Buch-Tipp 3 Länder, 2 Frauen, 1 ZeltMit Bike und Boot durch den Kaukasus

Barbara Merz-Weigandt

 · 23.08.2026

Der zweite Streich: Nach ihrer ersten Radreise von Kapstadt nach Wien waren Tanja Williers und Johanna Hochedlinger dieses mal im Kauksaus unterwegs. Bit Bike und Boot. Das Buch zu dieser Reise ist jetzt erschienen.
Foto: Tanja Williers und Johanna Hochedlinger

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In ihrem neuen Buch „Drei Länder, zwei Frauen, ein Zelt“ erzählen Tanja Willers und Johanna Hochedlinger von einer außergewöhnlichen Bikerafting-Tour, die sie vom Kaspischen Meer bis zum Schwarzen Meer führt.

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Aserbaidschan, Georgien und Armenien: Drei Länder, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch durch den Kaukasus miteinander verbunden sind. Genau dorthin führt die Reise von Tanja Willers und Johanna Hochedlinger. Die beiden Österreicherinnen durchqueren drei Länder, mit Gravelbikes, Packrafts und viel Mut zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer. Nach ihrer Reise “Durch 21 Länder von Kapstadt nach Wien” ist es bereits ihre zweite Buch-Veröffentlichung.

Ausgangspunkt der Reise ist Baku. Das Ziel heißt Batumi. Dazwischen liegen hochalpine Pässe, wilde Flüsse, staubige Straßen, anspruchsvolle Schiebepassagen und zahlreiche Begegnungen mit Menschen, Landschaften und Kulturen. Die beiden Abenteurerinnen sind dabei nicht ausschließlich auf dem Fahrrad unterwegs. Ihre Gravelbikes werden durch zwei ultraleichte Packrafts ergänzt. So wechseln sie immer wieder zwischen Land und Wasser.

Das Buch erscheint 2026 im Tyrolia Verlag. Es umfasst 224 Seiten, enthält 272 farbige Abbildungen, vier Kartenausschnitte mit eingezeichnetem Routenverlauf sowie eine Übersichtskarte. Der Preis beträgt 28 Euro, die ISBN lautet 978-3-7022-4372-2 >> z.B. hier erhältlich*.

Bikerafting als besondere Reiseform

Bikerafting verbindet die Möglichkeiten des Bikepackings mit denen des Packraftings. Das Fahrrad erschließt abgelegene Wege und lange Distanzen, während das Boot Flüsse, Seen oder schwer zugängliche Wasserpassagen überwindbar macht. Diese Kombination verlangt eine sorgfältige Auswahl der Ausrüstung und ein hohes Maß an Flexibilität.

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Für Willers und Hochedlinger wird diese Reiseform zum Schlüssel für den Kaukasus. Die Route führt nicht einfach über Straßen von einem Ort zum nächsten. Vielmehr entsteht eine Reise, die sich an den Bedingungen vor Ort orientiert. Wasserstände, Wetter, Gelände und Grenzregionen bestimmen den Rhythmus. Mal geht es mit Gepäck und Fahrrad bergauf, mal müssen die Räder getragen werden. Anschließend werden die Packrafts aufgeblasen, um einen Flussabschnitt zu bewältigen.

Gerade diese Wechsel machen den Reiz der Tour aus. Der Kaukasus erscheint nicht als Kulisse für eine klassische Radreise, sondern als abwechslungsreicher Erlebnisraum. Die Autorinnen zeigen, wie eng körperliche Herausforderung, Naturerfahrung und kulturelle Begegnungen miteinander verbunden sind.

Von hochalpinen Pässen zu reißenden Flüssen

Die Reise stellt die beiden Bikerafterinnen vor immer neue Herausforderungen. Auf hochalpinen Pässen wird die Luft dünn, während reißende Flüsse Konzentration und technisches Geschick erfordern. Zwischen diesen Extremen liegen lange Etappen auf Gravelroads, unübersichtliche Wege und Abschnitte, die kaum auf den üblichen touristischen Routen zu finden sind.

Für Mountainbike-Enthusiasten ist besonders der Umgang mit dem Gelände interessant. Der Kaukasus bietet nicht nur spektakuläre Panoramen, sondern auch eine anspruchsvolle Mischung aus Höhe, Hitze, Einsamkeit und wechselndem Untergrund. Wer eine Bike-Abenteuerreise durch Georgien plant, findet dort ähnliche Bedingungen: hohe Pässe, große Temperaturunterschiede und lange, abgelegene Etappen.

Das Buch dürfte deshalb nicht nur von der Landschaft leben. Es vermittelt auch einen Eindruck davon, wie sich eine solche Tour tatsächlich anfühlt. Muskelkater, Erschöpfung, Unsicherheit und die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz gehören ebenso dazu wie rasante Abfahrten, eindrucksvolle Flusslandschaften und unerwartete Glücksmomente.

Zwischen Khinkali, Wein und Lost Places

Abseits der sportlichen Herausforderungen richtet sich der Blick immer wieder auf die Menschen und die Esskultur der Region. Die Autorinnen kosten Khinkali, trinken georgischen Wein und erleben den Kaukasus nicht nur als sportliches Terrain. Gerade diese Details geben der Reise eine persönliche Ebene.

Gleichzeitig führt die Route durch Lost Places aus der Sowjetzeit. Verlassene Gebäude und historische Relikte machen sichtbar, wie stark die Vergangenheit in den drei Ländern weiterhin präsent ist. Solche Orte wirken im Reisebericht nicht wie bloße Fotomotive. Sie erzählen von politischen Umbrüchen, vergangenen Lebenswelten und einer Region, deren Geschichte sich nicht auf wenige Schlagworte reduzieren lässt.

Die Kombination aus persönlicher Reiseerzählung, Landschaftsbeschreibung und praktischen Hinweisen macht den Band auch für Leserinnen und Leser interessant, die selbst keine mehrwöchige Expedition planen. Das Buch kann als Inspiration für eine eigene Reise dienen, ohne den Kaukasus zu einem unkomplizierten Abenteuer-Spielplatz zu verklären.

Ein persönlicher Blick auf das Abenteuer

„Drei Länder, zwei Frauen, ein Zelt“ ist nicht nur ein Bericht über eine sportliche Unternehmung. Tanja Willers und Johanna Hochedlinger sind ein Paar und reisen als Roaming-Pedals-Team gemeinsam durch eine Region, die abseits bekannter Bikepacking-Ziele liegt. Dadurch erhält die Geschichte eine zusätzliche persönliche Dimension.

Das gemeinsame Unterwegssein auf engstem Raum bringt zwangsläufig emotionale Momente mit sich. Enge, Erschöpfung und schwierige Entscheidungen können eine Beziehung belasten. Gleichzeitig entstehen gerade unterwegs Erfahrungen, die verbinden. Der Pressetext beschreibt die Reise als emotional bewegte Unternehmung und macht deutlich, dass nicht allein Kilometer, Höhenmeter oder Flusskilometer im Mittelpunkt stehen.

Willers bringt als Sportlehrerin, staatlich geprüfte Snowboardführerin und zertifizierte Fahrradmechanikerin außerdem vielseitige praktische Erfahrungen mit. Seit 2024 teilen die beiden ihre Erlebnisse auch hauptberuflich in Bühnenshows. Diese Verbindung aus sportlicher Kompetenz, Reiseerfahrung und persönlichem Erzählen prägt vermutlich den Charakter des Buches.

Inspiration für die eigene Bikepacking-Tour

Wer selbst mit dem Gedanken an eine längere Radreise spielt, findet im Buch nicht nur Fernweh, sondern auch konkrete Anknüpfungspunkte. Die Autorinnen geben Tipps für alle, die eine ähnliche Tour ausprobieren möchten. Dazu gehören Hinweise zur Routenplanung, zur Ausrüstung und zum Umgang mit wechselnden Bedingungen.

Grundsätzlich sollten Bikepackerinnen und Bikepacker bei einer solchen Reise besonders auf Gewicht, Robustheit und Vielseitigkeit achten. Ein Fahrrad, das auf Asphalt schnell ist, muss nicht automatisch für grobe Schotterpisten, Tragepassagen und Flussufer geeignet sein. Auch die wasserdichte Unterbringung der Ausrüstung wird beim Bikerafting zur entscheidenden Frage.

Weitere Grundlagen zur Auswahl eines geeigneten Bikepacking-Fahrrads sowie typische Fehler bei der Vorbereitung beschreibt BIKE bereits in eigenen Beiträgen. Eine Übersicht zu häufigen Problemen bietet unser Ratgeber „29 Fehler beim Bikepacking“. Das Kaukasus-Abenteuer der beiden Österreicherinnen geht jedoch deutlich über eine reine Ausrüstungs- oder Technikgeschichte hinaus.

Fazit

„Drei Länder, zwei Frauen, ein Zelt“ verspricht eine ungewöhnliche Mischung aus Radreise, Packraft-Abenteuer und persönlichem Reisebericht. Tanja Willers und Johanna Hochedlinger zeigen den Kaukasus aus einer unmittelbaren Perspektive, zwischen körperlicher Herausforderung, kulturellen Begegnungen und emotionalen Momenten. Wer sich für Bikepacking, Bikerafting und wenig bekannte Reiseziele interessiert, erhält Inspiration, Orientierung und einen eindrucksvollen Einblick in eine außergewöhnliche Tour.


Buchinformationen:

Tanja Willers, Johanna Hochedlinger: Drei Länder, zwei Frauen, ein Zelt. Mit Bike und Boot durch den wilden Kaukasus*. Tyrolia Verlag, Innsbruck/Wien 2026. 224 Seiten, 272 Farbfotografien, vier Routenkarten und eine Übersichtskarte, Flexocover, 28 Euro. ISBN 978-3-7022-4372-2.

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Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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