Cannondale will seine Zentrale in Wilton im US-Bundesstaat Connecticut bis Mitte 2027 schließen. Das geht aus der am 21. Oktober 2026 bei Pinkbike veröffentlichten Unternehmensmitteilung hervor.
Die bisherige Europazentrale in Woudenberg wird demnach zum globalen Hauptsitz. Wie Velobiz am 21. Oktober 2026 berichtet, sind dort bereits mehrere globale Funktionen angesiedelt. Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsaktivitäten, die schon größtenteils in Freiburg stattfinden, sollen am deutschen Standort weiter gebündelt werden.
Als Hintergrund nennt der Branchenbericht Europas Bedeutung als Cannondales größten und am stärksten wachsenden Markt. Von der engeren räumlichen Zusammenarbeit verspricht sich das Unternehmen eine bessere Abstimmung zwischen Produktentwicklung, Marketing, Forschung und Technik. Bislang arbeiten die beteiligten Teams an unterschiedlichen Standorten und über mehrere Zeitzonen hinweg.
Für europäische Fachhändler soll sich durch die Neuordnung nichts ändern: Laut der von Velobiz wiedergegebenen Unternehmensankündigung bleiben die Vertriebsorganisation und die Zusammenarbeit mit den Handelspartnern unverändert. In Nordamerika plant Cannondale dagegen einen neuen Standort an der US-Westküste und eine engere Zusammenarbeit mit weiteren Pon.Bike-Marken, darunter Santa Cruz und Cervélo.
Pinkbike berichtet ergänzend unter Berufung auf ein Schreiben an Connecticuts Arbeitsministerium von 143 Stellenverlusten. Erste Entlassungen sind für den 21. Dezember 2026 vorgesehen, weitere schrittweise bis zum 31. Dezember 2027. Büroschließung und Personalabbau haben somit unterschiedliche Zeitpläne.
Im nordamerikanischen Außendienst sollen Vertreter künftig mehrere Pon.Bike-Marken betreuen. Händlern mit mehreren Konzernmarken verspricht Cannondale dadurch einen gemeinsamen Ansprechpartner und einfachere Abläufe.
Die Standortentscheidung folgt auf einen weiteren Einschnitt innerhalb des Mutterkonzerns Pon.Bike. Bereits am 12. Juni 2026 veröffentlichte Pinkbike die Pläne zur Schließung des Cannondale-Montagewerks in Almelo. In der dort wiedergegebenen Pressemitteilung vom 11. Juni ist von einer beabsichtigten Schließung Ende 2027 die Rede. Nach Angaben von Pon.Bike sind davon 120 Arbeitsplätze betroffen.
Die Montage soll schrittweise auf bestehende Werke in Deutschland und Litauen übergehen. Pon.Bike begründet den Schritt mit seiner markenübergreifenden Produktionsstrategie: Almelo sei ausschließlich auf Cannondale ausgerichtet und passe deshalb nicht in das integrierte Fertigungsnetzwerk.
Für Händler und Käufer stellte der Konzern damals eine unterbrechungsfreie Belieferung sowie den planmäßigen Produktionsstart neuer Modelle in Aussicht.
Wie stark sich die Ausrichtung verändert hat, zeigt ein Blick ins BIKE-Archiv. Am 27. Oktober 2021 berichtete wir über Cannondales geplante Verdreifachung der europäischen Produktionskapazität. Das neue Montagewerk in Almelo war dem damaligen Bericht zufolge bereits im September eröffnet worden.
Zusammen mit einem weiteren neuen Werk in Rincon im US-Bundesstaat Georgia sollten die Standorte den Wachstumskurs unterstützen. Für beide Werke zusammen nannte der Bericht eine mögliche Kapazität von 500.000 Fahrrädern. Größere Lagerbestände sollten zudem die Lieferfähigkeit verbessern.
Der Vergleich verdeutlicht den Strategiewechsel: Damals stand der Ausbau eigener Kapazitäten im Vordergrund, heute die gemeinsame Nutzung von Standorten innerhalb des Konzerns.
Ebenfalls schon im Juni wurde der Umbau im Rennsport öffentlich. Laut der Cannondale-Mitteilung zum Ende des Factory-Rennprogramms ist die Weltcup-Saison 2026 die letzte unter dem Banner Cannondale Factory Racing.
Für Januar 2027 kündigte die Marke stattdessen das Programm „Cannondale Rogues“ an. Es soll Profirennfahrer, Content-Creator und Persönlichkeiten aus der Bike-Community zusammenbringen und Mountainbike, Gravel sowie weitere Disziplinen abdecken.

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