Fußball-WM und Gravel-AbenteuerKette rechts, Schland voraus

Josh Welz

 · 11.06.2026

Fußball-WM und Gravel-Abenteuer: Kette rechts, Schland vorausFoto: Vaude eCuraçao
De
Die Etappen auf einen Blick

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Von München über Leipzig nach Berlin: Diese epische Gravel-Tour verbindet 700 Kilometer feinsten Schotter mit den hoffentlich packenden WM-Gruppenspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Ein Guide für echte Fußball- und Fahrrad-Fans.

​Es gibt Momente im Leben eines passionierten Radfahrers, da müssen Prioritäten gesetzt werden. Zum Beispiel im Sommer 2026, wenn das Runde ins Eckige muss. Aber warum sich zwischen der Weltmeisterschaft auf Großbildleinwänden und einer ausgedehnten Gravel-Tour entscheiden, wenn man beides in einem epischen Rad-Abenteuer verbinden kann?

Unsere Mission: Eine Schotter-Tour von München über Leipzig nach Berlin, von einem Public-Viewing-Highlight zum nächsten - neun Etappen, dreimal Public Viewing bei den deutschen Gruppenspielen, garniert mit fahrradkulturellen Intermezzi. Also, schnallt die Rahmentaschen fest und pumpt die Reifen auf 3 Bar: Hier ist der ultimative Guide für die trans-deutsche WM-Schotterpiste.

Prolog: Aufwärmen an der Isar und der Geist von 1974

  • Ort: München
  • Date: 13./14. Juni
  • Gegner am 14. Juni, 19 Uhr: Deutschland-Curaçao

Ein Gegner, der klingt wie ein erfrischender Sommerlikör – und spielerisch hoffentlich ähnlich leicht zu schlucken ist. Wir reisen bereits am 13. Juni in München an. Warum? Weil wir uns den Luxus eines echten Kulturtages gönnen, bevor die Schotterpiste ruft. Unser Pflichtprogramm führt uns direkt in das Verkehrszentrum des Deutschen Museums an der Theresienhöhe (Halle III). Hier huldigt die Sonderabteilung dem Fahrradkult.

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Am 14. Juni rollen wir entspannt zum Public Viewing im Olympiapark. Vor geschichtsträchtiger Kulisse zerlegt das DFB-Team ab 19 Uhr den Karibik-Außenseiter Curaçao. unsere Prognose: Ein lockeres 4:0 zum Auftakt, die nationalen Euphorie-Akkus sind voll. Wir träumen bereits von Bern und Belo Horizonte, obwohl wir erst in München sind.

Teil 1: Bayerisch-sächsische Schotter-Traverse (München – Leipzig)

  • Zeitfenster: 15. Juni bis 19. Juni (5 Fahrtage, Ankunft in Leipzig am 19. Juni)
  • Distanz: ca. 490 Kilometer (sportliche, aber machbare 98 Kilometer pro Tag)

Etappe 1: München – Ingolstadt (die Isar-Donau-Trasse)

Wir lassen die Schickeria hinter uns und folgen der Isar flussabwärts, bevor wir durch das hügelige Hopfenland der Hallertau stechen. Gravel-Faktor: traumhafter, fester Flussschotter.

  • Sehenswert: Das barocke Kloster Scheyern – ideal für ein schnelles isotonisches Klosterbier
  • Bikepacking-Tipp: Naturcampingplatz direkt an der Donau bei Ingolstadt

Etappe 2: Ingolstadt – Neumarkt in der Oberpfalz (im Herzen des Altmühltals)

Wir tauchen tief ein in das Mekka des deutschen Schotters: das Altmühltal. Vorbei an imposanten Jurafelsen fliegen die Kilometer flussaufwärts nur so dahin, bevor wir auf den historischen Ludwig-Kanal wechseln.

  • Sehenswert: Die Burg Kipfenberg und die historischen hölzernen Kanalschleusen
  • Bikepacking-Tipp: Biwakieren auf den ausgewiesenen Plätzen direkt am Kanal

Etappe 3: Neumarkt in der Oberpfalz – Pottenstein (die Fränkische Schweiz)

Schluss mit flach. Die Fränkische Schweiz fordert die Oberschenkel. Knackige Anstiege, aber belohnt mit feinsten Wald- und Forstwegen durch dichte Fichtenwälder.

  • Sehenswert: Die Teufelshöhle bei Pottenstein
  • Bikepacking-Tipp: Campingplatz Bärenschlucht – wild, felsig, wunderschön

Etappe 4: Pottenstein – Hof (über das Fichtelgebirge)

Die raue Etappe Richtung sächsische Grenze. Wir graveln über die Ausläufer des Fichtelgebirges. Die Wege sind fordernd, der Puls ist hoch, die Vorfreude auf Sachsen wächst.

  • Sehenswert: Die Saalequelle bei Zell
  • Bikepacking-Tipp: Campingplatz am Untreusee bei Hof. Perfekt, um den Staub der fränkischen Trails abzuwaschen

Etappe 5: Hof – Leipzig (der Endspurt durchs Vogtland)

Durch das wellige Vogtland und vorbei an den riesigen Talsperren rauschen wir im Tiefflug nach Leipzig hinein. Am späten Nachmittag des 19. Juni rollen wir in die Heldenstadt. Die Beine brennen, aber das Timing ist absolut weltmeisterlich. Ungefähr 24 Stunden bleiben für Kultur, Regeneration und Vorbereitung auf das Fußballfest Teil 2.

Der Leipzig-Stopp: Gose-Bier, Muskel-Wellness und die Elfenbeinküste

  • Ort: Leipzig
  • Pausentag: 20. Juni (kompletter Tag ohne Rad-Etappe!)
  • Spiel: 20. Juni, 22:00 Uhr: Deutschland-Elfenbeinküste

Der 20. Juni gehört also ganz der Regeneration und der Kultur. Wir schlafen aus, pflegen die Schotter-Schürfwunden und widmen uns dann tiefenentspannt dem fahrradkulturellen Pflichttermin: Ein Ausflug zur legendären Alfred-Rosch-Radrennbahn in Kleinzschocher für eine Dosis Bahnrad-Nostalgie, gefolgt von einem isotonischen Kaltgetränk in der Rad Tanke, der kultigsten Ex-Tankstelle im Leipziger Osten. Wer es noch entspannter mag, rollt zum Räder-und-Leute-Gucken an die Sachsenbrücke.

Am Abend glüht die Leinwand auf dem Richard-Wagner-Platz. Um 22:00 Uhr bittet die Elfenbeinküste zum Tanz. Ein ganz anderes Kaliber als Curaçao. Physisch stark, pfeilschnell. Unsere Prognose: Das DFB-Team müht sich ab. Ein zähes 1:1, gerettet durch einen glücklichen Havertz-Kopfball nach einer Ecke von Kimmich, natürlich in der Nachspielzeit. Der Gruppenaufstieg wackelt minimal. Aber mit jedem Schluck Leipziger Gose-Bier wächst die Zuversicht wieder. Morgen geht es weiter, mit schweren Beinen und schwerem Kopf. Gut, dass die Etappen in Teil 2 unserer WM-Gravel-Trans-Deutschland wesentlich gnädiger ausfallen.

Teil 2: Der märkische Sand-Express (Leipzig bis Berlin)

  • Zeitfenster: 21. Juni bis 24. Juni (4 Fahrtage – das Gelände wird flacher, die Schnitte werden schneller)
  • Distanz: ca. 210 Kilometer (entspannte 52 Kilometer pro Tag)

Etappe 6: Leipzig – Bad Düben (Dübener Heide)

Wir verlassen Leipzig gen Norden und tauchen sofort ein in die Dübener Heide. Sandiger Schotter verlangt nach etwas weniger Reifendruck, belohnt uns aber mit absoluter Einsamkeit.

  • Sehenswert: Wasserschloss Bad Düben
  • Bikepacking-Tipp: Naturcampingplatz Hammermühle – mitten im tiefen Wald

Etappe 7: Bad Düben – Lutherstadt Wittenberg (Elb-Gravel)

Kurz, flach und zügig. Wir treffen auf die Elbe. Der Elberadweg bietet feinsten, verdichteten Gravel ohne jede Höhenmeter. Ideal, um die Beine locker zu kurbeln.

  • Sehenswert: Die Schlosskirche in Wittenberg, wo Luther seine Thesen anschlug
  • Bikepacking-Tipp: Marina-Camp Wittenberg, direkt an der Elbe mit grandiosem Sonnenuntergang

Etappe 8: Wittenberg – Beelitz (das Fläming-Abenteuer)

Willkommen in Brandenburg! Kiefernwälder, die berüchtigten Sandpassagen (auch bekannt als die "Brandenburger Schiebestrecke") und feine märkische Alleen wechseln sich ab.

  • Sehenswert: Die Beelitzer Heilstätten mit dem spektakulären Baumkronenpfad. Ein Lost-Place-Highlight direkt an der Route
  • Bikepacking-Tipp: Findlingshof oder ein schöner Privat-Campingplatz im Naturpark Nuthe-Nieplitz

Etappe 9: Beelitz – Berlin (das Finale Grande)

Über Potsdam, vorbei am Schloss Sanssouci und entlang des Wannsees graveln wir auf dem Berliner Mauerradweg direkt ins Herz der Hauptstadt. Triumphaler Einzug über das Brandenburger Tor am Nachmittag des 24. Juni. Emotionaler als jeder WM-Titel!

  • Ort: Berlin
  • Pausentag: 25. Juni
  • Spiel: 25. Juni, 22:00 Uhr: Deutschland-Ecuador

Weil wir so verdammt gut in der Zeit liegen, gehört der 25. Juni ganz der Berliner Fahrradkultur. Im Steel Vintage Bikes Café und im The Bike Café schlürfen wir Espresso, schnuppern Szene-Luft und bewundern alles, was zwei Räder und Stil hat. Danach geht es ins Zweiradmuseum in Kreuzberg, wo uns historische Rennräder, kuriose Konstruktionen und jede Menge Fahrradgeschichte erwarten.

Abends brennt die Berliner Fanmeile am Brandenburger Tor. Gegen Ecuador zaubert sich das DFB-Team zu einem glanzvollen 3:1. Gruppensieg! Euphorie! Wir sind die Besten! Die Republik liegt sich in den Armen.

Der Epilog: Mbappé, Dembélé, Doué, Olise ... au weh!

4. Juli. Wie von Experten prophezeit, hat uns der Gruppensieg im Achtelfinale direkt in die Arme der Équipe Tricolore getrieben. Kein Wunder von Bern, kein Spektakel von Belo Horizonte. Stattdessen Mbappé, Dembélé, Doué und Olise - Deutschland adé!

-13.06.Anreise München-
-14.06.München (Spieltag)-
115.06.München -> Ingolstadt~85 km
216.06.Ingolstadt -> Neumarkt~95 km
317.06.Neumarkt -> Pottenstein~80 km
418.06.Pottenstein -> Hof~85 km
519.06.Hof -> Leipzig~115 km
-20.06.Leipzig (Pausen- & Spieltag)0 km
621.06.Leipzig -> Bad Düben~45 km
722.06.Bad Düben -> Wittenberg~45 km
823.06.Wittenberg -> Beelitz~65 km
924.06.Beelitz -> Berlin~55 km
-25.06.Berlin (Pausen- & Spieltag)0 km

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Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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