Jahresbericht Zweirad-Industrie-Verband 2023Fahrräder & E-Bikes bleiben begehrt

Sebastian Brust

 · 20.03.2024

Jahresbericht Zweirad-Industrie-Verband 2023: Fahrräder & E-Bikes bleiben begehrtFoto: Max Fuchs
Die deutsche Fahrradbranche kann den Schwung des Corona-Booms offenbar mitnehmen. Die jüngst vom Zweirad-Industrie-Verband veröffentlichten Marktdaten 2023 gäben das her, so das zufriedene Fazit. Mehr noch: Die ungebrochene Beliebtheit von Fahrrädern und E-Bikes werde noch weiter steigen. Alles gut also? Hier die neusten Infos zur Branchen-Lage.

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Der Zweirad-Industrie-Verband ZIV hat erfreuliche Markdaten aus dem Jahr 2023 präsentiert. Die Fahrradbranche kann den Schwung aus der Pandemie offenbar doch mitnehmen. Die Zahlen der in Deutschland hergestellten und verkauften Fahrräder lag im letzten Jahr ähnlich hoch wie im Corona-Boomjahr 2020. Rundum gute Nachrichten also? Die neusten Infos zur aktuellen Branchen-Lage lesen Sie hier.

“Fahrräder und E-Bikes stehen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern trotz der wirtschaftlichen Lage hoch im Kurs”, freut sich Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV, bei der Präsentation der Zahlen aus dem Jahr 2023 und erklärt stolz: “Mit Blick auf den Markt- und Innovationstreiber E-Bike nehmen die Unternehmen aus der deutschen Fahrradbranche inzwischen weltweit die Vorreiterrolle ein. ‘Engineered in Germany’ und ‘Made in Europe’ sind bei E-Bikes die Garanten für Ingenieurskunst, Design, Qualität, Nachhaltigkeit und Werterhalt.”

Storck e.drenalin.2 GTS 500Foto: Max FuchsStorck e.drenalin.2 GTS 500


Produktion wie zu Corona-Boomzeiten – erstmals mehr E-Bikes verkauft

Die deutsche Fahrradbranche kann sich also offenbar zufrieden auf die Schulter klopfen. Konkret: Fahrradproduktion und Fahrradverkäufe sind nach den Turbulenzen der letzten Jahre wieder auf einem sehr hohen Niveau angekommen – vergleichbar mit dem coronabedingten Fahrrad-Boomjahr 2020. In Deutschland wurden im letzten Jahr 2,3 Millionen Fahrräder und E-Bikes hergestellt, dazu kommen etwa 710.000 Räder aus der Auftragsfertigung deutscher Unternehmen im Ausland.

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Der Fahrrad- bzw. E-Bike-Bestand insgesamt in Deutschland stieg 2023 auf 84 Millionen Stück (2022: 82,8 Millionen), und erreicht damit in etwa die vom Statistischen Bundesamt für 2023 geschätzte Einwohnerzahl von 84,7 Millionen. Man könnte fast sagen: Jedes Beinpaar in Deutschland hat rechnerisch sein Fahrrad. Pedelecs haben davon einen Anteil von gut 13 %, in Deutschland fahren ca. 11 Millionen E-Bikes.

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Neben dem Neueinstieg mit dem Kauf des ersten Fahrrads sieht der ZIV einen Trend zum Zweit- oder Drittrad für die Freizeit, den Sport oder zum Transport. Und erstmals wurden in Deutschland 2023 mehr E-Bikes 53 % (2022: 48 %) als rein muskelbetriebene Fahrräder (47 %) verkauft. Der Endstand: 1,9 Millionen klassische Fahrräder zu 2,1 Millionen E-Bikes.

Rockrider E-Expl 520SFoto: Max FuchsRockrider E-Expl 520S

Hohe Umsätze & die Mehrzahl kauft im Laden

Besonders erfreulich ist der 2023 um einen Prozentpunkt gestiegene Fachhandelsanteil von jetzt 77 %. Den Rest macht der Online-Handel aus. Die oftmals billige Ramschware aus SB-Warenhäusern, Baumärkten und Discountern taucht mit einem Marktanteil von 1 % (minus 1 %) weiter in die Bedeutungslosigkeit ab.

Die Umsatzzahlen der deutschen Fahrradbranche können sich durchaus sehen lassen – den Pleitemeldungen der letzten Zeit zum Trotz. Vor allem fällt das auf im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten. So wurden 2023 in Deutschland Fahrräder und E-Bikes im Wert von insgesamt 7,06 Milliarden Euro verkauft (2022: 7,36 Mrd. Euro, 2021: 6,56 Mrd. Euro, 2019: 4 Mrd. Euro).

Riese und Müller Tinker2 VarioFoto: Helge TscharnRiese und Müller Tinker2 Vario

Das Durchschnittsfahrrad ist günstig Preise bei E-Bikes steigen

Interessant ist schließlich der Blick auf die durchschnittlichen Verkaufspreise. Über alle Verkaufskanäle hinweg (Fachhandel, Online, SB-Märkte etc.) lag der Brutto-Durchschnittspreis bei Fahrrädern 2023 bei nur 470 Euro (2022: 500 Euro) und bei E-Bikes bei 2950 Euro (2022: 2800 Euro). Die meisten Fahrräder, die verkauft werden, sind also ziemlich günstig. Dem Branchenverband zufolge treiben aber die trendigen und naturgemäß teuren Lastenräder die Durchschnittspreise bei den E-Bikes nach oben.

Die Deutschen mögen sich aktuell insgesamt in ihrem Konsum zurückhalten, für den Kauf von Fahrrädern gelte das aber offenbar nicht, so die Interpretation des ZIV. – so lange sie nicht so viel kosten. Anbieter von hochwertigen und hochpreisigen Fahrrädern klagen teilweise nach wie vor über eine spürbare Kaufzurückhaltung.

Giant Stance E+ EXFoto: Josh WelzGiant Stance E+ EX

Fazit: Beliebtheit von Fahrrädern & E-Bikes steigt auch in Zukunft an

Entsprechend positiv fallen das Fazit und der Blick in die Zukunft des Branchenverbands aus. “Die steigenden Kosten für Mobilität, Energie, Mieten und Lebenshaltung sowie ein zunehmendes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein sind Rahmenbedingungen, die die Beliebtheit von Fahrrädern und E-Bikes aktuell und sicher auch in Zukunft steigern werden. Die Politik darf das Fahrrad nicht vergessen und muss das Potenzial des Fahrrads endlich vollwertig anerkennen”, fasst ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork die Utopie der Fahrradindustrie zusammen.

Wer sich also in Zukunft das Auto aus welchen Gründen auch immer nicht mehr leisten kann oder will, könnte früher oder später aufs Rad umsteigen. Das Potenzial hier: Zum 1. Januar 2024 weist das Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland fast 50 Millionen zugelassene Pkw aus, wie jedes Jahr ein neuer Rekord. Während in Berlin nur etwa jeder dritte Mensch ein Auto besitzt, kommt so manch ländliche Region in Deutschland auf eine Fahrzeugdichte von etwa einem Auto pro gemeldeter Person. Und da zählen immerhin rund 17 % Unter-18-Jährige mit dazu. In diesem Sinne: Der Frühling kommt, genug der Zahlen – rauf auf’s Rad!

Sebastian Brust ist Jahrgang 1979 und ursprünglich vom Klapprad der Oma sozialisiert, seit seinem fünften Geburtstag aber hauptsächlich auf Stollenreifen unterwegs. Liebt alle Arten Bikes – und das Verschmelzen mit der Natur. Findet, dass Scheibenbremsen heute viel sicherer sind als vor 15 Jahren und glaubt, mit seinen Bremsen- und Belagstests dabei geholfen zu haben. Dass sich die Fahrradindustrie an anderer Stelle ausgerechnet an für ihn falschen Idealen der Autobranche orientiert, bedauert der gelernte Ingenieur für Fahrzeugtechnologie allerdings sehr. Bei BIKE korrigiert, produziert und organisiert er digitalen Content auf der Webseite.

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