauptsache unten. Das ist also der viel beschworene "Input" vom Boden, den Hardtail-Hardliner so schätzen. Irgendwann ist die Testfahrt zu Ende. Die Bandscheiben klingeln. Die Handgelenke summen. Der untere Rücken klemmt. Spaß hat es gemacht – doch uns macht Radeln immer Spaß. Wir sind uns einig: nächstes Mal wieder mit Vollfederung!


Fazit: Man kann mit einem Trail-Hardtail Spaß haben – und das Asket ist definitiv ein starker Vertreter dieser Kategorie – doch für mich ist und bleibt die fehlenden Vollfederung eine Spaßbremse. Vor die Wahl gestellt, würde ich das 29er wählen, denn es fährt sich ohne Handling-Einbußen komfortabler.


TECHNISCHE DATEN


Ghost Asket 7 AL 27,5 Zoll


HERSTELLERANGABEN
Vertrieb Ghost
Info www.ghost-bikes.com
Material/Größen Al/S, M, L,XL
Preis/Gewicht ohne Pedale 1999 Euro/11,5 kg


MESSDATEN
Federweg vorn 130 mm
Hinterbausystem Hardtail


AUSSTATTUNG
Gabel Fox 34 Float Performance Elite
Kurbeln/Schaltung Shimano SLX/Shimano SLX
Bremsanlage Shimano SLX
Laufräder Race Face ARC 27 Systemlaufradsatz
Reifen Schwalbe Nobby Nic Evo Snakeskin TrailStar 2,35


Reach 423 mm
Stack 604 mm
BB-Drop -45 mm

  Ghost Asket 27,5 und 29 ZollFoto: FREERIDE Magazin
Ghost Asket 27,5 und 29 Zoll


Die Meinungen der Tester


Laurin Lehner (30), FREERIDE: "So ein Trail-Hardtail ist und bleibt ein Hardtail. Da kann die freeridige Geometrie auch nichts dran ändern. Die Bikes mögen eine große Fangemeinde besitzen – ich gehöre nicht dazu."

  Laurin Lehner, FREERIDE RedakteurFoto: Dimitri Lehner
Laurin Lehner, FREERIDE Redakteur


Henri Lesewitz (45), BIKE-Purist: "Hardtails sind Freiheit. Fullys sind Ballast. Bei Fullys lässt man Dinge, die eigentlich Aufgabe der Reflexe sind, von der Technik erledigen. Der Glücksfaktor beim Biken kann durch Blut-Analyse gemessen werden. Und um den Endorphin-Ausstoß zu erreichen, den ich mit einem Hardtail auf einem normalen Trail habe, muss ich mit einem Fully schon eine richtige Knochenbrecher-Piste runtermöhren. Der Witz: Mit einem Fully fühlt sich die Knochenbrecher-Piste an wie ein normaler Trail mit Hardtail."

  Henri Lesewitz, BIKE ReporterFoto: Privatfoto
Henri Lesewitz, BIKE Reporter


Stefan Loibl (30), BIKE-Tester: "Leicht und unkompliziert. Ein Fully in der entsprechenden Preisklasse wiegt gut und gerne 2 Kilo mehr. Da ich auch gerne rauffahre und nicht nur runter, ist das Trail-Hardtail für mich die ideale Spaßmaschine."

  Stefan Loibl, BIKE TestredakteurFoto: Markus Greber
Stefan Loibl, BIKE Testredakteur


Stefan Frey (33), BIKE-Tester: "Ein Trail-Hardtail hat alles, was ich brauche. Es ist antriebseffizient und macht alles mit. Es zwingt mich dazu, sauber zu fahren. Mit einem Hardtail spüre ich das Gelände, wo ich mit dem Fully wie im Luftkissenboot drüberschweben würde."

  Stefan Frey, BIKE TestredakteurFoto: Georg Grieshaber
Stefan Frey, BIKE Testredakteur
  Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 3/2017 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App Foto: GoPro,Brendan Fairclough
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