Piepsen beim Gravelbiken​Piep piep piep – ich hab’ dich nicht lieb!

Dimitri Lehner

 · 10.05.2026

Piepsen beim Gravelbiken: ​Piep piep piep – ich hab’ dich nicht lieb!Foto: KI generiert
Wir sagen: Shut the Fuck up! Piepsterror in der Natur.

Themen in diesem Artikel


Es piept beim Einparken, beim Abbiegen, beim Boss im Büro – und natürlich beim Radfahren. Navigationsgeräte, Kameras, Schaltungen: alles hat plötzlich eine Stimme. Nur leider klingt sie immer gleich: Nervig!

Das Leben im Dauer-Piepton

Früher zwitscherten Vögel. Heute piept die Welt.
Ein Pieps hier, ein Pieps da, Piepsen überall – Warnung, Hinweis, Belehrung.

Du verlässt die Route – Pieps!
Du bleibst auf der Route – Pieps!
Die Route steigt an – Pieps!
Dein Speicher ist voll – Pieps!
Dein Leben offenbar auch.

Der moderne Mensch wird nicht mehr informiert.
Er wird akustisch erzogen.

Maschinen reden. Menschen gehorchen.

Dieses Piepsen ist nicht harmlos. Es ist eine Anweisung.

Es sagt:
Pass auf.
Mach das nicht.
Tu dies jetzt.

Eigenverantwortung? Wird ausgelagert.
An Geräte, die glauben, sie wüssten es besser.

Und wir?
Hören brav hin.

​Mein Leben wird zum Pieps. Natürlich kann man das Gepiepse auch abstellen. Mit viel Gepiepse natürlich nur. Irgendwann ist mir das gelungen. Anderen nicht. Darunter: Freunde von mir. Jede Unternehmung mit ihnen wird zur Geduldsprobe für mich.

Mein Freund Andi und das Pieps-Fiasko

Besonders schlimm wird es, wenn Technik auf Enthusiasmus trifft.

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Mein Freund Andi liebt seine GoPro.
Sie piept bei allem. Wirklich allem.

Start. Pieps.
Stop. Pieps.
Von Video auf Foto. Pieps.
Akku. Pieps.
Speicher. Pieps.

Andi dokumentiert sein Sportler-Leben lückenlos.
Ski, Surf, Bike – Drop, Kurve, Sprung, Atmung vermutlich auch bald.

Die Idee dahinter:
Wenn alles aufgezeichnet ist, hat man was erlebt. Dann macht das Leben Sinn. Erst dann war es auch wirklich gut.

Das Problem:
Es war vor allem laut.

Wald ist kein WLAN

Ich habe gelernt: Im Wald spricht man leise.

Als ich Kind war, hat mein Vater das so gemacht. War ich zu laut, legte er seinen Zeigefinger auf die Lippen, der Blick ging nach oben. Psssssst!

Später bei der Bundeswehr nannte man das Geräuschdisziplin.
Ich war Scharfschütze bei den Fallschirmjägern.
Wir wussten: Lautlos = am Leben bleiben.
Lärm und Geräusch = das Gegenteil.

Ruhe ist kein Mangel.
Sie ist ein Erfüllung.

Heute dagegen:
Bluetooth-Boxen im Rucksack.
Gespräche im Stadionmodus.
Gravel-Gruppen mit Entertainment-Programm.

Als hätte die Natur eine Tonlücke, die gefüllt werden muss.

Plädoyer für Stille

Ich will kein Piepsen.
Keine Musik.
Kein Dauerkommentar meines Geräts.

Nur Reifen auf Schotter.
Wind im Ohr.
Vielleicht ein Vogel – wenn er sich Mühe gibt.

Der Rest darf gern schweigen.

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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