Interview Nina GrafZwischen Sauerteig und Startlinie

Dimitri Lehner

 · 24.03.2026

Da kann man nur grinsen: Nina Graf im Trikot der deutschen Meisterin 2025.
Foto: Trek Unbroken
​Sie ist eine der schnellsten XC-Fahrerinnen Deutschlands – und gleichzeitig erstaunlich entspannt, wenn es um Dinge geht, die nicht auf dem Trainingsplan stehen. Ein Gespräch über Disziplin, Drift durch den Bikepark und das große Glück kleiner Missgeschicke.

Nina Graf (27) Nina gehört zu den schnellsten Cross-Country-Fahrerinnen Deutschlands. Die amtierende Deutsche Meisterin startet 2026 für das Team Trek Unbroken XC im Worldcup. Zu ihren größten Erfolgen zählen Bronze bei der EM 2024, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris im selben Jahr sowie der Vize-Weltmeistertitel in der U23-Klasse 2019. Nina, geborene Benz, ist mit dem Mountainbike-Profi Silas Graf verheiratet und lebt in Freiburg.


„Ich lache wirklich über alles“

BIKE: Worüber kannst du lachen?
Nina Graf: Über ziemlich vieles. Ich lache einfach gern – über gute Witze, schräge Situationen und ehrlich gesagt auch über eigene Missgeschicke. Oder die von anderen.


Der ungeliebte Teil des Trainings

BIKE: Was fällt dir im Training am schwersten?
Nina Graf: Alles, was mit Stabi und Dehnen zu tun hat. Wenn das nicht dick, fett und rot im Trainingsplan steht, passiert da bei mir… nichts.


Vorbild und Perspektivenwechsel

BIKE: Welche Athletin beeindruckt dich – sportartenübergreifend?
Nina Graf: Mikaela Shiffrin. Wahnsinnig konstant auf höchstem Niveau, das finde ich beeindruckend.

BIKE: Schielst du manchmal Richtung Straße?
Nina Graf: Ja, schon – aber eher als Fan. Ich habe viele Freunde, die auf der Straße erfolgreich sind. Die verfolge ich gerne, aber selbst reizt mich das nicht wirklich.


Träume jenseits der Rennstrecke

BIKE: In welcher anderen Sportart wärst du gerne erfolgreich?
Nina Graf: Biathlon – definitiv!

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BIKE: Was steht auf deiner Bucketlist?
Nina Graf: Reisen, und zwar ohne Trainingsstress. Vielleicht mit dem Rad, aber ohne Verpflichtungen. Skandinavien und Kanada reizen mich total – am liebsten im Sommer und Winter. Außerdem würde ich gern mal eine Hochtour machen. Und irgendwann ein eigenes Haus bauen, zusammen mit meinem Mann, und unsere Familie vergrößern.


Flow statt Risiko

BIKE: Wie sieht’s mit Bikepark-Shredden aus?
Nina Graf: Ich liebe es! Vor allem technische Abfahrten mit viel Federweg runterballern. Leider kommt das während der Saison zu kurz – das Verletzungsrisiko ist einfach da.


Zwischen Perfektion und Pannen

BIKE: Was triggert dich auf dem Bike?
Nina Graf: Windschattenfahren! Mein Endgegner. Entweder ist es zu langsam oder zu schnell – zu 99 Prozent passt es einfach nicht.

BIKE: Bist du bei Material pingelig?
Nina Graf: Das Gesamtpaket muss stimmen. Wenn eine Sache nicht passt, fühlt sich gleich alles falsch an. Wobei… ich bin mal eine ganze Saison mit zwei unterschiedlichen Kurbellängen gefahren – links 170 mm, rechts 165 mm. Und hab’s nicht gemerkt. Bis heute ein Rätsel.


Offline ist das neue Luxusgut

BIKE: Woran bleibst du hängen, wenn du durch Instagram scrollst?
Nina Graf: Sauerteigbrot. Immer wieder.

BIKE: Du hast dein Hobby zum Beruf gemacht – was ist dein Ausgleich?
Nina Graf: Backen und Stricken. Totaler Granny-Lifestyle – aber perfekt zum Abschalten. Und zum Glück ist Radfahren immer noch auch Hobby für mich. Am liebsten: Trails mit Freunden.


Klare Haltung

BIKE: Was ist für dich ein Red Flag?
Nina Graf: Große Klappe, nichts dahinter.

BIKE: Deine Lieblingsserien?
Nina Graf: Haus des Geldes, Night Agent und Emily in Paris.

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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