Mehr Grip für Schwalbe-ReifenMagic Mary und Tacky Chan in Gravity-Pro-Ausführung

Adrian Kaether

 · 13.04.2026

Schwalbe Gravity Pro ist die neue Karkasse für abfahrtslastige Bikes und satten Pannenschutz.
Foto: Nina Ludwig

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​Schwalbes Gravity Pro Linie löst sowohl Super Gravity als auch Super Downhill ab. Dazu kommt ein völlig neu entwickeltes Ultra Soft Compound, das Grip-Maßstäbe bergab neu definiert und ein überarbeitetes Tacky Chan Profil. Wir konnten die neuen Gummies schon ausprobieren.

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BIKE-Fazit Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Die Bodenhaftung der neuen Gravity Pro Reifen von Schwalbe beeindruckt. Die Dinger kleben regelrecht an Steinen und Wurzeln und machen fiese Abfahrten zum Kinderspiel. Sowohl die ganz weiche Ultra Soft Mischung als auch das Tacky Chan Profil haben einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Echter Kleb-Gummi für Abfahrtsfans.

Gravity Pro: Aus zwei mach eins

Bislang bot Schwalbe für extreme Einsätze zwei verschiedene Reifen-Konstruktionen an: Super Gravity für Enduro-Einsätze und Super Downhill – naja für Downhill eben. Diese Aufteilung gehört mit dem völlig neu strukturierten MTB-Portfolio bei Schwalbe ab sofort der Vergangenheit an. Die neue Gravity Pro Karkasse soll beide Konstruktionen in einer einzigen Variante vereinen.

Sechs Lagen für ein Halleluja: Gewichte ab 1230 Gramm

Müssen Pannenschutz-Fans also in Zukunft auf etwas verzichten? Nein, sagt Schwalbe. Der Aufbau der Gravity Pro liest sich brachial: Sechs Karkassenlagen unter der Lauffläche und vier Lagen auf der Seitenwand sorgen für maximale Stabilität und Durchschlagschutz. Das ist mehr als bei den bisherigen Konstruktionen und spiegelt die Erfahrungen aus dem Renneinsatz wider. Viel hilft viel.

Das Gewicht bleibt trotzdem ok. Der Romy ist ab 1230 Gramm ohne Radial der leichteste Gravity Reifen. Die meisten anderen Optionen liegen bei 1300 Gramm aufwärts. Der Schwalbe Albert 29 x 2,6 Radial soll als schwerster Reifen in der Gewichtstabelle 1425 Gramm haben. Nur der Eddy Current für E-Bikes ist mit 1480 Gramm noch schwerer. Das ist entspricht eher Super Gravity bisher, als Super Downhill.

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Ergänzt wird diese Basis durch den seit 2016 bei Schwalbe bewährten, gewebeverstärkten Apex-Durchschlagschutz. Diese zusätzliche Schutzeinlage sitzt in der Seitenwand und verringert Durchschläge bei harten Impacts, bei gleichzeitig erhöhter (Fahr-)Stabilität der Seitenwand. Neu hinzugekommen ist zudem ein zusätzlicher Burping-Schutz durch optimierten Materialeinsatz. Tubeless-Reifen sollen so bei niedrigem Luftdruck nicht so leicht ans Limit zu bringen sein.

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Radial ohne Kompromisse

Die Gravity Pro Reifen sind sowohl in klassischer Diagonal-Bauweise als auch in Schwalbes Radial-Konstruktion erhältlich. Bislang musste man bei Radial-Reifen den Luftdruck um 0,2 bis 0,3 bar erhöhen, damit der Reifen bergab nicht zu weich wurde. Die flexiblere Karkasse erforderte weniger Druck für die gleiche Auflagefläche. Bei der Gravity Pro in Radial hat Schwalbe die Seitenwände jedoch so stabil konstruiert, dass man wieder klassische Reifendrücke fahren können soll.

Die Theorie ist simpel: Man erhält alle Vorteile der Radial-Konstruktion – 30 Prozent größere Auflagefläche, spürbar mehr Grip, höhere Dämpfung sowie zusätzliche Sicherheit und Kontrolle – ohne bei der Seitenwandstabilität oder dem Pannenschutz Kompromisse eingehen zu müssen. Schwalbe hat dabei auch das Radial-Portfolio deutlich ausgedehnt. Statt bisher Magic Mary, Shredda und Albert gibt’s jetzt auch Eddy Current, Tacky Chan und den neuen Romy mit Radialkonstruktion im Gravity Line Up.

Ultra Soft: Grip-Revolution durch Dämpfung

Parallel zur neuen Karkasse hat Schwalbe das Kleb-Gummi Ultra Soft (lila Streifen) komplett neu entwickelt. 50 Prozent mehr Dämpfung als das bisherige Ultra Soft Compound verspricht Schwalbe. Durch die hohe Dämpfung will Schwalbe den Flummi-Effekt des Reifens auf ein Minimum reduzieren. Denn: Je weniger stark der Reifen sich vom Untergrund abstößt, desto länger ist das Profil in Kontakt mit dem Boden und desto höher folglich der Grip.

Gerade bei Regen und matschigen Tracks soll das neue Ultra Soft deutlich mehr Sicherheit bieten und sich wesentlich stärker als bisher vom Soft Compound (orangener Streifen) abheben. Auch bei Kälte soll Ultra Soft durch einen hohen Silica Anteil nicht verhärten. Das wäre ein deutlicher Vorteil gegenüber MaxxGrip und Co. Weil Schwalbe nicht den Gummi weicher gemacht, sondern die Dämpfung erhöht hat, bleibt die Haltbarkeit wohl auf hohem Niveau. Schwalbe verspricht, dass das neue Ultra Soft Compound deutlich langlebiger ist als bisherige Soft-Compounds der Konkurrenz.

Tacky Chan: Feinjustiert für bessere Fahrbarkeit

Der Tacky Chan Reifen, ursprünglich als auf Präzision getrimmter, schneller Downhill-Reifen, wurde ebenfalls überarbeitet und soll jetzt am Hinterrad auch die Aufgaben des aussortierten Big-Betty-Profils übernehmen. Die neue Version kommt ausschließlich in 2,4 Zoll Diagonal oder 2,5 Zoll Radial und profitiert von einem optimierten Profil.

Die wichtigsten Änderungen: Eine neue Aufteilung der Profilblöcke sorgt für ein leichter zu kontrollierendes Fahrverhalten durch eine schnellere Wiederholung der Profilblöcke. Das Profil wiederholt sich jetzt schon nach zwei statt bisher nach vier Blöcken und soll so ein transparenteres Handling bringen. Der geschlossenere Übergangsbereich zwischen Mittel- und Schulterstollen ermöglicht ein sanfteres Einlenken und erhöhte Bremstraktion.

Gerade der Übergang von Mittel- zu Schulterstolle war bei der alten Version teilweise als zu unrund kritisiert worden. Das neue Design soll hier für mehr Vorhersehbarkeit und Vertrauen sorgen – ohne die Qualitäten des Tacky Chan beim Rollen und der Präzision zu verwässern.

Gravity Pro: Auswahl und Verfügbarkeit

Die neue Gravity Pro Konstruktion kommt bei verschiedenen Reifen zum Einsatz: Magic Mary, Tacky Chan, Albert, Eddy Current, Shredda und dem neuen Romy. Sie ist sowohl in klassischer Diagonal-Bauweise (UVP 74,90 Euro) als auch in Radial-Ausführung (UVP 79,90 Euro) erhältlich. Das neue Ultra Soft Compound steht für diverse Modelle in Gravity Pro und Trail Pro Ausführung zur Verfügung – je nach Einsatzzweck und Anforderung.

Monster-Grip: So fahren sich Gravity Pro und Ultra Soft

Auf einem Presse-Event in Molini di Trioria konnten wir Schwalbes neue Gravity Pro Reifen bereits ausführlich ausprobieren. Dabei sind wir sowohl länger auf der neuen Magic Mary Gravity Pro mit Tacky Chan am Hinterrad am E-Bike als auch mit dem neuen Tacky Chan Gravity Pro mit Romy am Hinterrad gefahren. Alles Radial, vorne immer den Ultra Soft Gummi, hinten die Soft Mischung. Die Trails waren anfangs nass aber nicht matschig, der Boden relativ griffig.

Trotz Großteils guter Bedingungen beeindrucken die neuen Schwalbe Kombis mit extrem vorhersehbarem und berechenbarem Fahrgefühl und einem tief vorgeschobenem Grenzbereich. Dank der Gravity Pro Radial Karkasse liegen die Bikes extrem satt und sicher auf dem Trail. Der Reifen schmiegt sich auch bei normalen Luftdrücken von 1,4 / 1,6 (85 Kilo Fahrer) weich an den Trail an, ohne in Kurven Gegenhalt oder Stabilität vermissen zu lassen. Die Magic Mary am E-Bike empfanden wir dabei als besonders rund und intuitiv im Fahrgefühl.

Noch besser hat uns die Kombination mit Tacky Chan vorne und dem schnelleren und leichteren Romy hinten gefallen. Der Reifen fährt sich vorne besonders präzise. Die hohe Dämpfung des Gummis ist spürbar und lässt den Reifen regelrecht am Untergrund kleben. Das vermittelt viel mehr Vertrauen als beim bisherigen Tacky Chan, was sowohl am neuen Profil als auch am überarbeiteten Compound liegen dürfte. Das Heck bricht an der Schlupfgrenze kontrolliert aus, bei gleichzeitig guter Bremstraktion und gefühlt noch relativ schnellem Rollen am Hinterrad. Nur wie sich die Pneus im tiefen Matsch schlagen, wenn sich das Profil durch klebrige Böden richtig zusetzt, konnten wir noch nicht ausprobieren.

Setzt Schwalbe einen neuen Maßstab in Sachen Grip und Dämpfung? Die Worldcup Downhill Siege von Racern wie Amaury Pierron gerade bei schlechtem Wetter sprechen dafür. Doch die neue Schwalbe Serie ist bei Gewicht und Gummi auch nicht völlig extrem. Wir sind daher auf einen Direktvergleich mit Brutalo-Pneus der Konkurrenz gespannt. Als abfahrtslastiger Allrounder dürfte Gravity Pro aber mit Sicherheit eine gute Figur machen.

Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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