Die Mountainbike-Industrie ist ein faszinierendes Konstrukt. Wir reden hier von einer Branche, die vor Genialität nur so strotzt, wenn es darum geht, Probleme zu lösen, die überhaupt niemand hatte. Unmengen von Geld und grauen Zellen wurden in der Geschichte bereits verfeuert, um die Menschheit mit Fehlkonstruktionen zu ärgern. Man entwickelte Rahmen aus Spritzgusscarbon, die die Festigkeit von Karlsbader Oblaten hatten, Druckluft-Schaltungen, denen die Luft ausging, und Dual-Control-Schalthebel, bei denen man beim Bremsen im steilen Downhill versehentlich drei Gänge hochschaltete. Kurz: Für jeden erdenklichen Hirnfurz war Geld da.
Mein Problem wartet jeden Feierabend pünktlich zwischen 19 und 20 Uhr auf mich. Ich schwinge mich auf mein Bike, rolle voller Vorfreude Richtung Isartrails – und mutiere innerhalb von Sekundenbruchteilen vom friedliebenden Vegetarier zum unfreiwilligen Fleischesser.
Das Problem ist anatomischer Natur: Ich bin ein miserabler Nasenatmer. Polypen, Sie wissen schon. Meine Frau zieht wegen meines nächtlichen Sägewerk-Konzerts bereits regelmäßig ins Gästezimmer. Beim Auszug murmelte sie kürzlich entnervt, ich müsse gar nicht zum Polypen-Doc, ein Besuch beim „Nasenfrisör“ würde schon reichen. Aber das nur am Rande.
Fakt ist: Auf dem Trail atme ich durch den Mund. Scheunentorweit.
Also, genau dort, an den idyllischen Isarufern, warten sie bereits auf mich: die Vorhänge des Grauens. Wolken aus Myriaden von Mini-Mücken. Diese Biester wollen gar nicht mein Blut. Die haben keinen Stech- oder Saugdrang. Dafür hätte ich ja noch Verständnis. Aber diese Isar-Mücken wollen einfach nur direkt in meine Futterluke. Es ist ein naturwissenschaftliches Paradoxon: Wenn ich nachts im Schlafzimmer mit der zusammengerollten BIKE auf Mückenjagd gehe, entwickeln diese Biester Ausweichmanöver wie ein Kampfjet im Tiefflug. Aber auf dem Radweg? Null Fluchtinstinkt. Die werfen sich mir kollektiv in den geöffneten Schlund als wären sie ihres ohnehin kurzen Lebens überdrüssig.
Liebe Entwickler der Fahrradbranche, jetzt mal Tacheles: Ihr baut Hightech-Membrane, die einen sintflutartigen Platzregen draußen halten, aber den feinsten Schweißmolekülen den Ausgang erlauben. Warum, verdammt noch mal, erfindet dann niemand den Mund-Mückenschutz? Ein Sieb für die Fresspforte, das Sauerstoff reinlässt, aber das Fliegen-Geschwader aussperrt! Damit ließen sich Millionen verdienen!
Bis es so weit ist, bleibt mir wohl nur eine Option: Ich werde mich für den nächsten Ride aufs E-Bike setzen, die Power rauf und den O2-Verbrauch damit runterdimmen - und hoffen, dass der Luftstrom genügend Sauerstoff durch meine frischfrisierten Nasenwände fächelt.

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