Zum Jahreswechsel, aber auf jeden Fall im Frühjahr 2024 soll der offizielle Gesetzentwurf zum neuen deutschen Bundeswaldgesetz erscheinen. Danach werden die einzelnen Paragraphen noch in Gremien, Experten-Runden und im Bundestag diskutiert und umformuliert, bevor das Ganze als Gesetz verabschiedet wird. Biker-Stammtische werden dazu zwar nicht angehört, aber um wenigstens auf Social-Media-Plattformen fundiert mitreden zu können, ist es eine gute Idee, ein paar Zahlen und Fakten zum deutschen Wald zu kennen. Und es sind wirklich ein paar Kuriositäten dabei. Beginnen wir mit den nackten Zahlen:
48 Prozent des Waldes befinden sich in Privatbesitz, 29 Prozent gehören den Ländern, 19 Prozent den Körperschaften (z. B. Gemeinden, Kirche) und 4 Prozent sind Eigentum des Bundes.
Es gibt insgesamt 1,8 Millionen Privatbesitzer in Deutschland. Dazu zählen Privatpersonen, aber auch Unternehmen und Stiftungen. Dementsprechend zersplittert und kleinparzellig ist der Wald aufgeteilt. Größte Privatbesitzerin ist die Familie Thurn und Taxis mit 20.000 Hektar. Es wäre jetzt müßig, alle Besitzer mit größerem Anteil namentlich aufzulisten. Zumal sich die Online-Seite www.wald-prinz.de diese Mühe schon gemacht hat. Die Liste ist lang und liest sich nicht nur wie die Ahnen-Galerie von Kaiser Wilhelm, sie ist es auch.
Dazu eine kurze Auffrischung in Sachen Geschichte: Die November-Revolution von 1918 führte in Deutschland zum Sturz der Monarchie. In der anschließenden Weimarer Republik verlor der Adel sämtliche Privilegien, durfte aber Namen und Besitz behalten. So kommt es, dass ehemalige Adelsfamilien bis heute im Besitz der Wälder sind. Durch die Weitergabe an mehrere Erben wurden diese Grundstücke immer weiter aufgeteilt.
Doch bevor Sie nun Sozialneid in sich aufkeimen spüren - überlegen Sie noch mal: Haben Sie Zeit und Lust, sich in Ihrer Freizeit um Themen wie Klimawandel, Borkenkäfer, Waldbrände, Sturmschäden, Wildquoten, Wegeerhaltung, Verkehrssicherung, Entfernung von “walduntypischen Gefahren” und so weiter zu kümmern? Für ein Waldstück, das zwar Ihnen gehört, aber für das jeder freies Betretungsrecht hat?
Wer jetzt trotzdem “Ja, ich würde all das auf mich nehmen!” gerufen hat: Auf www.wald-boerse.de kann man sich Wald kaufen und/oder ersteigern. Ein 1 Hektar großer Mischwald im Wiehengebirge (bei Bielefeld) wäre dort zum Beispiel gerade für 30.000 Euro zu haben.
Im vergangenen August hat Michael-Benedikt Prinz von Sachsen-Weimar-Eisenach einen alten Familienbesitz von 2400 Hektar Wald in Thüringen verkauft. Das entspricht etwa einer Größe von 3445 Fußballfeldern. Die zuständige Gemeinde Schwallungen hatte beim Zillbacher Forst zwar Vorkaufsrecht, konnte aber beim weit über dem Verkehrswert liegenden Preis nicht mithalten. So ging der Zuschlag für angeblich 70 Millionen Euro an: die Schweizer Post.
Und was will die Schweizer Post mit einem Waldstück in Thüringen? Die Schweiz hat erklärt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein zu wollen, die Schweizer Post dagegen bereits bis 2040. Laut selbst errechnetem Plan wird ihr das zu 90 Prozent aus eigener Kraft gelingen und die restlichen 10 Prozent sollen über “Ausgleichsmaßnahmen” erreicht werden. Ist das Greenwashing? Naturschutzverbände meinen: ja!
Ein Beispiel, das hoffentlich nicht Schule macht. Denn, wenn das neue Waldgesetz wirklich so restriktiv für Waldbesitzer ausfällt, wie es im unautorisiert veröffentlichten Referentenentwurf skizziert ist, könnte so mancher Waldbesitzer auf die gleiche Idee kommen: Den uralten Familienbesitz einfach an den Meistbietenden verkaufen - Problem gelöst.
Auch die Deutsche Bahn besitzt knapp 20.000 Hektar Wald im Land und beschäftigt dafür allein 1000 Förster. Allerdings beschränkt sich diese große Gesamtfläche auf schmale Waldstreifen rechts und links der bundesweit verzweigten Bahngleise. Zu Zeiten der Dampflok wurden diese Streifen meist gerodet, wegen der Gefahr von Funkenflug und Waldbrand. Heute sollen sich die Förster der Bahn unter anderem um einen halbhohen Bewuchs nahe der Gleise kümmern, damit bei Sturm keine Bäume auf die Strecken stürzen können. Soweit die Theorie.
Schon während und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg fand ein regelrechter Raubbau an deutschen Wäldern statt. Viel haben natürlich die Bomben zerstört und auch für den Wiederaufbau wurde viel Holz gebraucht. Regelrechte Kahlschläge waren jedoch nötig für die Reparationsleistungen an England und Frankreich. Den Rest erledigte der damals schon massenhaft auftretende Borkenkäfer. Der anschließende Wiederaufbau dieser Wälder gilt als bedeutende Kulturleistung und wurde sogar mit einer Münzprägung gewürdigt: Die ab 1949 gedruckte 50-Pfennig-Münze zeigte eine Frau, die eine Eiche pflanzt.
Deutschland größter Baum ist eine Douglasie. Sie wurde 1913 als dreijährige Pflanze bei Freiburg im Breisgau gepflanzt und misst inzwischen über 67 Meter (letzte Messung 2019). Ihr Name: Waldtraut vom Mühlwald. Als höchster Baum der Welt gilt übrigens ein Küstenmammutbaum im kalifornischen Redwood-Nationalpark (115,55 m).

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