Christian Textor5 Gründe, wieso der Enduro-Worldcup am Boden liegt & was helfen könnte

Laurin Lehner

 · 29.01.2026

Christian Textor: 5 Gründe, wieso der Enduro-Worldcup am Boden liegt & was helfen könnteFoto: Storychief KI generiert / Laurin Lehner
Für viel bildet die Kategorie Enduro das Mountainbike am besten ab. Hier ist alles dabei: hoch, runter, entlang. Medial tut sich das Rennformat jedoch schon immer schwer. Zu anspruchsvoll zu übertragen, zu lang, zu schwer zugänglich für Zuschauer.
Viele Stars des Enduro-Worldcups werden 2026 nicht mehr am Start sein, zudem hat sich mehr als die Hälfte der registrierten Teams aus dem Worldcup zurückgezogen. Wie es mit dem Rennformat im UCI-Worldcup weitergeht und welche Gründe hinter dieser Entwicklung stehen, erklärt Deutschlands erfolgreichster EDR-Worldcupper Christian Textor.

Für die kommende Saison sind nur noch fünf UCI-registrierte MTB-Teams gemeldet, die spezielle EDR-Rennfahrer stellen. Das ist ein klarer Rückgang gegenüber des Vorjahrs, als noch mehr als doppelt so viele Teams registriert waren.

Der E-Enduro-Worldcup (EDR-E) pausiert offiziell weiterhin. Zu den Teams, die entweder aufgelöst wurden oder keine Fahrer mehr für die EDR gemeldet haben, zählen unter anderem Specialized Gravity, Canyon CLLCTV und Lapierre Gravity Collective.

Allerdings ist die Zugehörigkeit zu einem UCI-registrierten Team keine Voraussetzung für die Teilnahme an Enduro-Worldcup-Rennen.

​1. Geld ist da – aber nicht fürs Enduro

Die Bike-Industrie steht unter Druck, dennoch wird weiterhin viel Geld in den Rennsport investiert. Cross Country und Downhill sind sogar kostspieliger geworden, trotzdem existieren dort zahlreiche Teams. Das Problem ist also nicht fehlendes Budget, sondern der unklare Gegenwert von Investitionen im Enduro-Segment.

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2. Verlorener Enduro-Gedanke

Durch die aktuelle Organisation sind einige Enduro-Rennen an ganzheitliche Deals mit XC und DH gebunden. Der Enduro Worldcup wird dadurch an Orten ausgetragen, an denen Enduro teilweise gar nicht richtig hinpasst. Nach mehreren Jahren geht zudem der ursprüngliche Enduro-Gedanke verloren, wenn dieselben Stages zum vierten oder fünften Mal gefahren werden. Das begeistert weder Racer noch Fans – und macht es entsprechend schwierig, das Format sinnvoll zu vermarkten.

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3. Enduro lebt – nur woanders

Enduro-Racing ist nicht tot. Im Gegenteil: Mehrtagesrennen und unabhängige Mitmach-Events boomen, viele sind ausgebucht. Der Rennsport verlagert sich dorthin, wo er Spaß, Abenteuer und echten Anreiz bietet. Nationale Serien beweisen das und können sie über zu wenige Teilnehmerzahlen nicht beschweren.

Beliebt: Die Enduro-One - hier in Trieb.Foto: Max FuchsBeliebt: Die Enduro-One - hier in Trieb.

4. EDR Worldcup: teuer, austauschbar, wenig attraktiv

Worldcup-Racing ist für Teams und Privateers immer teurer geworden - dank Warner Brothers und UCI, gleichzeitig sinkt der Mehrwert. Kein gute Entwicklung! Die Bike-Marken fragen sich also, warum für was noch mehr zahlen als zuvor, wenn die Sichtbarkeit und der USP (Unique Selling Point) eher abgenommen hat als zugenommen.

Rallye im Motorsport hat das gleiche Problem: Live-Übertragungen sind knifflig, teuer und schlecht umsetzbar.Foto: Storychief KI generiert / Laurin LehnerRallye im Motorsport hat das gleiche Problem: Live-Übertragungen sind knifflig, teuer und schlecht umsetzbar.

5. Verlust der Kernwerte

Enduro lebte davon, neue, abgelegene Orte sichtbar zu machen. Der Worldcup hat diese Kernwerte aufgegeben. Statt spannender, neuer Destinationen fährt man zudem seit Jahren ähnliche europäische Strecken. Das mindert den Reiz für Racer, Medien und Sponsoren gleichermaßen. Nicht der Sport, sondern die Rennserie hat ihre Identität verloren.

Zu EWS-Zeiten (Enduro World Series) wurden auf Strecken auf der ganzen Welt gefahren, oft in exotischen Ländern. Christian Textor sieht hier einen Identitäts-Verlust.Foto: Duncan Philpott / EWZu EWS-Zeiten (Enduro World Series) wurden auf Strecken auf der ganzen Welt gefahren, oft in exotischen Ländern. Christian Textor sieht hier einen Identitäts-Verlust.

Prognose

Nach dem Versuch, den Enduro Worldcup in ein Paar Schuhe zu zwängen, die nicht wirklich passen, muss der Enduro-Worldcup nun wieder zu seinen alten Kernwerten zurückfinden. Denn mit neuen, aufregenden Locations, begeisterten Fahrern und Fans, harten Streckenprofilen sowie langen Rennen, die sowohl Sportler als auch Material an ihre Grenzen bringen, sehe ich genau den Sport, der mich – und so viele andere – begeistert. Dann braucht es weder Live-TV noch große finanzielle Deals. Mit motivierten Teams und Fahrern, die wirklich Teil davon sein wollen, entsteht starkes Storytelling ganz automatisch. - Christian Textor, Ex-Worldcupper
Christian Textor hat sich aus dem Enduro-Worldcup verabschiedet.Foto: Max FuchsChristian Textor hat sich aus dem Enduro-Worldcup verabschiedet.

Der UCI Worldcup-Kalender 2026

Die Enduro-Stopps sind gefettet, sechs an der Zahl.

  • 01. bis 03.05. Race of South Korea, Südkorea (Downhill, XC)
  • 22. bis 24.05. Nové Město Na Moravě, Tschechien (XC)
  • 28. bis 31.05. Loudenvielle-Peyragudes, Frankreich (Downhill, Enduro)
  • 11. bis 14.06. Saalfelden-Leogang, Österreich (Downhill, XC, Enduro)
  • 19. bis 21.06. Lenzerheide, Schweiz (Downhill, XC)
  • 26. bis 28.06. Val di Fassa, Italien (Enduro)
  • 03. bis 05.07. La Thuile, Italien (Downhill, XC, Enduro)
  • 08. bis 12.07. Pal Arinsal, Andorra (Downhill, XC)
  • 17. bis 19.07. Aletsch Arena – Bellwald, Schweiz (Enduro)
  • 14. bis 16.08. Haute-Savoie, Frankreich (Downhill, XC)
  • 21. bis 23.08. Haute-Savoie, Frankreich (Enduro)
  • 19. bis 20.09. Soldier Hollow, Utah, USA (XC)
  • 25. bis 27.09. Whistler Mountain Bike Park, Kanada (Downhill)
  • 02. bis 04.10. Lake Placid Olympic Sites, New York, USA (Downhill, XC)

Diese UCI-EDR-Teams sind 2026 angemeldet

​Abetone Vittoria Nencini Sport Factory Team

  • Nadine Ellecosta
  • Matteo Falcini
  • Tommaso Francardo

Cube Action Team

  • Zakarias Blom Johansen
  • Simona Kuchyňková
  • William Scheele
  • Gustav Wildhaber

Pivot Factory Racing

  • Morgane Charre

Speed Project

  • Louison Arnaud
  • Adrien Dailly
  • Julie Duvert
  • Raphaël Giambi
  • Alexis Icardo
  • Mélanie Pugin
  • Ivan Williams
  • Romy Williams

Yeti / Fox Factory Race Team

  • Jt Fisher
  • Ryan Gilchrist
  • Slawomir Lukasik

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