Enduro

Dauertest: Lapierre Spicy 916

Josh Welz

 · 12.02.2014

Dauertest: Lapierre Spicy 916Foto: Robert Niedring

Mit 12,4 Kilo unterbietet das Lapierre-Enduro so manches All Mountain. Doch trotzt das Spicy auch den Härten des Winters?


Dauertest-Leistung: 2.700 km | 22.000 hm

Ich halte es mit der Wartung meines Bikes wie die Menschen im Mittelalter mit der Körperpflege: einmal waschen im Monat reicht. Besonders im Winter bescherte dieser Umstand dem Lapierre ein leidvolles Dasein. Matsch und Salz ließen den Antrieb im Zeitraffer altern und raspelten Bremsbeläge wie Parmesan auf einer Käsereibe. Dauereinsatz bei Schmuddelwetter und frostige Temperaturen scheinen auch anderen Bauteilen eines Mountainbikes nicht gutzutun: Teleskop-Stützen mögen offenbar grundsätzlich keine widrigen Bedingungen – die Kindshock i950 R machte da keine Ausnahme: Mal ließ sie sich nicht absenken, mal wollte sie nicht in der Versenkung verweilen, und auch der Remote-Hebel verrichtete seinen Dienst zunehmend widerwillig.

Als wenig begeisternd empfand ich diesmal auch die Performance der 36er-Fox-Float. Trotz softer Einstellung mühte sich dieses Exemplar vergeblich, sein 160-Millimeter-Versprechen einzulösen. Kritik an einzelnen Bauteilen, für die das Bike eigentlich nichts kann. Denn Basis und Eckdaten des Spicy entsprechen dem Idealtypus eines Enduros: 12,4 Kilo Gesamtgewicht und ein potentes Fahrwerk mit 165 mm Federweg hinten und 160 vorne – das trifft genau meine Erwartungen als Trail-verliebter Trainingsmuffel. Die kompakte Geometrie mit kurzen Kettenstreben, flachem Lenk- und steilem Sitzwinkel ergibt eine gelungene Symbiose aus Uphill- und Downhill-Qualitäten. Auch dank der federleichten Easton-Carbon-Laufräder sprintet das Lapierre los wie ein Renndackel und zirkelt wieselflink durch verblockte Trails. Für Highspeed-Downhills und Parkeinsätze fehlt dem 2688 Gramm (inkl. Dämpfer) leichten Rahmen die End-Steifigkeit.


Fazit: Viele Monate Schmuddelwetter setzten einigen Bauteilen zu. Aber der Mix aus filigranem Leichtbau und robustem Fahrwerk begeistert.


Funktionalität *****
Haltbarkeit ****
(max. 6 Sterne)


TUNING

• 10 km – Lenker getauscht: Für bessere Kontrolle: 74er-Crank-Bros- statt 72er-Easton-Carbon-Lenker
• 400 km – Kettenführung: Doppelt hält besser: Das Shimano-Shadow-Plus-Schaltwerk wird von einer Bionicon-Kettenführung unterstützt.
• 400 km – Breiter Vorderreifen: Der 2.2er wurde vorne durch einen 2.4er-Conti-Rubber-Queen ersetzt. Hinten muss man sich mangels Reifenfreiheit mit 2.2 begnügen.


DEFEKTE
• 1200/2000 km – Bremsbeläge: Die teilorganischen Beläge hatten eine kurze Lebensdauer.
• 1400 km – Kette gewechselt: Nässe und Streusalz machten aus der Kette eine Rostlaube.
• 1600 km – Tretlager knackt: Lager gereinigt, gefettet
• Diverse Mal – Tele-Stütze fest: Klemmung gelockert, Zugaufhängung kontrolliert, Stütze geschmiert, Bowdenzug getauscht

  Enges Korsett: Der Hinterbau limitiert die Reifenbreite – ein 2.4er-Conti-Rubber-Queen passt nur aufs Vorderrad, am Hinterrad muss man sich mit 2.2 begnügen.Foto: Georg Grieshaber
Enges Korsett: Der Hinterbau limitiert die Reifenbreite – ein 2.4er-Conti-Rubber-Queen passt nur aufs Vorderrad, am Hinterrad muss man sich mit 2.2 begnügen.
  Rostlaube: An Kette, Ritzel und Kettenblatt nagten monatelang Nässe und Salz.Foto: Georg Grieshaber
Rostlaube: An Kette, Ritzel und Kettenblatt nagten monatelang Nässe und Salz.
  Rider: Josh Welz, BIKE-Chefredakteur. Fährt Bike seit 1999; Gewicht/Größe 83 kg/1,83 m; Fahrertyp Enduro/Tour; Lieblingsrevier technische TrailsFoto: Oliver Soulas
Rider: Josh Welz, BIKE-Chefredakteur. Fährt Bike seit 1999; Gewicht/Größe 83 kg/1,83 m; Fahrertyp Enduro/Tour; Lieblingsrevier technische Trails

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