Für die Ausgabe 5/26 recherchierten wir zur Kostenfalle Service bei E-Bikes. Dazu befragten wir unterschiedliche Personen: Bike-Shop-Mitarbeiter, Besitzer, Lehrlinge und Kunden. In dem Bericht schildern wir Fälle, bei denen teils zu Unrecht abkassiert wurde.
Zu dem Artikel meldeten sich einige Leser, darunter auch Bike-Mechaniker, die sich zu Unrecht verurteilt sehen. Ein Generalverdacht war natürlich nicht unsere Intention, dennoch gibt es die Fälle – und genau diese wollten wir im Artikel thematisieren.
Hier gehts zum ganzen Artikel >> Die Service-Lüge: Täuschen, tauschen, teure Rechnungen schreiben
Es reicht schon, dass Ihr überall suggeriert, man könne am Rad und E-Bike alles selbst machen. Habt ihr eigentlich eine Ahnung, was ihr mit so einem Mist auslöst? Jahresservice beim EBike – für manche klingt das offenbar wie der feuchte Traum geldgieriger Händler. Abzocke! Verschwörung! Werkstatt-Mafia! Dabei kommt die böse Idee nicht aus dem Hinterzimmer des Fahrradladens, sondern von Herstellern wie Bosch, Giant oder Scott. Zur Erinnerung: Ein EBike ist kein Sofa mit Akku. Auf einer Kette lasten bis zu 800 Kilo Zugkraft. Währenddessen wird im Voralpenland gefahren, gefahren, gefahren – bevorzugt im höchsten Gang, versteht sich. Schalten? Überbewertet. Pflege? Romantische Vorstellung. Das Ergebnis: Ritzel tot nach 800 Kilometern, Kette springt, das Rad schreit metallisch um Hilfe. Diagnose des Besitzers: „Was hast mir da für einen Schrott verkauft?!“ Hinweis auf Kadenz, Kettenpflege oder Physik? Wird wahlweise aggressiv abgewehrt oder energisch geleugnet. Dabei gibt’s den Erstservice oft gratis, inklusive Nachjustieren, Umbauten, ErgonomieWünschen – fast wie Wellness fürs Bike. Und trotzdem gilt bei uns: Wer Sicherheitschecks für Bremsen, Lenker oder Reifen verweigert, bekommt kein repariertes Rad. Nicht aus Bosheit, sondern weil Haftung kein Hobby ist. Vielleicht sollte man weniger über angebliche ServiceAbzocke schreiben – und mehr über 3EuroBremsbeläge aus dem Internet, die Garantien killen. Oder über getunte EBikes. Ich bin enttäuscht von euch.
Franz Keller, 2Radstadl, Wurmansau
Klar gibt es Abzocker – auch ich habe das erlebt, selbst von Kollegen. Besonders bei Leasingkunden wird gerne das ErsatzteilBudget ausgereizt, obwohl manches noch länger halten würde. Aber heißt das, dass die ganze Branche verteufelt werden sollte? Nein. Es gibt viele verantwortungsbewusste, nachhaltige Werkstätten. Bei uns kauft ein Kunde, der für 95 Euro eine Jahresinspektion bucht, schlicht eine Stunde Werkstattzeit – fair und transparent. Eine – entsprechend günstigere – Erstinspektion halte ich übrigens für absolut angebracht. Wir überprüfen dabei noch einmal die Schaltung und hängen das Bike noch einmal an die Diagnose, um zu sehen, ob das System fehlerfrei im Alltag funktioniert. Und ob der Kunde vielleicht doch versucht, den tiefgekühlten Akku im Winter aufzuladen – oder das Display auf dem Bike lässt, wo es dann über den Winter tiefentlädt, etc.
Die Inspektion kostet bei uns regulär 57 € und wird im Normalfall beim Kauf als Zugabe mit draufgepackt. Das Schöne für den Kunden: Man kann noch einmal nachfragen, ob alles passt oder ob man Lenker, Griffe oder Ähnliches noch nachjustieren soll.
Meine Empfehlung: Google-Bewertungen sind zumindest eine Orientierung.Darauf bestehen, dass die ausgetauschten Alt-Teile mitgegeben werden, damit man sich noch erklären lassen kann, warum sie getauscht wurden. Das erhöht die Hemmschwelle für sinnlose Tausch-Orgien ganz gewaltig. Den Kilometerstand vor Abgabe notieren… Zu einem guten Service gehören zumindest ein paar hundert Meter Probefahrt, vor allem nach Arbeiten am Antriebstrang und/oder beim Bremsbelag-Wechsel. Und bei Abholung selbst eine kurze Probefahrt machen.
Andreas Schiwy – e-Motion Reutlingen
Ein Generalverdacht ist selten eine gute Idee – und darum ging es in unserem Artikel auch nicht. Thema waren schwarze Schafe in der Branche; die vielen weißen Schafe kamen deshalb zwangsläufig kaum vor. Die geschilderten Fälle sind nicht erfunden, sondern beruhen auf Erfahrungen realer Personen, die sie mit uns geteilt haben. Einen Groll gegen den Fachhandel oder den Einzelverkauf haben wir nicht. Aber als Special Interest-Magazin gilt unsere Loyalität dem Leser und damit dem Kunden.
Laurin Lehner, BIKE-Redakteur, Autor des Artikels
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