Enduro

2 Enduros unter 20 Kilo im harten Duell

Christian Schleker

 · 27.09.2021

2 Enduros unter 20 Kilo im harten DuellFoto: Wolfgang Watzke
Powered by

Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?

Die Testfahrer Wolfgang und Tim sind sich einig: „Ein Mini-Downhiller ist das!“ „Super schnell, eine Wucht!“ „Bergab souverän. Eine Macht!“ Und bergauf? Prompt werden die beiden schweigsam. Dann kommt es deutlich weniger euphorisch, aber wieder einstimmig: „Na ja, es reicht zum Hochkommen.“ Die Rede ist vom neuen Specialized Kenevo SL. Das Carbon-Enduro besitzt die gleiche Hinterbaukinematik wie das hauseigene Downhillbike, mit dem Loic Bruni Weltmeistertitel in Serie einfährt. Das Bike ist superlang und superflach, obendrein einstellbar auf noch länger und noch flacher. Eine konsequente Schwerkraftrakete mit der Optik eines klassischen Bikes und dem Minimal-Assist-Motor, mit dem Specialized vor einem Jahr den E-Markt aufgerüttelt hat. Mit dem Levo SL, dem Light-E-Trailbike, haben die Amis den Anlass für ausschweifende Grundsatzdiskussionen geschaffen.

  Catch me, if you can! Bergab ist das Kenevo SL die neue Referenz für E-Mountainbikes. Extrem schluckfreudig, fahrstabil, sicher und gut im Handling. Ein Freerider mit eingebautem Shuttle für viiiiiiel Spaß, wenn es runtergeht.Foto: Wolfgang Watzke
Catch me, if you can! Bergab ist das Kenevo SL die neue Referenz für E-Mountainbikes. Extrem schluckfreudig, fahrstabil, sicher und gut im Handling. Ein Freerider mit eingebautem Shuttle für viiiiiiel Spaß, wenn es runtergeht.

Überzeugte Power-E-Biker rümpfen ob der Magerleistung die Nase. Eco-genügsame Reichhöhenfüchse feiern das Sparpotenzial bei Gewicht und Leistung als neuen Gral. Generell ist die Light-E-Bike-Idee also polarisierend. Und deshalb besonders spannend. Erst recht, weil die Hersteller nach und nach immer mehr Nischen mit der Leicht-Option bestücken. Bei den Trailbikes war Specialized 2020 der Platzhirsch. Diese Saison gibt es mit Bikes von Rotwild und Orbea Konkurrenz auf Augenhöhe. Jetzt sind die Enduros dran. Und da hat Specialized von Anfang an ernst zu nehmende Konkurrenz. Denn Rotwild hat das R.E375 mit dem gleichen Grundkonzept wie das Trailbike R.X375 auf den Markt gebracht: den klassischen Shimano EP8 mit vollem Leistungspotenzial und ein entnehmbarer 375-Wattstunden-Akku im Vollcarbonrahmen. Das R.E375 spielt aber in Sachen Geometrie in einer ganz anderen Liga: flach, lang und mit 170 Millimetern Hub vorne wie hinten. Dazu stabile Reifen und trotzdem ein Gewicht knapp unter 20 Kilo. Gut, das ist nicht mehr ganz so beeindruckend wie die Magerpfunde der Light-E-Trailbikes, aber immer noch rund fünf Kilo leichter als ein klassisches E-Enduro. Das Kenevo SL ist – dem deutlich schwächeren Motor und kleineren Akku sei Dank – noch mal ein halbes Kilo leichter.

  Ich bin schon da! Das Rotwild kann das Specialized buchstäblich auf Knopfdruck abhängen. Der EP8 ermöglicht dem R.E375 Uphillflow in Passagen, wo der Kenevo-Pilot um Vortrieb kämpft.Foto: Wolfgang Watzke
Ich bin schon da! Das Rotwild kann das Specialized buchstäblich auf Knopfdruck abhängen. Der EP8 ermöglicht dem R.E375 Uphillflow in Passagen, wo der Kenevo-Pilot um Vortrieb kämpft.

Bei Enduros wirkt das Light-Konzept auf den ersten Blick durchaus sinnvoll und weniger diskussionswürdig. Bikes dieser Kategorie sind optimiert für den schnellen und heftigen Downhill. Anstiege sind eher Mittel zum Zweck. Es gilt, möglichst häufig am Gipfel anzukommen, um möglichst viele, harte und schnelle Abfahrten zu genießen. Da Enduros ohne Motor heute schon gerne 15 bis 16 Kilo wiegen, tut man sich ohne Lift und Shuttle aber eher schwer mit den zahlreichen Auffahrten. Was wäre da also besser als ein kleiner Helfer im Tretlager, der die schweren Reifen und massiven Federelemente im Anstieg vergessen lässt, damit man bergab ohne Reue die Bremsen auflassen kann? Eigentlich nichts.

Mit dieser Grundhaltung sind wir in dieses Duell gegangen – unser Fokus lag klar auf der Performance bergab. Schlüsselfragen: Wie viel Fahrspaß und -sicherheit haben die beiden Kontrahenten zu bieten? Wie nah liegt das Handling an dem eines klassischen Enduros? Und wie viele Anstiege schafft man mit diesen kleinen Akkus eigentlich? Aber natürlich lassen wir Fahrleistung und -spaß nicht außer Acht, wenngleich diese Disziplinen nicht im Vordergrund stehen.

Specialized SL 1.1: Der vom deutschen Hersteller Mahle exklusiv für Specialized gebaute Motor liefert 240 Watt und 35 Newtonmeter Dreh-moment. Via App lässt sich das Unterstützungsverhältnis von Motor und Fahrer-Input sehr genau abstimmen.
Specialized SL 1.1: Der vom deutschen Hersteller Mahle exklusiv für Specialized gebaute Motor liefert 240 Watt und 35 Newtonmeter Dreh-moment. Via App lässt sich das Unterstützungsverhältnis von Motor und Fahrer-Input sehr genau abstimmen.
Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Viel Federweg, abfahrtslastige Geometrie und unter 20 Kilo Gewicht. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?Foto: Wolfgang Watzke
Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Viel Federweg, abfahrtslastige Geometrie und unter 20 Kilo Gewicht. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?
Ich bin schon da! Das Rotwild kann das Specialized buchstäblich auf Knopfdruck abhängen. Der EP8 ermöglicht dem R.E375 Uphillflow in Passagen, wo der Kenevo-Pilot um Vortrieb kämpft.Foto: Wolfgang Watzke
Ich bin schon da! Das Rotwild kann das Specialized buchstäblich auf Knopfdruck abhängen. Der EP8 ermöglicht dem R.E375 Uphillflow in Passagen, wo der Kenevo-Pilot um Vortrieb kämpft.
Catch me, if you can! Bergab ist das Kenevo SL die neue Referenz für E-Mountainbikes. Extrem schluckfreudig, fahrstabil, sicher und gut im Handling. Ein Freerider mit eingebautem Shuttle für viiiiiiel Spaß, wenn es runtergeht.Foto: Wolfgang Watzke
Catch me, if you can! Bergab ist das Kenevo SL die neue Referenz für E-Mountainbikes. Extrem schluckfreudig, fahrstabil, sicher und gut im Handling. Ein Freerider mit eingebautem Shuttle für viiiiiiel Spaß, wenn es runtergeht.
Rotwild R.E 375 ProFoto: Wolfgang Watzke
Rotwild R.E 375 Pro
Rotwild R.E 375 Pro: Das geöffnete Unterrohr macht das Rotwild ca. ein halbes Kilo schwerer, aber der Wechsel-Akku hat Vorteile. Durch den klappernden Akku (laut Hersteller einstellbar) war das Bike bergab recht laut.Foto: Wolfgang Watzke
Rotwild R.E 375 Pro: Das geöffnete Unterrohr macht das Rotwild ca. ein halbes Kilo schwerer, aber der Wechsel-Akku hat Vorteile. Durch den klappernden Akku (laut Hersteller einstellbar) war das Bike bergab recht laut.
Rotwild R.E 375 Pro: Mit der Fit4-Kartusche war die Fox 36 bei hohem Tempo viel zu straff. Die Testgabel knackte beim Bremsen.Foto: Wolfgang Watzke
Rotwild R.E 375 Pro: Mit der Fit4-Kartusche war die Fox 36 bei hohem Tempo viel zu straff. Die Testgabel knackte beim Bremsen.
Specialized Kenevo SL ExpertFoto: Wolfgang Watzke
Specialized Kenevo SL Expert
Specialized Kenevo SL Expert: Das Kenevo SL ist eigentlich der Specialized-Enduro-Rahmen mit Motor. Die aus dem DH entlehnte Kinematik ist bergab ein Traum an Feinfühligkeit und schier endlosem Schluckvermögen.Foto: Wolfgang Watzke
Specialized Kenevo SL Expert: Das Kenevo SL ist eigentlich der Specialized-Enduro-Rahmen mit Motor. Die aus dem DH entlehnte Kinematik ist bergab ein Traum an Feinfühligkeit und schier endlosem Schluckvermögen.
Specialized Kenevo SL Expert: So geht Freeride! Eine Fox 38 mit Grip2-Kartusche ist der „perfect match“ für das extrem fluffige Heck. 
Foto: Wolfgang Watzke
Specialized Kenevo SL Expert: So geht Freeride! Eine Fox 38 mit Grip2-Kartusche ist der „perfect match“ für das extrem fluffige Heck.
Shimano EP8: Rotwild verbaut einen kraftvollen E-Motor mit 500 Watt Maximalleistung und 85 Newtonmeter Drehmoment. Ab Werk ist das Aggregat allerdings auf moderate Leistung eingestellt, damit der kleine Akku nicht zu schnell entladen wird.Foto: Wolfgang Watzke
Shimano EP8: Rotwild verbaut einen kraftvollen E-Motor mit 500 Watt Maximalleistung und 85 Newtonmeter Drehmoment. Ab Werk ist das Aggregat allerdings auf moderate Leistung eingestellt, damit der kleine Akku nicht zu schnell entladen wird.
Specialized SL 1.1: Der vom deutschen Hersteller Mahle exklusiv für Specialized gebaute Motor liefert 240 Watt und 35 Newtonmeter Dreh-moment. Via App lässt sich das Unterstützungsverhältnis von Motor und Fahrer-Input sehr genau abstimmen.
Specialized SL 1.1: Der vom deutschen Hersteller Mahle exklusiv für Specialized gebaute Motor liefert 240 Watt und 35 Newtonmeter Dreh-moment. Via App lässt sich das Unterstützungsverhältnis von Motor und Fahrer-Input sehr genau abstimmen.
Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Viel Federweg, abfahrtslastige Geometrie und unter 20 Kilo Gewicht. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?Foto: Wolfgang Watzke
Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Viel Federweg, abfahrtslastige Geometrie und unter 20 Kilo Gewicht. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?
Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Viel Federweg, abfahrtslastige Geometrie und unter 20 Kilo Gewicht. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?
Ich bin schon da! Das Rotwild kann das Specialized buchstäblich auf Knopfdruck abhängen. Der EP8 ermöglicht dem R.E375 Uphillflow in Passagen, wo der Kenevo-Pilot um Vortrieb kämpft.
Catch me, if you can! Bergab ist das Kenevo SL die neue Referenz für E-Mountainbikes. Extrem schluckfreudig, fahrstabil, sicher und gut im Handling. Ein Freerider mit eingebautem Shuttle für viiiiiiel Spaß, wenn es runtergeht.
Rotwild R.E 375 Pro
Rotwild R.E 375 Pro: Das geöffnete Unterrohr macht das Rotwild ca. ein halbes Kilo schwerer, aber der Wechsel-Akku hat Vorteile. Durch den klappernden Akku (laut Hersteller einstellbar) war das Bike bergab recht laut.
Rotwild R.E 375 Pro: Mit der Fit4-Kartusche war die Fox 36 bei hohem Tempo viel zu straff. Die Testgabel knackte beim Bremsen.
Specialized Kenevo SL Expert
Specialized Kenevo SL Expert: Das Kenevo SL ist eigentlich der Specialized-Enduro-Rahmen mit Motor. Die aus dem DH entlehnte Kinematik ist bergab ein Traum an Feinfühligkeit und schier endlosem Schluckvermögen.
Specialized Kenevo SL Expert: So geht Freeride! Eine Fox 38 mit Grip2-Kartusche ist der „perfect match“ für das extrem fluffige Heck.
Shimano EP8: Rotwild verbaut einen kraftvollen E-Motor mit 500 Watt Maximalleistung und 85 Newtonmeter Drehmoment. Ab Werk ist das Aggregat allerdings auf moderate Leistung eingestellt, damit der kleine Akku nicht zu schnell entladen wird.
Specialized SL 1.1: Der vom deutschen Hersteller Mahle exklusiv für Specialized gebaute Motor liefert 240 Watt und 35 Newtonmeter Dreh-moment. Via App lässt sich das Unterstützungsverhältnis von Motor und Fahrer-Input sehr genau abstimmen.

Das komplette Test-Duell der beiden leichten E-Enduros aus EMTB 2/2021 können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,49 Euro.

Warum nicht kostenlos? Weil Qualitätsjournalismus einen Preis hat. Dafür garantieren wir Unabhängigkeit und Objektivität. Das betrifft ganz besonders die Tests in EMTB. Die lassen wir uns nicht bezahlen, sondern das Gegenteil ist der Fall: Wir lassen sie uns etwas kosten, und zwar Zigtausende Euro jedes Jahr.

Downloads:

Meistgelesene Artikel