Von München über Leipzig nach Berlin: Diese epische Gravel-Tour verbindet 700 Kilometer feinsten Schotter mit den hoffentlich packenden WM-Gruppenspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Ein Guide für echte Fußball- und Fahrrad-Fans.
Es gibt Momente im Leben eines passionierten Radfahrers, da müssen Prioritäten gesetzt werden. Zum Beispiel im Sommer 2026, wenn das Runde ins Eckige muss. Aber warum sich zwischen der Weltmeisterschaft auf Großbildleinwänden und einer ausgedehnten Gravel-Tour entscheiden, wenn man beides in einem epischen Rad-Abenteuer verbinden kann?
Unsere Mission: Eine Schotter-Tour von München über Leipzig nach Berlin, von einem Public-Viewing-Highlight zum nächsten - neun Etappen, dreimal Public Viewing bei den deutschen Gruppenspielen, garniert mit fahrradkulturellen Intermezzi. Also, schnallt die Rahmentaschen fest und pumpt die Reifen auf 3 Bar: Hier ist der ultimative Guide für die trans-deutsche WM-Schotterpiste.
Ein Gegner, der klingt wie ein erfrischender Sommerlikör – und spielerisch hoffentlich ähnlich leicht zu schlucken ist. Wir reisen bereits am 13. Juni in München an. Warum? Weil wir uns den Luxus eines echten Kulturtages gönnen, bevor die Schotterpiste ruft. Unser Pflichtprogramm führt uns direkt in das Verkehrszentrum des Deutschen Museums an der Theresienhöhe (Halle III). Hier huldigt die Sonderabteilung dem Fahrradkult.
Am 14. Juni rollen wir entspannt zum Public Viewing im Olympiapark. Vor geschichtsträchtiger Kulisse zerlegt das DFB-Team ab 19 Uhr den Karibik-Außenseiter Curaçao. unsere Prognose: Ein lockeres 4:0 zum Auftakt, die nationalen Euphorie-Akkus sind voll. Wir träumen bereits von Bern und Belo Horizonte, obwohl wir erst in München sind.
Wir lassen die Schickeria hinter uns und folgen der Isar flussabwärts, bevor wir durch das hügelige Hopfenland der Hallertau stechen. Gravel-Faktor: traumhafter, fester Flussschotter.
Wir tauchen tief ein in das Mekka des deutschen Schotters: das Altmühltal. Vorbei an imposanten Jurafelsen fliegen die Kilometer flussaufwärts nur so dahin, bevor wir auf den historischen Ludwig-Kanal wechseln.
Schluss mit flach. Die Fränkische Schweiz fordert die Oberschenkel. Knackige Anstiege, aber belohnt mit feinsten Wald- und Forstwegen durch dichte Fichtenwälder.
Die raue Etappe Richtung sächsische Grenze. Wir graveln über die Ausläufer des Fichtelgebirges. Die Wege sind fordernd, der Puls ist hoch, die Vorfreude auf Sachsen wächst.
Durch das wellige Vogtland und vorbei an den riesigen Talsperren rauschen wir im Tiefflug nach Leipzig hinein. Am späten Nachmittag des 19. Juni rollen wir in die Heldenstadt. Die Beine brennen, aber das Timing ist absolut weltmeisterlich. Ungefähr 24 Stunden bleiben für Kultur, Regeneration und Vorbereitung auf das Fußballfest Teil 2.
Der 20. Juni gehört also ganz der Regeneration und der Kultur. Wir schlafen aus, pflegen die Schotter-Schürfwunden und widmen uns dann tiefenentspannt dem fahrradkulturellen Pflichttermin: Ein Ausflug zur legendären Alfred-Rosch-Radrennbahn in Kleinzschocher für eine Dosis Bahnrad-Nostalgie, gefolgt von einem isotonischen Kaltgetränk in der Rad Tanke, der kultigsten Ex-Tankstelle im Leipziger Osten. Wer es noch entspannter mag, rollt zum Räder-und-Leute-Gucken an die Sachsenbrücke.
Am Abend glüht die Leinwand auf dem Richard-Wagner-Platz. Um 22:00 Uhr bittet die Elfenbeinküste zum Tanz. Ein ganz anderes Kaliber als Curaçao. Physisch stark, pfeilschnell. Unsere Prognose: Das DFB-Team müht sich ab. Ein zähes 1:1, gerettet durch einen glücklichen Havertz-Kopfball nach einer Ecke von Kimmich, natürlich in der Nachspielzeit. Der Gruppenaufstieg wackelt minimal. Aber mit jedem Schluck Leipziger Gose-Bier wächst die Zuversicht wieder. Morgen geht es weiter, mit schweren Beinen und schwerem Kopf. Gut, dass die Etappen in Teil 2 unserer WM-Gravel-Trans-Deutschland wesentlich gnädiger ausfallen.
Wir verlassen Leipzig gen Norden und tauchen sofort ein in die Dübener Heide. Sandiger Schotter verlangt nach etwas weniger Reifendruck, belohnt uns aber mit absoluter Einsamkeit.
Kurz, flach und zügig. Wir treffen auf die Elbe. Der Elberadweg bietet feinsten, verdichteten Gravel ohne jede Höhenmeter. Ideal, um die Beine locker zu kurbeln.
Willkommen in Brandenburg! Kiefernwälder, die berüchtigten Sandpassagen (auch bekannt als die "Brandenburger Schiebestrecke") und feine märkische Alleen wechseln sich ab.
Über Potsdam, vorbei am Schloss Sanssouci und entlang des Wannsees graveln wir auf dem Berliner Mauerradweg direkt ins Herz der Hauptstadt. Triumphaler Einzug über das Brandenburger Tor am Nachmittag des 24. Juni. Emotionaler als jeder WM-Titel!
Weil wir so verdammt gut in der Zeit liegen, gehört der 25. Juni ganz der Berliner Fahrradkultur. Im Steel Vintage Bikes Café und im The Bike Café schlürfen wir Espresso, schnuppern Szene-Luft und bewundern alles, was zwei Räder und Stil hat. Danach geht es ins Zweiradmuseum in Kreuzberg, wo uns historische Rennräder, kuriose Konstruktionen und jede Menge Fahrradgeschichte erwarten.
Abends brennt die Berliner Fanmeile am Brandenburger Tor. Gegen Ecuador zaubert sich das DFB-Team zu einem glanzvollen 3:1. Gruppensieg! Euphorie! Wir sind die Besten! Die Republik liegt sich in den Armen.
4. Juli. Wie von Experten prophezeit, hat uns der Gruppensieg im Achtelfinale direkt in die Arme der Équipe Tricolore getrieben. Kein Wunder von Bern, kein Spektakel von Belo Horizonte. Stattdessen Mbappé, Dembélé, Doué und Olise - Deutschland adé!
| - | 13.06. | Anreise München | - |
| - | 14.06. | München (Spieltag) | - |
| 1 | 15.06. | München -> Ingolstadt | ~85 km |
| 2 | 16.06. | Ingolstadt -> Neumarkt | ~95 km |
| 3 | 17.06. | Neumarkt -> Pottenstein | ~80 km |
| 4 | 18.06. | Pottenstein -> Hof | ~85 km |
| 5 | 19.06. | Hof -> Leipzig | ~115 km |
| - | 20.06. | Leipzig (Pausen- & Spieltag) | 0 km |
| 6 | 21.06. | Leipzig -> Bad Düben | ~45 km |
| 7 | 22.06. | Bad Düben -> Wittenberg | ~45 km |
| 8 | 23.06. | Wittenberg -> Beelitz | ~65 km |
| 9 | 24.06. | Beelitz -> Berlin | ~55 km |
| - | 25.06. | Berlin (Pausen- & Spieltag) | 0 km |

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