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Bike-Saison auf La Palma wohl nicht gefährdet

Stefan Loibl

 · 23.09.2021

Bike-Saison auf La Palma wohl nicht gefährdetFoto: Privatfoto

Am 16. September ist der Vulkan Cumbre Vieja auf La Palma ausgebrochen. Wir sprachen mit Philipp Foltz vom Reiseanbieter Atlantic Cycling über die Auswirkungen.

Als wir Philipp Foltz gestern am Telefon erreichen, hat er es eilig. Denn er hat kurz zuvor erst erfahren, dass er am Nachmittag nochmal ins evakuierte Gebiet zurückkehren darf, um weiteres Hab und Gut aus seiner Bike-Station in Puerto Naos zu holen. Mehrere tausend Menschen mussten in den vergangenen Tagen auf La Palma wegen des Vulkanausbruchs ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Darunter auch Foltz, der im Südwesten der Kanareninsel seit 2005 mit seinem Reiseunternehmen Atlantic Cycling Touren anbietet. Wir haben mit ihm über den Vulkanausbruch, die Evakuierung nach Los Llanos und die anstehende Bike-Saison 2021/22 gesprochen.

  Philipp Foltz (48) von Atlantic CyclingFoto: Karl Feta
Philipp Foltz (48) von Atlantic Cycling

BIKE: Servus Philipp, erwischen wir Dich gerade in deiner Bike-Station oder woanders?

Philipp Foltz: Ich bin gerade in Los Llanos, etwa sechs Kilometer nördlich von meiner Station in Puerto Naos. Die Station samt Laden mussten wir bereits vor zwei Tagen räumen, aber die Evakuierung war gut organisiert. Die Experten dachten, dass die Lava viel schneller fließen wird, der Lavastrom ist nun aber deutlich langsamer unterwegs.

  Die Stelle des Vulkanausbruchs ist rot markiert. Der Lavastrom fließt zwischen Los Llanos und Puerto Naos nach Westen Richtung Meer.Foto: Google Maps
Die Stelle des Vulkanausbruchs ist rot markiert. Der Lavastrom fließt zwischen Los Llanos und Puerto Naos nach Westen Richtung Meer.

Wie hat das mit der Evakuierung und den Bikes geklappt?

Wir sind mit fünf Autos und drei Anhängern gefahren und haben die Bikes in Los Llanos in Garagen eingelagert. Dabei haben wir viel Hilfsbereitschaft von Freunden erfahren, die fleißig angepackt haben. Wir wurden angewiesen, nur die Räder und persönliche Sachen mitzunehmen. Nun haben wir aber zum Glück noch einmal die Möglichkeit, Dinge aus Puerto Naos nachzuholen.

Im Vorfeld des Vulkanausbruchs gab es bereits Erdbeben. Wie heftig waren die?

Ja, die waren schon deutlich spürbar. Immerhin hatten sie eine Stärke von bis zu 3,8. Es hat sich deutlich angekündigt, dass da was am Brodeln ist. Aber es gab vor dem Ausbruch auch schon eine Bürgerversammlung, wo über den Evakuierungsplan geredet wurde. Insgesamt war alles sehr gut organisiert. Später stellte sich dann heraus, dass die Lava viel langsamer fließt als prognostiziert. Aber keiner weiß genau, wie lange der Ausbruch dauern wird. Aktuell hört man im Laufe des Tages immer wieder Explosionen. Die sind etwa so wie dumpfe Donnerschläge. Aber sie sind so heftig, dass selbst sechs Kilometer entfernt die Fensterscheiben noch klirren.

In welcher Entfernung von Dir walzt sich der Lavastrom gen Meer?

Ich habe von Los Llanos einen direkten Blick auf den Vulkan. Aber das Leben geht in Los Llanos ganz normal weiter. Denn der Lavastrom fließt durch die Hochebene zwischen Los Llanos und Puerto Naos und wird weit an den beiden Orten vorbeifließen. Nur die Verbindungsstraßen wird er sicher treffen und verschütten.

Nach Corona ist das nun die nächste Herausforderung für dein Unternehmen. Kann man sich gegen einen Vulkanausbruch versichern?

Darum haben wir uns noch nicht gekümmert. Auch nicht, ob eventuelle Ausfälle gedeckt werden. Alle Leute in der Umgebung sind aktuell noch sehr entspannt. Denn der spanische Präsident war bereits kurz nach dem Ausbruch vor Ort und hat gezeigt, dass er sich kümmert. Wahrscheinlich wird es für die betroffene Region staatliche Hilfen nach dem Vulkanausbruch geben, so etwas wie die Fluthilfen in Deutschland.

Ist die anstehende Bike-Saison 2021/22 auf La Palma in Gefahr?

Wir haben grundsätzlich ab 24. Oktober eine gute Buchungslage. Im Moment hat noch keiner storniert. Im Idealfall können wir ab Anfang November ganz regulär mit dem Guiding und Anbieten von Touren beginnen. Die Nordinsel ist gar nicht vom Ausbruch betroffen und sehr sicher. Auch der Flughafen im Osten ist nicht tangiert. Wir werden in den nächsten Wochen bei Bedarf passende Alternativen ausarbeiten, um schnellstmöglich wieder Touren anbieten können. Es gibt genügend Alternativunterkünfte in der Umgebung, in denen wir unsere Gäste unterbringen können. Wir freuen uns über jeden Gast, der kommt, weil das unsere Zukunft ist.

Foto: Privatfoto

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