SattelTest 2016: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTB

Christian Artmann

 · 12/14/2015

Test 2016: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTBFoto: Robert Niedring

Eine MTB-Sattelstütze muss stabil und leicht sein. Noch besser wäre, wenn sie zusätzlich federt und Fahrkomfort spendet. Sieben Komfort-Sattelstützen im Praxis- und Labortest – bis zum Bruch.

Für die meisten Biker erfüllt die Sattelstütze nur den Zweck, den Sattel sicher und dauerhaft in seiner Position zu halten. Doch aus den starren Rohren lässt sich wesentlich mehr herausholen. Clevere Konstruktionen und gezielter Materialeinsatz liefern Dämpfungskomfort, wo Hardtail-Fahrer früher die Launen des Untergrundes ungefiltert ertragen mussten. Die frühzeitlichen Ansätze hierzu hatten mehr Nachteile als Vorzüge – nervös wippende Federstützen mit komplexen Parallelogramm-Designs machten Biker eher seekrank. Die modernen Komfortstützen gehen einen subtileren Weg und beschränken sich darauf, möglichst effektiv Vibrationen und kleinere Schläge, wie sie auf Forststraßen oder Schotterwegen auftreten, abzudämpfen. Gerade an Hardtails können gute Komfortstützen so für viele Fahrer ein Gewinn sein – vor allem auf langen Touren und Marathons.

Der Entwicklung der Komfortsattelstütze kamen dabei die immer fortschrittlicheren Fertigungstechniken, vor allem beim Werkstoff Carbon, zu passe. So verwundert es kaum, dass in unserem Test sechs von sieben Stützen aus dem schwarzen Gold gefertigt sind. Canyon geht mit seiner S25 VCLS sogar noch weiter und baut die Stütze zweigeteilt – wie zwei parallele Blattfedern. Prompt setzt sich diese auch an die Spitze der Komfortwertung. Bei keiner anderen ist der Komfortgewinn durch die Dämpfung ermüdender Vibrationen so deutlich, doch auch die anderen leisten Beachtliches. Auch Titan als metallischer Werkstoff ist in unserem Test in Form der USE Sumo vertreten, mit ebenfalls hohen Komfortwerten.

Doch wie bei allen tragenden Bauteilen stehen Stabilität und Sicherheit an oberster Stelle, und gerade da zeigt sich noch durchaus Optimierungspotenzial. So haben wir die sieben Sattelstützen, denen der Hersteller ein komfortoptimiertes Flexverhalten zuspricht, nicht nur auf ihren Komfortgewinn in Labor und Praxis, sondern auch auf ihre Dauerhaltbarkeit hin untersucht. Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Diese Komfort-Sattelstützen fürs Mountainbike sind im Test:

• Cannondale Save2
• Canyon S25 VCLS
• Easton EC90 Zero
• Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic
• Schmolke SL
• Syntace P6 Hiflex (BIKE-Tipp: Testsieger)
• USE Sumo Titan

Knick im Rohr: Die SAVE2-Sattelstütze verbaut Cannondale ab Werk bei seinen Top-Racebikes.Foto: Georg Grieshaber
Knick im Rohr: Die SAVE2-Sattelstütze verbaut Cannondale ab Werk bei seinen Top-Racebikes.
Die Titan-Sattelstütze Sumo von USE vertritt die Titan-Phalanx im Test.Foto: Georg Grieshaber
Die Titan-Sattelstütze Sumo von USE vertritt die Titan-Phalanx im Test.
Der Zusatz „Hiflex“ an der Syntace P6 verspricht hohe Komfortwerte.Foto: Georg Grieshaber
Der Zusatz „Hiflex“ an der Syntace P6 verspricht hohe Komfortwerte.
Die handgefertigte High-End-Stütze Schmolke SL ist mit 135 Gramm die leichteste im Testfeld.Foto: Georg Grieshaber
Die handgefertigte High-End-Stütze Schmolke SL ist mit 135 Gramm die leichteste im Testfeld.
Wie haltbar die Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic-Stütze ist, zeigt unser Test.Foto: Georg Grieshaber
Wie haltbar die Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic-Stütze ist, zeigt unser Test.
Wuchtig kommt der Monocoque-Carbon-Kopf der Easton EC 90 Zero daher.Foto: Georg Grieshaber
Wuchtig kommt der Monocoque-Carbon-Kopf der Easton EC 90 Zero daher.
Die zweiteilige Blattfederstütze von Canyon: Die VCLS gibt es fürs Rennrad schon länger, seit 2015 auch fürs Mountainbike.Foto: Georg Grieshaber
Die zweiteilige Blattfederstütze von Canyon: Die VCLS gibt es fürs Rennrad schon länger, seit 2015 auch fürs Mountainbike.
Knick im Rohr: Die SAVE2-Sattelstütze verbaut Cannondale ab Werk bei seinen Top-Racebikes.Foto: Georg Grieshaber
Knick im Rohr: Die SAVE2-Sattelstütze verbaut Cannondale ab Werk bei seinen Top-Racebikes.
Die Titan-Sattelstütze Sumo von USE vertritt die Titan-Phalanx im Test.Foto: Georg Grieshaber
Die Titan-Sattelstütze Sumo von USE vertritt die Titan-Phalanx im Test.
Die Titan-Sattelstütze Sumo von USE vertritt die Titan-Phalanx im Test.
Der Zusatz „Hiflex“ an der Syntace P6 verspricht hohe Komfortwerte.
Die handgefertigte High-End-Stütze Schmolke SL ist mit 135 Gramm die leichteste im Testfeld.
Wie haltbar die Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic-Stütze ist, zeigt unser Test.
Wuchtig kommt der Monocoque-Carbon-Kopf der Easton EC 90 Zero daher.
Die zweiteilige Blattfederstütze von Canyon: Die VCLS gibt es fürs Rennrad schon länger, seit 2015 auch fürs Mountainbike.
Knick im Rohr: Die SAVE2-Sattelstütze verbaut Cannondale ab Werk bei seinen Top-Racebikes.

So haben wir getestet


Praxistest Die Praxiseindrücke wurden über mehrere Monate von verschiedenen Testern zusammengetragen. Jede Stütze wurde dabei immer am identischen Hardtail montiert und gefahren. Neben dem Fahreindruck wurden dabei auch die Erfahrungen zum Montageaufwand und dem Handling der Stütze vermerkt. Trotz der subjektiven Komponente des Praxistests und der großen Streuung des Tester-Pools von 70 bis 90 Kilo fallen die Aussagen zum Komfort sehr homogen aus. Sicherheitsrelevante Auffälligkeiten oder gar Ausfälle waren dabei keine zu verzeichnen.

  Montage und Verstellbarkeit des Sattels fließen bei den leichten Komfort-Sattelstützen mit zehn Prozent in das Test-Urteil mit ein.Foto: Robert Niedring
Montage und Verstellbarkeit des Sattels fließen bei den leichten Komfort-Sattelstützen mit zehn Prozent in das Test-Urteil mit ein.
  Nach diesen Vorgaben wurden alle Komfort-Sattelstützen im Prüfinstitut Zedler getestet. Nach der ISO-4210-Norm mussten alle einen spziellen BIKE-Test durchlaufen – bis zum Bruch.Foto: Zedler
Nach diesen Vorgaben wurden alle Komfort-Sattelstützen im Prüfinstitut Zedler getestet. Nach der ISO-4210-Norm mussten alle einen spziellen BIKE-Test durchlaufen – bis zum Bruch.


Labortest Die Untersuchungen zum Ermüdungsverhalten der Stützen und deren Flexverhalten fanden im Prüfinstitut Zedler (www.zedler.de) in Ludwigsburg statt. Dabei musste jede Stütze zuerst die Vorgaben der ISO-4210-Norm erfüllen. Das sind 100000 Lastwechsel von 1200 N hinter der Mitte der Sattelklemmung. Danach durchliefen die Testmuster ein vom Zedler-Institut eigens erarbeitetes, praxisnahes Testkollektiv, das sowohl höhere Kräfte bis 1700 N, wie auch einzelne Lasten auf die Sattelnase aufbringt. Die Beanspruchungen sollen eine mehrjährige Nutzungsdauer der Stütze im intensiven Touren-Einsatz durch einen 90 Kilo schweren Fahrer simulieren. Als Auszugslänge wurden realitätsnahe 27 cm gewählt. Der Testdurchlauf war beendet, wenn die Sensorik ein auf einen Defekt hinweisendes Ereignis (von der Rissbildung bis hin zum Bruch) festgestellt hat und automatisch abgeschaltet hat.

  Die Folterkammer: Auf diesem Prüfstand mussten alle Komfort-Sattelstützen das praxisnahe Testkollektiv durchlaufen.Foto: Zedler
Die Folterkammer: Auf diesem Prüfstand mussten alle Komfort-Sattelstützen das praxisnahe Testkollektiv durchlaufen.

Waren die Ergebnisse des Ermüdungstests der beiden Testmuster, auf konstantem Niveau, unbedenklich und schlüssig, bzw. haben beide Muster den Test ohne Auffälligkeiten durchlaufen, blieb es bei den beiden Tests. Gab es Auffälligkeiten, eine nennenswerte Wertestreuung oder ein kritisches Versagensverhalten, so wurde ein drittes Testmuster geprüft.

  Dirk Zedler prüft seit mehr als 20 Jahren Fahrrad-Teile für die gesamte Industrie. Mehr Erfahrung hat auf diesem Gebiet keiner.Foto: Unbekannt
Dirk Zedler prüft seit mehr als 20 Jahren Fahrrad-Teile für die gesamte Industrie. Mehr Erfahrung hat auf diesem Gebiet keiner.
"Versagensfälle von Sattelstützen sind in unserer Gutachten-Praxis fast schon an der Tagesordnung. Grundsätzlich gibt es drei Schadensmechanismen. Am häufigsten ist das Versagen der Verschraubung. Die Bewegungen des Sattels führen teils zu deren nicht sachgerechter Belastung. Hier ist dann die Reserve klein, schon ein etwas zu geringes Drehmoment kann zum Versagen führen. Seltener sind Brüche am Ausgang der Stütze aus dem Rahmen. Ursächlich sind hier insbesondere zu geringe Druckfestigkeit von Carbon-Rohren und ungünstige Klemmmechanismen am Rahmen. Oft werden die Klemmen am Rahmen zu fest zugedreht. Am seltensten sind die Brüche mitten im Rohr oder am Kopf. Bei der Betriebsfestigkeitsprüfung wurden die Drehmomente eingehalten, die Sattelstützen nicht ungünstig oder zu fest eingespannt. Die Testkriterien liegen über der ISO-Norm, da deren Mindestanforderung harten sportlichen Einsatz nicht abdeckt. BIKE-Realdatenerfassungen haben ergeben, dass ein Fahrer mit bis zu vierfacher Erdbeschleunigung in den Sattel gepresst werden kann, wenn er in eine Kompression fährt. Ein 80 Kilo schwerer Fahrer bringt je nach Position gut 50 Kilo in den Sattel, das entspricht einer kurzzeitigen Belastung von bis zu 2000 Newton. Mit unseren Prüf-Belastungen sind wir deutlich darunter geblieben." (Dipl-Ing. Dirk Zedler, Sachverständiger)

Die Test-Bewertung der Komfort-Sattelstützen

Die Bewertung erfolgt unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren – Haltbarkeit, Handling, Gewicht und das Flexverhalten – immer auf Grundlage des Testmusters mit dem schlechtesten Ergebnis.

Als tragendes und sicherheitsrelevantes Bauteil kommt der Haltbarkeit dabei die größte Gewichtung zu. Dieser Aspekt nimmt daher 50 % der Gesamtbewertung ein. Sie wird aber gesplittet in die bis zum Versagen durchlaufenen Lastwechsel und auch Bruchbild. Ins Testurteil fließt daher die Lastzyklen mit 25 % und das Bruchbild mit 25 % ein. Wenn eine Stütze die ISO 4210 Norm bestanden hat, erhält sie automatisch die halbe Punktzahl. Die volle Punktzahl gibt es bei Durchlaufen des gesamten Ermüdungstests ohne Auffälligkeiten.

Das Flexverhalten entspricht dem praktischen Komfortgewinn und wird mit 30 % gewertet. Das Urteil setzt sich zusammen aus den Auslenkungswerten in den Labormessungen und den zusammengetragenen Praxiseindrücken der Testfahrer.

Beim Handling, das mit 10 % gewichtet wird, fließen das Handling der Stütze bei der Montage und Einstellung genauso ein, wie der Verstellbereich des Sattels auf der Stütze. So erlauben manche Stützen durch die breite Klemmung nur einen sehr enge Verstellung des Sattels nach vorne und hinten, andere sehr viel mehr. Eventuelle Auffälligkeiten im Fahrbetrieb fließen hier ebenfalls mit ein.

  Flexverhalten: gemessene Auslenkung der in BIKE 12/2015 getesteten Komfortsattelstützen im Überblick.Foto: Zedler,BIKE Magazin
Flexverhalten: gemessene Auslenkung der in BIKE 12/2015 getesteten Komfortsattelstützen im Überblick.

Das Gewicht wird ebenfalls mit 10 % bewertet. Die Einteilung erfolgt anhand der heute üblichen Gewichte anderer, vergleichbarer Sattelstützen.


Auslenkung statisch bei 270 mm Auszug und 100 kg

  Gewicht und Komplettlänge der in BIKE 12/2015 getesteten Komfortsattelstützen im Überblick.Foto: Zedler,BIKE Magazin
Gewicht und Komplettlänge der in BIKE 12/2015 getesteten Komfortsattelstützen im Überblick.

Die Komfortstützen aus Carbon und Titan (USE) flexen deutlich mehr als die beiden Alu-Referenzmodelle von Thomson und Syntace. Canyon ist am komfortabelsten, Cannondale am unnachgiebigsten. In der Praxis ist das dynamische Flexverhalten ausschlaggebend. So fahren sich die USE und die Syntace wahrnehmbar komfortabler als etwa Easton, Schmolke und Ritchey.


Gewicht und Länge

  Gemessene Auslenkung bei Sattelstützen mit verschiedenen Durchmessern.Foto: Zedler,BIKE Magazin
Gemessene Auslenkung bei Sattelstützen mit verschiedenen Durchmessern.

Die Konstruktion macht den Unterschied: Ein Knick in der Cannondale SAVE2-Stütze erzeugt einen recht großen Versatz, wirkt aber auch versteifend. Sie ist zwar die mit Abstand längste Stütze, flext dennoch am geringsten. Nur leicht sein bringt aber noch keinen spürbaren Komfort. USE, Syntace und allen voran Canyon zeigen, dass intelligent eingesetztes Material in dem Falle zum Ziel führt.


Auslenkung statisch bei variabelm Auszug und 100 kg

  Komfortmessungen mit der Syntace P6 Hiflex Carbon in verschiedenen Durchmessern von 27,2 bis 34,9 Millimetern.Foto: Zedler,BIKE Magazin
Komfortmessungen mit der Syntace P6 Hiflex Carbon in verschiedenen Durchmessern von 27,2 bis 34,9 Millimetern.

Die Auslenkung ist von der Auszugslänge abhängig. Die Syntace P6 Hiflex Carbon gibt an der maximalen Auszugslänge (310 mm) 8,17 mm nach. Je geringer die Auszugslänge (hier: Reduzierung in 2-cm-Schritten auf 190 mm), desto weniger Flex. Komfort spürt selbst mit der dünnen Stütze nur, wer sie weit genug herausziehen kann.


Vergleich Durchmesser - Auslenkung statisch bei 270 mm Auszug und 100 kg

Der Durchmesser entscheidet über die Flexibilität. Die Komfortmessungen mit der Syntace P6 Hiflex Carbon in verschiedenen Durchmessern zeigen den nichtlinearen Zusammenhang zwischen Durchmesser und Auslenkung: Im Vergleich zur dünnen 27,2-mm-Stütze nimmt die Auslenkung der dicken 34,9-mm-Variante überproportional ab.


Haltbarkeit – ein komplexes Thema

Doch wie schlagen sich die einzelnen Stützen im Haltbarkeitstest? Aus vergangenen Ermüdungstests wissen wir: Nur weil ein Testmuster hält, muss das nicht fürs nächste gelten. Und wenn dann doch etwas kaputt geht: lieber ein frühes Versagen, das sich erkennbar ankündigt, als ein später, aber plötzlicher Kollaps. Lesen Sie dazu die Statements einiger Hersteller auf der nächsten Seite.

Statements der Sattelstützen-Hersteller


Canyon

„Wir nehmen die Sicherheit unserer Bauteile sehr ernst und sind sicherlich mit Vorreiter in der Branche in Bezug auf die Bauteilprüfung mit unseren eigens entwickelten Bauteilprüfständen und Lastprofilen. Hier optimieren wir seit Jahren stetig in Kooperation mit Universitäten und Hochschulen. Besonders an den Schnittstellen, wie Sattelklemmen, haben die nicht standardisierten Aufspann- und Anschlussbedingungen des Prüfstandes großen Einfluss. Dieses hier gezeigte Rissmerkmal ist uns aus der Realität nicht bekannt, obwohl bereits viele tausend Stützen im Feld seit Jahren gefahren werden. Weiterhin ist anzumerken, dass diese Art von Riss nicht zu einem Totalversagen der Stütze führt und unser Kunde zu keiner Zeit gefährdet ist. Würde dieses Rissmerkmal bei uns im Service mehrfach auftreten, würden wir natürlich umgehend Änderungen einleiten.“ (Dr.-Ing. Michael Kaiser)


Schmolke Carbon

„Unsere Stützen sind so konstruiert, dass sich bei starken Überlasten der Bolzen langsam immer weiter in das Carbon eindrückt, wie bei den beiden Testmustern mit dem silbernen Bolzen passiert. So spürt der Fahrer den sich langsam lockernden Sattel bevor es zum Sturz kommen kann. Brechende Bolzen sind bei unseren SL Stützen in der Realität jedoch genau 0 Mal aufgetreten. Solches Versagen tritt leider eher in Prüfstandversuchen auf, wo das Bauteil in sehr kurzer Zeit sein ganzes, sonst mehrjähriges Leben durchlaufen muss und dadurch eben nie 100% realistische Bruchbilder erzielt werden können. (Dies zeigen auch unrealistisch oft reißende Vorbauschrauben bei unseren Lenkertests.) Nichtsdestotrotz werden wir in Zukunft aber auf die leichte Ausfräsung, wie beim gebrochenen schwarzen Bolzen verzichten und nur noch solche Bolzen verwenden wie die beiden nicht gebrochenen silbernen. (Für schwere Fahrer, die ihr Bike zusätzlich durch ihren Fahrstil extrem belasten, verstärken wir das Carbonrohr nochmals über die ganze Länge, da wir unsere Bauteile ja auf Kundenwunsch anpassen.) Die bis zu 170 kg hohen Lasten der 2. Prüfung simulieren starke Belastungen des Fahrers auf den Sattel und das Bike. Dies müssen unsere extrem leichten Stützen aber nicht mehrere hundert Mal aushalten. Dafür bieten wir sehr kulante Crashreplacements auch über die 3 Jahre Garantiezeit hinaus.“ (Stefan Schmolke, Inhaber Schmolke Carbon)


Bacebasics/Idworx

„Wir verwenden die USE Sumo Titan-Sattelstütze seit einigen Jahren in vielen unserer Idworx-Räder und USE produziert Stützen mit diesem Kopf seit rund zehn Jahren. Ein solches Schadensbild kennen wir, Hand auf's Herz, aus der Praxis bislang nicht. Das soll nicht zwangsläufig heißen, dass die Belastungen im Test unrealistisch hoch sind. Entweder handelt es sich um einen extrem seltenen Materialfehler, oder es bedeutet, dass das Lastkollektiv, welches bei diesem einen Exemplar zum Bruch führte, Kräfte beinhaltet, die an der oberen Grenze dessen liegen, was bei sehr schweren Fahrern in der Praxis erreicht werden kann. Bei einem Fahrergewichtslimit von 100 kg halten wir die Stütze wegen unserer großen Erfahrungsbasis damit nach wie vor für sicher, werden aber in Rücksprache mit USE weitere Tests in Auftrag geben, um herauszufinden, ob für dieses maximale Fahrergewicht die Stütze eventuell verstärkt werden muss.“ (Gerrit Gaastra)


Cannondale

„Wir wurden vom Bike-Magazin über die Test-Resultate unterrichtet und analysieren diese nun sorgfältig. Die Marke Cannondale hat die höchsten Qualitätsansprüche und unterzieht ihre Produkte brutalen Tests in der Entwicklung. Unsere Sattelstütze hat alle diese Tests bestanden und wir haben keinen Anlass an der Zuverlässigkeit unseres Produkts zu zweifeln. Wir haben Labortest sowie Feldtest durchgeführt. Wir werden nun die Resultate von Bike mit unseren vergleichen und auch das Testlabor kontaktieren um das genaue Test Prozedere zu analysieren. Dies wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit sind wir 100% sicher das unsere Produkte zuverlässig funktionieren." (Henning Schroeder, Vizepräsident Produkt-Management Cannondale)


Steckbriefe der Sattelstützen aus diesem Test:


Cannondale Save2

Die SAVE2-Stütze ist ab Werk auf den Cannondale-Top-Bikes spezifiziert, und es gibt sie nur in 27,2 mm Durchmesser. In ihrer Geometrie ist sie auf die F-Si-Hardtails ausgelegt. Sie besitzt nicht nur einen recht großen Versatz, sie ist auch die mit Abstand längste Stütze. Bis 33,5 cm kann der Sattel damit über dem Sitzrohr thronen. Durch den sehr flachen Winkel am Klemmkopf ist die vordere der beiden Titanschrauben aber nur schlecht zugänglich. Die Montage und Neigungseinstellung gestaltet sich damit etwas aufwändig. Entgegen den Erwartungen erwies sich die SAVE2 als eine eher steife "Komfortstütze" und wird dem Flexanspruch erst bei großem Auszug gerecht. Bemerkenswert ist das hohe zulässige Fahrergewicht. Wenn auch erst spät, so brachen zwei der drei Testmuster im Labor am vorderen Gewindebolzen.


Preis/Infos Nur Erstausrüstung/www.cannondale.com
Länge/versatz 430 mm/20 mm
Durchmesser/Gewicht Nur 27,2 mm/221g
max. Fahrergewicht 138 kg
Montage/Handling 3 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 2 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 4 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 1 x kein Versagen/2 x kritisch
BIKE-Urteil* BEFRIEDIGEND

  Cannondale Save2Foto: Georg Grieshaber
Cannondale Save2


Canyon S25 VCLS• Easton EC90 Zero

Fürs Rennrad gibt es die zweiteilige "Blattfederstütze" seit mehreren Jahren, ab 2015 auch fürs Mountainbike. Keine andere gab sich im Labor und in der Praxis derart komfortabel. Mit dem gut definierten Flex bietet sie nicht nur ein Maximum an Vibrationsdämpfung, sondern funktioniert schon fast als Micro-Federung. Kleine Kritik im Handling: Zur Sattelmontage muss man den Kopf zerlegen, zur Neigungsverstellung die Stütze aus dem Rahmen nehmen. Bei der Stabilitätsprüfung im Labor entwickelte sie recht früh und immer an der gleichen Stelle an den Klemmbacken einen Haarriss, der aber sicherheitstechnisch weitgehend unproblematisch und leicht zu erkennen ist. Daher sehr gutmütiges Ermüdungsverhalten. Nach Klemmentausch lief eine Stütze anstandslos durch den Test. Knapp am noch besseren Urteil vorbei.


Preis/Infos 249,95 Euro/www.canyon.com
Länge/versatz 400 mm/+2 oder -10 mm
Durchmesser/Gewicht Nur 30,9 mm/249 g
max. Fahrergewicht 110 kg
Montage/Handling 4 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 6 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 3 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 3 x unkritisch
BIKE-Urteil* GUT

  Canyon S25 VCLSFoto: Georg Grieshaber
Canyon S25 VCLS


Easton EC90 Zero

Eigentlich sollte die Easton den Test als nicht auf Komfort ausgelegte Carbon-Stütze begleiten. Doch sowohl die Labormessungen als auch der Praxistest attestieren ihr gute Komfortwerte – zumindest im 27,2 mm Durchmesser wie getestet. Durch Schrägstellen sind die Schrauben gut zugänglich, wenn auch tief in dem wuchtigen Monocoque-Carbon-Kopf versenkt. Mit den nur kurzen Klemmbacken bleibt der Verstellbereich des Sattels nach vorne und hinten sehr groß, und die abgerundeten Kanten der Auflagen verhindern Kraftspitzen und Kerbwirkung bei empfindlichen Carbon-Gestellen. Easton rühmte sich schon immer der hohen Stabilität, und auch die Testmuster durchliefen das gesamte Testkollektiv ohne erkennbare Auffälligkeiten. Zudem ist die EC90 sehr leicht bei einer großen Nutzlänge.


Preis/Infos 199,99 Euro/www.eastoncycling.com
Länge/versatz 405 mm/0 mm (auch 20 mm)
Durchmesser/Gewicht 27,2 (30,9 u. 31,6) mm/214 g
max. Fahrergewicht unbeschränkt
Montage/Handling 6 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 4 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 6 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 2 x kein Versagen
BIKE-Urteil* SEHR GUT

  Easton EC90 ZeroFoto: Georg Grieshaber
Easton EC90 Zero


Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic

Die Ritchey-Sattelstütze ist ein solider Performer, wenn man einmal die Erstmontage hinter sich gebracht hat – die eigentümliche Zweischraubklemmung mit dem halbrunden Schlittenkopf erntete nur wenig Lob. Zur Sattelmontage wünscht man sich eine dritte Hand, und auch die Sattelneigung blieb erst dann fest, als wir die Klemmung fast mit dem maximalen Drehmoment (16 Nm!) angezogen hatten. Dafür ist der Verstellbereich des Sattels sehr groß. Der Komfortgewinn gegenüber den Alu-Stützen war durchaus spürbar und schont den Fahrer auf langen Tretpassagen. Im Ermüdungstest nach Zedler ergab sich ein sehr spätes Versagen, zudem durch eine sicherheitstechnisch unproblematische Rissbildung an der unteren Klemmplatte. Aufgrund der Verfügbarkeit wurde die Stütze in 350 mm Länge getestet, sie ist aber auch in 400 mm erhältlich.


Preis/Infos 269 Euro/www.ritcheylogic.com
Länge/versatz 340 mm/0 mm (auch 15 mm)
Durchmesser/Gewicht 27,2 (30,9 u. 31,6) mm /166 g
max. Fahrergewicht 110 kg
Montage/Handling 2 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 4 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 5 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 2 x unkritisch
BIKE-Urteil* GUT

  Ritchey WCS Carbon Link FlexlogicFoto: Georg Grieshaber
Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic


Schmolke SL

Die in Konstanz handgefertigte Schmolke SL sollte zeigen, was eine echte High-End-Leichtbaustütze zu leisten vermag. Mit ihren 135 g bei vollen 400 mm Länge ist sie im Testfeld konkurrenzlos leicht. Der Komfortgewinn war in der Labormessung deutlicher als in der Praxis zu spüren. Zugunsten des Gewichts gibt es Abstriche im Handling. So erlaubt die ausladende Sattelklemmung nur wenig Verstellweg nach vorne oder hinten. Zudem ist der Bereich, in dem das Rohr geklemmt werden darf, über Markierungen auf ca. 7 cm begrenzt. Daher unbedingt die passende Länge bestellen. Auch wenn die Testmuster die ISO-Norm-Anforderungen bestanden haben, mussten sie doch recht früh beim BIKE/Zedler-Lastkollektiv aufgeben. Als Extremleichtbaustütze ist sie damit in erster Linie für leichte bis mittelgewichtige Fahrer zu empfehlen.


Preis/Infos 350 Euro/www.schmolke-carbon.com
Länge/versatz 400 mm/0 mm (auch 20 mm)
Durchmesser/Gewicht 27,2 (30,9; 31,6 u. 34,8) mm/135 g
max. Fahrergewicht 95 kg
Montage/Handling 3 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 3 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 3 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 2 x unkritisch/1 x kritisch
BIKE-Urteil* BEFRIEDIGEND

  Schmolke SLFoto: Georg Grieshaber
Schmolke SL


Syntace P6 Hiflex

Die P6 Hiflex aus der Feder von Syntace-Mastermind Jo Klieber tut sich ein Mal mehr als Klassenprimus hervor. Keine andere Stütze ist so einfach zu bedienen, bietet einen so großen Verstellbereich des Sattels und weist zugleich derartige Stabilitätsreserven auf. Auch nach Tagen auf dem Prüfstand waren den Mustern keine Schwächen anzumerken. Schöne Details, die so manchem Fehlgebrauch vorbeugen, sind die hohen, zulässigen Anzugsmomente, die Carbon-Schaft und -Klemmkopf verkraften. Die Hiflex, die als eine der ersten Carbon-Stützen das Thema "Vibrationsdämpfung" ins Lastenheft aufgenommen hat, bietet darüber hinaus auch noch einen Top-Komfort. Das alles macht die Stütze zum verdienten Testsieger und bringt ihr eine uneingeschränkte Empfehlung ein – von Marathon bis All Mountain und für jedes Fahrergewicht.


Preis/Infos 250 Euro/www.syntace.de
Länge/versatz 395 g/0 mm
Durchmesser/Gewicht 27,2 (30,9; 31,6 u. 34,8)/239 g mm/239 g
max. Fahrergewicht 130 kg
Montage/Handling 6 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 5 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 6 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 2 x kein Versagen
BIKE-Urteil* SUPER

  Syntace P6 HiFlexFoto: Georg Grieshaber
Syntace P6 HiFlex


USE Sumo Titan

In typisch britischer Manier gibt sich die Sumo Titan als extravaganter Vertreter ihrer Art. Sei es im Schaftrohr aus mattgebürstetem Titan, das alle Tester durch seine komfortspendenden Flexeigenschaften beeindruckt hat, oder den gut zu bedienenden Einschraubenklemmkopf, der zwar zur Sattelmontage komplett zerlegt werden muss, sonst aber super funktioniert. Eine Stütze für Individualisten. Zwei der drei Testmuster haben den Ermüdungstest unbeeindruckt durchlaufen. Die Dritte hielt ebenfalls sehr lange durch, zeigte dann aber ein plötzliches Versagen des Klemmkopfes mit scharfen Bruchkanten – ein Hinweis auf ein bereits in der Fertigung geschwächtes Materialgefüge. Hoffentlich ein echter Einzelfall, denn ansonsten liefert die Sumo ein sehr solides Gesamtbild ab. Über Speedbasics ist nur die getestete Stütze erhältlich, andere Maße direkt bei USE.


Preis/Infos 199 Euro/www.speedbasics.com
Länge/versatz 395 mm/10 mm
Durchmesser/Gewicht nur 27,2 mm/252 g
max. Fahrergewicht 100 kg
Montage/Handling 5 VON 6 PUNKTEN
Flexverhalten (Labor u. Praxis) 5 VON 6 PUNKTEN
Haltbarkeit (Iso 4210 u. Zedler) 4 VON 6 PUNKTEN
Versagensverhalten 2 x kein Versagen/1 x kritisch
BIKE-Urteil* GUT

  USE Sumo TitanFoto: Georg Grieshaber
USE Sumo Titan


Den ausführlichen Test der leichten Komfort-Sattelstützen finden Sie in BIKE 12/2015.
Die komplette Ausgabe
können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

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