Jan Timmermann
· 22.06.2026
Der Bike Ahead The Hypersaddle wiegt einen Hauch von Nichts. Beim ersten Anheben dieses Fahrradsattels ist die Verblüffung groß. Fast scheint es, als sei kurzzeitig die Erdgravitation ausgefallen. Der Carbon-Sattel fasziniert beim Gewicht und schockiert beim Preis. 369 Euro geben wohl nur die wenigsten Biker für einen Sattel aus.
Das ist auch okay so, denn Bike Ahead versteht das High-End-Teil selbst als Performance-Produkt für Bike-Nerds. Es ist der radikale Leichtbau und die unnachahmliche Herstellung von Hand in Deutschland, die Fans auf der ganzen Welt an den Produkten der Franken fasziniert. The Hypersaddle ist krass. Aber ist krass auch gut? Wir haben’s ausprobiert.
The Hypersaddle will eine reduzierte, elegante Optik mit einem hohen Maß an Komfort kombinieren und soll damit neue Maßstäbe in seiner Kategorie setzen. Dafür nutzt Bike Ahead in der heimischen Produktion modernste Fertigungsmethoden.
Dazu gehört die sogenannte Injection-Bonding-Technologie, welche besonders langlebige Klebeverbindungen verspricht. Diese Verbindungen sind nahezu unsichtbar integriert und tragen zu einem aufgeräumten Erscheinungsbild bei.
Auch die Fertigung der Sattelschale wurde gezielt auf Leistungsfähigkeit optimiert. Sie hat großen Anteil am minimalistischen Gesamtgewicht und soll gleichzeitig für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Stabilität und Flexibilität sorgen.
Durch eine großzügig gestaltete Aussparung im Mittelbereich soll der Dammbereich entlastet werden, um Druckspitzen sowie Taubheitsgefühle zu verringern. Die abgerundeten und glatten Kanten schützen die Bekleidung vor vorzeitigem Verschleiß und versprechen zugleich die Bewegungsfreiheit sowie das Handling auf anspruchsvollen Trails zu verbessern.
Das Sattelgestell ist an der umgebördelten Kante der Schale befestigt – eine Konstruktionslösung, die dem Hypersaddle eine charakteristische Flexibilität verleihen soll. Laut Bike Ahead soll dieses Design Vibrationen und Schläge effektiv dämpfen, ohne dass die notwendige Unterstützung verloren geht. Darüber hinaus bietet das Gestell einen extra großen Einstellbereich, sodass sich die Sitzposition individuell an die Bedürfnisse der Fahrerin oder des Fahrers anpassen lässt.
The Hypersaddle ist sowohl für den Einsatz im sportlichen Cross-Country-Mountainbike-Bereich als auch auf dem Rennrad oder Gravelbike konzipiert. Zugelassen ist er für ein Systemgewicht von bis zu 110 Kilogramm. Kunden können ihn wahlweise mit einer glatten Oberfläche oder mit einem Bezug aus Alcantara-Kunstleder ordern.
Für viele Mountainbiker dürfte der Sattel nicht unbedingt der erste Ort sein, um Gewicht zu sparen. Wie krass das Gewichtstuning im Falle des The Hypersaddle jedoch ausfällt, zeigt erst der Direktvergleich. Ein gewöhnlicher Sattel bringt gut und gerne 280 Gramm auf die Waage. Durch The Hypersaddle lassen sich in der Sitzzone also leicht fast 200 Gramm sparen - eine Menge!
Das Traumgewicht erreichen die Carbon-Experten durch eine besonders dünnwandige Konstruktion, welche erst durch die innovativen Fertigungsmethoden und einen präzisen Lagenaufbau von Hand möglich wird. Nach dem Platzieren der Prepregs in der Form wird der Sattel im sogenannten Autoklaven unter Druck und Hitze gebacken.
Der Verzicht auf eine Lackierung gibt den Blick frei auf die exklusive Carbon-Oberfläche und spart weitere Gramm. Aber ist so ein Carbon-Teil auch bequem? Schließlich fehlt dem The Hypersaddle jegliche Polsterung. Das gilt es im Test herauszufinden.
Tatsächlich lässt sich The Hypersaddle im Vergleich zu anderen Leichtbau-Sätteln in einem relativ großen Bereich montieren, sodass problemlos eine passende Sitzposition gefunden werden kann. Hier hat Bike Ahead mitgedacht.
Schon mit der Hand lässt sich die Sattelschale eindrücken - ein erster Hinweis auf die Flex-Eigenschaften. Auf rauem Untergrund bestätigen sich diese. Ähnlich einer Blattfeder dämpft das Material Carbon Vibrationen gut ab. Voraussetzung ist allerdings die Wahl der passenden Sattelbreite, da das Carbon nur an den dafür vorgesehenen Stellen entsprechend schwingt.
An steilen Rampen bietet die breite Sattelnase eine gute Abstützung und der Support passt. Nur bei sehr langen Anstiegen und mit besonders dünnem Polster in der Hose leidet der Sitzkomfort unter dem minimalistischen Design. Der Flex der Sattelnase ist merklich geringer ausgelegt als am Rest der Sattelschale.
Der minimalistische Bezug aus Alcantara verhindert vor allem ein Herumrutschen bei Nässe. Mit abgesenkter Dropper-Post lässt sich das Bike gut an den abgerundeten Kante des Bike Ahead Sattels führen. Daumen hoch für das Gesamtpaket aus Handling und Gewicht.
Als Technik-Freak muss ich Bike Ahead für die Ingenieursleistung beim The Hypresaddle ein dickes Kompliment aussprechen. Das absurd leichte Gewicht ist fast unglaublich. Gemessen daran ist der Sitzkomfort gut, wenn auch sicherlich nicht für jeden geeignet. Das Finish und die lokale Produktion sind über jeden Zweifel erhaben. Chapeau! Wenn das Ding doch nur nicht so teuer wäre! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Was meint ihr: Wäre der Bike Ahead The Hypersaddle ein Match für euren Popo? Schreibt es uns in die Kommentare!

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