Leicht und edel, aber meist auch kompromisslos hart: Leichtbau-Sättel aus Carbon sind normalerweise eher was für leidensfähige Rennfahrer, als für genussorientierte Touren-Biker. Die Münchner Ergonomie-Spezialisten von SQlab versuchen nun Leichtbau und Komfort miteinander zu verquicken. Der "Super 6.1 active" ist das neue Flaggschiff der Sattel-Linie. In der puristischsten Ausführung wiegt der Sattel gerade mal 85 Gramm. Was bedeutet: nackte Carbon-Schale. Doch auch mit den optionalen Polster-Pads, mit denen man die Sitzecke auf die persönlichen Komfort-Vorlieben abstimmen kann, pendelt sich der Zeiger der Waage immer noch bei guten 100 Gramm ein.
Der Sattel weist aber noch zwei weitere Besonderheiten auf. Er ist aus Carbonfasern geflochten und nicht, wie normalerweise üblich, mit Hilfe von harzgetränkten Carbonmatten in Form gebracht. Die Fertigung erfolgt bei Munich Composites an einer imposanten Flechtmaschine. Was eine höchstmögliche und gleichbleibende Fertigungsqualität ermöglicht und die Möglichkeiten des Materials maximal ausnutzt. Zudem ist die Sitzdecke mit einem Elastomer seitlich schwimmend auf dem Gestell gelagert, was den Druck auf die Sitzknochen verringern soll. Der Sattel bewegt sich quasi mit dem Becken mit. Die ersten Super 6 werden in einigen Wochen ausgeliefert. Wir hatten aber die Möglichkeit einen der ersten "Erlkönige" bereits ausgiebig zu fahren.
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Und tatsächlich: Die ausgeklügelte Ergonomie verhindert jegliches Druckgefühl. Die Sitzdecke mit der SQlab-typischen "Entlastungsstufe" federt zwar kaum. Doch das seitliche Nachgeben sorgt für komfortables Kurbeln, ohne dass sich der Fahrer vorkommt wie auf einem Kutter bei Windstärke zehn. Der Sattel schmust sich förmlich an den Hintern. An das seitliche "Kippeln" muss man sich zwar erst einmal gewöhnen. Auf den ersten Kilometern wirkt es, als sei der Sattel nicht richtig an der Stütze verschraubt. Nach ein, zwei Touren aber passt es.
Wir sind den Sattel ohne Pads gefahren und kamen gut zurecht. Allerdings hatte unser Tester als Marathon-Fahrer auch keinen allzu empfindlichen Hintern. Nicht ganz so abgehärtete Biker sollten vielleicht doch lieber die Pads probieren. Der Preis des Super 6 lässt einen kurz zusammen zucken, er ist der aufwändigen Fertigung mit der Flechtmaschine geschuldet: 400 Euro! Eine stolze Summe. Dennoch soll die Nachfrage schon jetzt so hoch sein, dass laut SQlab-Chef Tobi Hild mehrere Monate Wartezeit in Kauf genommen werden müssen. Käufer können zwischen zwei Sattelbreiten wählen.
Demnächst soll es auch eine günstigere Variante des Super 6 geben – Sitzschale aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, Gestell aus Titanstreben. Der Preis dieser Version soll unter 200 Euro liegen. Weitere Infos auf der Herstellerseite: www.sq-lab.com