Josh Welz
· 20.08.2026
Mit der Protocol-Serie wagt Silca erstmals den Schritt zum eigenen Fahrradreifen. Die Konstruktion verbindet große Volumen mit dünnen Karkassen und unterschiedlichen Profilen für Straße und Gravel. Ob die versprochenen Vorteile bei Rollwiderstand, Komfort und Pannenschutz im Alltag bestehen, müssen unabhängige Messungen und Praxistests zeigen. Die neuen Reifen sind bereits auf dem Weg in unsere Redaktion - stay tuned!
Silca steigt mit der Protocol-Serie erstmals in den Reifenmarkt ein. Der US-amerikanische Hersteller mit italienischen Wurzeln, bislang vor allem für Pumpen, Werkzeuge, Schmierstoffe und weiteres Fahrradzubehör bekannt, präsentiert drei Gravelreifen und einen Straßenreifen.
Nach Angaben des Unternehmens wurden die Modelle speziell für moderne Felgenstandards und niedrigere Luftdrücke entwickelt. Silca will dabei einen anderen Weg als viele etablierte Reifenhersteller gehen. Statt klassische Straßenreifen-Konstruktionen für den Gravel-Einsatz mit zusätzlichem Gummi zu versehen, habe man sich an Eigenschaften aus dem Cross-Country-Mountainbike-Bereich orientiert.
Die neue Reifenfamilie soll größere Volumen mit vergleichsweise dünnen Karkassen verbinden. Silca verwendet nach eigenen Angaben hochdichte Karkassen mit 120 TPI. Daraus sollen ein geringeres Gewicht, mehr Komfort und ein niedrigerer Rollwiderstand resultieren.
Gleichzeitig verspricht der Hersteller eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Pannen. Silca verweist auf eigene Labor- und Feldtests, in denen die Protocol-Reifen schneller und haltbarer als Konkurrenzprodukte gewesen seien. Wir haben die neuen Silca-Reifen angefordert und werden die Aussagen des Herstellers in Labor und Praxis überprüfen - dranbleiben also!
Silca bezeichnet den Konstruktionsansatz als „inverse proportional design“. Gemeint ist die Kombination aus größerem Reifenvolumen und einer dünneren Karkasse. Bei niedrigeren Luftdrücken soll die geringere Spannung innerhalb der Karkassenfäden dazu beitragen, Aufprallkräfte kontrolliert abzufangen.
Nach Darstellung des Herstellers könnten die Reifen dadurch Komfort und Pannenschutz miteinander verbinden, ohne den Rollwiderstand deutlich zu erhöhen. Ob dieses Verhältnis in unterschiedlichen Einsatzbereichen tatsächlich erreicht wird, muss die praktische Erprobung zeigen.
Zu den gemeinsamen technischen Merkmalen der Serie gehört die sogenannte Pulsar-Mischung. Sie basiert laut Silca auf lösungspolymerisiertem Styrol-Butadien-Kautschuk und Siliciumdioxid-Verstärkung. Was versteckt sich hinter der sperrigen Bezeichnung? Laut Hersteller soll die Mischung innere Energieverluste beim Abrollen reduzieren und zugleich Brems- und Kurvengrip unterstützen. Wie gesagt, wir werden diese vermeintlichen Eigenschaften in Labor und Praxis überprüfen.
Weitere Besonderheit: die Karkassen-Konstruktion. Laut Silca ist diese speziell auf die Reifenform und das Konstruktionsprofil abgestimmt, um die Karkasse unter Belastung zu stabilisieren und Hysterese (Energieverlust durch Verformung) zu minimieren. Außerdem verfügen die Modelle über unterschiedlich hohe und asymmetrisch angeordnete Profilstollen. Die äußeren Stollen sollen sich bereits bei geringeren Schräglagen in den Untergrund einarbeiten.
Beim Reifenwulst setzt Silca auf Carbonfasern anstelle herkömmlicher Kevlar-Fasern. Nach Angaben des Herstellers soll die Konstruktion Feuchtigkeitsaufnahme und Dehnung verhindern. Dadurch soll der Sitz auf der Felge über die gesamte Lebensdauer des Reifens präzise bleiben.
Silca stimmt die Reifen nach eigenen Angaben auf moderne, breitere Felgen ab. Für jedes Modell sollen konkrete Empfehlungen zur Felgenbreite angegeben werden. Eine spezielle Beschichtung soll zudem die Montage erleichtern und eine bessere Kompatibilität mit Tubeless-Dichtmilch ermöglichen.
Für alle Protocol-Modelle will Silca einen UVP von 119 Euro aufrufen - damit würden sich die Amerikaner im Reifen-Markt ans obere Ende der Preis-Skala setzen. Die erste eigene Reifenfamilie von Silca soll über ausgewählte Fachhändler sowie direkt über die Unternehmenswebsite erhältlich sein.

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