TestSram Eagle gegen 2/3fach Shimano-Schaltungen

Stefan Loibl

 · 29.11.2017

Test: Sram Eagle gegen 2/3fach Shimano-SchaltungenFoto: Robert Niedring
Test: Sram Eagle gegen 2/3fach Shimano-Schaltungen

Die Eagle-Gruppen sollen dem Einfach-Diktat von Sram endgültig zum Durchbruch verhelfen. Doch so leicht gibt sich Shimano nicht geschlagen. Drei Schaltungsduelle, die für Zündstoff sorgen.

Kaffee oder Tee, Aldi oder Edeka, SPD oder CDU: Unser Leben ist eine Endlosschleife von Entscheidungen, unzählige fällen wir täglich. Viele sind relativ unbedeutend, andere beeinflussen unser Leben nachhaltig. Aber die EINE Wahrheit gibt es meist nicht. Mit diesem Slogan wirbt auch Komponentenriese Shimano in seiner neuesten Kampagne. "There is no single truth" – jeder Biker entscheidet selbst, ob für ihn ein oder zwei Kettenblätter an der Kurbel optimal sind. Der Konkurrent der Japaner sitzt in den USA, entwickelt seine Schaltungen aber im unterfränkischen Schweinfurt und heißt Sram. Für "das Unternehmen, das 1x lebt", ist die Entscheidung dagegen bereits gefallen. Die Zukunft des Mountain­bikens soll ohne Umwerfer weitergeschrieben werden. In einem Video hat Sram den Umwerfer bereits beerdigt – Todesjahr 2017. Zukünftig sollen Bikes mit einem Kettenblatt vorne auskommen. Und aktuell mit elf oder zwölf Gängen.

Verlagssonderveröffentlichung

Längst geht es bei Mountainbike-Schaltungen nicht mehr um ein Duell der Systeme, sondern der Philosophien. Um etwas Licht in das Gewirr aus Übersetzungen und Modellen zu bringen, haben wir neun aktuelle Schaltgruppen von Shimano und Sram zum Vergleich geladen. In drei Dreikämpfen müssen sich Edel-Parts, Mittelklasseantriebe und Einsteigerschaltungen beweisen. Alle Gruppen von Sram schwimmen selbstverständlich auf der Einfach-Welle. Bei Shimano haben wir Zwei- und Dreifach-Setups gewählt, wie sie an Tausenden Serien-Bikes vorkommen, und die Varianten mit einem Kettenblatt (XTR, XT und SLX) bewusst gemieden. Wer stur aufs Gewicht schielt, wird meistens am Ende bei Sram landen. Zu deutlich wirkt sich das Wegfallen von Umwerfer und linkem Schalthebel auf der Waage aus. Doch dass 1 x 11 nicht unbedingt leichter sein muss als 3 x 10, zeigt das Duell von NX und SLX. Und in Sachen Bandbreite trennen die beiden Gruppen Welten: Während bei der NX bei 382 Prozent Schluss ist, hält die SLX mit der Kurbelabstufung 40-30-22 satte 595 Prozent bereit. Einen deutlichen Schritt nach vorne machen die Einfach-Antriebe mit der Sram Eagle, die auf stolze 500 Prozent kommt. Und natürlich spricht auch die vereinfachte Schaltlogik für die Einfach-Antriebe. Biker können sich auf den Trail konzentrieren, anstatt sich Gedanken über die passende Schaltkombination aus Ritzel und Kettenblatt zu machen. Nur die hohen Anschaffungs- und Verschleißkosten bremsen den Hype um 1 x 12. Aber das wird sich mit günstigeren Gruppen bald ändern, da sind wir sicher.

GLEICHE BANDBREITE

Durch das 12fach-Ritzel kann die Sram-Eagle-Gruppe der Shimano-2fach-Gruppe in Sachen Bandbreite fast das Wasser reichen.

  Die Übersetzung errechnet sich aus dem Quotienten aus Zähnen von Kettenblatt und Ritzel. Shimano XT mit 11–42er-Kassette, Sram Eagle mit 10–50er-Kassette. Bei der Zweifach-Schaltung sind von 22 Gängen nur 16 effektiv nutzbar. Foto: BIKE Magazin
Die Übersetzung errechnet sich aus dem Quotienten aus Zähnen von Kettenblatt und Ritzel. Shimano XT mit 11–42er-Kassette, Sram Eagle mit 10–50er-Kassette. Bei der Zweifach-Schaltung sind von 22 Gängen nur 16 effektiv nutzbar. 


100 % – Bei einem Übersetzungsverhältnis von 100 % dreht sich das Hinterrad genauso schnell wie die Kurbel. Ein kleinerer Wert z. B. 61 % (26er-Blatt, 42er-Ritzel) beschreibt einen Klettergang. Werte jenseits der 300 % stehen für eine schnelle Übersetzung.


Kassette mit 50 Zähnen – Fährt man bei der Sram Eagle im kleinsten Gang, ergibt sich ein Wert von 64 %. Bei Shimano kommt man im Zweifach-Setup beim Klettergang auf 61 %. Zum Vergleich: Eine Dreifach-Kurbel (24/32/42) mit 36er-Ritzel liefert 66 %. Die Gangabstufung ist sehr ähnlich, wobei Shimano etwas feiner abgestuft ist. Shimano erreicht im größten Gang 327 %, die Eagle liegt bei 320 %. Im Vergleich zur Dreifach-Kurbel (42er-Blatt) hinken beide Systeme hinterher (381 %).


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Im Testduell: Sram Eagle 1x12 gegen Shimano XTR 2x11

  Die drei Top-Schaltungen im MTB-Segment im Vergleich: Sram XX1 EAGLE 1x12 – Sram X01 EAGLE 1x12 – Shimano XTR 2x11Foto: Georg Grieshaber
Die drei Top-Schaltungen im MTB-Segment im Vergleich: Sram XX1 EAGLE 1x12 – Sram X01 EAGLE 1x12 – Shimano XTR 2x11


Sram XX1 EAGLE 1x12 – Sram X01 EAGLE 1x12 – Shimano XTR 2x11


In der Champions League der MTB-Schaltungen kämpfen die zwei Eagle-Gruppen von Sram gegen die mechanische 2x11-Version der Shimano XTR.

Wer nicht auf eine Rolex spart, sondern mit vorderen Marathon-Platzierungen bei den Kumpels Eindruck schinden will, der steht vor diesem Luxusproblem. Die wichtigste Frage dabei: Komme ich mit einem Kettenblatt vorne aus, oder bleibe ich dem Umwerfer von Shimanos Edelgruppe XTR treu? In den Bandbreiten unterscheiden sich die beiden 1x12-Edelgruppen von Sram und die Zweifach-XTR kaum, in Sachen Abstufung aber hat die Shimano die Nase vorn. Puristen, Freunde aufgeräumter Cockpits und Biker, die wirklich auf jedes Gramm schielen, kommen an Sram nicht vorbei. Durch den Wegfall von linkem Schalthebel und Umwerfer spart man bis zu 250 Gramm. Doch das lassen sich die Amerikaner mit der goldenen Gruppe teuer bezahlen. Zum Vergleich: Für den Neupreis einer XX1 Eagle bekommt man ein solides Alu-Hardtail! Wer auf den Gold-Look verzichtet, spart bares Geld. Denn die X01 Eagle ist nur 40 Gramm schwerer. Zudem funktionieren sie identisch, und die Verschleißkosten sind bei der X01 geringer. Wer seinen Fokus auf etwas feiner abgestimmte Gang­sprünge legt, der muss zum Zweifach-Setup der XTR greifen. Für die Mehrheit dürfte eine Kurbel mit 36/26-Abstufung den Einsatzbereich abdecken. Wer mehr will, muss zur XT-Kassette mit 11–42er-Abstufung (XTR: 11–40) greifen. Pluspunkt Shimano: Bei ähnlichen Verschleißwerten (vgl. BIKE 10/16) sind die Kosten der XTR nur halb so hoch wie für die XX1 Eagle.

  ¹ Preisempfehlung von Sram und Circa-Preisangaben von Shimano für Kurbel, Schaltwerk, Schalthebel inkl. Schelle, Kassette, Kette, BSA-Innenlager.   ² BIKE-Messwerte von Kurbel, BSA-Innenlager, Schaltwerk, Schalthebel(n), Kette (116 Glieder), Kassette. ³Kosten für Kassette und Kette. 4Nur rechter Schalthebel (Synchroshift-Funktion)Foto: Georg Grieshaber
¹ Preisempfehlung von Sram und Circa-Preisangaben von Shimano für Kurbel, Schaltwerk, Schalthebel inkl. Schelle, Kassette, Kette, BSA-Innenlager. ² BIKE-Messwerte von Kurbel, BSA-Innenlager, Schaltwerk, Schalthebel(n), Kette (116 Glieder), Kassette. ³Kosten für Kassette und Kette. 4Nur rechter Schalthebel (Synchroshift-Funktion)


Fazit Peter Nilges, Testleiter:
Volle Bandbreite, ausreichende Abstufung, vereinfachte Schaltlogik, cleanes Cockpit, geringes Gewicht – mir fallen nur Argumente ein, die für den 1x12-Antrieb sprechen. Vom Preis mal abgesehen – aber auch dieses Problem sollte sich mit einer günstigen Eagle-Gruppe bald von selbst lösen.

Im Testduell: Sram X1 1x11 gegen Shimano XT 2x11

  Sram X1 1x11 – Shimano XT 2x11 – Shimano XT Di2 2x11Foto: Georg Grieshaber
Sram X1 1x11 – Shimano XT 2x11 – Shimano XT Di2 2x11


X1 1x11 – XT 2x11 – XT Di2 2x11


In der Mittelklasse kommt es zum Kampf der Philosophien: Sram schickt die 1x11-Gruppe X1 ins Rennen, von Shimano tritt der Schaltungs-Bestseller XT an.

Schaut man sich die empfohlenen Verkaufspreise an, wirkt dieses Duell auf den ersten Blick etwas unfair. Doch die Google-Suche und unsere Erfahrungen sprechen da eine andere Sprache. Beide mechanischen Gruppen kosten im Netz um die 600 Euro, schmücken Tausende Bikes von Alutech bis YT Industries und stehen für bewährte Technik, die auch in den teuren Top-Schaltungen zum Einsatz kommt. Klar, feinfühlige Biker können bei der Bedienung minimale Unterschiede zu den ganz teuren Gruppen (links) erspüren. Aber wirkliche Abstriche muss man nur beim Materialmix machen, und beim Gewicht. Das spricht wieder einmal für die Einfach-Variante von Sram, die im Vergleich zur Shimano XT mit 22 Gängen um 400 Gramm schlanker daherkommt. Das geht jedoch auf Kosten der Bandbreite, die an Rampen oder bei schnellen Schotterabfahrten nicht mehr den richtigen Gang parat hält. Kombiniert man dagegen die XT mit der noch jungen 11–42er-Kassette, ist man für jede Tour gewappnet und bekommt eine feinere Abstufung in den großen Gängen. Auch die Verschleißkosten sprechen ganz klar für den Bestseller aus Japan. Denn Kette und Kassette kosten bei der XT nicht einmal die Hälfte verglichen mit der X1. Bleibt noch die sündteure Di2-Variante. Verschleißkosten und Bandbreite gleichen der mechanischen Variante. Eine Frage des Geldbeutels bleibt, ob einem die Einhandbedienung mit Synchro­shift-Funktion die Anschaffungskosten wert ist.

  ¹ Preisempfehlung von Sram und Circa-Preisangaben von Shimano für Kurbel, Schaltwerk, Schalthebel inkl. Schelle, Kassette, Kette, BSA-Innenlager.   ² BIKE-Messwerte von Kurbel, BSA-Innenlager, Schaltwerk, Schalthebel(n), Kette (116 Glieder), Kassette. ³Kosten für Kassette und Kette. 4Nur rechter Schalthebel (Synchroshift-Funktion)Foto: Georg Grieshaber
¹ Preisempfehlung von Sram und Circa-Preisangaben von Shimano für Kurbel, Schaltwerk, Schalthebel inkl. Schelle, Kassette, Kette, BSA-Innenlager. ² BIKE-Messwerte von Kurbel, BSA-Innenlager, Schaltwerk, Schalthebel(n), Kette (116 Glieder), Kassette. ³Kosten für Kassette und Kette. 4Nur rechter Schalthebel (Synchroshift-Funktion)


Fazit Stefan Loibl, Testredakteur:
Marathons, Hometrails und schnelle Touren in den Voralpen: Mir sind 420 Prozent Bandbreite der Einfach-Antriebe zu wenig. Zudem sind mir fein abgestufte Gänge wichtig. Deshalb sind für mich Zweifach-Antriebe die Lösung.

Im Testduell: Sram NX 1x11 gegen Shimano SLX

  Drei preiswerte MTB-Schaltungen im Vergleich: Sram NX 1x11 – Shimano SLX 3x10 – Shimano SLX 2x11Foto: Georg Grieshaber
Drei preiswerte MTB-Schaltungen im Vergleich: Sram NX 1x11 – Shimano SLX 3x10 – Shimano SLX 2x11


Sram NX 1x11 – Shimano SLX 3x10 – Shimano SLX 2x11


In der dritten Runde steigen der günstigste 1x11-Antrieb von Sram und die Shimano SLX in zwei Ausführungen in den Ring.

Weil Sram seine 2x11-Variante der GX nicht in den Test schicken wollte, schlägt die Shimano SLX gleich doppelt zu. Und zwar im klassischen Dreifach-Aufgebot mit der Kurbelabstufung 40/30/22 und als 2x11-Gruppe mit 11–42er-Kassette. Auf der Waage trennen gerade einmal 80 Gramm die drei Konkurrenten. Auch die Straßenpreise von NX und den beiden SLX-Versionen liegen auf einem vergleichbaren Level. Die NX, für die man keinen XD-Freilauf braucht, bekommt man im Netz bereits ab 240 Euro angeboten. Ganz anders die Bandbreite der drei Schaltungen, also die Gesamtübersetzung vom kleinsten bis zum größten Gang. Irgendeinen Kompromiss muss man bei der Sram NX in jedem Fall eingehen: Entweder fehlt ein adäquater Klettergang, oder man kurbelt bergab ins Leere – zumindest bei sportlicher Fahrweise. Mit der SLX im Zweifach-Setup erreicht man dieselben Werte wie die Shimano XT (siehe Diagramm oben). Wer vom Alpencross bis zur Passabfahrt auf Asphalt den passenden Gang an Bord haben will, ohne das Kettenblatt umzuschrauben, greift zur 3x10-Version mit fein abgestufter 11–36er-Kassette. Rechnet man Überschneidungen und ungünstige Kombinationen heraus, bleiben immer noch 16 "echte" Gänge. Erfreulich bei der NX und der SLX sind die günstigen Verschleißteile. Für etwa 70 Euro kann man bei beiden Schaltgruppen Kette und Kassette erneuern. Das zahlt sich also auch auf lange Sicht aus.

  ¹ Preisempfehlung von Sram und Circa-Preisangaben von Shimano für Kurbel, Schaltwerk, Schalthebel inkl. Schelle, Kassette, Kette, BSA-Innenlager.   ² BIKE-Messwerte von Kurbel, BSA-Innenlager, Schaltwerk, Schalthebel(n), Kette (116 Glieder), Kassette.Foto: Georg Grieshaber
¹ Preisempfehlung von Sram und Circa-Preisangaben von Shimano für Kurbel, Schaltwerk, Schalthebel inkl. Schelle, Kassette, Kette, BSA-Innenlager. ² BIKE-Messwerte von Kurbel, BSA-Innenlager, Schaltwerk, Schalthebel(n), Kette (116 Glieder), Kassette.


Fazit Ludwig Döhl, Testredakteur:
Für mich sind Dreifach-Übersetzungen Schnee von gestern. Moderne 11fach-Kassetten mit 11–42 Zähnen machen das dritte Kettenblatt an der Kurbel überflüssig. Die SLX 2x11 hat mit 529 Prozent Bandbreite genügend Gänge parat, um jede Lebenslage auf dem Bike zu meistern.


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Aufrüstung: von der XX1 zur Eagle oder von 10fach auf 11fach

Wer nicht auf jedes Gramm schielt und auf die neuesten Kniffe der Hersteller verzichten kann, schaltet mit diesen Komponenten lange zuverlässig – ohne die Urlaubskasse plündern zu müssen.


Shimano Deore

Die Japaner haben zu Jahresbeginn ihre Klassikerschaltgruppe einer Frischzellenkur unterzogen. Die neue M6000 hält an zehn Ritzeln an der Kassette fest und lässt sich im Zweifach- oder Dreifach-Setup fahren. In Sachen Übersetzung bietet sie ähnliche Optionen wie die SLX. Laut Shimano-Preisempfehlungen liegt die komplette Gruppe ohne Bremsen bei 318 Euro, im Handel und bei Onlineshops dürfte man die Deore aber deutlich unter 300 Euro bekommen. Erfreulich sind vor allem die geringen Verschleißkosten (Preis Kette: 20 Euro) der 10fach-Gruppe.

  Die neueste Shimano Deore-Gruppe hört auf das Kürzel M6000.Foto: Hersteller
Die neueste Shimano Deore-Gruppe hört auf das Kürzel M6000.


Upgrade-Kits

Verschiedene Onlineshops bieten für Sram- und Shimano-Antriebe sogenannte Upgrade-Kits. Damit kann man beispielsweise eine XX1 zur Eagle tunen oder eine alte SLX zum 11fach-Antrieb umrüsten. Für eine X01 kostet ein solches Set stolze 600 Euro und lohnt sich unserer Meinung nach nicht. Bei der SLX aber bekommt man für etwa 160 Euro den rechten Schalthebel, Kette, Kassette und Schaltwerk. Im besten Fall hat man dann drei Gänge mehr. Das macht vor allem dann Sinn, wenn man Kette und Kassette sowieso tauschen müsste, weil sie verschlissen sind.

  Upgrade-KitsFoto: Hersteller
Upgrade-Kits


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