EnduroLong Travel Enduro: Cube Fritzz 180 HPA SL 27,5 im Test

Hans Voglsamer

 · 27.10.2016

Long Travel Enduro: Cube Fritzz 180 HPA SL 27,5 im TestFoto: Robert Niedring

Es gibt nicht viele Hilfsmittel, die fiese Rumpel-Trails glätten können. Nur die Kombi aus viel Hub an Gabel und Dämpfer und großen Laufrädern schafft Abhilfe. Darum wählte Tester Hans das Fritzz 180.


Dauertest-Leistung: 3493 Kilometer | 59340 Höhenmeter

Dezent, aber nicht spießig. Potent, aber nicht protzig. Das Fritzz 180 ist der AMG in der Cube-Palette. Erst das geschulte Auge erkennt, welches Potenzial in dem unscheinbaren Äußeren schlummert. So viel zur gefälligen Optik. Was die Ausstattung angeht, konnte das Fritzz ebenfalls punkten, wenn auch nicht zu 100 Prozent überzeugen. Stichwort Reifen: Schwalbe-Magic-Mary-Reifen vorne und Schwalbe Rock Razor hinten. Während der Magic Mary an der Front brillierte und sich in jeden Untergrund verbiss, offenbarte der leicht rollende Rock Razor eklatante Traktionsprobleme. Continental Baron 2.4 und später Michelin Wild Grip’R 2,35 boten mehr Reserven und sorgten unterm Strich für mehr Spaß. Ebenfalls schwierig: die momentan angesagte Einfachkurbel. Um mit dem serienmäßigen 32er-Kettenblatt auch auf langen Touren nicht zu stranden, sollte man schon richtig Schmackes in den Oberschenkeln haben. Also "Downgrade" auf 30 Zähne, was im Gefälle jedoch wieder nach einer hohen Trittfrequenz verlangt.

Auf Grund meiner Körpergröße von 189 cm wurde die 120er-Rock-Shox-Reverb gegen eine Tele-Stütze mit 150 Millimetern Hub getauscht. Denn, genau wie beim Fahrwerk, spiegelt sich auch hier jedes Plus an Hub in einem Zuwachs an Komfort und Sicherheit bergab wider. In der Summe hinterließ das Fritzz also einen sehr soliden Eindruck. Stabil, zuverlässig und trotz 180 Millimetern Federweg absolut Touren-tauglich. Egal ob Teneriffa, Gardasee oder auf den Trails an der Kampenwand. In einem Punkt konnte mir das Fritzz sogar die Augen öffnen: Vor dem Erhalt des Cubes war ich eingefleischter 26-Zoll-Fan. Doch mit jedem erkurbelten Trail-Meter begeisterten mich die leicht vergrößerten Laufräder mehr und mehr. Auf den Rumpel-Trails des Gardasees schluckt das Cube deutlich mehr als ein ähnliches Bike mit 26-Zoll-Laufrädern. Kleiner Wermutstropfen sind die leichten Einbußen bei der Wendigkeit.


Fazit: Das Cube ist ein Top-Longtravel-Enduro, mit dem man richtig viel Spaß auf technischen und flowigen Trails haben kann. Gepaart mit wenigen Defekten und tollen Fahreigenschaften, kann man das Fritzz ohne Einschränkung empfehlen.


Funktionalität 5 von 6 Punkten
Haltbarkeit 5 von 6 Punkten


TUNING


• 290 km: Reifenwechsel Der Schwalbe Rock Razor am Hinterrad rollte schnell, bot aber nur im Trockenen
genügend Grip. Allroundiger waren Conti Baron und Michelin Wild Grip’R.


• 410 km: Kettenblattwechsel Das 32er-Kettenblatt kollidierte auf langen Touren mit der Leistungsbereitschaft der Oberschenkel. Zwei Zähne weniger ermöglichen besseres Klettern, fordern bergab aber eine hohe Trittfrequenz.


• 587 km: längere Teleskopstütze Bei einer Körpergröße von 1,89 m war die 120er-Reverb-Stütze am Limit.
Der Tausch gegen eine 150er brachte mehr Komfort und Sicherheit.


DEFEKTE


• 1114 km: Gabel- und Dämpfer-Service An Gabel und Dämpfer trat etwas Schmieröl aus. Ein kurzer Service beim BIKE-Festival in Riva löste das Problem.


• 1595 km: Teleskopstütze fällt aus Die Reverb machte keinen Mucks mehr und wollte nicht mehr ausfahren. Also einschicken zum Service bei Rock Shox.


• 1732 km: Vorderreifen verliert Stollen Der Schwalbe Magic Mary verlor einige Zähne. Das Gummi der Trailstar-Mischung riss.

  Leicht ölig Minimal ölten Gabel und Dämpfer, bevor ein kleiner Service für Abhilfe sorgte. Die oftmals hakende Remote-Ansteuerung am Fox-Dämpfer machte keinerlei Probleme.Foto: Robert Niedring
Leicht ölig Minimal ölten Gabel und Dämpfer, bevor ein kleiner Service für Abhilfe sorgte. Die oftmals hakende Remote-Ansteuerung am Fox-Dämpfer machte keinerlei Probleme.


DER TESTER


Hans Voglsamer, BIKE/Freeride-Testfahrer
Alter/Größe/Gewicht: 56 Jahre/1,89 m/90 kg
Fahrerprofil Als Abenteurer zieht es Hans in verheißungsvolle Reviere, immer auf der Suche nach neuen Enduro-Touren. Je technischer und verblockter, desto besser. Auch Bikeparks besucht er regelmäßig.
Lieblingsreviere Gardasee, Teneriffa, Punta Ala, Finale Ligure

  Beziehungs-Highlight: Bike & Kite – Statt einem Mietwagen diente das Fritzz auf Teneriffa zum Pendeln zwischen Ferienwohnung und Strand. El Medano bietet zusätzlich feinste Kanaren-Trails.Foto: Robert Niedring
Beziehungs-Highlight: Bike & Kite – Statt einem Mietwagen diente das Fritzz auf Teneriffa zum Pendeln zwischen Ferienwohnung und Strand. El Medano bietet zusätzlich feinste Kanaren-Trails.

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