Enduro

Verwandlungskünstler: Canyon Endurace:ON im Gravel-Test

Chris Schleker

 · 15.03.2022

Verwandlungskünstler: Canyon Endurace:ON im Gravel-TestFoto: Max Fuchs
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Tester Chris Schleker sah das Canyon Endurace:ON in der Redaktion und hatte die Idee: Fette Reifen könnten es in einen E-Graveler für Schmodder verwandeln.

„Gehst Du zum Tauchen, oder warum trägst Du den Neoprenanzug?“, fragt mich meine Gattin. Unverschämtheit! „Das ist kein Neo!“, protes­tiere ich. „Das ist Rennradfahrer-Look – total angesagt!“ Windschnittig. Körperbetont. Dynamisch. Das muss jetzt sein, denn ich geh’ graveln, e-graveln! „Aussehen tut’s aber wie ein Schrumpfschlauch“, sagt meine Gattin und schaut mich ein wenig mitleidig an. Dann bin ich weg.

Jahrzehnte war ich überzeugter Mountainbiker in überzeugender Mountainbiker-Optik: Lässig-locker umspielte der Sportlerzwirn meinen teilgestählten Leib. Den problemzonenvertuschenden Kleidungsstil konnte ich problemlos in meine altersgerechte E-MTB-Phase überführen. Gleicher Style, weniger Bums in den Beinen, aber mehr Bums im Bike. Alles gut. Doch dann stand da das Canyon Endurace:ON bei den Kollegen von der TOUR-Redaktion rum. Die Jungs mit den rasierten Beinen fremdelten sichtlich mit dem Konzept einer Motorhilfe im Straßenrenner. Ich hingegen bin überzeugter Minimal-Assist-Nutzer und weiß das Potenzial dieser Kategorie mittlerweile sinnvoll für mich und mein Training zu nutzen. Ein paar gezielt platzierte, abschätzige Worte später durfte ich das motorisierte Gefährt dann auch schon haben – zwecks Sinnhaftigkeitstest. Ein Rennrad mit Fazua-Motor also. Und weil die Klamotte zum Bike passen muss, sehe ich jetzt in den Augen meiner Frau aus wie ein Taucher.

  „Bei feuchten Wurzeln und im tiefen Matsch lassʼ ich das E-MTB gerne mal in der Garage. Mit dem E-Gravelbike wird die Schlechtwetterrunde dann zum Motivations-Booster.“  (Chris Schleker)Foto: Max Fuchs
„Bei feuchten Wurzeln und im tiefen Matsch lassʼ ich das E-MTB gerne mal in der Garage. Mit dem E-Gravelbike wird die Schlechtwetterrunde dann zum Motivations-Booster.“ (Chris Schleker)

Eigentlich wäre ein Neoprenanzug heute tatsächlich nicht schlecht: Die letzten Tage hat es wie aus Kübeln geschüttet. Jetzt ist der Boden vollgesogen mit Feuchtigkeit, die Trails triefen, und in jeder Senke steht das Schlammwasser knöcheltief. Mein E-MTB lasse ich an solchen Tagen normalerweise stehen und gehe widerwillig laufen. Alternativ versacke ich in der Sitzschnecke und mümmel mir den Wetterfrust mit Schokolade schön. Aber nicht heute. Heute schwinge ich mich in meiner schwarzen Lycra-Pelle aufs E-Gravelbike. Das Canyon Endurace:ON wird zwar als E-Rennrad verkauft, ist damit – aus meiner Sicht – vom Hersteller aber nicht optimal positioniert.

  Vom E-Rennrad zum E-Gravelbike - Chris Schleker hat den Versuch mit dem Canyon Endurace:ON gewagt.Foto: Max Fuchs
Vom E-Rennrad zum E-Gravelbike - Chris Schleker hat den Versuch mit dem Canyon Endurace:ON gewagt.

Der Rahmen verträgt breite 40er-Stollenreifen und Schutzbleche. Der lange Hinterbau verbessert die Traktion und bringt Laufruhe. Auf der Straße ist all das nicht nötig. Auch die Sitzposition mit der recht hohen Front ist entspannt und damit ideal für leichten Geländeeinsatz. Mit über 15 Kilo wiegt das Bike außerdem mehr als das Doppelte eines normalen Rennrads – kein Wunder, dass Fans des Straßensports damit nichts anfangen können. Ich bin dafür ein Fan des Fazua-Motorsystems. Der bayerische Antrieb arbeitet leise und sehr natürlich. Vor allem aber ist die Kurbelarbeit jenseits der 25 km/h-Grenze vollständig vom Motor entkoppelt. Zwei Stunden zügiges Radeln auf regendurchweichtem Schotter habe ich mir vorgenommen. Komoot prophezeit 800 Höhenmeter auf 50 Kilometern, mit Steigungen bis zu 25 Prozent. Dank Motor ist das nichts, was mir den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Schweiß will ich da aber trotzdem sehen, drum stelle ich das Setup des Fazua-Aggregats sportlich ein: maximal 200 Watt Hilfe will ich vom Motor, wenn ich selbst mit 350 Watt in die Pedale trete. Los geht’s.

Fazua Ride 50: Die Münchner Motorentwickler haben der dritten Generation ihres Unterrohrsystems diverse Updates ver-passt. Zuallererst wurde die Leistung aufgebohrt: Knapp 40 Watt mehr Leistung bei jetzt 58 Newtonmeter Drehmoment bringt das kleine Motörchen im Unterrohr zustande und ist dabei nach wie vor außerordentlich leise und geschmeidig. Mehr Leistung verursacht mehr Hitze. Deshalb wurden die Kühlrippen vor dem Tretlager deutlich ausgeprägter und erhabener gestaltet. Gleichzeitig wurde die Akku-Hülse stärker ausgefräst, was knapp 50 Gramm Gewicht einspart. Zuletzt verpassten die Entwickler dem Tretlagergetriebe  eine feinere Verzahnung zum Kettenblatt, sodass nun der Leerweg beim Lostreten deutlich geringer und damit kaum über dem Niveau eines normalen Freilaufs liegt.Foto: Hersteller
Fazua Ride 50: Die Münchner Motorentwickler haben der dritten Generation ihres Unterrohrsystems diverse Updates ver-passt. Zuallererst wurde die Leistung aufgebohrt: Knapp 40 Watt mehr Leistung bei jetzt 58 Newtonmeter Drehmoment bringt das kleine Motörchen im Unterrohr zustande und ist dabei nach wie vor außerordentlich leise und geschmeidig. Mehr Leistung verursacht mehr Hitze. Deshalb wurden die Kühlrippen vor dem Tretlager deutlich ausgeprägter und erhabener gestaltet. Gleichzeitig wurde die Akku-Hülse stärker ausgefräst, was knapp 50 Gramm Gewicht einspart. Zuletzt verpassten die Entwickler dem Tretlagergetriebe eine feinere Verzahnung zum Kettenblatt, sodass nun der Leerweg beim Lostreten deutlich geringer und damit kaum über dem Niveau eines normalen Freilaufs liegt.
Der neue Fazua Ride 50 Trail – gut zu erkennen an den ausgeprägteren Kühlrippen vor dem Tretlager – ist dank neuer Software noch etwas leistungsfähiger geworden. Und durch eine feinere Verzahnung im Freilauf ist der Leerweg der Kurbel beim Antritt jetzt deutlich kleiner.Foto: Max Fuchs
Der neue Fazua Ride 50 Trail – gut zu erkennen an den ausgeprägteren Kühlrippen vor dem Tretlager – ist dank neuer Software noch etwas leistungsfähiger geworden. Und durch eine feinere Verzahnung im Freilauf ist der Leerweg der Kurbel beim Antritt jetzt deutlich kleiner.
Optisch ist das Fazua-System beim E-Gravelbike (fast) perfekt integriert. Eine Fernbedienung braucht es nicht (gibt es aber). Die drei frei konfigurierbaren Stufen wählt man über die Sensortaste am Unterrohr an.Foto: Max Fuchs
Optisch ist das Fazua-System beim E-Gravelbike (fast) perfekt integriert. Eine Fernbedienung braucht es nicht (gibt es aber). Die drei frei konfigurierbaren Stufen wählt man über die Sensortaste am Unterrohr an.
Alles neu bei Fazua – bis auf den unschönen Sensor am Hinterbau. Eine Integration 
ins Ausfallende wäre hier zeitgemäß.Foto: Max Fuchs
Alles neu bei Fazua – bis auf den unschönen Sensor am Hinterbau. Eine Integration ins Ausfallende wäre hier zeitgemäß.
Fazua Ride 50: Die Münchner Motorentwickler haben der dritten Generation ihres Unterrohrsystems diverse Updates ver-passt. Zuallererst wurde die Leistung aufgebohrt: Knapp 40 Watt mehr Leistung bei jetzt 58 Newtonmeter Drehmoment bringt das kleine Motörchen im Unterrohr zustande und ist dabei nach wie vor außerordentlich leise und geschmeidig. Mehr Leistung verursacht mehr Hitze. Deshalb wurden die Kühlrippen vor dem Tretlager deutlich ausgeprägter und erhabener gestaltet. Gleichzeitig wurde die Akku-Hülse stärker ausgefräst, was knapp 50 Gramm Gewicht einspart. Zuletzt verpassten die Entwickler dem Tretlagergetriebe  eine feinere Verzahnung zum Kettenblatt, sodass nun der Leerweg beim Lostreten deutlich geringer und damit kaum über dem Niveau eines normalen Freilaufs liegt.Foto: Hersteller
Fazua Ride 50: Die Münchner Motorentwickler haben der dritten Generation ihres Unterrohrsystems diverse Updates ver-passt. Zuallererst wurde die Leistung aufgebohrt: Knapp 40 Watt mehr Leistung bei jetzt 58 Newtonmeter Drehmoment bringt das kleine Motörchen im Unterrohr zustande und ist dabei nach wie vor außerordentlich leise und geschmeidig. Mehr Leistung verursacht mehr Hitze. Deshalb wurden die Kühlrippen vor dem Tretlager deutlich ausgeprägter und erhabener gestaltet. Gleichzeitig wurde die Akku-Hülse stärker ausgefräst, was knapp 50 Gramm Gewicht einspart. Zuletzt verpassten die Entwickler dem Tretlagergetriebe eine feinere Verzahnung zum Kettenblatt, sodass nun der Leerweg beim Lostreten deutlich geringer und damit kaum über dem Niveau eines normalen Freilaufs liegt.
Der neue Fazua Ride 50 Trail – gut zu erkennen an den ausgeprägteren Kühlrippen vor dem Tretlager – ist dank neuer Software noch etwas leistungsfähiger geworden. Und durch eine feinere Verzahnung im Freilauf ist der Leerweg der Kurbel beim Antritt jetzt deutlich kleiner.Foto: Max Fuchs
Der neue Fazua Ride 50 Trail – gut zu erkennen an den ausgeprägteren Kühlrippen vor dem Tretlager – ist dank neuer Software noch etwas leistungsfähiger geworden. Und durch eine feinere Verzahnung im Freilauf ist der Leerweg der Kurbel beim Antritt jetzt deutlich kleiner.
Der neue Fazua Ride 50 Trail – gut zu erkennen an den ausgeprägteren Kühlrippen vor dem Tretlager – ist dank neuer Software noch etwas leistungsfähiger geworden. Und durch eine feinere Verzahnung im Freilauf ist der Leerweg der Kurbel beim Antritt jetzt deutlich kleiner.
Optisch ist das Fazua-System beim E-Gravelbike (fast) perfekt integriert. Eine Fernbedienung braucht es nicht (gibt es aber). Die drei frei konfigurierbaren Stufen wählt man über die Sensortaste am Unterrohr an.
Alles neu bei Fazua – bis auf den unschönen Sensor am Hinterbau. Eine Integration 
ins Ausfallende wäre hier zeitgemäß.
Fazua Ride 50: Die Münchner Motorentwickler haben der dritten Generation ihres Unterrohrsystems diverse Updates ver-passt. Zuallererst wurde die Leistung aufgebohrt: Knapp 40 Watt mehr Leistung bei jetzt 58 Newtonmeter Drehmoment bringt das kleine Motörchen im Unterrohr zustande und ist dabei nach wie vor außerordentlich leise und geschmeidig. Mehr Leistung verursacht mehr Hitze. Deshalb wurden die Kühlrippen vor dem Tretlager deutlich ausgeprägter und erhabener gestaltet. Gleichzeitig wurde die Akku-Hülse stärker ausgefräst, was knapp 50 Gramm Gewicht einspart. Zuletzt verpassten die Entwickler dem Tretlagergetriebe  eine feinere Verzahnung zum Kettenblatt, sodass nun der Leerweg beim Lostreten deutlich geringer und damit kaum über dem Niveau eines normalen Freilaufs liegt.

Was Testfahrer Chris Schleker nach dem Schlammeinsatz über das zweckentfremdete Canyon Endurace:ON sagt, erfahren Sie im Test aus EMTB 6/2021. Den Testbericht können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,49 Euro.

Warum nicht kostenlos? Weil Qualitätsjournalismus einen Preis hat. Dafür garantieren wir Unabhängigkeit und Objektivität. Das betrifft ganz besonders die Tests in EMTB. Die lassen wir uns nicht bezahlen, sondern das Gegenteil ist der Fall: Wir lassen sie uns etwas kosten, und zwar Zigtausende Euro jedes Jahr.

  Canyon Endurace:ONFoto: Max Fuchs
Canyon Endurace:ON

Canyon Endurace:ON

Preis 2999 Euro / Laufradgröße 29 Zoll / Gewicht 15,2 Kilo

Canyon bietet das E-Roadbike zum echten Kampfpreis an. Unter 3000 Euro wird man im motorisierten Rennradsektor sonst kaum ein Rad finden. Bei den Laufrädern bekommt man deshalb auch ein recht schweres Set geliefert. Darüber hinaus ist das Endurace:ON aber vernünftig und funktional ausgestattet. Die Shimano-GRX-Schalt- und Bremsgruppe arbeitet sehr geschmeidig und verzögert zuverlässig. Die Übersetzung ist dank des noch etwas kraftvoller arbeitenden 2022er-Fazua-Ride-50-Motors (mit jetzt 300 Watt und 58 Newtonmetern) völlig ausreichend, selbst für steile Rampen. Die Serienbereifung ist nur straßentauglich. Wir konnten bis zu 42 mm breite Reifen aber problemlos im Rahmen unterbringen und hatten trotzdem noch Platz für Schutzbleche. Alles in allem ein günstiges (Zweit-)Sorglos-Bike für den Herbst- und Wintereinsatz und auch ein toller, sportlicher Commuter.

Zwei Alternativen

E-Gravelbikes mit Minimal-Assist-Motor liegen im Trend. Neben dem Fazua-Motor verbauen immer mehr Hersteller den recht leichten Shimano EP8 mit kleinem Akku. Und Specialized bietet den aus dem Levo SL bekannten SL-1.1-Motor im Gravelbike Creo SL EVO an.

   Rose Backroad+ | Ab 3999 Euro kostet das Carbon-E-Gravelbike mit bärenstarkem Shimano-EP8-Motor (85 NM/500 Watt) und 360-Wh-Akku im Unterrohr. Gewichtsmäßig liegt es damit auf ähnlichem Niveau wie das Canyon. Als Top-Modell um 14 Kilo schwer.Foto: Hersteller
Rose Backroad+ | Ab 3999 Euro kostet das Carbon-E-Gravelbike mit bärenstarkem Shimano-EP8-Motor (85 NM/500 Watt) und 360-Wh-Akku im Unterrohr. Gewichtsmäßig liegt es damit auf ähnlichem Niveau wie das Canyon. Als Top-Modell um 14 Kilo schwer.
   Specialized Turbo Creo SL EVO | Bei 4600 Euro startet Specia­lized in dieser Bike-Kategorie. Das günstigste Modell hat einen Alu-Rahmen. Alle Creos haben den SL-1.1-Motor, baugleich zum Levo SL. Das explizit auf Gravel ausgerichtete EVO-Modell kostet mit Carbon-Rahmen ab stolzen 5999 Euro aufwärts.Foto: Hersteller
Specialized Turbo Creo SL EVO | Bei 4600 Euro startet Specia­lized in dieser Bike-Kategorie. Das günstigste Modell hat einen Alu-Rahmen. Alle Creos haben den SL-1.1-Motor, baugleich zum Levo SL. Das explizit auf Gravel ausgerichtete EVO-Modell kostet mit Carbon-Rahmen ab stolzen 5999 Euro aufwärts.

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