Sattel

Innovative Technik: MTB Teleskopstütze Eightpins

Christian Artmann

 · 23.12.2017

Innovative Technik: MTB Teleskopstütze EightpinsFoto: Georg Grieshaber

Kaum ein Trailbiker will heute mehr auf eine Teleskopsattelstütze verzichten. Dabei gilt sie als das defektanfälligste Bauteil am Mountainbike. Die Eightpins will das Dilemma ein für alle Mal lösen.

Eine Kurve reicht, oder eine Bergkuppe. Und schon verwandelt sich der eben noch bequeme Sattel in ein teufelswildes Biest. Mit hundert Schlägen pro Minute versohlt er einem auf Wurzelteppichen den Hintern, oder stupst einen in Steilstücken hinterrücks über den Lenker. Ganze Generationen von Tüftlern und Ingenieuren haben sich abgemüht, das Problem in den Griff zu bekommen. In der Theorie war die Lösung klar. Der Sattel musste in heiklen Offroad-Passagen weg vom Fahrer. Die Hite Rite von Breeze and Angell markierte in den Achtzigern die Geburt der Tele-Stütze. Die simple Stahlfeder, verbunden mit Sitzrohr und Stütze, schneppste den abgesenkten Sattel nach Öffnen des Schnellspanners in die exakte Ausgangsposition zurück. Die hydraulischen Telestützen der nachfolgenden Dekaden ließen den Sattel zwar eleganter auf- und abtauchen, entpuppten sich aber als störanfällig. Schlackernde Führungen, sabbernde Öldichtungen. Tele-Stützen gelten als Sorgenteil Nummer eins. Doch das soll nun Geschichte sein.

"Das geht besser", sagte sich der junge Ingenieur Lukas Eberlberger und machte sich vor fünf Jahren an die Entwicklung einer Sorglos-Tele-Stütze. Nach zwei Jahren kam ihm die zündende Idee: eine im Rahmen integrierte, mechanische Stütze. Mit dem Patent in der Tasche sprach Eberlberger schließlich bei Jo Klieber vor, dessen Firma Syntace/Liteville über beste Voraussetzungen verfügte, um die Stütze zur Marktreife zu entwickeln. Jetzt ist sie erhältlich. Allerdings nur in Kombination mit einem passenden Liteville-Rahmen. Denn die Eightpins, wie sie heißt, ist nicht einfach eine versenkbare Sattelstütze. Sie ist ein ausgeklügeltes Gesamtsystem. Anders als bei üblichen Stützen, wird sie nicht von außen geklemmt, sondern durch eine Schraubachse im Inneren des Rahmens verankert. Eine clevere Lösung. Denn so kann auf ein eigenes Außenrohr verzichtet werden, während die Gleitbuchsen in einer dünnwandigen Hülse direkt im Rahmen sitzen. Das spart Gewicht – je nach Version zwischen 100 und 250 Gramm gegenüber klassischen Stützen.

  Von außen fast nicht als solche erkennbar: Die innovative Eightpins-Dropper-Stütze ist direkt ins Sitzrohr integriert. Doch das ist noch lange nicht alles, was sie zu bieten hat.Foto: Georg Grieshaber
Von außen fast nicht als solche erkennbar: Die innovative Eightpins-Dropper-Stütze ist direkt ins Sitzrohr integriert. Doch das ist noch lange nicht alles, was sie zu bieten hat.

Zudem bietet die Eightpins aufgrund ihrer Bauart mehr Hub. Flutsch und weg, quasi. Außer der Gasdruckfeder, deren einzige Aufgabe es ist, den Sattel nach oben zu liften, ist die Stütze komplett mechanisch. Weswegen das Bike selbst mit abgesenkter Stütze am Sattel hochgehoben werden kann, was bei hydraulischen Tele-Stützen oft zum Kollaps der Dichtungen und Luft im System führt. Bei der Eightpins sorgen acht (namensgebende) Rasten ("Pins") für sichere Fixierung. Die Herstellung der Innenverzahnung ist hochkomplex. "Wir mussten eigene Fertigungstechniken und Werkzeuge entwickeln", so Andreas Haimberger, Marketing-Mann bei Eightpins.

Das Konzept klingt rundum überzeugend. Doch im Moment ist es nur Liteville-Fahrern vorbehalten. Ab 2018, so die Ankündigung, soll Eightpins aber auch von anderen Herstellern verbaut werden dürfen. Es sieht ganz danach aus, dass die Zeiten teufelswilder Sättel vorbei sind. Und die der schlackernden, sabbernden Telestützen auch.

Der eigene Remote-Hebel ist einfach gehalten und ergonomisch geformt. Er kann mit und ohne linkem Schalthebel genutzt werden. Richtig eingestellt, spürt man unmittelbar vor dem Auslösen der Stütze einen erhöhten Widerstand.Foto: Georg Grieshaber
Der eigene Remote-Hebel ist einfach gehalten und ergonomisch geformt. Er kann mit und ohne linkem Schalthebel genutzt werden. Richtig eingestellt, spürt man unmittelbar vor dem Auslösen der Stütze einen erhöhten Widerstand.
Die Eightpins-Dropper-Stütze besteht aus einem starren Sattelrohr und der per Postpin (1) im Rahmen verankerten Kartusche mit Gasdruckfeder (2), Eightpins-Rasten (3) und dem Druckstrebenkopf zur Sattelhöheneinstellung von außen (4).Foto: Georg Grieshaber
Die Eightpins-Dropper-Stütze besteht aus einem starren Sattelrohr und der per Postpin (1) im Rahmen verankerten Kartusche mit Gasdruckfeder (2), Eightpins-Rasten (3) und dem Druckstrebenkopf zur Sattelhöheneinstellung von außen (4).
Von außen unauffällig rund besitzt das Eightpins-Sattelrohr (hier ein abgeschnittenes Stück) eine auf-wändige Verzahnung, die sich mit den Rasten formschlüssig verzahnt. Die durchgehende Längsnut (Iinks) dient der Verdrehsicherung.Foto: Georg Grieshaber
Von außen unauffällig rund besitzt das Eightpins-Sattelrohr (hier ein abgeschnittenes Stück) eine auf-wändige Verzahnung, die sich mit den Rasten formschlüssig verzahnt. Die durchgehende Längsnut (Iinks) dient der Verdrehsicherung.
Durch das biegesteife 33-Millimeter-Sattelrohr verkantet die Eightpins auch bei vollem Auszug und mit einem großzügigen Setback am Klemmkopf nicht. Der unter der vorderen Schraube liegende Mechanismus erlaubt die Sattelhöhenverstellung von außen.Foto: Georg Grieshaber
Durch das biegesteife 33-Millimeter-Sattelrohr verkantet die Eightpins auch bei vollem Auszug und mit einem großzügigen Setback am Klemmkopf nicht. Der unter der vorderen Schraube liegende Mechanismus erlaubt die Sattelhöhenverstellung von außen.
Der eigene Remote-Hebel ist einfach gehalten und ergonomisch geformt. Er kann mit und ohne linkem Schalthebel genutzt werden. Richtig eingestellt, spürt man unmittelbar vor dem Auslösen der Stütze einen erhöhten Widerstand.Foto: Georg Grieshaber
Der eigene Remote-Hebel ist einfach gehalten und ergonomisch geformt. Er kann mit und ohne linkem Schalthebel genutzt werden. Richtig eingestellt, spürt man unmittelbar vor dem Auslösen der Stütze einen erhöhten Widerstand.
Die Eightpins-Dropper-Stütze besteht aus einem starren Sattelrohr und der per Postpin (1) im Rahmen verankerten Kartusche mit Gasdruckfeder (2), Eightpins-Rasten (3) und dem Druckstrebenkopf zur Sattelhöheneinstellung von außen (4).Foto: Georg Grieshaber
Die Eightpins-Dropper-Stütze besteht aus einem starren Sattelrohr und der per Postpin (1) im Rahmen verankerten Kartusche mit Gasdruckfeder (2), Eightpins-Rasten (3) und dem Druckstrebenkopf zur Sattelhöheneinstellung von außen (4).
Die Eightpins-Dropper-Stütze besteht aus einem starren Sattelrohr und der per Postpin (1) im Rahmen verankerten Kartusche mit Gasdruckfeder (2), Eightpins-Rasten (3) und dem Druckstrebenkopf zur Sattelhöheneinstellung von außen (4).
Von außen unauffällig rund besitzt das Eightpins-Sattelrohr (hier ein abgeschnittenes Stück) eine auf-wändige Verzahnung, die sich mit den Rasten formschlüssig verzahnt. Die durchgehende Längsnut (Iinks) dient der Verdrehsicherung.
Durch das biegesteife 33-Millimeter-Sattelrohr verkantet die Eightpins auch bei vollem Auszug und mit einem großzügigen Setback am Klemmkopf nicht. Der unter der vorderen Schraube liegende Mechanismus erlaubt die Sattelhöhenverstellung von außen.
Der eigene Remote-Hebel ist einfach gehalten und ergonomisch geformt. Er kann mit und ohne linkem Schalthebel genutzt werden. Richtig eingestellt, spürt man unmittelbar vor dem Auslösen der Stütze einen erhöhten Widerstand.


PRAXISEINDRUCK

Im Trail-Einsatz fällt sofort die sehr leichtgängige Funktion der integrierten Tele-Stütze auf. Drückt man den Remote-Hebel, senkt sie sich bereits mit minimalem Druck von oben. Beim ersten Mal fällt man fast ins Leere. Das ist zuerst ungewohnt, zumal der mögliche Hub enorm groß ist. Bald möchte man aber nichts anderes mehr fahren. Durch einen findigen Vorspannmechanismus spürt man am Remote-Hebel einen erhöhten Gegendruck, unmittelbar bevor sich die Rastenelemente mit einem deutlichen "Klack" öffnen. Dieses kleine, taktile Detail macht die Bedienung noch intuitiver.
Beachtlich für ein vollmechanisches System: Die Fingerkräfte bleiben auch unter Volllast niedrig. Die innen liegende, mechanische Arretierung funktioniert tadellos und hält die Stütze in allen Positionen sicher, selbst unter Zug nach oben.

Seitliches Spiel? Fehlanzeige. Und weil das Sattelrohr sehr biegesteif ist, läuft die Eightpins auch mit großem Auszug seidenweich. Die konstruktiv bedingten 6-Millimeter-Schritte der Höhenverstellung fühlen sich in der Praxis wie eine stufenlose Absenkung an.

Damit die Technik bei Überlast, etwa einem Sturz, nicht beschädigt wird, verfügt die Eightpins über eine einstellbare Reibungskupplung unten an der Postpin-Verankerung. Ist der Sattel einmal verdreht, kann man ihn mit etwas Kraft wieder in die richtige Position zurückdrehen. Zur Erstmontage sind durch das erforderliche Kürzen des mit 480 mm Länge ausgelieferten Sattelrohrs ein paar Arbeitsschritte mehr notwendig als bei der Nachrüstkonkurrenz, aber der Mehraufwand lohnt sich. Neben den Anforderungen an den Rahmen, um die sich die Hersteller kümmern müssen, hat die Integration aber auch einen Nachteil: Einmal korrekt abgelängt, kann man die Sitzposition danach nur noch um wenige Zentimeter nach oben oder unten verstellen. Im schlimmsten Fall muss man dann ein neues Sattelrohr kaufen.

  Fahrtest: Teleskopsattelstütze EightpinsFoto: Georg Grieshaber
Fahrtest: Teleskopsattelstütze Eightpins


Fazit Chris Artmann, BIKE Tester:
"Die Eightpins-Teleskopstütze ist funktionell top, optisch unauffällig und technisch durchdacht. Was will man mehr? Da geraten selbst Integrationsmuffel wie ich ins Grübeln. Bleibt zu hoffen, dass viele Hersteller ab 2018 aufspringen."

  Christian Artmann, BIKE-AutorFoto: Georg Grieshaber
Christian Artmann, BIKE-Autor
  Innovations-Check: Teleskopsattelstütze Eightpins    Foto: Georg Grieshaber
Innovations-Check: Teleskopsattelstütze Eightpins  


FAKTEN


Name Eightpins Dropper Post
INFOS www.eightpins.at
Gewicht 613 g (mit allen Kleinteilen, bei 200 mm Hub und 450 mm langem Sattelrohr)
Preis 588 Euro (weil in den Rahmen integriert, nicht nachrüstbar oder separat erhältlich)
VORAUSSETZUNGEN (Rahmen) Ein durchgehend gerades Sitzrohr mit 34,9 mm Durchmesser, Postpin-Verschraubung im Sattelrohr.
(Für 2017 noch exklusiv an Liteville-Bikes)


INTERVIEW MIT ANDREAS HAIMBERGER, MARKETING EIGHTPINS:
"Klassische Teleskopstützen haben in unseren Augen ausgedient. Die Integration im Sitzrohr bringt viele Vorteile."


Wie seid Ihr darauf gekommen, dass ein in den Rahmen integriertes Design besser ist?
Wir haben viele Versuche mit der klassischen Zweifach-Teles­kopierung gemacht, fanden aber den Bauraum zu begrenzt, um allen technischen Anforderungen gerecht zu werden. Die Idee der Sattelrohrklemme ist über 100 Jahre alt, und in Zeiten der formschlüssigen Verbindungen hat diese Art der Verbindung in unseren Augen ausgedient. Ganz besonders, wenn ein zweites Rohr gleitend darin gelagert wird.


Für die Erstmontage muss man das Sattelrohr korrekt ablängen. Wie klappt das?
Unser System ähnelt eher normalen Sattelstützen, wo man auch auf die Mindesteinstecktiefe und die maximale Länge achten muss, um den maximalen Verstellbereich zu erhalten. Für die Erstmontage liefern wir eine Schablone mit, die, je nach Rahmengröße, die richtige Einstecktiefe anzeigt. Nach deren Vorgabe sägt man das Rohr wie einen Gabelschaft ab und baut das Sattelstützenrohr wieder ein.


Die Eightpins hat mehr Hub als andere Stützen und ist mit weniger Gegendruck abzusenken. Wem nutzt das?
Vor allem großen und kleinen Fahrern. Die Kleinen können dank der integrierten Bauweise den Sattel tiefer absenken, und die Großen profitieren vom größeren Hub. Alle bekommen mehr Bewegungsfreiheit am Bike. Der geringe Gegendruck liegt an unserer besonderen Bauweise. Auf dem Trail muss man so weniger Gewicht verlagern, was dazu führt, dass man die Absenkfunktion viel öfter nutzt.

  Andreas Haimberger, Marketing EightpinsFoto: Privatfoto
Andreas Haimberger, Marketing Eightpins


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