Maik Schröder
· 22.08.2026
Wer im Zeitfahr- oder Triathlon-Rad tief im Auflieger sitzt, belastet den Sattel anders als auf dem Rennrad oder Gravelbike. Das Becken rotiert nach vorne, der Kontakt zur Sattelnase nimmt zu und der Druck auf den vorderen Dammbereich steigt. Genau hier setzt der Joyseat 3.0 TT an.
Posedla beschreibt den TT als flachen Sattel mit breiterer und stärker gepolsterter Nase. Für männliche Fahrer ist ein geteilter Nasenbereich mit verlängertem Entlastungskanal vorgesehen. Bei der weiblichen Ausführung setzt Posedla dagegen auf eine breitere, weichere Nase ohne mittige Teilung. Die Sattelform soll damit nicht nach einem universellen Muster entstehen, sondern aus dem individuellen Beckenmodell, der Anatomie und dem Bewegungsablauf des Fahrers abgeleitet werden.
Das ist der wesentliche Unterschied zu den bisherigen Joyseat-Varianten: Der TT ist kein gewöhnlicher Road-Sattel mit etwas mehr Polster an der Front. Seine Geometrie ist von Anfang an auf die aggressive Aero-Position ausgelegt.
Die bisherigen Joyseat-Modelle werden für Straße, Gravel und Mountainbike unterschiedlich geformt. Der Road-Sattel besitzt ein flacheres Profil und weniger Polster, die Gravel-Version ist etwas universeller ausgelegt, während der MTB-Sattel stärker gekrümmt und dicker gepolstert ist.
Der TT geht in eine andere Richtung. Er kombiniert ein flaches Profil mit einer breiteren, stärker unterstützenden Sattelnase und einer bis weit nach vorne reichenden Druckentlastung. So soll der Sattel auch dann Halt geben, wenn der Fahrer über längere Zeit in der tiefen Position bleibt.
Eine weitere Neuerung ist die Polsterstruktur TriMesh. Posedla verwendet dabei dreieckige Zellen, deren Größe, Dichte und Ausrichtung innerhalb des Sattels variiert werden können. Dadurch sollen verschiedene Bereiche gezielter auf Druck und Bewegung reagieren.
Nach Angaben des Herstellers bietet TriMesh rund 28 Prozent mehr kontrollierten Federweg als die bisherige Gitterstruktur. In den internen Messungen stieg der dynamische Federweg von etwa 0,88 auf 1,13 Millimeter. Wichtig ist: Das bedeutet nicht, dass der Fahrer stärker auf dem Sattel herumrutscht. Gemeint ist eine kontrolliertere Bewegung der Polsterstruktur unter Belastung.
Das Ziel ist eine Polsterung, die unter den Sitzknochen progressiv stützt, gleichzeitig im empfindlichen vorderen Bereich nachgiebiger reagiert und die Druckverteilung gleichmäßiger gestaltet. Posedla betont, TriMesh sei nicht einfach weicher, sondern anpassungsfähiger.
Wie bei den anderen Joyseat-Sätteln fließen auch beim TT die Maße aus dem sogenannten Smiling Butt Kit sowie Angaben zu Körper, Fahrstil, Fahrrad und durchschnittlicher Fahrtdauer in die Berechnung ein. Beim TT ist diese individuelle Auslegung besonders relevant, weil sich die Anforderungen an die Sattelnase je nach Anatomie und Sitzposition stark unterscheiden.
Posedla berücksichtigt nach eigenen Angaben unter anderem das Beckenmodell, die gewünschte Sattelbreite, die Nasengeometrie und den Abstand der Oberschenkel. Auch die Druckentlastung wird nicht für alle Fahrer identisch umgesetzt.
| Modell | Schale und Streben | Gewicht ab | Besonderheit |
| Joyseat Plus | Nylon, Edelstahlstreben | 220 g | Robust, keine angegebene Belastungsgrenze |
| Joyseat Pro | Twill-Carbon, UD-Carbonstreben | 165 g | Leichte Performance-Version, bis 100 kg |
| Joyseat Ultra | UD-Carbon, UD-Carbonstreben | 155 g | Leichteste und steifste Variante, bis 110 kg |
| Joyseat TT | UD-Carbon, UD-Carbonstreben | 155 g | Aero-Form, breitere Nase, Triathlon-spezifische Druckentlastung |
Der Unterschied zum Ultra liegt also nicht primär in Gewicht oder Material, sondern in der Sitzflächen-Geometrie und der vorgesehenen Anwendung. Der Ultra ist für Rennen und aggressive Fahrpositionen allgemein ausgelegt. Der TT ist dagegen speziell für die Belastung im Zeitfahr- und Triathlon-Einsatz konfiguriert.
Das Grundprinzip des Joyseat bleibt unverändert: Der Sattel wird auf Basis eines Abdrucks und persönlicher Fahrdaten individuell gefertigt. Im BIKE-Test des Posedla Joyseat 2.0 überzeugte das Konzept mit einer guten Passform und einer klaren Entlastung empfindlicher Bereiche. Nach rund 200 Kilometern zeigte die Druckmessung eine Konzentration der Belastung auf den Sitzknochen. Gleichzeitig fiel das Obermaterial im Test vergleichsweise hart aus.
Der neue TT soll nun vor allem den Anforderungen von Fahrern gerecht werden, die nicht aufrecht oder in einer moderaten Rennradposition sitzen, sondern über lange Zeit mit nach vorne rotiertem Becken fahren. Ob die neue Nasengeometrie und TriMesh im praktischen Triathlon-Einsatz tatsächlich einen deutlichen Vorteil bringen, muss ein ausführlicher Test zeigen. Die technischen Voraussetzungen dafür sind jedoch interessant: Posedla kombiniert die bekannte Maßanfertigung mit einer speziell auf die Aero-Position zugeschnittenen Plattform.
Kurz gesagt: Der Joyseat 3.0 TT ist weniger ein weiteres Ausstattungsmodell als eine neue Anwendungsidee innerhalb des Joyseat-Systems. Während Plus, Pro und Ultra vor allem über Material, Gewicht und Steifigkeit unterschieden werden, bringt der TT eine eigenständige Form für Zeitfahr- und Triathlonfahrer. Die neue TriMesh-Polsterung soll dabei für mehr kontrollierte Anpassung sorgen, ohne die notwendige Unterstützung unter den Sitzknochen aufzugeben.

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