In diesem Artikel verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Bei jedem Einkauf über diese Links erhalten wir eine Provision vom Händler. Alle vermittlungsrelevanten Links sind mit gekennzeichnet. Mehr erfahren.
Schnell, leise, erschwinglich – und trotzdem mit einem Hauch Gelände-Tauglichkeit. Der neue Kojak von Schwalbe klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Aber kann der Reifen wirklich eine Option für leichte E-Bikes, Gravel und Alltagsrennrad sein?
Der Motion Kojak* ist eher ein Style-Reifen als ein Technik-Aushängeschild und funktioniert dennoch auf sehr hohem Niveau. Auch mit dem umweltfreundlichen Green Compound rollt der Reifen schnell und lässt im Alltag auch sonst kaum Wünsche übrig. Kann man empfehlen! - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Reifen sind das unterschätzte Bauteil am Fahrrad. Wer ein neues Bike kauft, denkt an Rahmen, Schaltung, vielleicht noch die Bremsen – aber kaum jemand macht das Rad an den Reifen fest. Dabei entscheidet kaum etwas so unmittelbar über das tatsächliche Fahrgefühl wie die zwei Streifen Gummi, auf denen das ganze Konstrukt rollt. Schwalbe weiß das natürlich. Und mit dem Kojak schickt der Reifenspezialist jetzt einen Kandidaten ins Rennen, der auf dem Papier eine ungewöhnliche Kombination verspricht: Urban-Tauglichkeit, Allround-Charakter, umweltfreundlicher Green-Gummi und schicker Look – für unter 40 Euro. Wir wollten wissen, ob der Motion Kojak hält, was er verspricht.
Das Auffälligste am Kojak ist sein Profil. Anders als der Semislick-Vorgänger hat der neue Motion Kojak eine richtige Struktur. Statt klassischer Stollenreihen oder glatter Renngummi-Optik ziehen sich feine, gleichmäßige Schuppen über die gesamte Lauffläche und auch die Seitenwände. Das sieht tatsächlich gut aus und hat auch einen funktionalen Hintergrund: Das gleichmäßige Profil soll für ein rundes, und berechenbares Laufverhalten sorgen und gleichzeitig Grip beim Beschleunigen sowie in der Kurve liefern, ohne den Rollwiderstand unnötig in die Höhe zu treiben. Klar: Bis an die Felge müssten die Schuppen aus funktionalen Gründen nicht laufen, aber so bleibt die Optik sehr konsequent.
Wer sich im Schwalbe Portfolio etwas auskennt, mag die Schuppen übrigens wieder erkennen: Sie sehen genau so aus wie auf der Lauffläche des Racing-Gravel-Reifens G One RS (hier im Test), dem schnellsten Schotter Pneu im Schwalbe Portfolio. Wenn das mal kein Versprechen ist!
Verarbeitung und Finish machen einen soliden Eindruck. Wer allerdings auf eine leichte Faltreifenoption hofft, wird enttäuscht: Der Kojak ist ausschließlich als Drahtreifen erhältlich. Das bedeutet mehr Gewicht – in unserem Test brachte der Reifen in der 40-Millimeter-Breite 615 Gramm auf die Waage. Für einen bezahlbaren Alltagsreifen geht das in Ordnung. Leichtgewichts-Enthusiasten werden sich aber anderweitig umsehen und mehr Geld in die Hand nehmen müssen.
Auf Asphalt zeigt der Kojak sofort, was er kann. Der Rollwiderstand ist spürbar niedrig – der Reifen läuft leichtfüßig und auch erstaunlich leise. Es entsteht dieses angenehme Gefühl, dass kaum Energie verpufft, dass das Rad einfach rollt, ohne zu bremsen - fast wie ein Rennreifen. Das ist kein Zufall: Die umweltfreundliche Gummimischung in Kombination mit dem gleichmäßigen Schuppenprofil arbeitet hier gut zusammen. Zwar kommt der Kojak wahrscheinlich nicht an die Rolleffizienz hochwertiger Rennradreifen heran – dafür fehlen die spezifischen Hochleistungsmischungen –, aber für einen Alltagsreifen unter 40 Euro bewegt er sich auf einem sehr guten Niveau.
Das Fahrgefühl ist angenehm rund. Keine nervösen Ausreißer, keine unerwarteten Kanten – das gleichmäßige Profil zahlt sich hier in hoher Berechenbarkeit aus. Wer täglich pendelt, wird diese Unauffälligkeit schätzen: Der Kojak macht einfach seinen Job, zuverlässig und mit wenig Drama.
Interessant wird es abseits des Asphalts. Der Kojak ist kein Gravel-Reifen – das will und soll er auch gar nicht sein. Aber er schlägt sich auf losem Untergrund merklich besser als ein klassischer Stadtstreifen oder gar ein schmaler Rennreifen. Auf leichtem Schotter vermittelt das Schuppenprofil noch ausreichend Halt; auch das Bremsen fühlt sich kontrollierbar an, ohne dass ein unangenehmes Durchrutschen droht.
Für gelegentliche Abstecher auf unbefestigte Feld- oder Waldwege reicht das allemal – wer allerdings ernsthaft Gravel fahren will, braucht mehr Profil. Schwalbe hauseigener G-One Allround rollt ebenfalls noch sehr zügig und sollte dann die bessere Option sein. Der Kojak ist hier klar als Ergänzung zu denken, nicht als Ersatz. Für das typische Pendler-Szenario mit gelegentlichem Schotterpfad ist er aber genau richtig aufgestellt.
Der RaceGuard-Pannenschutzgürtel ist Schwalbes bewährte Mittellösung – kein Maximum-Schutz, aber für den Alltag absolut ausreichend. Wer über rauem Stadtpflaster fährt, ist damit vernünftig abgesichert. Einfach über Glasscherben brettern wie zum Beispiel mit dem Marathon Plus dürfte aber keine gute Idee sein.
Besonders erwähnenswert: die ADDIX-Green-Mischung. Schwalbe setzt hier auf recycelten Industrieruß aus dem eigenen Reifenrecycling-Programm. Das ist kein Greenwashing-Etikett, sondern ein konkreter Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft. Dass der Reifen dabei noch gut rollt, macht die Sache noch runder.
Ein Punkt, der weiterer Überprüfung bedarf: das Nassgrip-Verhalten. Erste Eindrücke lassen nichts Negatives erahnen, aber belastbare Erfahrungen aus wechselhaften Bedingungen fehlen noch. Hier behalten wir uns ein abschließendes Urteil vor. Gerade günstigere Reifen schneiden hier oft schlechter ab.
Der Kojak ist kein Reifen, der mit spektakulären Superlativen um sich wirft, oder in Testtabellen alle Maximalpunkte holt. Aber er ist etwas, das im Alltag vielleicht wertvoller ist: ein zuverlässiger Allrounder mit klaren Stärken, vertretbaren Schwächen und einem Preis, der wenig Anlass zur Diskussion gibt.
Das größte Problem ist die Konkurrenz im eigenen Haus: Ein G-One Allround ist ebenfalls noch sehr schnell und auch sehr berechenbar und dürfte auf Schotter etwas mehr Grip bieten. Zudem ist der Reifen leichter und tubelessfähig, ähnlich günstig in der Performance Variante aber vermutlich nicht ganz so haltbar. Wer mehr Prioritäten bei der Alltagstauglichkeit setzt und zum Beispiel einen Reflex-Streifen will, sollte zum neuen Marathon Almotion greifen. Der erwähnte Gravel-Reifen G-One RS ist als schneller Reifen natürlich ebenfalls eine Option, kostet aber mehr und braucht in Schräglage durch den starken Profilunterschied zwischen Lauffläche und Seite eine geübte Hand.
| Breite (getestet) | 40 mm |
| Gewicht (Testkanditat) | 615 g |
| Verfügbare Größen | 24 × 2.60" bis 28 × 2.35" |
| Ausführung | Drahtreifen |
| Pannenschutz | RaceGuard |
| Gummimischung | ADDIX Green |
| UVP | 38,90 Euro >> hier erhältlich* |
Bewertung

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.