Das Auktionshaus Dominic Winter Auctioneers bot am 20. Mai ein außergewöhnliches Sammlerstück an. Der Fahrradsattel gehörte dem Physiker Albert Einstein, der für seine Relativitätstheorie den Nobelpreis erhielt und als begeisterter Radfahrer bekannt war. Einstein nutzte das Fahrrad sowohl als Transportmittel als auch zur Entspannung. In einem Brief an seinen Sohn Eduard schrieb er 1930: “Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.” Der Sattel wurde in der Auktion für ein Mindestgebot von 8000 Euro angeboten - es gab aber keine Bieter. Die Anbieter hatten auf das Interesse eines Museums gehofft. Nachdem der aufgerufene Preis zu hoch war, gibt es jetzt die Chance ihn zu einem günstigeren Preis zu erwerben.
Der braune Ledersattel der Marke Nelson entstand um 1929. Die Begleitpapiere dokumentieren die Bestellung bei der Ludwig Nelson Fahrradbau GmbH, die in den 1920er und frühen 1930er Jahren in Berlin-Schöneberg auf der Akazienstraße 28 ansässig war. Das Unternehmen fertigte Fahrräder, Rahmen und Zubehör. Einstein füllte das Bestellformular am 26. März 1929 mit Bleistift aus und trug seine Berliner Adresse ein. Das Dokument verzeichnet die Bestellung eines Sattels mit der Katalognummer 237. Einsteins Unterschrift “A. Einstein” sowie seine Heimatadresse in Berlin Schöneberg belegen die Herkunft.
Die Familiengeschichte der heutigen Besitzer beschreibt die weitere Historie des Sattels. Einstein übergab Fahrrad, Sattel und Unterlagen am 29. November 1932 an den Physiker Max von Laue während eines Besuchs in Einsteins Sommerhaus in Caputh, Brandenburg. Wenige Monate später verließ Einstein Deutschland und emigrierte in die Vereinigten Staaten. Von Laue erklärte später, Einstein habe ihm das Fahrrad geschenkt, weil sein eigenes nicht mehr funktionierte. Das Fahrrad selbst wurde nach einer Beschädigung entsorgt, doch von Laue behielt den Sattel aufgrund seines Komforts. Später ging der Sattel als Geschenk an Margarete Hommrich, deren Nachfahren ihn nun verkaufen.
Max von Laue lebte von 1879 bis 1960 und erhielt 1914 den Nobelpreis für Physik. Seine Entdeckung der Röntgenbeugung an Kristallen legte die Grundlagen für die moderne Kristallographie. Als Schüler von Max Planck und Kollege von Arnold Sommerfeld leistete von Laue Beiträge zur Optik, Quantentheorie, Supraleitung und Relativitätstheorie. Er verteidigte Einsteins Relativitätstheorie öffentlich in Zeiten politischer Opposition in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg half von Laue beim Wiederaufbau deutscher wissenschaftlicher Institutionen.
Die Versteigerung fand am 20. Mai 2026 statt und war Teil der Auktion “Photographs, Posters & Postcards, Autographs, Documents & Ephemera” als Los 355. Das Auktionshaus setzte den Schätzwert zwischen 7.000 und 10.000 Pfund Sterling an. Da es keine Gebote im Rahmen der Erwartungen gab, wurde das Angebot zurückgezogen.

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