Neue Radial-Reifen von Specialized​Mehr Aufstandsfläche, weniger Härte

Dimitri Lehner

 · 18.04.2026

Rechts der Neue: 30 % mehr Grip. 30% haltbarer. Die Karkasse: Grid Gravity Radial.
Foto: Specialized

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Mit der Grid-Gravity-Radial-Karkasse verändert Specialized den Fadenwinkel im Reifenaufbau. Ziel: mehr Bodenkontakt, bessere Dämpfung, stabile Kurvenlage. Messungen zeigen klare Unterschiede zur bisherigen Konstruktion.

70° statt 50°: der neue Fadenwinkel

Specialized verändert den Winkel der Karkassenfäden. Statt 45 bis 50 Grad arbeiten die neuen Reifen mit 70 Grad. Die Konstruktion bleibt eine klassische Bias-Ply-Bauweise. Sie unterscheidet sich deutlich von echten Radialreifen aus dem Automobilbau. Trotzdem verändert der neue Winkel das Steifigkeitsverhalten spürbar.

Die Entwicklung entstand in der S-Works Tire Factory. Dort fertigte Specialized mehrere Prototypen mit unterschiedlichen Winkeln und testete sie extern im Labor.

Weniger radiale Steifigkeit, stabile Seitenführung

Messungen auf dem Rolling-Resistance-Teststand zeigen klare Effekte.

Testbedingungen:
30-Millimeter-Felge, 1,3 bar Luftdruck, 55 Kilogramm Radlast.

Ergebnis:

  • radiale Steifigkeit: minus 30 %
  • laterale Steifigkeit: minus 7 %

Der Reifen gibt nach unten stärker nach. Seitlich bleibt er weitgehend stabil. Die Aufstandsfläche wächst um rund 30 %. Das Ziel: mehr Kontakt zum Boden ohne schwammiges Kurvenverhalten.

Konstante Eigenschaften über großen Druckbereich

Die Messungen deckten 0,9 bis 2,1 bar ab.

Bei klassischen Karkassen steigen radiale und laterale Steifigkeit parallel mit dem Luftdruck. Besonders die radiale Härte nimmt stark zu. Das reduziert den Bodenkontakt.

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Die neue Konstruktion verhält sich anders:

  • laterale Steifigkeit steigt langsam
  • radiale Steifigkeit bleibt deutlich niedriger

Der Effekt bleibt über den gesamten Druckbereich erhalten. Fahrer müssen ihren Luftdruck nicht verändern.

Sweet-Spot-Winkel statt Extremwerte

Tests mit mehreren Fadenwinkeln zeigten klare Grenzen.

Kleine Winkel bringen kaum zusätzliche Nachgiebigkeit. Große Winkel reduzieren die Seitenführung zu stark. Dann steigt der nötige Luftdruck wieder. Der gewählte 70-Grad-Winkel markiert den Kompromiss zwischen Nachgiebigkeit und Stabilität. Specialized bezeichnet ihn als „Sweet Spot“.

Zwei Modelle, zwei Mischungen

Die neue Karkasse erscheint zunächst in zwei Profilvarianten:

  • Specialized Butcher Grid Gravity Radial T9 TLR
  • Specialized Eliminator Grid Gravity Radial T7/T9 TLR

Preis: 69 €

Merkmale:

  • 29" und 27,5"
  • 2,4" Breite
  • Tubeless-Ready-Konstruktion

Die bisherige Grid-Gravity-Karkasse bleibt im Programm. Sie richtet sich weiterhin an Fahrer mit Fokus auf maximale Seitensteifigkeit, etwa im Bikepark.

Fokus auf Naturtrails statt Bikepark

Die neue Karkasse zielt auf technische Trails mit wechselndem Untergrund.

Die größere Aufstandsfläche verbessert den Kontakt auf:

  • Wurzeln
  • Felsen
  • schrägen Passagen

Gleichzeitig reduziert die geringere radiale Steifigkeit Vibrationen. Das Rad folgt dem Untergrund ruhiger. Die Konstruktion verändert damit nicht das Profil. Sie verändert die Struktur des Reifens selbst.


Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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