Enduro-BikeZerode Taniwha mit Pinion-Getriebe

Ludwig Döhl

 · 08.12.2017

Enduro-Bike: Zerode Taniwha mit Pinion-GetriebeFoto: Manuel Rohne
Enduro-Bike: Zerode Taniwha mit Pinion-Getriebe

Bleiben Getriebe-Bikes Nischenware, oder ist das Zerode Bikes Taniwha der Vorbote einer neuen Ära? Wir haben das Enduro-MTB von Zerode ausführlich getestet.

Übergewicht und geringe Effizienz machen Getriebe-Bikes so sexy wie Birkenstock-Sandalen. Und dennoch glaubt Rob Metz, Gründer von Zerode Bikes, dass in Getriebeschaltungen die nächste Evolution des Mountainbikes steckt. Aus Felgen- wurden Scheibenbremsen, Elastomergabeln wurden durch Luftfeder­elemente mit Öldämpfung ersetzt, und Rahmen aus Stahl gelten mittlerweile als retro. Nur an der grundlegenden Funktion der Kettenschaltung hat sich wenig getan. Dabei wäre es höchste Zeit, denn defekte oder abgerissene Schaltwerke und der hohe Verschleiß von Ritzeln und Ketten nerven viele. Das Zerode Taniwha aus Carbon haucht der Diskussion um Getriebe-Bikes neues Leben und vor allem eine gehörige Portion Sexappeal ein.

Verlagssonderveröffentlichung
  Sexy Erscheinung. Das Zerode Carbon-Bike  mitgelungenem Design zieht auf jedem Trail die Blicke auf sich.    Foto: Manuel Rohne
Sexy Erscheinung. Das Zerode Carbon-Bike  mitgelungenem Design zieht auf jedem Trail die Blicke auf sich.  

Wir haben den Hoffnungsträger der Querdenker über eine tschechische Rennpiste gescheucht, um zu sehen, ob ein Getriebe der übermächtigen Kettenschaltung wirklich den Kampf ansagen kann. Erste Zweifel kommen bereits in unserem Testlabor auf. Das Kilo Mehrgewicht des Pinion P 1.12-Getriebes (verglichen mit einem Shimano-XT-Antrieb) schlägt sich gnadenlos im Gesamtgewicht nieder. Trotz 2600 Gramm leichtem Carbon-Rahmen und exquisiten Anbauteilen bringt das Bike aus Neuseeland fahrfertig 15,3 Kilo auf die Waage. Ein Wert, der selbst strammen Waden alles abverlangt. Dank der 600 Prozent Bandbreite des 12-Gang-Getriebes gibt es aber einen leichten Klettergang, der den Anstieg erträglich macht. Oben angekommen, wird es für das Taniwha direkt ernst.

  Mit 2,6 Kilo ist das Pinion 12-Gang-Getriebe am Zerode Taniwha ziemlich genau ein Kilo schwerer als ein vergleichbarer Shimano-XT-Antrieb. Die zentrale Gewichtsverteilung macht sich beim Fahren angenehm bemerkbar.    Foto: Manuel Rohne
Mit 2,6 Kilo ist das Pinion 12-Gang-Getriebe am Zerode Taniwha ziemlich genau ein Kilo schwerer als ein vergleichbarer Shimano-XT-Antrieb. Die zentrale Gewichtsverteilung macht sich beim Fahren angenehm bemerkbar.  

Drei, zwei, eins und der Sprint aus dem Starthäuschen beginnt. Je schneller man die Kurbeln rotieren lässt, desto größer wird das Gefühl, dass ein gewisser Prozentsatz der Muskelkraft im Getriebe stecken bleibt. Zudem misslingt unter Vollast jeglicher Versuch, mit dem Drehgriff die Gänge zu wechseln. Anstatt wie gewohnt "tack, tack" die Gänge im Sprint reinzuhämmern, muss man hier deutlich Druck vom Pedal nehmen, um zu schalten. Dafür blüht das Bike in den technischen Abschnitten der Rennstrecke regelrecht auf.

Trotz 64,6 Grad flachem Lenkwinkel und hohem Gewicht fährt sich das Taniwha verspielt. Die zentrale Gewichtsverteilung und das überragende Fahrwerk mit 170 Millimetern Federweg sorgen für maximalen Grip auf Wurzelteppichen und verblockten Abschnitten. Wie auf Schienen meistert das Zerode Steilstücke und schnelle Kurven. Hier kann es wirklich punkten. Dennoch, für den sportlichen Renneinsatz bleibt das Zerode zu schwer und die Schaltvorgänge mit Entlastung der Kurbel zu kompliziert. Auf gemütlichen Touren kann man sich mit den Nachteilen arrangieren. Schraubermuffel werden das Taniwha sogar lieben, denn außer einem Ölwechsel nach 10000 Kilometern ist das Getriebe wartungsfrei. Aber funktional kann das Getriebe der Kettenschaltung noch nicht ganz das Wasser reichen. Noch!

  Pinion bietet ausschließlich einen Drehgriff für sein Getriebe an. Foto: Manuel Rohne
Pinion bietet ausschließlich einen Drehgriff für sein Getriebe an. 


Ludwig Döhl, BIKE-Testredakteur:
Das Zerode Taniwha ist ein erstklassiges Bike mit gelungener Geometrie. Vor allem die zentrale Verteilung des Gewichts machen das Handling bergab spaßig. Vielfahrer, welchen ein sorgloses Bike wichtig ist, werden mit dem Pinion-Getriebe glücklich. Biker mit sportlichem Fokus stören sich am Mehrgewicht und der Schaltfunktion unter Last.

  Ludwig Döhl, BIKE TestredakteurFoto: Wolfgang Watzke
Ludwig Döhl, BIKE Testredakteur
  Zerode Taniwha Getriebe-BikeFoto: BIKE Magazin
Zerode Taniwha Getriebe-Bike
  Die Geometriedaten des Zerode Taniwha mit Pinion-Getriebe im Überblick.Foto: BIKE Magazin
Die Geometriedaten des Zerode Taniwha mit Pinion-Getriebe im Überblick.


INTERVIEW MIT ROB METZ, GRÜNDER VON ZERODE BIKES


BIKE: Du baust seit 12 Jahren ausschließlich Getriebe-Bikes. Siehst du dich selbst als Pionier für Getriebeschaltungen?
Ich habe das erste Bike nicht gebaut, um irgend­jemanden zu missionieren, sondern einfach, weil ich für mich das perfekte Mountainbike haben wollte. Nach der ersten Fahrt mit meinem eigenen Getriebe-Bike war ich von den Vorteilen so überzeugt, dass ich sofort wusste, ich würde mir nie wieder ein Schaltwerk oder Umwerfer kaufen. Die ver­besserte Funktion der Federung, der niedrige zentrale Schwerpunkt und das fehlende Scheppern der Kette in der Abfahrt lassen mich die Zeit auf dem Trail perfekt genießen.


Du sagst, ein Schaltungsgetriebe ist einer Kettenschaltung eindeutig überlegen. Warum sind Getriebe-Bikes dann immer noch ein Nischenprodukt?
Gib mir eine halbe Million Euro Marketing-Budget und ich verhelfe dem Getriebe zu seinem großen Durchbruch. Wenn ich morgen die besten Mountain­biker der Welt engagiere, würden Getriebe-Bikes sofort akzeptiert werden. Man muss sich ja nur zurückerinnern, als Greg Minnaar auf dem Honda-Getriebe-Bike den Worldcup rockte.


Wird der Zeitpunkt kommen, an dem mehr Schaltgetriebe als Kettenschaltungen verkauft werden?
Für bestimmte Teile des Marktes wird das sicher passieren. Zur Zeit haben nur wenige Erfahrung mit Schaltungsgetrieben gesammelt, weshalb sie vielen, die es noch nicht probiert haben, suspekt erscheinen. Wer dagegen eine Kettenschaltung kauft, der weiß, was ihn erwartet. Jede Technologie braucht Zeit, um sich durchzusetzen. Je mehr Bikes am Markt sind, desto höher wird die Akzep­tanz werden. So gesehen sind meine Kunden risikofreudig, dem Feedback nach hat aber noch niemand den Kauf eines Taniwhas bereut. Hat man sich auf die Schaltung eingestellt, sind die Vorteile einfach überlegen. An günstigen Einsteiger-Bikes gibt es hingegen wenig Alternativen zur Kettenschaltung.

  Rob Metz, Gründer Zerode Bikes und Verfechter von SchaltungsgetriebenFoto: Cameron Mackenzie,Hersteller
Rob Metz, Gründer Zerode Bikes und Verfechter von Schaltungsgetrieben


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