Tubeless-Tipps vom ExpertenSo wirst du schlauchlos glücklich

Stefan Frey

 · 24.07.2026

Tubeless hat im Gelände klare Vorteile gegenüber dem klassischen Fahrradschlauch. Setup und Wartung können aber ziemlich nerven. Wie es leichter geht und was man beim Tubeless-Setup beachten sollte? Wir haben einen Experten dazu befragt.
Foto: Carsten Mathiaszyk
Tubeless ist der Gamechanger im Gelände: Mehr Grip, höherer Pannenschutz und leichteres Rollen - das sind Fakten. Doch im Handling hat Dichtmilch ihre Tücken. Wir haben uns Rat vom Experten geholt und klären die brennendsten Fragen rund ums Tubeless-Setup.

Themen in diesem Artikel

Seit selbst große Fahrradhersteller wie Giant, Trek, Santa Cruz oder Specialized ihre Bikes zumindest zum Teil im Tubeless-Setup ausliefern, sind die Schlauchlos-Systeme endgültig in der breiten Masse angekommen. Die Vorteile von Tubeless liegen auf der Hand und wurden in Labormessungen und Praxistests immer wieder bestätigt.

Beim Rollwiderstand lassen sich im Vergleich zum Butyl-Schlauch mehrere Watt einsparen. In Sachen Pannenschutz liegen Welten zwischen Schlauch und schlauchlos. Snakebites? Ausgeschlossen. Durchstiche? Dichtet die Milch meist während der Fahrt ab.

​Noch wichtiger: Weil das System ohne Schlauch so pannensicher ist, lässt sich der Luftdruck signifikant absenken. Das sorgt im Gelände für spürbar mehr Komfort, ein massives Plus an Kurvengrip und Traktion und sogar ein effizienteres, wattsparendes Überrollverhalten.

Tubeless-Setup - das Für und Wider

Und dennoch sind viele Biker skeptisch. Aufwendige Montage. Eintrocknende Dichtflüssigkeit. Umständliche Reinigung. Argumente gegen Tubeless gibt es viele. Vor allem Radfahrer, die ein “No-Brainer-Bike” wollen, also draufsetzen und losfahren, stehen Tubeless-Systemen noch immer kritisch gegenüber.

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Zu Recht? Oder ist die Vorsicht gegenüber Dichtflüssigkeit völlig unbegründet? Wir haben einen gefragt, der es wissen muss. Mike Bush ist Chief Product Officer (CPO) bei Stan`s und beschäftigt sich seit Jahren mit den Stärken und Schwächen von Schlauchlos-Systemen. Im Interview verrät er die Dos and Don’ts beim Tubeless-Setup und erklärt, wie Radfahrer ohne Schlauch im Reifen glücklich werden.

Mike Bush von Stan’s erklärt im Interview, wie die Milch in den Reifen kommt und wie man das Setup ohne Sauerei hinbekommt.Foto: Stan'sMike Bush von Stan’s erklärt im Interview, wie die Milch in den Reifen kommt und wie man das Setup ohne Sauerei hinbekommt.

BIKE: Wie lässt sich überprüfen, ob noch genügend Dichtmittel im System vorhanden ist oder ob es bereits ausgetrocknet ist?

Mike Bush: Das erste Anzeichen für einen niedrigen Dichtmittelstand ist oft ein erheblicher Luftdruckverlust zwischen den Fahrten. Am einfachsten lässt sich das überprüfen, indem man das Laufrad vor einer Fahr, also am besten, wenn das Rad eine Weile gestanden ist, leicht schüttelt. Wenn noch genügen Dichtmittel im Reifen ist, sollte man ein Schwappen oder Plätschern der Flüssigkeit hören.

Wenn man etwas mehr Zeit hat, ist das Öffnen eines Reifenwulstes immer die beste Methode, um das Dichtmittel zu überprüfen. Kleine Messstäbchen, ob im Handel erhältlich oder selbst hergestellt (z. B. eine abgeschnittene Speiche), geben nur Aufschluss über den ungefähren Flüssigkeitsstand, nicht darüber, ob das Dichtmittel in gutem Zustand ist oder nicht.

Wie oft sollte man das Dichtmittel im Tubeless-Reifen wechseln?

Das ist zweifellos eine der am häufigsten gestellten Fragen, doch die Antwort ist nie so einfach, wie man es sich wünschen würde; das heißt: Es kommt darauf an. Eine Reihe von Faktoren beeinflusst die Lebensdauer des Dichtmittels im Reifen, darunter Wärme und Luftfeuchtigkeit bei Nutzung und Lagerung, die Häufigkeit der Fahrten, die ursprünglich eingefüllte Dichtmittelmenge, die Dicke der Reifenkarkasse und so weiter. Eine sehr allgemeine Richtlinie lautet, das Dichtmittel alle zwei bis drei Monate zu überprüfen und je nach individueller Situation bei Bedarf nachzufüllen.

Kann ich Dichtmittel einfach nachfüllen oder muss ich den gesamten Inhalt austauschen?

Ja, in vielen Fällen ist ein Nachfüllen völlig in Ordnung. Wenn du mit dem Fahrrad regelmäßig unterwegs bist und du den Dichtmittelstand wie oben beschrieben überprüfst, reicht ein kurzes Nachfüllen völlig aus. Wenn das Fahrrad über einen längeren Zeitraum gelagert wurde und das Dichtmittel ausgetrocknet ist oder wenn du feststellst, dass sich die Bestandteile voneinander trennen, ist es am besten, eine kurze Reinigung durchzuführen und frisches Dichtmittel einzufüllen.

Bei den Tests in unserem Labor haben wir zum Entfernern eingetrockneter Dichtmilch Radiergummis aus Naturkautschuk und eine Bürste mit Nylonborsten in einer elektrischen Bohrmaschine verwendet, das hat ziemlich gut funktioniert. Mike Busch, Chief Product Officer (CPO) bei Stan`s

Wie lässt sich ausgetrocknetes Dichtmittel am besten vom Reifen entfernen?

In den meisten Fällen ist eine gründliche Entfernung nicht notwendig. Eine einzelne, durch längere Lagerung entstandene ausgetrocknete Pfütze sollte sich leicht ablösen lassen. Eine weitere Ausnahme besteht dann, wenn du übermäßig große Ablagerungen von getrocknetem Dichtmittel am Reifenwulst feststellst; ein leichtes Abkratzen mit einem Reifenheber aus Kunststoff oder das Abziehen von Hand kann das Aufpumpen des Reifens erleichtern.

Einige Dichtmittel, darunter auch unser Stan’s Original und das Stan’s Race Day bilden beim Trocknen keine dicke Schicht, sodass unserer Erfahrung nach keine gründliche Reinigung erforderlich ist. Bei anderen Dichtmitteln kann aber auch eine gründlichere Reinigung erforderlich sein. Bei den Tests in unserem Labor haben wir zum Entfernern eingetrockneter Dichtmilch Radiergummis aus Naturkautschuk und eine Bürste mit Nylonborsten in einer elektrischen Bohrmaschine verwendet, das hat ziemlich gut funktioniert.

Kann ich Dichtmittel verschiedener Hersteller mischen?

Wenn es eine Sache gibt, in der sich meiner Meinung nach alle Dichtmittelhersteller einig sind, dann ist es, dass man verschiedene Dichtmitteltypen oder -marken nicht mischen sollte. Das Risiko einer Beschädigung des Reifens oder des Rades ist zwar gering, doch die chemischen Zusammensetzungen sind selten kompatibel, was zu einer schnellen Gerinnung oder zum „Verderben“ des Dichtmittels führen kann.

Wenn ein Reifen zuvor mit einer bestimmten Marke befüllt war und du dann die Marke wechselst, solltest du den Reifen gründlich auswischen und ihn trocknen lassen. Dann füllst du wie gewohnt neues Dichtmittel ein – Komplikationen sind dabei äußerst unwahrscheinlich.

​Wenn es eine Sache gibt, in der sich meiner Meinung nach alle Dichtmittelhersteller einig sind, dann ist es, dass man verschiedene Dichtmitteltypen oder -marken nicht mischen sollte. Mike Busch, Chief Product Officer (CPO) bei Stan`s

Ist Dichtmittel mit einem Fahrradschlauch kompatibel?

Ja, Stan’s Original kann in Butyl- oder Latexschläuchen als Pannenschutz verwendet werden, aber du muss dabei beachten, dass es mit der Zeit dennoch austrocknet. Der Schlauch muss über einen herausnehmbaren Ventileinsatz verfügen. Stan’s Race Day kann nicht in Schläuchen verwendet werden, da die großen Partikel nicht durch den Ventilschaft passen. Es gibt also durchaus Unterschiede.

Die Dichtmittel von Stan’s sind auch unbedenklich im Kontakt mit TPU-Schläuchen, wenn diese in einen Reifen eingebaut werden, der zuvor bereits mit dem Dichtmittel verwendet wurde. Die aktuelle Formel von Stan’s Original bietet allerdings keinen ausreichenden Pannenschutz, wenn sie in einem TPU-Schlauch verwendet wird.

Wie lässt sich das Dichtmittel am besten in den Reifen einfüllen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Dichtmittel in den Reifen einzufüllen. Unsere absolute Empfehlung ist die Verwendung einer großen Spritze, die über einen Schlauch mit dem Ventil verbunden wird. Das ist die sauberste Lösung. Mit dem „Sealant Injector“ haben wir sogar ein eigenes Tool zum Patent angemeldet. Er verfügt über ein Einwegventil und einen Luftumgehungskanal im Injektorkörper, sodass man den Injektor befüllen kann, ohne sich Gedanken über Tropfen und Verschütten machen zu müssen.

Es gibt aber auch spezielle Flaschen, wie das „Stan’s Original“ in 60-ml- und 125-ml-Größe, mit einem Verschluss, der nach dem Entfernen des Ventileinsatzes problemlos in ein Presta- oder Schrader-Ventil passt und so das direkte Einfüllen aus der Flasche ermöglicht. Viele Nutzer haben eine solche Flasche, die sie dann aus größeren Flaschen nachfüllen.

Die andere Methode, die sich am besten für Reifen mit größerem Querschnitt eignet – typischerweise ab 40 Millimeter – ist das direkte Einfüllen in den Reifen. Es gibt ein paar Tipps, die dies erleichtern, auch wenn dabei wahrscheinlich ein paar Tropfen Dichtmittel auf den Boden gelangen. Zuerst wird der Reifen auf einer Seite vollständig montiert, dann startet man mit dem zweiten Wulst, beginnend gegenüber dem Ventil, und lässt den letzten Abschnitt – je nach Rad etwa 15 Zentimeter oder 4–6 Speichen – offen. Das Dichtmittel kräftig schütteln und dann sofort in den Reifen gießen, wobei man sich an den Markierungen auf der Flasche orientieren muss, oder so lange einfüllt, bis die Dichtmittelpfütze 3–4 Speichen breit ist. Jetzt dreht man das Rad in senkrechter Position so, dass das Ventil auf der 12-Uhr-Position liegt, damit das Dichtmittel vollständig zwischen den geschlossenen Wulsten eingeschlossen ist. Anschließend muss man nur noch den offenen Abschnitt montieren – fertig.

Wie viel Dichtmittel muss in den Reifen? Diese Tabelle gibt Aufschluss

ReifengrößeMenge an DichtmittelMindestmenge pro Bike
700c x 40mm60ml (2oz)125ml
700c x 32mm55ml (1.8oz)125ml
700c x 28mm50ml (1.7oz)125ml
650b x 47mm80ml (2.7oz)250ml
29" x 3"140ml (4.7oz)500ml
29" x 2.8"130ml (4.4oz)500ml
29" x 2.5"125ml (4.2oz)250ml
29" x 2.4"110ml (3.7oz)250ml
29" x 2.3"105ml (3.5oz)250ml
27.5" x 3"135ml (4.5oz)500ml
27.5" x 2.5"110ml (3.7oz)250ml
27.5" x 2.4"105ml (3.5oz)250ml
27.5" x 2.3"100ml (3.4oz)250ml
26" x 5"230ml (7.7oz)500ml
26" x 4"175ml (5.9oz)500ml
26" x 1.95"80ml (2.7oz)250ml

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Stefan Frey

Stefan Frey

Redakteur

Stefan Frey ist Niederbayer, er liebt die moosig-lehmigen Trails des Bayerischen Waldes ebenso wie den schroffen Fels der Dolomiten. Für technische Abfahrten nimmt er nahezu jeden Anstieg in Kauf – gerne aus eigener Kraft. Als Zubehör-Spezialist ist er die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Ausrüstung und Anbauteilen, während er als Textchef die Sprachkrümel von den Seiten der BIKE-Print-Ausgaben fegt.

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