All Mountain

Giant Trance Advanced 0: Modell 2016 gegen 2017

Stefan Frey

 · 16.04.2017

Giant Trance Advanced 0: Modell 2016 gegen 2017Foto: Wolfgang Watzke

Sind es Zwillinge? Auf den ersten Blick gibt die Giant-Paarung kaum Unterschiede preis. OK, der Farbton ändert sich, Rahmenform und Komponenten bleiben aber weitgehend gleich.

Dennoch fühlt man sich auf Anhieb auf dem neuen Modell wohler. Zuletzt hatte das alte Giant Advanced immer wieder zu kämpfen in unseren Vergleichstests. Das Chassis, egal ob Carbon oder Aluminium war in die Jahre gekommen. Die Geometrie war nicht mehr ganz aktuell, und die Ausstattung schwächelte etwas. Der nach eigenen Angaben größte Fahrradhersteller der Welt nimmt die Kritik sportlich und zeigt mit dem neuen Advanced, dass er es auch besser kann. Die simpelsten Änderungen vorne weg: Der breitere Lenker und ein kürzerer Vorbau sorgen für besseres Handling. Das war’s? Beim Vergleich der beiden Geometrietabellen kristallisiert sich dann doch ein deutlicher Unterschied heraus, der auch auf dem Trail zu spüren ist. Kaum ein Maß gleicht dem anderen.

Während der Testrunde mit dem Auslaufmodell bemängeln alle Fahrer die gedrungene etwas nach vorne verlagerte Sitzposition. Giant kontert 2017 zwar nur mit einem sechs Millimeter längeren Reach, flacht dafür aber den Sitzwinkel um 1,6 Grad ab und positioniert so den Fahrer deutlich zentraler zwischen den beiden Laufrädern. Der um ein Grad abgeflachte Lenkwinkel legt zusammen mit breiteren Felgen, einem Schutz fürs Kettenblatt und größeren Bremsscheiben den Grundstein für ein besseres Fahrverhalten bergab. Das Fahrwerk mit zehn Millimetern mehr Federweg an der Front und fünf Millimetern zusätzlich im Heck unterstreicht die neue Ausrichtung des Trance’ zu Gunsten des Downhills. Im Maestro-Hinterbau arbeitet Rock Shox’ neues Super-Deluxe-Federbein mit Ausgleichsbehälter. Wir glauben zwar, dass man den Ausgleichsbehälter bei einem All Mountain nicht zwingend braucht, aber das neue Fahrwerk fühlt sich deutlich lebendiger an als das des 2016er-Giants. Nicht nur die Federung, sondern auch die fünf Millimeter kürzeren Kettenstreben tragen ihr Übriges zu einem verspielterem Fahrverhalten bei.

Von den bemängelten Disbalancen zwischen Gabel und Dämpfer im alten Fahrwerk ist im neuen Chassis nichts mehr zu spüren, das leichte Wippen während des Uphills bleibt jedoch erhalten. Kehrseite der neuen abfahrtsorientierten Ausrichtung: Das Advanced 0 wird über ein halbes Kilo schwerer. 120 Gramm packt alleine der neue Dämpfer drauf, die Laufräder mit breiteren Felgen, breiteren Vorderreifen und Boost-Naben schlagen mit 180 Gramm mehr zu Buche. Allerdings hält die neue Zwölffach-Gruppe auch einen leichteren Klettergang parat und erhält so dem 2017er-Modell die Touren-Tauglichkeit des Vorgängers. Trotz anfänglicher Zwillingstheorie fanden wir während unseres Tests große Unterschiede zwischen der Paarung. Keiner der anderen Thronfolger distanziert seinen Vorfahren so deutlich wie das 2017er-Giant Trance Advanced 0, was auch die Punktewertung zum Ausdruck bringt. Bei den Trance-Twins handelt es sich also höchsten um zweieiige Zwillinge.


Fazit Stefan Frey, BIKE-Testredakteur
Das alte Trance ist in die Jahre gekommen, mit dem 2017er-Modell stellt Giant aber einen würdigen Nachfolger für seinen All-Mountain-Klassiker. Das neue Trance ist seinem Vorfahren auf dem Trail deutlich überlegen, vor allem in der Abfahrt spielt es seine Vorteile aus. Das halbe Kilo Mehrgewicht wird einigen Touren-Fahrern aufstoßen, wenngleich das Gesamtgewicht sehr gut bleibt.

  Stefan Frey, BIKE TestredakteurFoto: Robert Niedring
Stefan Frey, BIKE Testredakteur


Giant Trance Advanced 0 2016

  Giant Trance Advanced 0 2016Foto: Georg Grieshaber
Giant Trance Advanced 0 2016
  Giant Trance Advanced 0 2016: PLUS   Der Rock-Shox-Monarch-Dämpfer bietet neben dem geöffneten Zustand auch eine Pedalplattform und eine weitere lockout-ähnliche Plattform. Mehr braucht der Touren-Biker nicht.Foto: Georg Grieshaber
Giant Trance Advanced 0 2016: PLUS   Der Rock-Shox-Monarch-Dämpfer bietet neben dem geöffneten Zustand auch eine Pedalplattform und eine weitere lockout-ähnliche Plattform. Mehr braucht der Touren-Biker nicht.
  Giant Trance Advanced 0 2016: Die Kennlinien des Trance’ liegen zwar perfekt übereinander, auf dem Trail spürte man dennoch Dis­balancen. Grund: Die Geometrie positioniert einen eher frontlastig.Foto: BIKE Magazin
Giant Trance Advanced 0 2016: Die Kennlinien des Trance’ liegen zwar perfekt übereinander, auf dem Trail spürte man dennoch Dis­balancen. Grund: Die Geometrie positioniert einen eher frontlastig.
  Giant Trance Advanced 0 2016: Die alte Geometrie positionierte den Fahrer etwas frontlastig über dem Rad.Foto: BIKE Magazin
Giant Trance Advanced 0 2016: Die alte Geometrie positionierte den Fahrer etwas frontlastig über dem Rad.


Giant Trance Advanced 0 2017

  Giant Trance Advanced 0 2017    Foto: Georg Grieshaber
Giant Trance Advanced 0 2017  
  Giant Trance Advanced 0 2017: MINUS   Der metrische Super-Deluxe-Dämpfer wiegt wegen des Ausgleichsbehälters 120 Gramm mehr. Die gute Funktion ist auch beim Monarch gegeben.  Foto: Georg Grieshaber
Giant Trance Advanced 0 2017: MINUS   Der metrische Super-Deluxe-Dämpfer wiegt wegen des Ausgleichsbehälters 120 Gramm mehr. Die gute Funktion ist auch beim Monarch gegeben.  
  Giant Trance Advanced 0 2017: Das neue Fahrwerk hat etwas mehr Federweg und zeigt sich generell etwas straffer als sein älteres Pendant. Uns gefiel es deutlich besser.Foto: BIKE Magazin
Giant Trance Advanced 0 2017: Das neue Fahrwerk hat etwas mehr Federweg und zeigt sich generell etwas straffer als sein älteres Pendant. Uns gefiel es deutlich besser.
  Giant Trance Advanced 0 2017: Das 2017-Trance folgt dem aktuellen Geometrie-Trend: flacherer Lenkwinkel, kürzere Kettenstreben. Der Pilot sitzt zentral zwischen den Rädern. Ein deutlicher Fortschritt.Foto: BIKE Magazin
Giant Trance Advanced 0 2017: Das 2017-Trance folgt dem aktuellen Geometrie-Trend: flacherer Lenkwinkel, kürzere Kettenstreben. Der Pilot sitzt zentral zwischen den Rädern. Ein deutlicher Fortschritt.

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