Künstliche IntelligenzKI und Pedelec-Entwicklung: „Du brauchst den passenden Input!“

Georg Bleicher

 · 25.08.2024

Wir wollten wissen: Wie viel Künstliche Intelligenz steckt in den Pedelecs von morgen?
Foto: Adobe Stock/Waler
Künstliche Intelligenz ist ein Zauberwort unserer Zeit, mittlerweile auch im Elektrofahrrad-Business. Wie viel KI steckt in der Entwicklung des Pedelecs? Und wird das noch mehr? Das haben wir Hannes Neupert, einen der Wegbereiter des Pedelecs, gefragt.

MYBIKE: Herr Neupert, wie viel Künstliche Intelligenz steckt in einem aktuellen Pedelec?

Hannes Neupert: Aktuell hält sich das in Grenzen. Da ist die Schwierigkeit, wenn du Innovation haben willst, aber das System nur die Vergangenheit als Basis drin hat. Der Output wird vom Input bestimmt.

Aber haben wir nicht immer nur Vergangenheit als Basis?

Nein. Es geht ja darum, was wir erreichen wollen: Eine Künstliche Intelligenz (KI), die wir mit Kundenwünschen und technischen Möglichkeiten füttern, bringt ganz andere Ergebnisse zutage. So könnten wir uns dem perfekten Pedelec für bestimmte Käuferschaften nähern.

Was könnten das für Faktoren sein?

Da geht es zum Beispiel um die Frage, wie groß muss die Batterie für diese oder jene Käuferschaft sein, was muss sie alles können, bei welchen Bedingungen muss sie funktionieren? So kommen wir ganz locker auf 40 Kriterien beim Entwickeln eines Akkus.

Dazu braucht man KI?

Wenn man drei Parameter hat, können Entwickler noch etwas damit anfangen. Aber bei so vielen wird das viel zu komplex, da wäre definitiv die KI gefragt. Sie könnte man mit der Methodik des Quality Function Deployment, einer sehr effizienten Methode der Qualitätssicherung, kombinieren. Auf Basis der Wünsche, die der Endverbraucher wirklich hat. Bislang wird die Entwicklung von Rädern aber von anderen Faktoren bestimmt.

Welche sind das?

Die meisten Entwickler müssen sich vor allem diesen Fragen stellen: Was macht der Wettbewerber, und was bieten unsere Lieferanten an? Das ist dann ein sehr schmaler Grat des Möglichen. Man könnte stattdessen natürlich der KI 200 Parameter in die Hand geben, zum Beispiel unter der großen Fragestellung „Wie sieht das bessere Familien-Pedelec aus?“. Etwa mit dem Teilergebnis, dass es nicht auf die Akku-Kapazität, sondern auf die Ladegeschwindigkeit und Lade-Infrastruktur ankommt. Du brauchst einfach KI mit gescheitem Input. Es wäre mit leistungsfähigen Computern möglich, eine Unmenge an Parametern einzugeben, und die KI würde genau das gewünschte Idealprodukt ausspucken: das Fahrzeug mit der besten Anzahl von Rädern, von Leistung, Reichweite, Platz und Platzbedarf … Heute heißt es oft einfach: „Der Chef hat gesagt, wir brauchen ein neues Touren-Pedelec …“ Wir müssen den richtigen Input geben, dann bekommen wir die richtigen Antworten – und genau die Räder, wie wir sie wollen.

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Industriedesigner und Mobilitätsberater Hannes NeupertFoto: Hannes NeupertIndustriedesigner und Mobilitätsberater Hannes Neupert

Hannes Neupert ist Industriedesigner und unter anderem Dozent für Mikro-Mobilität an der Privaten Hochschule Göttingen. Mit seinem Verein Extra Energy hat er bereits 1992 angefangen, Pedelecs nach selbst entwickelten Verfahren zu testen, und ist heute auch Mobilitätsberater bei verschiedenen Unternehmen.

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