Schaltungen

Neues Effigear-Getriebe schaltet sogar unter Last

Ludwig Döhl

 · 18.05.2017

Neues Effigear-Getriebe schaltet sogar unter LastFoto: Ludwig Döhl

Rohloff, Hammerschmidt, Pinion. Es gibt viele Versuche, eine Getriebeschaltung an Mountainbikes zu etablieren. Jetzt kippt Cavalerie mit seinem Effigear-Getriebe neues Salz in die Suppe.

Es war das legendäre Honda-Downhillbike von Greg Minnaar, das Guy Cavalerie damals dazu bewegte, sein eigenes Effigear-Getriebe für Mountainbikes zu bauen. 2003 zeichnete der drahtige Franzose in einer schlaflosen Nacht erste Skizzen zu einem revolutionären Schaltgetriebe und meldete noch im selben Jahr erste Patente an. Die Entwicklung zur Marktreife dauerte über zehn Jahre, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Effigear-Getriebe ist nicht nur leicht, sondern kann unter den uns bekannten Getrieben als einziges unter Vollast in schwerere Gänge wechseln. Bei den Getrieben von Pinion beispielsweise muss man deutlich Druck von der Kurbel nehmen, um schalten zu können.

  Das Cavalerie Anakin hat 160 Millimeter Federweg und ist mit 13,6 Kilo extrem leicht für ein Getriebe-Bike. Sowohl der Rahmen, als auch das Getriebe werden in Frankreich gefertigt.Foto: Ludwig Döhl
Das Cavalerie Anakin hat 160 Millimeter Federweg und ist mit 13,6 Kilo extrem leicht für ein Getriebe-Bike. Sowohl der Rahmen, als auch das Getriebe werden in Frankreich gefertigt.
  Der Drehpunkt des Hinterbaus liegt direkt auf dem Antriebskettenblatt, weshalb sich die Kettenlänge des Anakins beim Einfedern nicht verändert. Selbst  ein defektanfälliger Kettenspanner ist beim Effigear-Getriebe überflüssig.Foto: Ludwig Döhl
Der Drehpunkt des Hinterbaus liegt direkt auf dem Antriebskettenblatt, weshalb sich die Kettenlänge des Anakins beim Einfedern nicht verändert. Selbst  ein defektanfälliger Kettenspanner ist beim Effigear-Getriebe überflüssig.
  Um Gewicht zu sparen, können leichte Race Face Carbon-Kurbeln anstelle der Effigear Alu-Kurbeln verbaut werden. Schrauber-freundlich: Der Hinterbau kann ohne Spezialwerkzeug und mit Standard-Industrielagern neu gelagert werden.Foto: Ludwig Döhl
Um Gewicht zu sparen, können leichte Race Face Carbon-Kurbeln anstelle der Effigear Alu-Kurbeln verbaut werden. Schrauber-freundlich: Der Hinterbau kann ohne Spezialwerkzeug und mit Standard-Industrielagern neu gelagert werden.
  Um den Gates-Riemen auf Spannung zu halten, hat das Cavalerie Anakin horizontale Ausfallenden.Foto: Ludwig Döhl
Um den Gates-Riemen auf Spannung zu halten, hat das Cavalerie Anakin horizontale Ausfallenden.

Bei einer kurzen Testfahrt während des Ziener BIKE Festivals in Willingen überzeugte das Getriebe. Für den Wechsel in leichtere Gänge muss man auch beim Effigear-Getriebe Druck vom Pedal nehmen, allerdings kann man unter Last bereits den richtigen Gang vorwählen. Das Getriebe hat neuen Gänge und eine Bandbreite von 440 Prozent. Geschaltet wird mit einem herkömmlichen Sram-Schalthebel, wahlweise als Trigger oder Drehgriff. Coulangi Benoti wurde beim Downhill-Worldcup in Lourdes Neunter – mit einem Bike mit Effigear-Getriebe.

  Pinion- und Rohloff-Getriebe müssen von zwei Zügen angesteuert werden, um die Gänge zu wechseln. Effigear verzichtet auf den zweiten Zug und verbaut dafür eine lange externe Feder, die hilft, die Gänge zu wechseln. Der Vorteil: Die Franzosen können einen normalen Sram 9-fach-Schalthebel (Trigger oder Gripshift) verwenden.Foto: Ludwig Döhl
Pinion- und Rohloff-Getriebe müssen von zwei Zügen angesteuert werden, um die Gänge zu wechseln. Effigear verzichtet auf den zweiten Zug und verbaut dafür eine lange externe Feder, die hilft, die Gänge zu wechseln. Der Vorteil: Die Franzosen können einen normalen Sram 9-fach-Schalthebel (Trigger oder Gripshift) verwenden.
  Die Rahmenform des Anakins ist sehr schlicht gehalten. In Zukunft wollen die Franzosen sogar Custom-Geometrien anbieten. Der Rahmen ohne Getriebe wiegt ca. 3,3 Kilo, kostet (mit Dämpfer und Getriebe) 3800 Euro und wird in Frankreich gefertigt.Foto: Ludwig Döhl
Die Rahmenform des Anakins ist sehr schlicht gehalten. In Zukunft wollen die Franzosen sogar Custom-Geometrien anbieten. Der Rahmen ohne Getriebe wiegt ca. 3,3 Kilo, kostet (mit Dämpfer und Getriebe) 3800 Euro und wird in Frankreich gefertigt.
  Das Effigear hat neun Gänge und mit 440 Prozent eine etwas höhere Bandbreite wie Srams 1x11-Antriebe mit einer 10-42er Kassette. Die komplette Einheit wiegt 1,5 Kilo und wird mit einem normalen Sram-Schalthebel betätigt. Schwerere Gänge können sogar unter Vollast eingelegt werden. Für leichtere Gänge muss man kurz Druck von der Kurbel nehmen. Foto: Ludwig Döhl
Das Effigear hat neun Gänge und mit 440 Prozent eine etwas höhere Bandbreite wie Srams 1x11-Antriebe mit einer 10-42er Kassette. Die komplette Einheit wiegt 1,5 Kilo und wird mit einem normalen Sram-Schalthebel betätigt. Schwerere Gänge können sogar unter Vollast eingelegt werden. Für leichtere Gänge muss man kurz Druck von der Kurbel nehmen. 

Effigear-Getriebe derzeit nur an Cavalerie Bikes

Wer in den Genuss des neuen Getriebes kommen will, muss derzeit auch ein Bike von Cavalerie kaufen. 2013 legte Nicolai zwar eine kleine Serie Downhill-Bikes auf, stellte die Produktion aber schnell wieder ein. Seitdem bietet Guy Cavalerie ein eigenes Enduro-MTB, einen Freerider und ein Downhill-Bike an. Die Formgebung der in Frankreich produzierten Rahmen ist zweckmäßig. Auf der Cavalerie-Website können Ausstattung und Farbe individuell konfiguriert werden. Wir sind auf einen ersten ausführlichen Test gespannt.

  Vertriebsleiter David Roumeas (links) und Erfinder Guy Cavalerie wollen auf dem BIKE Festival Willingen dem deutschen Publikum ihr Effigear-Getriebe näher bringen. Inspiriert vom legendären Honda-Getriebbike meldete Guy bereits 2003 die ersten Patente für sein eigenes Getriebe an. 2013, zehn Jahre später, verkaufte er die ersten Exemplare.Foto: Ludwig Döhl
Vertriebsleiter David Roumeas (links) und Erfinder Guy Cavalerie wollen auf dem BIKE Festival Willingen dem deutschen Publikum ihr Effigear-Getriebe näher bringen. Inspiriert vom legendären Honda-Getriebbike meldete Guy bereits 2003 die ersten Patente für sein eigenes Getriebe an. 2013, zehn Jahre später, verkaufte er die ersten Exemplare.
  Dass Getriebe nicht immer schwer sein müssen, zeigt das Cavalerie Falcon Downhill-Bike. Mit Alu-Rahmen und Effigear-Getriebe wiegt das Rad fahrfertig 16,8 Kilo. Kein schlechter Wert.Foto: Ludwig Döhl
Dass Getriebe nicht immer schwer sein müssen, zeigt das Cavalerie Falcon Downhill-Bike. Mit Alu-Rahmen und Effigear-Getriebe wiegt das Rad fahrfertig 16,8 Kilo. Kein schlechter Wert.

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