Schock für Vorarlberger TraditionsmarkeSimplon stellt erneut Insolvenzantrag

Josh Welz

 · 03.09.2026

Schock für Vorarlberger Traditionsmarke: Simplon stellt erneut InsolvenzantragFoto: Adrian Kaether
Simplon machte mit dem Rapcom Pmax Pinion als erster Hersteller mit der Motor-Getriebe-Einheit MGU auf sich aufmerksam.
​Der Vorarlberger Traditionshersteller Simplon muss erneut den Gang zum Konkursgericht antreten. Unter hoher Schuldenlast und anhaltenden Lieferkettenproblemen kämpft die Premium-Marke abermals um ihr Überleben.

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​Unser Fazit zur Simplon-Insolvenz

Der erneute Insolvenzantrag von Simplon offenbart unmissverständlich, wie tiefgreifend und strukturell die Krise im europäischen Fahrradmarkt nach wie vor verankert ist. Selbst renommierte Traditionsmarken mit hoher Verarbeitungsqualität und loyalem Kundenstamm geraten ins Straucheln, wenn Lieferketten reißen und das veränderte Kaufverhalten auf drückende Altlasten trifft. Ob das Verfahren ohne Eigenverwaltung die Rettung bringt oder das endgültige Aus für die Fertigung in Hard bedeutet, ist offen. Für die gesamte Branche bleibt der Fall Simplon ein mahnendes Beispiel dafür, dass der Weg zurück zu stabiler Rentabilität weiter steinig bleibt.


Verbindlichkeiten über 33,4 Millionen Euro​

Die Erschütterung in der Fahrradbranche hält unvermindert an. Knapp zwei Jahre nach der ersten Pleite ist der österreichische Fahrradbauer Simplon erneut insolvent. Die 2Rad Produktions GmbH, vormals Simplon Fahrrad GmbH, hat beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Mit Verbindlichkeiten von etwa 33,4 Millionen Euro steht das Unternehmen vor immensen finanziellen Hürden. Rund 54 Beschäftigte sowie circa 150 Gläubiger sind direkt von dem Verfahren betroffen.

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Der erneute Einbruch zeigt eindringlich, wie nachhaltig die Krise des gesamten Fahrradsektors nach dem Pandemie-Boom nachwirkt. Übervolle Lager, ein massiver Preisverfall im Handel und globale Logistikschwierigkeiten machen selbst renommierten Herstellern das Überleben schwer. Bei Simplon verschärften Engpässe bei wichtigen Zulieferteilen die Lage drastisch. Bauteile fehlten, wodurch fertige Fahrräder nicht fristgerecht ausgeliefert und Verkäufe nicht realisiert werden konnten. Zudem führten erhebliche Verzögerungen bei einem externen Fertigungspartner zu gravierenden Einnahmeausfällen und schmerzhaften Liquiditätslücken.

Tilgung der Restschulden gescheitert

Ein wesentlicher Faktor für das erneute Scheitern ist die Nichterfüllung des vorherigen Sanierungsplans. Die damaligen Vereinbarungen verlangten eine schrittweise Tilgung der Restschulden, die das Unternehmen jedoch nicht mehr vollumfänglich bedienen konnte. In der Folge leben viele alte Forderungen nun wieder im vollen Umfang auf. Eine Vorarlberger Bank hält dabei als Hauptgläubigerin den Löwenanteil der Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 26 Millionen Euro.

Im Gegensatz zum Sanierungsversuch im Herbst 2024 agiert das Management diesmal nicht mehr eigenständig. Bei einem Verfahren ohne Eigenverwaltung übernimmt ein gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter die betriebliche Aufsicht und Weichenstellung. Trotz der dramatischen Finanzlage soll der Betrieb im Vorarlberger Stammwerk Hard vorerst weitergehen. Ziel der Verantwortlichen ist es, über einen neuen Restrukturierungsplan eine Gläubigerquote von 20 Prozent anzubieten und parallel nach frischem Kapital sowie strategischen Partnern zu suchen. Ob dieser erneute Befreiungsschlag gelingen kann, wird entscheidend davon abhängen, ob das Vertrauen von Händlern, Lieferanten und Finanziers noch einmal gewonnen werden kann.

Das Auf und Nieder in Episoden

Herbst 2024 – Der erste Gang zum Insolvenzgericht: Nach drastischen Umsatzeinbrüchen und der weltweiten Branchenkrise beantragt die damalige Simplon Fahrrad GmbH ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Ein drastischer Personalabbau wird eingeleitet, um die Kostenstruktur neu auszurichten.

Ende 2024 / Anfang 2025 – Rettungsversuch und Einstieg des Investors: Die Gläubiger stimmen einem Sanierungsplan mit einer Quote von 30 Prozent zu. Der Finanzinvestor SOL Capital steigt ein, die Management-Spitze wird neu besetzt und der erfolgreiche Abschluss des Sanierungsverfahrens gefeiert.

Mitte 2026 – Umstrukturierung und Auslagerungsversuche: Zur Straffung der Strukturen wird der operative Produktionsbetrieb in die 2Rad Produktions GmbH überführt. Um Kosten zu senken und Engpässen auszuweichen, soll die Montage teilweise ins Ausland verlagert werden.

September 2026 – Erneuter Kollaps und Antrag ohne Eigenverwaltung: Lieferverzögerungen, fehlende Bauteile und die Nichterfüllung der vorherigen Sanierungsquote führen zu Schulden von 33,4 Millionen Euro. Ein gerichtlicher Verwalter übernimmt nun das Ruder.

Was bedeutet die Insolvenz für Simplon-Kunden?

Für Besitzer eines Rades der Marke Simplon wirft das erneute Sanierungsverfahren dringende Fragen bezüglich Service, Gewährleistung und Ersatzteilen auf. Wir beantworten sie.

  • Garantie- und Gewährleistungsansprüche: Freiwillige Herstellergarantien der ursprünglichen Firmenentität können im Zuge des Verfahrens rechtlich erlöschen. Die gesetzliche Gewährleistung richtet sich primär an den jeweiligen Fachhändler, bei dem das Fahrrad gekauft wurde.
  • Ersatzteilversorgung & Reparaturen: Da viele Komponenten von etablierten Drittherstellern (wie Bosch, Shimano oder SRAM) verbaut sind, bleiben Standardwartungen beim Händler weitgehend unproblematisch. Spezifische Rahmenteile oder herstellereigene Detaillösungen könnten bei anhaltenden Engpässen jedoch schwerer beschaffbar sein.
  • Laufende Bestellungen: Wer aktuell auf ein neu konfiguriertes Rad wartet, muss mit Verzögerungen rechnen. Der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter prüft schrittweise, welche Kundenaufträge noch fertiggestellt und ausgeliefert werden können.

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Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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