Für viel bildet die Kategorie Enduro das Mountainbike am besten ab. Hier ist alles dabei: hoch, runter, entlang. Medial tut sich das Rennformat jedoch schon immer schwer. Zu anspruchsvoll zu übertragen, zu lang, zu schwer zugänglich für Zuschauer.
Viele Stars des Enduro-Worldcups sind in dieser Saison nicht mehr am Start, zudem hat sich mehr als die Hälfte der registrierten Teams aus dem Worldcup zurückgezogen. Wie es mit dem Rennformat im UCI-Worldcup weitergeht und welche Gründe hinter dieser Entwicklung stehen, erklärt Deutschlands erfolgreichster EDR-Worldcupper, Christian Textor.
Für die kommende Saison sind nur noch fünf UCI-registrierte MTB-Teams gemeldet, die spezielle EDR-Rennfahrer stellen. Das ist ein klarer Rückgang gegenüber des Vorjahrs, als noch mehr als doppelt so viele Teams registriert waren.
Der E-Enduro-Worldcup (EDR-E) pausiert offiziell weiterhin. Zu den Teams, die entweder aufgelöst wurden oder keine Fahrer mehr für die EDR gemeldet haben, zählen unter anderem Specialized Gravity, Canyon CLLCTV und Lapierre Gravity Collective.
Die Bike-Industrie steht unter Druck, dennoch wird weiterhin viel Geld in den Rennsport investiert. Cross Country und Downhill sind sogar kostspieliger geworden, trotzdem existieren dort zahlreiche Teams. Das Problem ist also nicht fehlendes Budget, sondern der unklare Gegenwert von Investitionen im Enduro-Segment.
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Foto: Storychief KI generiert / Laurin LehnerGeld da, nur nicht für den Profi-Enduro-Rennsport.
2. Verlorener Enduro-Gedanke
Durch die aktuelle Organisation sind einige Enduro-Rennen an ganzheitliche Deals mit XC und DH gebunden. Der Enduro Worldcup wird dadurch an Orten ausgetragen, an denen Enduro teilweise gar nicht richtig hinpasst. Nach mehreren Jahren geht zudem der ursprüngliche Enduro-Gedanke verloren, wenn dieselben Stages zum vierten oder fünften Mal gefahren werden. Das begeistert weder Racer noch Fans – und macht es entsprechend schwierig, das Format sinnvoll zu vermarkten.
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3. Enduro lebt – nur woanders
Enduro-Racing ist nicht tot. Im Gegenteil: Mehrtagesrennen und unabhängige Mitmach-Events boomen, viele sind ausgebucht. Der Rennsport verlagert sich dorthin, wo er Spaß, Abenteuer und echten Anreiz bietet. Nationale Serien beweisen das und können sie über zu wenige Teilnehmerzahlen nicht beschweren.
Foto: Max FuchsBeliebt: Die Enduro-One - hier in Trieb.
4. EDR Worldcup: teuer, austauschbar, wenig attraktiv
Worldcup-Racing ist für Teams und Privateers immer teurer geworden - dank Warner Brothers und UCI, gleichzeitig sinkt der Mehrwert. Kein gute Entwicklung! Die Bike-Marken fragen sich also, warum für was noch mehr zahlen als zuvor, wenn die Sichtbarkeit und der USP (Unique Selling Point) eher abgenommen hat als zugenommen.
Foto: Storychief KI generiert / Laurin LehnerRallye im Motorsport hat das gleiche Problem: Live-Übertragungen sind knifflig, teuer und schlecht umsetzbar.
5. Verlust der Kernwerte
Enduro lebte davon, neue, abgelegene Orte sichtbar zu machen. Der Worldcup hat diese Kernwerte aufgegeben. Statt spannender, neuer Destinationen fährt man zudem seit Jahren ähnliche europäische Strecken. Das mindert den Reiz für Racer, Medien und Sponsoren gleichermaßen. Nicht der Sport, sondern die Rennserie hat ihre Identität verloren.
Foto: Duncan Philpott / EWZu EWS-Zeiten (Enduro World Series) wurden auf Strecken auf der ganzen Welt gefahren, oft in exotischen Ländern. Christian Textor sieht hier einen Identitäts-Verlust.
Prognose
Nach dem Versuch, den Enduro Worldcup in ein Paar Schuhe zu zwängen, die nicht wirklich passen, muss der Enduro-Worldcup nun wieder zu seinen alten Kernwerten zurückfinden. Denn mit neuen, aufregenden Locations, begeisterten Fahrern und Fans, harten Streckenprofilen sowie langen Rennen, die sowohl Sportler als auch Material an ihre Grenzen bringen, sehe ich genau den Sport, der mich – und so viele andere – begeistert. Dann braucht es weder Live-TV noch große finanzielle Deals. Mit motivierten Teams und Fahrern, die wirklich Teil davon sein wollen, entsteht starkes Storytelling ganz automatisch. - Christian Textor, Ex-Worldcupper
Foto: Max FuchsChristian Textor hat sich aus dem Enduro-Worldcup verabschiedet.
Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.